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wiki:1850_kohl_episode_reisende_welt-_und_menschenbeobachter

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-Ovid, indem er spricht: //„Nescio qua natale solum dulcedine cunctos ducit",// wundert sich über die unwiderstehliche Anziehungskraft welche das Vaterland und der heimathliche Boden auf alle Sterblichen ausübt. Nicht weniger wunderbar aber ist der in der Seele der Menschen fast ebenso mächtige Trieb in die Ferne, der zu allen Zeiten, insbesondere aber in der Neuzeit, sich so stark offenbart und so folgenreich gezeigt hat. +''Ovid'', indem er spricht: //„Nescio qua natale solum dulcedine cunctos ducit",// wundert sich über die unwiderstehliche Anziehungskraft welche das Vaterland und der heimathliche Boden auf alle Sterblichen ausübt. Nicht weniger wunderbar aber ist der in der Seele der Menschen fast ebenso mächtige [[fernweh|Trieb in die Ferne]], der zu allen Zeiten, insbesondere aber in der Neuzeit, sich so stark offenbart und so folgenreich gezeigt hat. 
  
-Ich sage: insbesondere in der Neuzeit. Denn trotz ihrer zahlreichen und in alle Welt hinausgehenden Handelscolonien muss man die alten Griechen, und trotz ihrer bis ans Ende des Orbis terarum marschirenden Legionen die alten Römer mehr für sendentäre als für wandersüchtige Menschen halten. sie waren in weit höherem Grade für die Heimath als für die Fremde begeistert. Die Fremde erschien ihnen mehr abschreckend und barbarisch als anziehend und interessant und wenn nicht Gewinnsucht oder Eroberungslust ste in die Weite trieb, so blieben sie in der Heimath, die +Ich sage: insbesondere in der Neuzeit. Denn trotz ihrer zahlreichen und in alle Welt hinausgehenden Handelscolonien muss man die alten Griechen, und trotz ihrer bis ans Ende des Orbis terrarum marschirenden Legionen die alten Römer mehr für sendentäre als für wandersüchtige Menschen halten. Sie waren in weit höherem Grade für die Heimath als für die Fremde begeistert. Die Fremde erschien ihnen mehr abschreckend und barbarisch als anziehend und interessant und wenn nicht Gewinnsucht oder Eroberungslust sie in die Weite trieb, so blieben sie in der Heimath, die 
  
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 der leuchtende Centralpunkt alles ihres Denkens und Thuns war.  der leuchtende Centralpunkt alles ihres Denkens und Thuns war. 
-Erst die Nachkommen derjenigen wanderlustigen Völker, welche das römische Reich zerstörten, haben, wie es scheint, denjenigen hohen Wander-und Reisetrieb in die Welt gebracht, der sich jekt so oft mächtiger zeigt als die Liebe zur Heimath, der Ferne so lockende Farben verleiht und seit dem Auftreten jener Barbaren zu verschiedenen Zeiten zu so grosartigen Umwälzungen in der Geschichte der Menschheit den Impuls gegeben hat. Zuerst zu den zahllosen Raub-und Eroberungszügen, die unserm Erdtheil eine neue Bevölkerung gaben, zu der Völkerwanderung, den Normannenzügen und Winkingerfahrten, dann zu den Kreuzzügen, welche den Orient und Occident zugleich entzweiten und verknüpften, darauf zu den Entdeckungsreisen zur see, durch welche die alte und die neue Welt und alle Theile des Globus mit einander in Rapport gesezt wurden; endlich dann zu diesen zahlreichen harmlosen Reisen und Wanderungen, welche zunächst von Wissensdrang, Forschungsgeist, Neugierde und Mode veranlast scheinen, denen aber als tiefer liegende Ursache wohl ebenfalls jener unwiderstehliche germanische Wandertrieb zu Grunde liegt. Die normannischen secräuber, welche sich im Auslande ein Königreich eroberten, die fahrenden Ritter, die in der Fremde eine statthalterschaft suchten, die christlichen Pilgrime, welche Reliquien, die Kreuzherren, welche spolien und Narben, die Indienfahrer, die das goldene + 
 +Erst die Nachkommen derjenigen wanderlustigen Völker, welche das römische Reich zerstörten, haben, wie es scheint, denjenigen hohen Wander- und Reisetrieb in die Welt gebracht, der sich jetzt so oft mächtiger zeigt als die Liebe zur Heimath, der Ferne so lockende Farben verleiht und seit dem Auftreten jener Barbaren zu verschiedenen Zeiten zu so grosartigen Umwälzungen in der Geschichte der Menschheit den Impuls gegeben hat. Zuerst zu den zahllosen Raub- und Eroberungszügen, die unserm Erdtheil eine neue Bevölkerung gaben, zu der Völkerwanderung, den Normannenzügen und Wikingerfahrten, dann zu den Kreuzzügen, welche den [[Orient|Orient]] und [[okzident|Occident]] zugleich entzweiten und verknüpften, darauf zu den Entdeckungsreisen zur See, durch welche die alte und die neue [[Welt|Welt]] und alle Theile des Globus mit einander in Rapport gesezt wurden; endlich dann zu diesen zahlreichen harmlosen [[Reisen|Reisen]] und [[Wandern|Wanderungen]], welche zunächst von [[Wissen|Wissen]]sdrang, Forschungsgeist, [[Neugier|Neugierde]] und Mode veranlast scheinen, denen aber als tiefer liegende Ursache wohl ebenfalls jener unwiderstehliche germanische Wandertrieb zu Grunde liegt. Die normannischen Seeräuber, welche sich im Auslande ein Königreich eroberten, die fahrenden Ritter, die in der Fremde eine Statthalterschaft suchten, die christlichen Pilgrime, welche Reliquien, die Kreuzherren, welche Spolien und Narben, die Indienfahrer, die das goldene 
  
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-Vlies, die Weltumsegler, welche die Kunde von irgend einer neuentdeckten Insel heimbrachten und endlich diese allerneuesten Reisenden, welche Kenntnisse und Tagebücher heimbringen, auf deren Fahne statt des Kreuzes die Eule der Minerva steht, deren Thaten schriften sind, die statt schwertstreiche nur Federstriche üben, und die begieriger nach wissenswürdigen Dingen sind als nach Goldstaub und Pfefferkörner ― ich sage: sie alle sind mehr oder weniger directe oder indirecte Kinder und Nachkommen jener Westgothen, Franken, Burgunder, Angeln, sachsen und Allemannen, deren Blut und Geist noch in ihnen waltet.  +Vlies, die Weltumsegler, welche die Kunde von irgend einer neuentdeckten [[Insel|Insel]] heimbrachten und endlich diese allerneuesten [[Reisende|Reisenden]], welche Kenntnisse und Tagebücher heimbringen, auf deren Fahne statt des Kreuzes die Eule der Minerva steht, deren Thaten Schriften sind, die statt Schwertstreiche nur Federstriche üben, und die begieriger nach wissenswürdigen [[Ding|Dingen]] sind als nach Goldstaub und Pfefferkörner ― ich sage: sie alle sind mehr oder weniger directe oder indirecte Kinder und Nachkommen jener Westgothen, Franken, Burgunder, Angeln, Sachsen und Allemannen, deren Blut und Geist noch in ihnen waltet. 
-Es hat zwar seit des in Afrika, Asien und Europa wandernden und forschenden Herodots und seit des in den Wäldern Germaniens und scythiens ein Tagebuch führenden Pythias Zeiten immer einzelne Menschen gegeben, die auf Reisen ihre Erfahrungen zu Papier brachten und ste ihren Zeitgenossen mittheilten. Aber wie bedauerswürdig dürftig sin d bis auf die neuesten Tage herab diese Mittheilungen stets gewesen. Alle jene hunderttausende von Pilgrimen und Kreuzfahrern des Mittelalters theilten mit wenigen Ausnahmen über ihre so beneidenswerth interessanten Reisen der Mitwelt nichts mehr mit, als was sie davon etwa den Ihrigen bei der Heerdes-Flamme in dem engen Raume ihres schlosses mit flüchtigen Worten erzählten. Ja, selbst die für die ganze Menschheit so wichtigen Entdeckungsreisen und Weltumseglungen sind zum Theil so unvollständig beschrie + 
 +Es hat zwar seit des in Afrika, Asien und [[Europa|Europa]] wandernden und forschenden ''Herodots'' und seit des in den Wäldern Germaniens und Scythiens ein Tagebuch führenden ''Pythias'' Zeiten immer einzelne Menschen gegeben, die auf Reisen ihre Erfahrungen zu Papier brachten und sie ihren Zeitgenossen mittheilten. Aber wie bedauerswürdig dürftig sin d bis auf die neuesten Tage herab diese Mittheilungen stets gewesen. Alle jene hunderttausende von Pilgrimen und Kreuzfahrern des Mittelalters theilten mit wenigen Ausnahmen über ihre so beneidenswerth interessanten Reisen der Mitwelt nichts mehr mit, als was sie davon etwa den Ihrigen bei der Heerdes-Flamme in dem engen Raume ihres schlosses mit flüchtigen Worten erzählten. Ja, selbst die für die ganze Menschheit so wichtigen Entdeckungsreisen und Weltumseglungen sind zum Theil so unvollständig beschrie-
  
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-ben, das wir ihre Geschichte in schwer zugängliche Archiven, in zerstreuten Documenten und Berichten oft mühsam zusammenlesen müssen. Und selbst die, welche Dinte und Feder nicht sparten, die ihre Reise wirklich zu Papier zu bringen trachteten, wie wenig war es doch im Ganzen, was sie schwarz auf Weis nach Hause trugen. Es wurden ehemals Reisen unternommen, welche tausende von Meilen umfasten, die unbekanntesten Länder berührten und die publicirten Berichte über solche Reisen ― ich denke hier z. B. an Marco Polo's Berichte ― füllten noch nicht einmal ein kleines Bändchen und dies enthielt noch dazu häufig nur allerlei allgemeine Bemerkungen, Anekdoten und Curiositäten von Königen, Völkern und Ländern, über die wir jekt im stande wären, ganze länderreiche und detaillirte Werke mit Begierde zu verschlingen. Der Mönch Rubruquis, der zu sehen bekam, was Millionen seiner Zeitgenossen nie erblickten, die Mongolei und den Groschan der Tartaren; der Freiherr v. Herberstein, der zuerst in Europa über ein Land schrieb, was noch jekt mit einem nicht leicht zu hebenden schleier bedeckt ist, über das Land der Moskowiter; Kämpfer, der das erste bedeutende Werk über Japan am Ende des stebzehnten Jahrhunderts publicirte und die Meisten ihrer Zeitgenossen, ste waren in ihren Berichten über so anregende Gegenstände so lakonisch, als hätten sie es darauf abgesehen, das uns Nachkommen jedes ihrer Worte golden, kostbar und orakelartig erscheinen möchte. +ben, das wir ihre Geschichte in schwer zugängliche Archiven, in zerstreuten Documenten und Berichten oft mühsam zusammenlesen müssen. Und selbst die, welche Dinte und Feder nicht sparten, die ihre Reise wirklich zu Papier zu bringen trachteten, wie wenig war es doch im Ganzen, was sie schwarz auf Weis nach Hause trugen. Es wurden ehemals Reisen unternommen, welche tausende von Meilen umfasten, die unbekanntesten Länder berührten und die publicirten Berichte über solche Reisen ― ich denke hier z. B. an Marco Polo's Berichte ― füllten noch nicht einmal ein kleines Bändchen und dies enthielt noch dazu häufig nur allerlei allgemeine Bemerkungen, Anekdoten und Curiositäten von Königen, Völkern und Ländern, über die wir jetzt im stande wären, ganze länderreiche und detaillirte Werke mit Begierde zu verschlingen. Der Mönch Rubruquis, der zu sehen bekam, was Millionen seiner Zeitgenossen nie erblickten, die Mongolei und den Groschan der Tartaren; der Freiherr v. Herberstein, der zuerst in Europa über ein Land schrieb, was noch jetzt mit einem nicht leicht zu hebenden schleier bedeckt ist, über das Land der Moskowiter; Kämpfer, der das erste bedeutende Werk über Japan am Ende des stebzehnten Jahrhunderts publicirte und die Meisten ihrer Zeitgenossen, sie waren in ihren Berichten über so anregende Gegenstände so lakonisch, als hätten sie es darauf abgesehen, das uns Nachkommen jedes ihrer Worte golden, kostbar und orakelartig erscheinen möchte. 
  
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-welche vorzugsweise ― wenn ich mich so ausdrücken darf ― auf dem Gebrauche der sinne beruhen, die sogenannten Erfahrungswissenschaften, die physikalischen und historischen Wissenschaften, die Geographie, die Chemie, die Naturhistorie, die Naturlehre, die Ethnographie c. mehr Fortschritte gemacht und einen allgemeinern Anklang als die speculativen und metaphysischen gefunden. Dabei haben sie mehr an Reichthum der Facten durch eine ungeheuere Anhäufung von Material als durch zweckmäsigere Anordnung dieses Materials und durch Organisirung des systems gewonnen. Man kann diese Tendenz fast bei jedem einzelnen Zweige der Wissenschaften nachweisen, z. B. in der Geschichte. Auf dem Felde der Geschichte sind alle jest thätigen Arbeiter bemüht, neue historische Data ans Licht zu bringen und die Geschichtsforschung blüht mehr unter uns, als die Philosophie der Geschichte und ihre classische Darstellung. Die statistik ist eine erst von uns begründete Wissenschaft und die lezten Jahrzehnte haben jekt mehr statisti schen stoff zusammengebracht, als alle früheren Jahrhunderte zusammengenommen. In der Jurisprudenz liesen wir es mit dem Naturrecht beim Alten, dagegen aber werden hundert alte Rechtsquellen aus dem staube hervorgezogen, die Rechtsgeschichte wird vielfach behandelt und das positive Gesch in allen Details mehr ausgearbeitet, und wie in den historischen und politischen Wissenschaften die statistik, so hat in der Medizin die Anatomie und in Folge dessen auch die Chi-+welche vorzugsweise ― wenn ich mich so ausdrücken darf ― auf dem Gebrauche der sinne beruhen, die sogenannten Erfahrungswissenschaften, die physikalischen und historischen Wissenschaften, die Geographie, die Chemie, die Naturhistorie, die Naturlehre, die Ethnographie c. mehr Fortschritte gemacht und einen allgemeinern Anklang als die speculativen und metaphysischen gefunden. Dabei haben sie mehr an Reichthum der Facten durch eine ungeheuere Anhäufung von Material als durch zweckmäsigere Anordnung dieses Materials und durch Organisirung des systems gewonnen. Man kann diese Tendenz fast bei jedem einzelnen Zweige der Wissenschaften nachweisen, z. B. in der Geschichte. Auf dem Felde der Geschichte sind alle jest thätigen Arbeiter bemüht, neue historische Data ans Licht zu bringen und die Geschichtsforschung blüht mehr unter uns, als die Philosophie der Geschichte und ihre classische Darstellung. Die statistik ist eine erst von uns begründete Wissenschaft und die lezten Jahrzehnte haben jetzt mehr statisti schen stoff zusammengebracht, als alle früheren Jahrhunderte zusammengenommen. In der Jurisprudenz liesen wir es mit dem Naturrecht beim Alten, dagegen aber werden hundert alte Rechtsquellen aus dem staube hervorgezogen, die Rechtsgeschichte wird vielfach behandelt und das positive Gesch in allen Details mehr ausgearbeitet, und wie in den historischen und politischen Wissenschaften die statistik, so hat in der Medizin die Anatomie und in Folge dessen auch die Chi-
  
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 rurgie bedeutendere Fortschritte gemacht, als andere Branchen der medizinischen Wissenschaften. rurgie bedeutendere Fortschritte gemacht, als andere Branchen der medizinischen Wissenschaften.
 Die sogenannten angewandten mathematischen Wissenschaften haben in neuer Zeit eine Entwickelung und dazu eine so grose Menge von schülern und Anhängern erhalten, wie sie nie vorher gehabt und in Folge dessen behandeln, formen und bemeistern wir die irdischen stoffe und Kräfte zu unsern Zwecken mit einer bewundernswürdigen Leichtigkeit. Neben den Mikroskopen und Teleskopen haben wir noch eine zahllose Menge anderer Instrumente erfunden, die unsere sinne verstärken und ihnen auf tausendfältige Weise zu Hülfe kommen und der wissenschaftliche Forscher der Neuzeit, der mit allen diesen Instrumenten wie ein Held gewappnet der Natur gegenübertritt, erscheint als ein mit Riesenkräften begabtes Wesen, im Verhältnis zu dem Beobachter aus früheren Zeiten.  Die sogenannten angewandten mathematischen Wissenschaften haben in neuer Zeit eine Entwickelung und dazu eine so grose Menge von schülern und Anhängern erhalten, wie sie nie vorher gehabt und in Folge dessen behandeln, formen und bemeistern wir die irdischen stoffe und Kräfte zu unsern Zwecken mit einer bewundernswürdigen Leichtigkeit. Neben den Mikroskopen und Teleskopen haben wir noch eine zahllose Menge anderer Instrumente erfunden, die unsere sinne verstärken und ihnen auf tausendfältige Weise zu Hülfe kommen und der wissenschaftliche Forscher der Neuzeit, der mit allen diesen Instrumenten wie ein Held gewappnet der Natur gegenübertritt, erscheint als ein mit Riesenkräften begabtes Wesen, im Verhältnis zu dem Beobachter aus früheren Zeiten. 
-selbst auf dem Gebiete der philosophischen Wissenschaften offenbart sich dies streben unserer Zeit nach dem Naheliegenden, dem Fasbaren und Begreiflichen. Und von allen Branchen der Philosophie sind keine bei uns beliebter und, so zu sagen, mehr in Mode, als die, welche sich mit dem Zustande der menschlichen seele, so lange ste hienieden in dem irdischen Körper weilt, beschäftigen, die Anthropologie und Psychologie. Wie Experimentalphysik, so ist auch die Erfahrungsseelenlehre eine unserer Lieblingsbeschäftigungen, die unsere Tendenzen charakterisiren. Unsere speculative Philo-+selbst auf dem Gebiete der philosophischen Wissenschaften offenbart sich dies streben unserer Zeit nach dem Naheliegenden, dem Fasbaren und Begreiflichen. Und von allen Branchen der Philosophie sind keine bei uns beliebter und, so zu sagen, mehr in Mode, als die, welche sich mit dem Zustande der menschlichen seele, so lange sie hienieden in dem irdischen Körper weilt, beschäftigen, die Anthropologie und Psychologie. Wie Experimentalphysik, so ist auch die Erfahrungsseelenlehre eine unserer Lieblingsbeschäftigungen, die unsere Tendenzen charakterisiren. Unsere speculative Philo-
  
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-zuerst die Erfahrung, die Grundlage aller speculation, berichtigen und bereichern wollen, ehe wir von dieser Basis aus in höhere metaphysische Regionen uns versteigen. Und in diesem Allen nun sehe ich auch endlich den Grund, warum die neuere Zeit nach Reisen theils so begierig ist, theils auch die Reisen so nöthig hat, warum ste in so hohem Grade verkehrs lustig zugleich und verkehrsbedürftig geworden ist. +zuerst die Erfahrung, die Grundlage aller speculation, berichtigen und bereichern wollen, ehe wir von dieser Basis aus in höhere metaphysische Regionen uns versteigen. Und in diesem Allen nun sehe ich auch endlich den Grund, warum die neuere Zeit nach Reisen theils so begierig ist, theils auch die Reisen so nöthig hat, warum sie in so hohem Grade verkehrs lustig zugleich und verkehrsbedürftig geworden ist. 
 Unsere vielen mechanischen Erfindungen, durch die wir die Materie jest leichter handhaben als zuvor, und unsere wunderbar grosartigen Verbindungsmittel, unsere Eisenbahnen und Dampfschiffe, durch die wir unser Körperliches so mobil gemacht haben, mögen eine Folge jener Richtung des Zeitgeistes sein. Zugleich aber sind sie auch wieder eine Ursache, die jener Richtung nun von neuem Vorschub leistet. Alle jene unsere Lieblingswissenschaften und Lieblingskünste, die Naturgeschichte, die Weltkunde, die Völkerkunde, die statistik 2x. bedürfen der Reisen mehr als andere. Alle Arten von Forscher sind daher beweglicher geworden, selbst die Gelehrten pflücken nun mehr als sonst vom goldenen Baume des Lebens und diejenige Classe von Gelehrten, welche die Welt sonst stubengelehrte nannte, wird täglich geringer. sogar die Poëten, die sonst so subjectiven und mit sich selbst beschäftigten, lassen sich vielfach zur objectiven Beobachtung der Welt heran. Haben wir doch jest kaum einen mehr oder minder bedeutenden Dichter, der nicht zugleich auch ein Rei Unsere vielen mechanischen Erfindungen, durch die wir die Materie jest leichter handhaben als zuvor, und unsere wunderbar grosartigen Verbindungsmittel, unsere Eisenbahnen und Dampfschiffe, durch die wir unser Körperliches so mobil gemacht haben, mögen eine Folge jener Richtung des Zeitgeistes sein. Zugleich aber sind sie auch wieder eine Ursache, die jener Richtung nun von neuem Vorschub leistet. Alle jene unsere Lieblingswissenschaften und Lieblingskünste, die Naturgeschichte, die Weltkunde, die Völkerkunde, die statistik 2x. bedürfen der Reisen mehr als andere. Alle Arten von Forscher sind daher beweglicher geworden, selbst die Gelehrten pflücken nun mehr als sonst vom goldenen Baume des Lebens und diejenige Classe von Gelehrten, welche die Welt sonst stubengelehrte nannte, wird täglich geringer. sogar die Poëten, die sonst so subjectiven und mit sich selbst beschäftigten, lassen sich vielfach zur objectiven Beobachtung der Welt heran. Haben wir doch jest kaum einen mehr oder minder bedeutenden Dichter, der nicht zugleich auch ein Rei
  
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-in England, unter den Marschällen und staatsmännern Frankreichs zählen wir jekt Männer, welche Reiseschriftsteller geworden sind. sogar in Rusland haben einige der reichsten Grosen des Landes Reisewerke publicirt. +in England, unter den Marschällen und staatsmännern Frankreichs zählen wir jetzt Männer, welche Reiseschriftsteller geworden sind. sogar in Rusland haben einige der reichsten Grosen des Landes Reisewerke publicirt. 
 Man kann mit Recht behaupten, das die Reisebeschreibung dasjenige Feld der Literatur sei, auf welchem sich jest als thätige Arbeiter zusammenfinden Philosophen, Politiker, Fachgelehrte, Dichter, Dramatiker, Lyriker, Männer und Frauen, Junge und Alte, Vornehme und Geringe, Begabte und Unbegabte. Es ist jenes Feld, wenn man so sagen will, der allgemeine Tummelplaz aller Gattungen von literarischen Talenten geworden, der dem grösten Geiste gros genug und dem beschränktesten Genie bequem genug zu sein scheint.  Man kann mit Recht behaupten, das die Reisebeschreibung dasjenige Feld der Literatur sei, auf welchem sich jest als thätige Arbeiter zusammenfinden Philosophen, Politiker, Fachgelehrte, Dichter, Dramatiker, Lyriker, Männer und Frauen, Junge und Alte, Vornehme und Geringe, Begabte und Unbegabte. Es ist jenes Feld, wenn man so sagen will, der allgemeine Tummelplaz aller Gattungen von literarischen Talenten geworden, der dem grösten Geiste gros genug und dem beschränktesten Genie bequem genug zu sein scheint. 
 Wie wir das Interessante, was uns zunächst liegt, gewöhnlich zulest entdecken, wie wir über die Gestalt und Bewegung der Gestirne Vieles wusten, ehe uns die unseres eigenen kleinen Globus klar wurden, so hat auch unsere Reisefreude und Beobachtungslust zuerst ihr Augenmerk auf die entferntesten Dinge geworfen. Marco Polo glaubte sich erst zu der Publicirung eines kleinen Bändchens Reiseschilderungen berechtigt, nachdem er dem Groschan einen Besuch abgestattet, und Mungo Park, nachdem er das Innere des geheimnisvollen Lybiens geschaut. Ihre Berichte, die so kurz find wie die Novellen des Decamerone, verhalten sich zu unseren jezigen Reiseberichten wie diese Erzählungen des Boc- Wie wir das Interessante, was uns zunächst liegt, gewöhnlich zulest entdecken, wie wir über die Gestalt und Bewegung der Gestirne Vieles wusten, ehe uns die unseres eigenen kleinen Globus klar wurden, so hat auch unsere Reisefreude und Beobachtungslust zuerst ihr Augenmerk auf die entferntesten Dinge geworfen. Marco Polo glaubte sich erst zu der Publicirung eines kleinen Bändchens Reiseschilderungen berechtigt, nachdem er dem Groschan einen Besuch abgestattet, und Mungo Park, nachdem er das Innere des geheimnisvollen Lybiens geschaut. Ihre Berichte, die so kurz find wie die Novellen des Decamerone, verhalten sich zu unseren jezigen Reiseberichten wie diese Erzählungen des Boc-
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 gelobten Lande gerichtet waren, oder in einer anderen Periode alle Reisenden die strase nach Indien suchten, oder wieder zu einer anderen Zeit Alles darauf gespannt war, was man bei den Antipoden des stillen Oceans finden möchte, eine so auserordentliche Allseitigkeit der Bewegung eingetre ten, wie sie keine Zeit gekannt hat. Man reist nach allen seiten, nach Nord oder süd, nach Ost oder West, gerade aus, um die Welt, in einem Kreise im Vaterland, im Zickzack in Europa herum, in die Weite, in die Nähe, Ieder nach seinen Kräften. Und wer völlig immobil ist, der reist doch in seinem Zimmer, statt von Land zu Land, von stuhl zu stuhl und publicirt „un voyage autour de ma chambre". In Folge dessen hat denn nun jedes Land, jedes Ländchen, jede Provinz und jedes städtchen eine Reiseliteratur erhal ten, wird so häufig und genau beschrieben, wie sich dessen ehemals kaum die Wohnorte und Heimathen der Esquimaux und Hottentotten rühmen konnten, und die Anzahl der Menschen, welche sich mit diesen Beschreibungen abgeben, ist denn auf diese Weise erstaunlich angewachsen.  gelobten Lande gerichtet waren, oder in einer anderen Periode alle Reisenden die strase nach Indien suchten, oder wieder zu einer anderen Zeit Alles darauf gespannt war, was man bei den Antipoden des stillen Oceans finden möchte, eine so auserordentliche Allseitigkeit der Bewegung eingetre ten, wie sie keine Zeit gekannt hat. Man reist nach allen seiten, nach Nord oder süd, nach Ost oder West, gerade aus, um die Welt, in einem Kreise im Vaterland, im Zickzack in Europa herum, in die Weite, in die Nähe, Ieder nach seinen Kräften. Und wer völlig immobil ist, der reist doch in seinem Zimmer, statt von Land zu Land, von stuhl zu stuhl und publicirt „un voyage autour de ma chambre". In Folge dessen hat denn nun jedes Land, jedes Ländchen, jede Provinz und jedes städtchen eine Reiseliteratur erhal ten, wird so häufig und genau beschrieben, wie sich dessen ehemals kaum die Wohnorte und Heimathen der Esquimaux und Hottentotten rühmen konnten, und die Anzahl der Menschen, welche sich mit diesen Beschreibungen abgeben, ist denn auf diese Weise erstaunlich angewachsen. 
-Alle jene zahlreichen, mit der Beobachtung und Darstellung des Lebens beschäftigten Federn und Talente üben nun ihr Geschäft und die damit verbundenen Pflichten nur nach einer Art von Instinkt, ohne sich die ihrer Kunst zu Grunde liegenden Principien und Regeln deutlich gemacht zu haben. Noch Niemand versuchte es, für ste einen rathgebenden Katechismus zu schreiben, da doch für die Dichter,+Alle jene zahlreichen, mit der Beobachtung und Darstellung des Lebens beschäftigten Federn und Talente üben nun ihr Geschäft und die damit verbundenen Pflichten nur nach einer Art von Instinkt, ohne sich die ihrer Kunst zu Grunde liegenden Principien und Regeln deutlich gemacht zu haben. Noch Niemand versuchte es, für sie einen rathgebenden Katechismus zu schreiben, da doch für die Dichter,
  
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-wenn gleich minder geräuschvoll, betreiben. Ich denke hier namentlich an die Diplomaten, die unsere staaten in jedem Lande unterhalten, um Berichte über das Leben und die Verhältnisse in der Fremde abzustatten, an zahllose andere Beamte, die in Diensten jedes staates stehen, und deren Berichte aus entlegenen Provinzen beständig in die Centralbureaus des Landes einlaufen; an die vielen Commissionäre, welche grose commercielle oder religiöse oder andere Gesellschaften (wie z. B. die Herrnhuter, die Gesellschaften dieser Art in Holland und England, in Rom 2c.) in alle Welt hinaussenden, um durch ste Nachrichten einziehen zu lassen, und auser ihnen noch an viele andere fast unzählbare Männer, welche vornehmlich mit ihren Augen und Ohren und darnach mit ihrem Verstande und der Feder thätig sind, um das Leben zu beobachten und zu copiren.  +wenn gleich minder geräuschvoll, betreiben. Ich denke hier namentlich an die Diplomaten, die unsere staaten in jedem Lande unterhalten, um Berichte über das Leben und die Verhältnisse in der Fremde abzustatten, an zahllose andere Beamte, die in Diensten jedes staates stehen, und deren Berichte aus entlegenen Provinzen beständig in die Centralbureaus des Landes einlaufen; an die vielen Commissionäre, welche grose commercielle oder religiöse oder andere Gesellschaften (wie z. B. die Herrnhuter, die Gesellschaften dieser Art in Holland und England, in Rom 2c.) in alle Welt hinaussenden, um durch sie Nachrichten einziehen zu lassen, und auser ihnen noch an viele andere fast unzählbare Männer, welche vornehmlich mit ihren Augen und Ohren und darnach mit ihrem Verstande und der Feder thätig sind, um das Leben zu beobachten und zu copiren.  
-Die Poeten beschäftigen sich mit ihren dichterischen Einbildungen und Idealen, die Philosophen mit ihren metaphysischen speculationen, die Historiker mit längstentschwundenen Ereignissen, über welche sie die Zeugnisse von Zeitgenossen abhören müssen, die ebenfalls längst todt sind, alle Gelehrten mit dem Ausbau von systemen, zu denen ste das Material gröstentheils aus den Werken Anderer schöpfen. Der Reiseschriftsteller dagegen beschäftigt sich meistens uur mit Dingen, die er selber erfahren hat. Auf die Frage, die wir so gern an Ieden, der uns etwas vor-+Die Poeten beschäftigen sich mit ihren dichterischen Einbildungen und Idealen, die Philosophen mit ihren metaphysischen speculationen, die Historiker mit längstentschwundenen Ereignissen, über welche sie die Zeugnisse von Zeitgenossen abhören müssen, die ebenfalls längst todt sind, alle Gelehrten mit dem Ausbau von systemen, zu denen sie das Material gröstentheils aus den Werken Anderer schöpfen. Der Reiseschriftsteller dagegen beschäftigt sich meistens uur mit Dingen, die er selber erfahren hat. Auf die Frage, die wir so gern an Ieden, der uns etwas vor-
  
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-ohne sle gar kein menschliches Wesen geben kann". Einen Reisenden kann es aber ohne ste noch viel weniger geben. In der That sind die fünf sinne diejenigen fünf Thore, durch welche ursprünglich alle schäse des Wissens in die scientifischen Vorrathskammern der Menschheit eingewandert sind. Die, welche sich blos mit der Anordnung und Verarbeitung der bereits gesammelten schäse beschäftigen, können in einem gewissen Grade der sinne entbehren. Dem Reisenden hingegen, der in die sinnenwelt hinausgeht, um an jenem Baume des Lebens neue Früchte zu sammeln, sind scharfe sinne, ein helles Auge, eine rasche Auffassungsgabe und ein energisches Talent der Beobachtung mehr als irgend Iemandem nöthig. +ohne sle gar kein menschliches Wesen geben kann". Einen Reisenden kann es aber ohne sie noch viel weniger geben. In der That sind die fünf sinne diejenigen fünf Thore, durch welche ursprünglich alle schäse des Wissens in die scientifischen Vorrathskammern der Menschheit eingewandert sind. Die, welche sich blos mit der Anordnung und Verarbeitung der bereits gesammelten schäse beschäftigen, können in einem gewissen Grade der sinne entbehren. Dem Reisenden hingegen, der in die sinnenwelt hinausgeht, um an jenem Baume des Lebens neue Früchte zu sammeln, sind scharfe sinne, ein helles Auge, eine rasche Auffassungsgabe und ein energisches Talent der Beobachtung mehr als irgend Iemandem nöthig. 
 Was dieses Talent eigentlich sei, worin es bestehe, wie es zu üben sei, ob man aus dieser Uebung eine Kunst machen und in wie weit man diese Kunst Andere lehren könne, ist schwer zu sagen. Ein berühmter schriftsteller und Arzt aus dem vorigen Jahrhundert, Dr. Zimmermann, hat ein treffliches Werk,über die Erfahrung, insbesondere über die Erfahrung in der Arzneikunst" geschrieben. Dieses Werk, obwohl zunächst für eine besondere Classe von Beobachtern entworfen, behandelt eine Menge Fragen, die den Beobachter jeder Gattung und namentlich auch den Reisenden interesstren müssen. schwerlich ist indes je durch dies Werk ein Mensch zum scharfen und aufmerksamen Beobachter gemacht worden, wenn er es nicht von Haus aus war.  Was dieses Talent eigentlich sei, worin es bestehe, wie es zu üben sei, ob man aus dieser Uebung eine Kunst machen und in wie weit man diese Kunst Andere lehren könne, ist schwer zu sagen. Ein berühmter schriftsteller und Arzt aus dem vorigen Jahrhundert, Dr. Zimmermann, hat ein treffliches Werk,über die Erfahrung, insbesondere über die Erfahrung in der Arzneikunst" geschrieben. Dieses Werk, obwohl zunächst für eine besondere Classe von Beobachtern entworfen, behandelt eine Menge Fragen, die den Beobachter jeder Gattung und namentlich auch den Reisenden interesstren müssen. schwerlich ist indes je durch dies Werk ein Mensch zum scharfen und aufmerksamen Beobachter gemacht worden, wenn er es nicht von Haus aus war. 
  
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-Es giebt Leute, die Augen und Ohren haben und doch nicht beobachten. Es scheint, als ob zwischen ihren sinnen und ihrem Geiste sich eine grose Kluft befände. Ihr Körper steht und hört, aber es kommt ihrem Geiste nicht zum Bewustsein. Wenn du mit solchen träumerischen Menschen, deren seele gleichsam wie der seidenwurm in ihre eigene seide eingesponnen ist, in Gesellschaft warst und du fragst site hinterdrein: Bemerkten sie wohl die sonderbare Toilette, die A. hatte "? ― „sahen sie, wie verändert B. heute in seinem Benehmen war"? ― „Hörten sie wohl die Aeuserung, die C. fallen lies"? ― „Verstanden sie wohl den Wink, den D. an E. gab"? ― so antworten sie auf alle diese Fragen mit nein, und sind ganz erstaunt, das so viele Dinge rund um ste her vorgegangen sind, von denen sie nichts erfahren haben. sie sahen, ohne das ihnen etwas auffiel, sie hörten, ohne frappirt zu werden. ― Umgekehrt giebt es andere Leute, die gleichsam ihre seele in ihren Augen und Ohren siyen haben, denen nichts entschlüpft, denen Alles, was ste wahrnehmen, so zu sagen, auf der stelle zu Herzen geht; die von Allem, was charakteristisch und eigenthümlich und anders als gewöhnlich ist, sofort frappirt werden. Die meisten Menschen haben weder eine so allgemeine und allseitige Empfänglichkeit, noch eine so allgemeine Unaufmerksamkeit, vielmehr bestimmen sich die Beobachtungsgaben der Meisten nach ihren hervorragenden Geistesanlagen und ihren herrschenden Neigungen. Es ist, als wenn es +Es giebt Leute, die Augen und Ohren haben und doch nicht beobachten. Es scheint, als ob zwischen ihren sinnen und ihrem Geiste sich eine grose Kluft befände. Ihr Körper steht und hört, aber es kommt ihrem Geiste nicht zum Bewustsein. Wenn du mit solchen träumerischen Menschen, deren seele gleichsam wie der seidenwurm in ihre eigene seide eingesponnen ist, in Gesellschaft warst und du fragst site hinterdrein: Bemerkten sie wohl die sonderbare Toilette, die A. hatte "? ― „sahen sie, wie verändert B. heute in seinem Benehmen war"? ― „Hörten sie wohl die Aeuserung, die C. fallen lies"? ― „Verstanden sie wohl den Wink, den D. an E. gab"? ― so antworten sie auf alle diese Fragen mit nein, und sind ganz erstaunt, das so viele Dinge rund um sie her vorgegangen sind, von denen sie nichts erfahren haben. sie sahen, ohne das ihnen etwas auffiel, sie hörten, ohne frappirt zu werden. ― Umgekehrt giebt es andere Leute, die gleichsam ihre seele in ihren Augen und Ohren siyen haben, denen nichts entschlüpft, denen Alles, was sie wahrnehmen, so zu sagen, auf der stelle zu Herzen geht; die von Allem, was charakteristisch und eigenthümlich und anders als gewöhnlich ist, sofort frappirt werden. Die meisten Menschen haben weder eine so allgemeine und allseitige Empfänglichkeit, noch eine so allgemeine Unaufmerksamkeit, vielmehr bestimmen sich die Beobachtungsgaben der Meisten nach ihren hervorragenden Geistesanlagen und ihren herrschenden Neigungen. Es ist, als wenn es 
  
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-eine Menge Kanäle gäbe von den sinnen zu unserer seele, und als wenn bei dem einen dieser, bei dem andern jener Kanal völlig verstopft wäre. Dieser hat einen sehr scharfen sinn für die Beobachtung des Menschen, jener für die der Natur. Der Eine fast das Komische auf der stelle auf, der Andere das Poëtische oder Erhabene, das sich in den Gegenständen und Personen um uns her offenbart. Der Eine scheint ganz todt für die äusere Welt, der Andere scheint sich mit Augen und Ohren ganz an diese äusere Welt zu hängen und ist abgestorben für die inneren Phänomene! Der Reisende, dessen Zweck es ist, die Eigenthümlichkeit sowohl der Natur als auch des Menschen in allen ihren Phasen zu erkennen, sollte eine möglichst allgemeine Empfänglichkeit und eine allseitige Aufmerksamkeit besizen. Er sollte Neigung und sinn für Alles haben. Combination, Vergleichung ist die eigentliche Grundlage aller Beobachtung, da wir eben durch sie erkennen, welche Besonderheiten sich in den Erscheinungen darbieten, die uns jekt vor Augen treten. Es giebt Leute, die immer gerade das, was sie eben vor Augen haben, für ganz natürlich und in der Ordnung halten, und denen nichts dabei auf-und einfällt, weil sie nicht daran denken, wie es früher war oder wie es anderswo ist. Dem, welcher seine ersten Impressionen lebhaft in seine seele aufnahm, werden bei neuen Erscheinungen gleich jene alten Impressionen hervortreten und zur vergleichenden Parallele sich darbieten und er wird so zu Beobachtungen ge-+eine Menge Kanäle gäbe von den sinnen zu unserer seele, und als wenn bei dem einen dieser, bei dem andern jener Kanal völlig verstopft wäre. Dieser hat einen sehr scharfen sinn für die Beobachtung des Menschen, jener für die der Natur. Der Eine fast das Komische auf der stelle auf, der Andere das Poëtische oder Erhabene, das sich in den Gegenständen und Personen um uns her offenbart. Der Eine scheint ganz todt für die äusere Welt, der Andere scheint sich mit Augen und Ohren ganz an diese äusere Welt zu hängen und ist abgestorben für die inneren Phänomene! Der Reisende, dessen Zweck es ist, die Eigenthümlichkeit sowohl der Natur als auch des Menschen in allen ihren Phasen zu erkennen, sollte eine möglichst allgemeine Empfänglichkeit und eine allseitige Aufmerksamkeit besizen. Er sollte Neigung und sinn für Alles haben. Combination, Vergleichung ist die eigentliche Grundlage aller Beobachtung, da wir eben durch sie erkennen, welche Besonderheiten sich in den Erscheinungen darbieten, die uns jetzt vor Augen treten. Es giebt Leute, die immer gerade das, was sie eben vor Augen haben, für ganz natürlich und in der Ordnung halten, und denen nichts dabei auf-und einfällt, weil sie nicht daran denken, wie es früher war oder wie es anderswo ist. Dem, welcher seine ersten Impressionen lebhaft in seine seele aufnahm, werden bei neuen Erscheinungen gleich jene alten Impressionen hervortreten und zur vergleichenden Parallele sich darbieten und er wird so zu Beobachtungen ge-
  
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-langen. Dem rechten Beobachter sind gleichsam alle seine frühern Erfahrungen zur Hand; omnia sua secum portat", kann man von ihm sagen. Iene hingegen haben ihre schäse an einem abgelegenen Orte wohl verwahrt und ehe ste ste finden, ist der Zeitpunct, eine Beobachtung zu machen, vorübergeschlüpft. "  +langen. Dem rechten Beobachter sind gleichsam alle seine frühern Erfahrungen zur Hand; omnia sua secum portat", kann man von ihm sagen. Iene hingegen haben ihre schäse an einem abgelegenen Orte wohl verwahrt und ehe sie ste finden, ist der Zeitpunct, eine Beobachtung zu machen, vorübergeschlüpft. "  
-„Pas doch auf! sagen wir zu unsern schülern und Kindern.,,Träume nicht"! „Halte Augen und Ohren offen"! „Denke einmal ein wenig nach"! „Erinnere Dich an dich und das!" Wir glauben mit solchen Aufforderungen ste zu aufmerksamen Beobachtern machen zu können, und es läst sich nicht leugnen, das, sowie ein ungeschickter Lehrer gerade mit solchen Aufforderungen viel verderben, ein Weiser doch wohl zuweilen einem träumerischen Wesen dadurch nüzlich werden kann. Und ebenso ist es gewis, das, wenn wir später für uns die Rolle dieses ermahnenden Lehrers selber übernehmen müssen, das wir dann durch energischen Willen uns am Ende gewöhnen können, uns in jedem Augenblick zu besinnen, in jedem Augenblick die verlornen Zügel unserer Aufmerksamkeit wieder in die Hand zu nehmen und eine Fertigkeit im Beobachten zu erlangen. Das Wichtigste dabei ist, das wir uns vor allen Dingen gewöhnen, die conditio sine qua non aller Beobachtung zu erfüllen, ich meine die Dinge wirklich einer sinnlichen Wahrnehmung zu würdigen. Dies ist für den Beobachter der wichtigste schritt zu seinem Zwecke und er ist ein so natürlicher, das man kaum glau-+„Pas doch auf! sagen wir zu unsern schülern und Kindern.,,Träume nicht"! „Halte Augen und Ohren offen"! „Denke einmal ein wenig nach"! „Erinnere Dich an dich und das!" Wir glauben mit solchen Aufforderungen sie zu aufmerksamen Beobachtern machen zu können, und es läst sich nicht leugnen, das, sowie ein ungeschickter Lehrer gerade mit solchen Aufforderungen viel verderben, ein Weiser doch wohl zuweilen einem träumerischen Wesen dadurch nüzlich werden kann. Und ebenso ist es gewis, das, wenn wir später für uns die Rolle dieses ermahnenden Lehrers selber übernehmen müssen, das wir dann durch energischen Willen uns am Ende gewöhnen können, uns in jedem Augenblick zu besinnen, in jedem Augenblick die verlornen Zügel unserer Aufmerksamkeit wieder in die Hand zu nehmen und eine Fertigkeit im Beobachten zu erlangen. Das Wichtigste dabei ist, das wir uns vor allen Dingen gewöhnen, die conditio sine qua non aller Beobachtung zu erfüllen, ich meine die Dinge wirklich einer sinnlichen Wahrnehmung zu würdigen. Dies ist für den Beobachter der wichtigste schritt zu seinem Zwecke und er ist ein so natürlicher, das man kaum glau-
  
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 ben sollte, das es noch nöthig wäre, ihn besonders anzuempfehlen.  ben sollte, das es noch nöthig wäre, ihn besonders anzuempfehlen. 
-,,Alle Menschen und Dinge", sagt sainte-Beuve in seiner trefflichen Geschichte von Port Royal, sollten so nahe als möglich beobachtet werden. Was wir von Weitem und in Masse sehen, mögen wir vielleicht richtig beurtheilen, vielleicht aber auch falsch; wir sind gewis in Bezug auf Das, was wir nahe zur Hand und vor Augen haben". Es ist also für jede Beobachtung die Hauptsache, das wir uns immer vis à vis der Dinge stellen. Wer da glaubt, das mit dieser Aufforderung und Lehre etwas Triviales und Neberflüssiges gesagt sei, der weis wohl nicht, wie ost wir uns in allen Lebensverhältnissen, bei allen Arten von Beschäf tigungen mit einem Gerüchte oder mit einem flüchtigen Blicke begnügen, wie oft wir es versäumen, uns in jedem Falle selber aufzumachen und mit eigenen Augen zu überzeugen, wie oft wir einen dazu auffordernden Mentor auser oder in uns nöthig haben und wie gut es wäre, das uns zuweilen Jemand am Arm nähme und uns an Ort und stelle brächte, um selber zu schauen. Nur Wenige giebt es, die gleich von Haus aus das streben haben, alle Dinge, wie Thomas, selber mit der Hand zu berühren, die entweder so wenig Glauben und Phantaste, oder so viel Verlangen nach dem Gewissen und Unzweifelhaften bestyen, das Alles, was sie nicht selber sahen und erfuhren, gleichsam gar nicht für ste existirt. Menschen mit einer solchen Disposition werden es +,,Alle Menschen und Dinge", sagt sainte-Beuve in seiner trefflichen Geschichte von Port Royal, sollten so nahe als möglich beobachtet werden. Was wir von Weitem und in Masse sehen, mögen wir vielleicht richtig beurtheilen, vielleicht aber auch falsch; wir sind gewis in Bezug auf Das, was wir nahe zur Hand und vor Augen haben". Es ist also für jede Beobachtung die Hauptsache, das wir uns immer vis à vis der Dinge stellen. Wer da glaubt, das mit dieser Aufforderung und Lehre etwas Triviales und Neberflüssiges gesagt sei, der weis wohl nicht, wie ost wir uns in allen Lebensverhältnissen, bei allen Arten von Beschäf tigungen mit einem Gerüchte oder mit einem flüchtigen Blicke begnügen, wie oft wir es versäumen, uns in jedem Falle selber aufzumachen und mit eigenen Augen zu überzeugen, wie oft wir einen dazu auffordernden Mentor auser oder in uns nöthig haben und wie gut es wäre, das uns zuweilen Jemand am Arm nähme und uns an Ort und stelle brächte, um selber zu schauen. Nur Wenige giebt es, die gleich von Haus aus das streben haben, alle Dinge, wie Thomas, selber mit der Hand zu berühren, die entweder so wenig Glauben und Phantaste, oder so viel Verlangen nach dem Gewissen und Unzweifelhaften bestyen, das Alles, was sie nicht selber sahen und erfuhren, gleichsam gar nicht für sie existirt. Menschen mit einer solchen Disposition werden es 
  
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 im stande wäre, alle unsere Reminiscenzen an Triangel, Quadrate und Pythagoräische Lehrsäse auf unserer Gedächtniftafel weglöschen, damit er dann auf diese tabula rasa mit ganz neuem und frischem Material das schöne harmonische und nach der Ansicht der Griechen musikalisch ertönende Gebäude der reinen Mathematik so aufführen könne, wie er selbst es für richtig gebaut halte. im stande wäre, alle unsere Reminiscenzen an Triangel, Quadrate und Pythagoräische Lehrsäse auf unserer Gedächtniftafel weglöschen, damit er dann auf diese tabula rasa mit ganz neuem und frischem Material das schöne harmonische und nach der Ansicht der Griechen musikalisch ertönende Gebäude der reinen Mathematik so aufführen könne, wie er selbst es für richtig gebaut halte.
- Wer da weis, wie gros die Vorurtheile sind, die sich von Jugend auf in Bezug auf alle Dinge, über die wir be lehrt werden und namentlich in Bezug auf fremde Länder und Völker gleich Wolken an den Gipfel eines Berges in unserem Kopf festsehen, der möchte zuweilen geneigt sein, auch einem Reisenden geradezu eine ähnliche tabula rasa in seinem Geiste zu wünschen, auf welcher sich ein deutlicher und bestimmter, durch keine frühere Zeichnung gestörter Umris des Landes und Volkes, das er bereisen und beobachten, kennen lernen und schildern will, gestalten könnte. Man möchte einen solchen Mann gar nichts über jenes Land und Volk lehren, ja ste ihm bis auf ihre Existenz und ihren Namen verschweigen, man möchte ihn wie Caspar Hauser hermetisch davon abschliesen und ihm die Augenbinde erst abnehmen, wenn er mitten drinn sei, um dann zu beobachten, wie nun alle Dinge auf sein unverfälschtes Naturgefühl wirken möchten, wie die schönheiten und welche schönheiten des Landes ihm sich darstellen, was ihm als vorzügliche Tugend, was als besondere Thorheit des Volkes erscheinen würde. + Wer da weis, wie gros die Vorurtheile sind, die sich von Jugend auf in Bezug auf alle Dinge, über die wir be lehrt werden und namentlich in Bezug auf fremde Länder und Völker gleich Wolken an den Gipfel eines Berges in unserem Kopf festsehen, der möchte zuweilen geneigt sein, auch einem Reisenden geradezu eine ähnliche tabula rasa in seinem Geiste zu wünschen, auf welcher sich ein deutlicher und bestimmter, durch keine frühere Zeichnung gestörter Umris des Landes und Volkes, das er bereisen und beobachten, kennen lernen und schildern will, gestalten könnte. Man möchte einen solchen Mann gar nichts über jenes Land und Volk lehren, ja sie ihm bis auf ihre Existenz und ihren Namen verschweigen, man möchte ihn wie Caspar Hauser hermetisch davon abschliesen und ihm die Augenbinde erst abnehmen, wenn er mitten drinn sei, um dann zu beobachten, wie nun alle Dinge auf sein unverfälschtes Naturgefühl wirken möchten, wie die schönheiten und welche schönheiten des Landes ihm sich darstellen, was ihm als vorzügliche Tugend, was als besondere Thorheit des Volkes erscheinen würde. 
  
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-eben so in das allgemeine Urtheil einstimmen, wie ste an den charakteristischen Eigenschaften ihres gemeinsamen Völkerstammes Theil nehmen. Alle Engländer z. B. sprechen in demselben Lone über die Träumereien der Deutschen, und ziehen aus ihrer Ansicht von unseren Träumereien, der allerdings etwas Wahres zum Grunde liegt, so zahllose Consequenzen, das ste damit fast Alle zu denselben Irrthümern und Einbildungen gelangen. Alle Deutsche Hegen eine tiefwurzelnde Abneigung vor der Leichtfertigkeit der Franzosen und der Treulosigkeit der Wälschen und erklären, in jenen Ländern reisend, aus diesem Gesichtspuncte so viele Dinge, das die Wahrheit, welche ihm allerdings zum Grunde liegt, eine Quelle zahlloser Irrthümer wird. +eben so in das allgemeine Urtheil einstimmen, wie sie an den charakteristischen Eigenschaften ihres gemeinsamen Völkerstammes Theil nehmen. Alle Engländer z. B. sprechen in demselben Lone über die Träumereien der Deutschen, und ziehen aus ihrer Ansicht von unseren Träumereien, der allerdings etwas Wahres zum Grunde liegt, so zahllose Consequenzen, das sie damit fast Alle zu denselben Irrthümern und Einbildungen gelangen. Alle Deutsche Hegen eine tiefwurzelnde Abneigung vor der Leichtfertigkeit der Franzosen und der Treulosigkeit der Wälschen und erklären, in jenen Ländern reisend, aus diesem Gesichtspuncte so viele Dinge, das die Wahrheit, welche ihm allerdings zum Grunde liegt, eine Quelle zahlloser Irrthümer wird. 
 Die Reisenden, welche in der Atmosphäre ihrer Nation erwachsen sind, tragen ihrerseits oft viel dazu bei, die alten ausgetretenen Bahnen, auf denen alle unsere Urtheile sich bewegen, noch breiter und bequemer zu machen, da doch sle gerade zur Aufnahme neuer Richtungen bestimmt wären. Trägheit, Furchtsamkeit und Mangel an geistiger Gewandtheit mögen dabei in uns am meisten wirken. Es ist bequemer, das Alte noch einmal zu wiederholen, als neue Resultate an den Tag zu bringen, es ist gefährlich, gegen den strom der allgemeinen Meinung zu schwimmen und es ist schwierig, in gewissem Grade fast unmöglich, sich von seinen vorgefasten Ansichten loszusagen.  Die Reisenden, welche in der Atmosphäre ihrer Nation erwachsen sind, tragen ihrerseits oft viel dazu bei, die alten ausgetretenen Bahnen, auf denen alle unsere Urtheile sich bewegen, noch breiter und bequemer zu machen, da doch sle gerade zur Aufnahme neuer Richtungen bestimmt wären. Trägheit, Furchtsamkeit und Mangel an geistiger Gewandtheit mögen dabei in uns am meisten wirken. Es ist bequemer, das Alte noch einmal zu wiederholen, als neue Resultate an den Tag zu bringen, es ist gefährlich, gegen den strom der allgemeinen Meinung zu schwimmen und es ist schwierig, in gewissem Grade fast unmöglich, sich von seinen vorgefasten Ansichten loszusagen. 
  
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-Wie ein Flus in seinem Laufe zwar die schranken, welche ihn hemmen, durchbricht und fortschafft, sich selber aber zugleich auch wieder Hindernisse seines Fortschrittes ― steinwälle, sandbänke ― aufführt, so schafft zwar die allgemein sich verbreitende Literatur und Kunde Dunkelheit hinweg, aber sie häuft sich zu den seiten zugleich auch wieder Dunkelheit auf. Dadurch, das über ein Land, z. B. über die schweiz, so viele belehrende Werke geschrieben sind, sind nun zwar gewisse schönheiten dieses Landes, einige Gletscher, manche Thäler, mehrere Wasserfälle, viele Berge in aller Meuschen Mund gekommen und ein allgemeiner Gegenstand der Bewunderung geworden. Allein eben daher auch sind viele andere unbekannte und unbeschriebene scenen und eigenthümliche schönheiten dieses Landes in ein Dunkel versunken, aus dem ste nun um so schwerer zu retten sind. Wir Autoren sehen, wie die Leute, die einen neuen Weg durch den schnee austreten, immer unsere Fusstapfen in die Fusstapfen unserer Vorgänger. Wir traben hinter einander her, wir reden und schreiben einander nach. Wir tadeln nicht, was Alle preisen, wir loben selten, was Niemand kennt. sollte man nun nicht wünschen, es käme einmal Iemand nach der schweiz, der gar nichts von alle dem wüste, was in allen Büchern steht, und schilderte dies schöne Land ganz so, wie es ihm erschiene, lobte auch nur das, was ihm herrlich vorkäme, und machte uns so auf eine Menge neuer schönheiten aufmerksam, die wir nicht beach+Wie ein Flus in seinem Laufe zwar die schranken, welche ihn hemmen, durchbricht und fortschafft, sich selber aber zugleich auch wieder Hindernisse seines Fortschrittes ― steinwälle, sandbänke ― aufführt, so schafft zwar die allgemein sich verbreitende Literatur und Kunde Dunkelheit hinweg, aber sie häuft sich zu den seiten zugleich auch wieder Dunkelheit auf. Dadurch, das über ein Land, z. B. über die schweiz, so viele belehrende Werke geschrieben sind, sind nun zwar gewisse schönheiten dieses Landes, einige Gletscher, manche Thäler, mehrere Wasserfälle, viele Berge in aller Meuschen Mund gekommen und ein allgemeiner Gegenstand der Bewunderung geworden. Allein eben daher auch sind viele andere unbekannte und unbeschriebene scenen und eigenthümliche schönheiten dieses Landes in ein Dunkel versunken, aus dem sie nun um so schwerer zu retten sind. Wir Autoren sehen, wie die Leute, die einen neuen Weg durch den schnee austreten, immer unsere Fusstapfen in die Fusstapfen unserer Vorgänger. Wir traben hinter einander her, wir reden und schreiben einander nach. Wir tadeln nicht, was Alle preisen, wir loben selten, was Niemand kennt. sollte man nun nicht wünschen, es käme einmal Iemand nach der schweiz, der gar nichts von alle dem wüste, was in allen Büchern steht, und schilderte dies schöne Land ganz so, wie es ihm erschiene, lobte auch nur das, was ihm herrlich vorkäme, und machte uns so auf eine Menge neuer schönheiten aufmerksam, die wir nicht beach
  
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-Neues über uns erfahren, als die Griechen aus dem Munde des scythen Anacharsis erfuhren. Natürlich müsten wir dabei verlangen, das jene Fremden, wenn auch völlig unbekannt mit allen Angelegenheiten Europa's oder unseres Globus, doch eben so geistreich und originell seien wie Barthelemy's scythe oder wie der reisende Muselmann eines anderen französischen Autors. Je origineller, je geistreicher, je naiver und je impressionabler Reisende sind, um so mehr könnte man ihnen eine Ignorirung nicht nur ihrer Vorgänger, sondern auch Beiseitesezung alles vorbereitenden studiums des zu bereisenden Landes aus anderen Quellen anzurathen geneigt sein. Denn so wie jene Vorgänger ihr Urtheil befangen machen, so würde auch dieses studium ste schon im Voraus auf Alles gefaster machen und durch Gewöhnung die frische Lebendigkeit ihrer Auffassung lähmen. +Neues über uns erfahren, als die Griechen aus dem Munde des scythen Anacharsis erfuhren. Natürlich müsten wir dabei verlangen, das jene Fremden, wenn auch völlig unbekannt mit allen Angelegenheiten Europa's oder unseres Globus, doch eben so geistreich und originell seien wie Barthelemy's scythe oder wie der reisende Muselmann eines anderen französischen Autors. Je origineller, je geistreicher, je naiver und je impressionabler Reisende sind, um so mehr könnte man ihnen eine Ignorirung nicht nur ihrer Vorgänger, sondern auch Beiseitesezung alles vorbereitenden studiums des zu bereisenden Landes aus anderen Quellen anzurathen geneigt sein. Denn so wie jene Vorgänger ihr Urtheil befangen machen, so würde auch dieses studium sie schon im Voraus auf Alles gefaster machen und durch Gewöhnung die frische Lebendigkeit ihrer Auffassung lähmen. 
 Allein wenn schon, nach dem was ich oben sagte, nicht einmal das Licht ohne Rauch ist, so hat denn natürlich die Finsternis und Unwissenheit selber ihre noch viel gewaltigeren schattenseiten. Erstlich sind solche starke, naive, geistreiche, wizige und für alles schöne und Erhabene, für alles Charakteristische und Eigenthümliche, für alles Bizarre und Ungewöhnliche in hohem Grade empfängliche originale Menschen eine wahre seltenheit und der gröste Theil von uns Reisenden ist nur mit mittelmäsigem Verstande und Talente begabt. solche Mondbewohner oder Kaspar Hauser, deren  Allein wenn schon, nach dem was ich oben sagte, nicht einmal das Licht ohne Rauch ist, so hat denn natürlich die Finsternis und Unwissenheit selber ihre noch viel gewaltigeren schattenseiten. Erstlich sind solche starke, naive, geistreiche, wizige und für alles schöne und Erhabene, für alles Charakteristische und Eigenthümliche, für alles Bizarre und Ungewöhnliche in hohem Grade empfängliche originale Menschen eine wahre seltenheit und der gröste Theil von uns Reisenden ist nur mit mittelmäsigem Verstande und Talente begabt. solche Mondbewohner oder Kaspar Hauser, deren 
  
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-von Natur starker Instinkt durch gar keine Art von menschlicher Kunst und Belehrung geschwächt ist und die man gleichsam als Orakel über die Menschen reden lassen möchte, sind im jezigen Zustand der Welt fast gar nicht zu haben, denn mit mehr oder weniger Belehrung und vorgefaster Ansicht ist fast Jeder von uns ausstafsirt. Und zweitens ist es klar, das trotz aller Stärke ihres Instinktes alle Reisenden bei völliger Unwissenheit häufigen Misgriffen nicht entgehen werden, Misgriffen, die man jenen Orakeln und Originalen als ein kleineres Uebel vergift, weil ste dafür so viel Auserordentliches in die Waagschale legen, die aber beim grösern Theile von uns gewöhnlichen, mittelmäsig begabten Reisenden durch nichts aufgewogen werden. +von Natur starker Instinkt durch gar keine Art von menschlicher Kunst und Belehrung geschwächt ist und die man gleichsam als Orakel über die Menschen reden lassen möchte, sind im jezigen Zustand der Welt fast gar nicht zu haben, denn mit mehr oder weniger Belehrung und vorgefaster Ansicht ist fast Jeder von uns ausstafsirt. Und zweitens ist es klar, das trotz aller Stärke ihres Instinktes alle Reisenden bei völliger Unwissenheit häufigen Misgriffen nicht entgehen werden, Misgriffen, die man jenen Orakeln und Originalen als ein kleineres Uebel vergift, weil sie dafür so viel Auserordentliches in die Waagschale legen, die aber beim grösern Theile von uns gewöhnlichen, mittelmäsig begabten Reisenden durch nichts aufgewogen werden. 
 Nur wer die ganze Welt im Zusammenhang zu sehen sich bemüht, kann auch jedem einzelnen Volke und staate seine rechte stellung anweisen und nur wer dieses Volk und diesen staat in seiner ganzen Entwickelung zu überschauen strebt, kann auch jedes Besondere, was er innerhalb der Grenzen desselben findet im rechten Lichte sehen und nach seinem wahren Gewichte würdigen. Nur wer das weis, was längst publicirt und bekannt geworden ist, kann auch, von da ausgehend, neue Entdeckungen machen und ein Werk liefern, das sich wie ein neuer Ausbau an die früheren anschliest. Und eben wer Alles kennen lernt, wer alle Quellen benust, nicht nur die, welche in seinem Vaterlande fliesen, sondern auch vor allem die, welche das Land seines studiums selber  Nur wer die ganze Welt im Zusammenhang zu sehen sich bemüht, kann auch jedem einzelnen Volke und staate seine rechte stellung anweisen und nur wer dieses Volk und diesen staat in seiner ganzen Entwickelung zu überschauen strebt, kann auch jedes Besondere, was er innerhalb der Grenzen desselben findet im rechten Lichte sehen und nach seinem wahren Gewichte würdigen. Nur wer das weis, was längst publicirt und bekannt geworden ist, kann auch, von da ausgehend, neue Entdeckungen machen und ein Werk liefern, das sich wie ein neuer Ausbau an die früheren anschliest. Und eben wer Alles kennen lernt, wer alle Quellen benust, nicht nur die, welche in seinem Vaterlande fliesen, sondern auch vor allem die, welche das Land seines studiums selber 
  
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-Entwickelung. In tausend Wechselbeziehungen stehen die Völker mit ihren Nachbarn und jezt seit dem Aufschwung des Weltverkehrs auch mit den entferntesten Bewohnern der Erde, die ste entweder beherrschen oder von denen sie Colonien empfangen oder mit denen sie doch in Handelsverbindungen stehen. Dadurch werden bei ihnen nicht nur neue Gewohnheiten geschaffen, nicht nur neue Ideen erweckt, sondern auch ganz neue Klassen und Mischungen der Gesellschaft erzeugt. Der Boden und die Natur des Landes steht mit den Leuten, welche es bewohnen, in groser Wechselwirkung, und zwar in weit gröserer als die, welche in den Banden dieser Wirkung liegen, es selber sich bewust sind. Je genauer die Kunde des Reisenden von dieser Naturbeschaffenheit und von jenen Völkerbeziehungen ist, desto besser wird er im stande sein, den Ursachen aller Erscheinungen auf den Grund zu kommen, und desto mehr wird seine Beobachtungsgabe sich steigern für solche Dinge, an denen er sonst wohl arglos vorüberginge. +Entwickelung. In tausend Wechselbeziehungen stehen die Völker mit ihren Nachbarn und jezt seit dem Aufschwung des Weltverkehrs auch mit den entferntesten Bewohnern der Erde, die sie entweder beherrschen oder von denen sie Colonien empfangen oder mit denen sie doch in Handelsverbindungen stehen. Dadurch werden bei ihnen nicht nur neue Gewohnheiten geschaffen, nicht nur neue Ideen erweckt, sondern auch ganz neue Klassen und Mischungen der Gesellschaft erzeugt. Der Boden und die Natur des Landes steht mit den Leuten, welche es bewohnen, in groser Wechselwirkung, und zwar in weit gröserer als die, welche in den Banden dieser Wirkung liegen, es selber sich bewust sind. Je genauer die Kunde des Reisenden von dieser Naturbeschaffenheit und von jenen Völkerbeziehungen ist, desto besser wird er im stande sein, den Ursachen aller Erscheinungen auf den Grund zu kommen, und desto mehr wird seine Beobachtungsgabe sich steigern für solche Dinge, an denen er sonst wohl arglos vorüberginge. 
 Man kann sagen, alle und jede Dinge in einem Lande tragen das Gepräge und die Färbung seiner Geschichte, seiner kosmischen und politischen stellung, die wichtigsten, wie die unwichtigsten, die Geseze, die staatsverfassung, die Hofceremonien, die Privatgebräuche, die Hauseinrichtungen, die Kleidungen. Kurz, wir finden Geschichte und Politik, Weltanklänge und Völkerbezichungen bis in die verborgensten Winkel, wo sie aber nur Der entdeckt, der seine Augen  Man kann sagen, alle und jede Dinge in einem Lande tragen das Gepräge und die Färbung seiner Geschichte, seiner kosmischen und politischen stellung, die wichtigsten, wie die unwichtigsten, die Geseze, die staatsverfassung, die Hofceremonien, die Privatgebräuche, die Hauseinrichtungen, die Kleidungen. Kurz, wir finden Geschichte und Politik, Weltanklänge und Völkerbezichungen bis in die verborgensten Winkel, wo sie aber nur Der entdeckt, der seine Augen 
  
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-und gab von jeher Menschen genug, die in ihrem Innern eben so fleisig beobachtend arbeiteten, wie in ihrer Umgebung, die in stetem Vergleich der inneren Phantasmagorien ber camera obscura ihres Herzens mit den Realitäten der Ausenwelt begriffen waren, die in dem Mikrokosmus ihres Wesens Alles zu finden wusten, was ihnen zur Deutung des Makrokosmus vonnöthen war. Diese Leute, die gleichsam wachend und träumend zugleich, klar sehend und innen brütend zugleich in der Welt umhergehen, werden die besten Beobachter und Reisenden abgeben. sie werden, da ste die inneren Bewegungen ihres eigenen Herzens, das den Hauptzügen nach dem Herzen aller anderen Menschen ähnlich sleht, kennen und stets vor Augen haben, die anderen Menschen ― Individuen sowohl wie ganze Nationen nicht nur zu beobachten, sondern, was noch mehr ist, sie auch zu errathen und in ihrem innersten Wesen zu erblicken im stande sein. sie werden mehr als alle Andern thun können, was Villemain in seinem Leben Plutarchs von diesem schriftsteller lobt: „qu'il prend l'homme toujours sur le fait, et qu'il le peint dans toute sa profondeur en le montrant avec toutes ses petitesses"+und gab von jeher Menschen genug, die in ihrem Innern eben so fleisig beobachtend arbeiteten, wie in ihrer Umgebung, die in stetem Vergleich der inneren Phantasmagorien ber camera obscura ihres Herzens mit den Realitäten der Ausenwelt begriffen waren, die in dem Mikrokosmus ihres Wesens Alles zu finden wusten, was ihnen zur Deutung des Makrokosmus vonnöthen war. Diese Leute, die gleichsam wachend und träumend zugleich, klar sehend und innen brütend zugleich in der Welt umhergehen, werden die besten Beobachter und Reisenden abgeben. sie werden, da sie die inneren Bewegungen ihres eigenen Herzens, das den Hauptzügen nach dem Herzen aller anderen Menschen ähnlich sleht, kennen und stets vor Augen haben, die anderen Menschen ― Individuen sowohl wie ganze Nationen nicht nur zu beobachten, sondern, was noch mehr ist, sie auch zu errathen und in ihrem innersten Wesen zu erblicken im stande sein. sie werden mehr als alle Andern thun können, was Villemain in seinem Leben Plutarchs von diesem schriftsteller lobt: „qu'il prend l'homme toujours sur le fait, et qu'il le peint dans toute sa profondeur en le montrant avec toutes ses petitesses"
  
 Der Augenschein, das eigene sehen ist, sage ich, für den reisenden Menschenbeobachter das Wichtigste. Doch kann er auch eine andere Quelle der Belehrung, ich meine das Gerücht oder das Hörensagen nicht entbehren. Darum sagte  Der Augenschein, das eigene sehen ist, sage ich, für den reisenden Menschenbeobachter das Wichtigste. Doch kann er auch eine andere Quelle der Belehrung, ich meine das Gerücht oder das Hörensagen nicht entbehren. Darum sagte 
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 Und ungefähr Dasselbe, nur mit orientalischer Ausschmückung sagt nach einer Anrufung Dessen, qui dirige aux voyages les pieds des hommés par sa volonté suprême", der Egypter sheik Mohammed, über dessen Beschreibung des soudan die Bibliothèque universelle de Genève vor einiger Zeit berichtete: „Les pléïades des sciences les plus difficiles se sont abaissées devant moi par mes efforts, et je me mis à extraire les paroles de la coquille de mon esprit, et à lever les voiles de toutes les choses belles et remarquables, que j'ai vues moi-même. Je rassemblai surtout les raretés, que je recueillis de gens véridiques et de confiance; ― et tout cela, afin que ce voyage pût être un parterre frais et fleuri pour qui y jetterait les regards, un jardin donnant des fruits pendans à portée de la main pour qui feuilleterait ces récits" Und ungefähr Dasselbe, nur mit orientalischer Ausschmückung sagt nach einer Anrufung Dessen, qui dirige aux voyages les pieds des hommés par sa volonté suprême", der Egypter sheik Mohammed, über dessen Beschreibung des soudan die Bibliothèque universelle de Genève vor einiger Zeit berichtete: „Les pléïades des sciences les plus difficiles se sont abaissées devant moi par mes efforts, et je me mis à extraire les paroles de la coquille de mon esprit, et à lever les voiles de toutes les choses belles et remarquables, que j'ai vues moi-même. Je rassemblai surtout les raretés, que je recueillis de gens véridiques et de confiance; ― et tout cela, afin que ce voyage pût être un parterre frais et fleuri pour qui y jetterait les regards, un jardin donnant des fruits pendans à portée de la main pour qui feuilleterait ces récits"
-Ja, man mag die Vorreden und Rechenschaftsablagen aller Reiseschriftsteller nachsehen und man wird immer finden, das ste sämmtlich als vornehmste Quellen ihrer Nachrichten neben dem Augenschein auch das Hörensagen angeben. +Ja, man mag die Vorreden und Rechenschaftsablagen aller Reiseschriftsteller nachsehen und man wird immer finden, das sie sämmtlich als vornehmste Quellen ihrer Nachrichten neben dem Augenschein auch das Hörensagen angeben. 
  
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 nissen das rechte Echo zu geben. Ein einziges Hagelkorn hält er in der Hand und obgleich er von den andern Millionen Hagelkörnern, die niederfielen nur den schall vernimmt, so kann er doch nun leicht von jenem einen, das er vor Augen hat, auf die Millionen und von diesen wieder auf die Bedeutsamkeit jenes einen zurückschliesen. Es wäre in der That sehr unpolitisch, wenn der Reisende sich seine Ohren auf der Reise verstopfen wollte, da er mit ihrer Hülfe seine Kraft gleichsam ins Unendliche steigert und durch sie eine Menge anderer nüslicher Beobachter und Augenzeugen, die oft sogar vielleicht besser sahen, als er selbst, in seinen Dienst nimmt. Mit ihnen geht er gleichsam vielgliederig durch die Welt, ohne sie nur zweiarmig.  nissen das rechte Echo zu geben. Ein einziges Hagelkorn hält er in der Hand und obgleich er von den andern Millionen Hagelkörnern, die niederfielen nur den schall vernimmt, so kann er doch nun leicht von jenem einen, das er vor Augen hat, auf die Millionen und von diesen wieder auf die Bedeutsamkeit jenes einen zurückschliesen. Es wäre in der That sehr unpolitisch, wenn der Reisende sich seine Ohren auf der Reise verstopfen wollte, da er mit ihrer Hülfe seine Kraft gleichsam ins Unendliche steigert und durch sie eine Menge anderer nüslicher Beobachter und Augenzeugen, die oft sogar vielleicht besser sahen, als er selbst, in seinen Dienst nimmt. Mit ihnen geht er gleichsam vielgliederig durch die Welt, ohne sie nur zweiarmig. 
-Von sehr vielen wissenswürdigen und interessanten Dingen kann man ganz Dasselbe behaupten, was Rumohr in seinem Geiste der Kochkunst von manchen guten Gerichten der Küche aussagt, das sie nämlich, so nachahmungswerth sle auch sein mögen, doch zuweilen nur auf die Mauern einer stadt oder auf die Grenzen eines engen Bezirks beschränkt bleiben, und das noch Niemandem eingefallen oder gelungen sei, ste nach andern Orten zu übertragen. Gelangt man z. B. an den schauplah eines Ereignisses, so wird man oft Gelegenheit finden, zu bemerken, wie dort an Ort und stelle gemeiniglich nur Wenige mit dem wahren Hergange der Begebenheit vertraut sind, und man wird kaum begreifen, wie nicht alle Welt mit so interessanten Umständen längst eben so bekannt +Von sehr vielen wissenswürdigen und interessanten Dingen kann man ganz Dasselbe behaupten, was Rumohr in seinem Geiste der Kochkunst von manchen guten Gerichten der Küche aussagt, das sie nämlich, so nachahmungswerth sle auch sein mögen, doch zuweilen nur auf die Mauern einer stadt oder auf die Grenzen eines engen Bezirks beschränkt bleiben, und das noch Niemandem eingefallen oder gelungen sei, sie nach andern Orten zu übertragen. Gelangt man z. B. an den schauplah eines Ereignisses, so wird man oft Gelegenheit finden, zu bemerken, wie dort an Ort und stelle gemeiniglich nur Wenige mit dem wahren Hergange der Begebenheit vertraut sind, und man wird kaum begreifen, wie nicht alle Welt mit so interessanten Umständen längst eben so bekannt 
  
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-geworden ist, wie vielmehr so grose Unkunde und so falsche Vorstellungen sich darüber verbreiten konnten. Ich befand mich einst mitten unter den bedeutendsten Beamten eines wichtigen Zweigs der Verwaltung eines mächtigen staates. Ich hielt ste alle für tief eingeweiht in die Verfassung und den Geschäftsgang ihres Departements. Da ich mich aber nach einigen Gewohnheiten in der Procedur bei gewissen Unterabtheilungen ihres Departements erkundigte, wiesen fle mich, ihre Unwissenheit erklärend, an die einzelnen Bureauchefs, die allein im stande wären, mir solche Details mitzutheilen, der Eine diese, der Andere jene. Als Georg I. nach England kam, um von seiner Krone Bestz zu nehmen, und als der Regentschaftsrath den staatssecretär Addison beauftragte, ein Begrüsungsschreiben an den König auszusehen, gericth Addison in nicht geringe Verlegenheit, und nur mit Mühe konnten einige Unterbeamte gefunden werden, welche noch eine Kenntnis der alten Gebräuche, Floskeln und Formen, unter denen ein solches Regentschaftsrathsschreiben an einen neuen König aufgesezt werden muste, besasen. Wenn wir zu den Alpen reisend über die Grenzen der schweiz treten, bilden wir uns leicht ein, jeder schweizer müsse uns genaue Belehrung über die Beschaffenheit der Gletscher, über den Montblanc, über die Jungfrau, über die Alpenwirthschaft geben können. Kommt man aber zu den Gebirgsthälern am Fuse jener Berge selbst, so findet man selbst hier in der geringen Entfernung noch die unrichtigsten Vor+geworden ist, wie vielmehr so grose Unkunde und so falsche Vorstellungen sich darüber verbreiten konnten. Ich befand mich einst mitten unter den bedeutendsten Beamten eines wichtigen Zweigs der Verwaltung eines mächtigen staates. Ich hielt sie alle für tief eingeweiht in die Verfassung und den Geschäftsgang ihres Departements. Da ich mich aber nach einigen Gewohnheiten in der Procedur bei gewissen Unterabtheilungen ihres Departements erkundigte, wiesen fle mich, ihre Unwissenheit erklärend, an die einzelnen Bureauchefs, die allein im stande wären, mir solche Details mitzutheilen, der Eine diese, der Andere jene. Als Georg I. nach England kam, um von seiner Krone Bestz zu nehmen, und als der Regentschaftsrath den staatssecretär Addison beauftragte, ein Begrüsungsschreiben an den König auszusehen, gericth Addison in nicht geringe Verlegenheit, und nur mit Mühe konnten einige Unterbeamte gefunden werden, welche noch eine Kenntnis der alten Gebräuche, Floskeln und Formen, unter denen ein solches Regentschaftsrathsschreiben an einen neuen König aufgesezt werden muste, besasen. Wenn wir zu den Alpen reisend über die Grenzen der schweiz treten, bilden wir uns leicht ein, jeder schweizer müsse uns genaue Belehrung über die Beschaffenheit der Gletscher, über den Montblanc, über die Jungfrau, über die Alpenwirthschaft geben können. Kommt man aber zu den Gebirgsthälern am Fuse jener Berge selbst, so findet man selbst hier in der geringen Entfernung noch die unrichtigsten Vor
  
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 Leute, deren Ansichten von den Einheimischen am meisten übersehen werden, während sie den Reisenden am meisten frappiren.  Leute, deren Ansichten von den Einheimischen am meisten übersehen werden, während sie den Reisenden am meisten frappiren. 
-Ich gehe aber noch weiter und behaupte: nicht nur jeder Mensch ist ein Kundiger in seiner Art, sondern auch jede Aeuserung, jedes Gerücht, jede Meinung, jede stimme, die der Reisende vernimmt, enthält irgend etwas Charakteristisches und hat irgend eine Bedeutung. Dieser Punct scheint mir noch bei weitem nicht genug von den Menschenbeobachtern anerkannt, denen man, ebenso wie man ihnen gerathen hat, möglichst Alles, was ste sehen, niederzuschreiben, auch zu ihrem grosen Frommen rathen könnte, möglichst Alles, was sie hören, sich zu merken und in ihrem Tagebuch zu fixiren und zwar ipsissimis verbis zu fixiren, dabei aber auch genau hinzuzufügen, von wem ste es hörten, unter welchen Umständen, in welcher stimmung des Redenden, in welcher Gesellschaft, ob laut oder leise gesprochen, mit welchem Ton, mit welchen Gebehrden c. Thäten die Reisenden dies immer, so würden ste dann zu Hause erkennen, welchen schas von interessanten Winken, Andeutungen und Anhaltspuncten fle sich dadurch verschafft hätten.,,schreiben sie wo möglich ganze Conversationen auf, die sie mit den Leuten hoch und niedrig haben werden", rieth mir ein alter vielerfahrner Freund, als ich einst einem interessanten Lande zureiste. Ich that es nicht und bereute es oft genug. Viele Beobachter +Ich gehe aber noch weiter und behaupte: nicht nur jeder Mensch ist ein Kundiger in seiner Art, sondern auch jede Aeuserung, jedes Gerücht, jede Meinung, jede stimme, die der Reisende vernimmt, enthält irgend etwas Charakteristisches und hat irgend eine Bedeutung. Dieser Punct scheint mir noch bei weitem nicht genug von den Menschenbeobachtern anerkannt, denen man, ebenso wie man ihnen gerathen hat, möglichst Alles, was sie sehen, niederzuschreiben, auch zu ihrem grosen Frommen rathen könnte, möglichst Alles, was sie hören, sich zu merken und in ihrem Tagebuch zu fixiren und zwar ipsissimis verbis zu fixiren, dabei aber auch genau hinzuzufügen, von wem sie es hörten, unter welchen Umständen, in welcher stimmung des Redenden, in welcher Gesellschaft, ob laut oder leise gesprochen, mit welchem Ton, mit welchen Gebehrden c. Thäten die Reisenden dies immer, so würden sie dann zu Hause erkennen, welchen schas von interessanten Winken, Andeutungen und Anhaltspuncten fle sich dadurch verschafft hätten.,,schreiben sie wo möglich ganze Conversationen auf, die sie mit den Leuten hoch und niedrig haben werden", rieth mir ein alter vielerfahrner Freund, als ich einst einem interessanten Lande zureiste. Ich that es nicht und bereute es oft genug. Viele Beobachter 
  
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-werden noch interessante Länder bereisen, jenen Rath verachten und es bereuen. Aber freilich müste, damit die Reisenden dies immer könnten, Daguerre uns noch eine ähnliche Maschine für die Firirung der Töne verschaffen, wie er ste für die strahlen erfand.  +werden noch interessante Länder bereisen, jenen Rath verachten und es bereuen. Aber freilich müste, damit die Reisenden dies immer könnten, Daguerre uns noch eine ähnliche Maschine für die Firirung der Töne verschaffen, wie er sie für die strahlen erfand.  
-,,Aber die Lügen", wird man sagen, die sind denn doch auszunehmen. Und wie viele mögen eben deren nicht im Hörensagen stecken"! In der Regel, muss ich sagen, wird dem Reisenden, wenn er sich geschickt benimmt, weniger mit Absicht vorgelogen als man denkt. Es kommt zwar vor, aber nur ausnahmsweise, und diese Ausnahmen wird er leicht als solche erkennen. „Zugegeben! Nun aber die Täuschungen anderer Menschen, die falschen Gerüchte, die zahllosen Entstellungen, die alle das Hörensagen in so hohem Grade trüben"! Nun ja, dies ist die schwache seite derjenigen Quelle von Erkenntnis, von der wir reden und es versteht sich, das hier eine starke Kritik zu üben ist. In Erfahrung bringen, geduldig anhören muss der Reisende Alles, selbst das Falsche. In sein Tagebuch oder Gedächtnis schreiben muss er beinahe Alles. Was er aber in weiterem Kreise mittheilen will, muss er sorgfältig aussuchen und davon sogleich ausscheiden, was keine Art von Werth zu haben scheint und alle übrigen „On dits" muss er nach dem Grade ihrer Wahrscheinlichkeit classificiren und durch irgend einen Zusak, wie ste in diesen Fällen bei Autoren üblich sind, durch ein: +,,Aber die Lügen", wird man sagen, die sind denn doch auszunehmen. Und wie viele mögen eben deren nicht im Hörensagen stecken"! In der Regel, muss ich sagen, wird dem Reisenden, wenn er sich geschickt benimmt, weniger mit Absicht vorgelogen als man denkt. Es kommt zwar vor, aber nur ausnahmsweise, und diese Ausnahmen wird er leicht als solche erkennen. „Zugegeben! Nun aber die Täuschungen anderer Menschen, die falschen Gerüchte, die zahllosen Entstellungen, die alle das Hörensagen in so hohem Grade trüben"! Nun ja, dies ist die schwache seite derjenigen Quelle von Erkenntnis, von der wir reden und es versteht sich, das hier eine starke Kritik zu üben ist. In Erfahrung bringen, geduldig anhören muss der Reisende Alles, selbst das Falsche. In sein Tagebuch oder Gedächtnis schreiben muss er beinahe Alles. Was er aber in weiterem Kreise mittheilen will, muss er sorgfältig aussuchen und davon sogleich ausscheiden, was keine Art von Werth zu haben scheint und alle übrigen „On dits" muss er nach dem Grade ihrer Wahrscheinlichkeit classificiren und durch irgend einen Zusak, wie sie in diesen Fällen bei Autoren üblich sind, durch ein: 
  
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-ist auf andere Umstände zu schieben. Die Reisenden sehen in der Fremde wirklich viel Neues und Wunderbares. Dies regt sie gewaltig an und macht sie geneigt, an noch viel mehr Wunderbares zu glauben. Die Eingebornen, welche dem Reisenden bald seine schwache seite abmerken, dienen ihm dann zuweilen, da ste ihn auf das Interessante und Auserordentliche, so zu sagen, Jagd machen sehen, um ihm gefällig zu sein, mit solcher Waare, wie er ste sucht. Kommt er dann nach Hause, so trifft er hier wieder seine des Alltäglichen überdrüssigen und nach dem Ausergewöhnlichen ebenso begierigen Landsleute, die immer disponirt sind von Dem, der aus der Fremde kommt etwas Unerhörtes zu vernehmen. Der Reisende seinerseits, vielleicht um seinen Landsleuten zu gefallen oder um den Vorwurf, er habe nichts Neues auf seinen Fahrten gelernt, von sich abzuwenden, dient ihrer Neugierde nun wieder in derselben Weise, in welcher seine eigne Neugierde von den Fremden befriedigt wurde, trägt hie und da die Farben etwas stärker auf und der endliche Erfolg davon ist dann, das er, wie Herodot oder Marco Polo, als eine signore Millione verschrieen wird. +ist auf andere Umstände zu schieben. Die Reisenden sehen in der Fremde wirklich viel Neues und Wunderbares. Dies regt sie gewaltig an und macht sie geneigt, an noch viel mehr Wunderbares zu glauben. Die Eingebornen, welche dem Reisenden bald seine schwache seite abmerken, dienen ihm dann zuweilen, da sie ihn auf das Interessante und Auserordentliche, so zu sagen, Jagd machen sehen, um ihm gefällig zu sein, mit solcher Waare, wie er sie sucht. Kommt er dann nach Hause, so trifft er hier wieder seine des Alltäglichen überdrüssigen und nach dem Ausergewöhnlichen ebenso begierigen Landsleute, die immer disponirt sind von Dem, der aus der Fremde kommt etwas Unerhörtes zu vernehmen. Der Reisende seinerseits, vielleicht um seinen Landsleuten zu gefallen oder um den Vorwurf, er habe nichts Neues auf seinen Fahrten gelernt, von sich abzuwenden, dient ihrer Neugierde nun wieder in derselben Weise, in welcher seine eigne Neugierde von den Fremden befriedigt wurde, trägt hie und da die Farben etwas stärker auf und der endliche Erfolg davon ist dann, das er, wie Herodot oder Marco Polo, als eine signore Millione verschrieen wird. 
 Der zu Hause bleibende Forscher, sage ich, muss zwar auch dem Hörensagen vielfach trauen, ja er schöpft sogar noch mehr oder, wenn er selber nie reiste, Alles aus dieser Quelle. so z. B. der Historiker der Vergangenheit, der bei keinem der von ihm erforschten und dargestellten Freignisse selber zugegen war; so der Naturforscher, der selten nur Der zu Hause bleibende Forscher, sage ich, muss zwar auch dem Hörensagen vielfach trauen, ja er schöpft sogar noch mehr oder, wenn er selber nie reiste, Alles aus dieser Quelle. so z. B. der Historiker der Vergangenheit, der bei keinem der von ihm erforschten und dargestellten Freignisse selber zugegen war; so der Naturforscher, der selten nur
  
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-die gegenwärtige, das Typenbuch über das Buch des Lebens angemast hat, ist ein anderer Umstand, der den Resultaten, zu welchen der aus den Quellen der Bücher Forschende gelangt, ein gröseres Gewicht in den Augen des Publicums verschafft als denen des Reisenden. Die nicht literarische Welt spricht zuweilen wohl etwas spöttisch von den stubengelehrten, oder macht Reime wie diese: „Die Gelehrten, die Verkehrten". Aber im Ganzen schadet dies dem Ansehen der Gelehrten so wenig, wie die englischen Karicaturen auf die Königin des Landes dem Ansehen der „royalty". Das grose Publicum behält dennoch immer einen grosen Respect vor Dem, was ihm schwarz auf Weis vorgelegt wird. Und die Versicherung der Gelehrten, ste hätten die sache gedruckt gesehen, ist in seinen Augen meistens mehr werth als die eines Reisenden, er habe es Leute sagen hören. Der Reisende citirt Hans und Kunz, der stubengelehrte Plato und Aristoteles. Nun ist es zwar ausgemacht, das Hans und Kunz in ihrer Art und in ihrem Fache eben so kluge Leute sein können als Plato und Aristoteles in ihrer Art und ihrem Fache, und Manches, wie ich oben zeigte, sogar noch besser wissen können als diese. Allein Jene haben nichts drucken lassen und die Aussagen dieser sind seit Jahrtausenden hundertmal gedruckt worden. +die gegenwärtige, das Typenbuch über das Buch des Lebens angemast hat, ist ein anderer Umstand, der den Resultaten, zu welchen der aus den Quellen der Bücher Forschende gelangt, ein gröseres Gewicht in den Augen des Publicums verschafft als denen des Reisenden. Die nicht literarische Welt spricht zuweilen wohl etwas spöttisch von den stubengelehrten, oder macht Reime wie diese: „Die Gelehrten, die Verkehrten". Aber im Ganzen schadet dies dem Ansehen der Gelehrten so wenig, wie die englischen Karicaturen auf die Königin des Landes dem Ansehen der „royalty". Das grose Publicum behält dennoch immer einen grosen Respect vor Dem, was ihm schwarz auf Weis vorgelegt wird. Und die Versicherung der Gelehrten, sie hätten die sache gedruckt gesehen, ist in seinen Augen meistens mehr werth als die eines Reisenden, er habe es Leute sagen hören. Der Reisende citirt Hans und Kunz, der stubengelehrte Plato und Aristoteles. Nun ist es zwar ausgemacht, das Hans und Kunz in ihrer Art und in ihrem Fache eben so kluge Leute sein können als Plato und Aristoteles in ihrer Art und ihrem Fache, und Manches, wie ich oben zeigte, sogar noch besser wissen können als diese. Allein Jene haben nichts drucken lassen und die Aussagen dieser sind seit Jahrtausenden hundertmal gedruckt worden. 
 Ein groser Theil der naturgeschichtlichen Nachrichten und Kenntnisse über die Thiere und Pflanzen beruht blos auf den Aussagen von Jägern, Hirten oder Wilden, die häufig  Ein groser Theil der naturgeschichtlichen Nachrichten und Kenntnisse über die Thiere und Pflanzen beruht blos auf den Aussagen von Jägern, Hirten oder Wilden, die häufig 
  
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 eines Baches sekte und seine spaziergangsimpresstonen niederschrieb. Montaigne, der, wie er selbst oft genug klagt, ein sehr schwaches Gedächtnis hatte, machte es ebenso und zuweilen, wenn ihm unterwegs etwas aufoder einsiel und er gerade kein Papierchen bei sich hatte, ritt er spornstreichs nach Hause, um in seinem studir-und Bibliothekzimmer, das sich in einem Thurme seines schlosses befand, sofort in stiefeln und sporen, wie er war, seine Einfälle zu Papier zu bringen" eines Baches sekte und seine spaziergangsimpresstonen niederschrieb. Montaigne, der, wie er selbst oft genug klagt, ein sehr schwaches Gedächtnis hatte, machte es ebenso und zuweilen, wenn ihm unterwegs etwas aufoder einsiel und er gerade kein Papierchen bei sich hatte, ritt er spornstreichs nach Hause, um in seinem studir-und Bibliothekzimmer, das sich in einem Thurme seines schlosses befand, sofort in stiefeln und sporen, wie er war, seine Einfälle zu Papier zu bringen"
-Ich stelle die Beispiele dieser hochgefeierten Männer und ihrer Tagebücher voran, um dasjenige Instrument des Reisenden, durch welches er seine Anschauungen und Gedanken firirt und das man in der Regel mehr fürchtet als hochachtet, ja, bei dessen Gebrauch sogar den Reisenden selbst eine gewisse Beschämung überfällt und von dem ich jekt reden will, nämlich sein Memorandumbuch und seinen Bleistift, gleich von vornherein in etwas bessere Gesellschaft zu bringen. Der berühmte, treffliche Reisende Burckhard berichtet, die Leute in Arabien und Egypten hätten eine grose Furcht vor seinem Griffel gehabt und er habe ihn daher immer möglichst verborgen gehalten. Um indes seine Bemerkungen nicht zu verlieren, habe er sich, in seinen weiten arabischen Mantel gehüllt, hinter sein Zelt oder sonst an einen abgelegenen Ort gesezt und habe sich gestellt, als wenn er den Koran lese, insgeheim aber seine Notizen aufgeschrieben. „Die Araber", sest er hinzu, glaubten immer von einem Reisenden,+Ich stelle die Beispiele dieser hochgefeierten Männer und ihrer Tagebücher voran, um dasjenige Instrument des Reisenden, durch welches er seine Anschauungen und Gedanken firirt und das man in der Regel mehr fürchtet als hochachtet, ja, bei dessen Gebrauch sogar den Reisenden selbst eine gewisse Beschämung überfällt und von dem ich jetzt reden will, nämlich sein Memorandumbuch und seinen Bleistift, gleich von vornherein in etwas bessere Gesellschaft zu bringen. Der berühmte, treffliche Reisende Burckhard berichtet, die Leute in Arabien und Egypten hätten eine grose Furcht vor seinem Griffel gehabt und er habe ihn daher immer möglichst verborgen gehalten. Um indes seine Bemerkungen nicht zu verlieren, habe er sich, in seinen weiten arabischen Mantel gehüllt, hinter sein Zelt oder sonst an einen abgelegenen Ort gesezt und habe sich gestellt, als wenn er den Koran lese, insgeheim aber seine Notizen aufgeschrieben. „Die Araber", sest er hinzu, glaubten immer von einem Reisenden,
  
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-den ste Notizen sammeln sehen, er bezaubere das Land oder bringe doch sonst Unglück über sie". Der Marquis de Custine, als er sein berühmtes Tagebuch in Rusland schrieb, verriegelte sogar die Thüren seines Zimmers und legte ein paar geladene Pistolen neben sein Dintenfas, weil, wie er sagt, die Russen ihn überall mit spionen umgeben hätten, um zu sehen, ob er auch ein Tagebuch und einen Griffel habe.  +den sie Notizen sammeln sehen, er bezaubere das Land oder bringe doch sonst Unglück über sie". Der Marquis de Custine, als er sein berühmtes Tagebuch in Rusland schrieb, verriegelte sogar die Thüren seines Zimmers und legte ein paar geladene Pistolen neben sein Dintenfas, weil, wie er sagt, die Russen ihn überall mit spionen umgeben hätten, um zu sehen, ob er auch ein Tagebuch und einen Griffel habe.  
-Die Araber und Russen denken in dieser Beziehung nicht viel anders als die Bewohner fast aller andern Länder. Alle fürchten den reisenden Beobachter mit dem Griffel und Tagebuch. Ein solcher, wenn er seine Instrumente z. B. in einem Postwagen hervornimmt und etwas niederschreibt, ist zuweilen im stande, die lebhafteste Conversation zum schweigen zu bringen. Die Reisenden, selbst wenn sie Niemandem wehe thun wollen und das beste Gewissen von der Welt hahaben, empfangen doch ebenfalls eine unangenehme M wirkung von diesem Eindruck, den ste auf Andere hervorbringen und haben daher meistens eine gewisse schamhafte scheu im Gebrauche der genannten Hilfsmittel ihres Gedächtnisses und man steht Wenige, die ihr Tagebuch, so lange es noch blos geschrieben war, nicht mit Geheimnis umhüllten, selbst wenn sie sogar zugestanden, das dieses Tagebuch für die gröstmögliche Deffentlichkeit ― für den Druck ― bestimmt sei. Nur die Engländer sind in der Fremde etwas unbefangener bei dem einem Reisenden so nöthigen Geschäfte des +Die Araber und Russen denken in dieser Beziehung nicht viel anders als die Bewohner fast aller andern Länder. Alle fürchten den reisenden Beobachter mit dem Griffel und Tagebuch. Ein solcher, wenn er seine Instrumente z. B. in einem Postwagen hervornimmt und etwas niederschreibt, ist zuweilen im stande, die lebhafteste Conversation zum schweigen zu bringen. Die Reisenden, selbst wenn sie Niemandem wehe thun wollen und das beste Gewissen von der Welt hahaben, empfangen doch ebenfalls eine unangenehme M wirkung von diesem Eindruck, den sie auf Andere hervorbringen und haben daher meistens eine gewisse schamhafte scheu im Gebrauche der genannten Hilfsmittel ihres Gedächtnisses und man steht Wenige, die ihr Tagebuch, so lange es noch blos geschrieben war, nicht mit Geheimnis umhüllten, selbst wenn sie sogar zugestanden, das dieses Tagebuch für die gröstmögliche Deffentlichkeit ― für den Druck ― bestimmt sei. Nur die Engländer sind in der Fremde etwas unbefangener bei dem einem Reisenden so nöthigen Geschäfte des 
  
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-Notizensammelns und einmal begegnete ich einem berühmten Reisenden dieser Nation, der sich folgendermasen gerüstet hatte. Wie ein Krieger sein schwert an den Gürtel hängt, so hatte er sich einen schreibstist um den Hals befestigt und zwar an einem zierlichen Goldkettchen. Der Griffel, der ihm beständig vor der Weste baumelte, war so eingerichtet, das er ihn nie zuzuspiken brauchte und der Reisende schämte sich dessen so wenig, wie ein Elegant der ihm vor der Weste baumelnden Lorgnette. Vor der Brust hatte er in seinem Ueberrock eine besondere Tasche, in welcher nichts als sein Tagebuch stecken durfte, anbringen lassen und zwar auf der linken seite, so das er mit der rechten Hand jeden Augenblick das Buch ergreifen konnte. Das Tagebuch war von so solider Arbeit wie man sie nur in demjenigen Land kennt, welches den Reisenden und Touristen Alles, was ste nöthig haben, aufs Trefflichste liefert. so sah ich ihn durch mehcre Museen einer der Hauptstädte Europa's schreiten und sofort Alles, was ihn durch seine Brille und Augen frappirt hatte, verzeichnen. Und in der That, er hatte ganz Recht, sich so schlagfertig zu halten. Ieder Reisende, der etwas Züchtiges heimbringen will, sollte sein Muster nachahmen. Der Flus unserer Gedanken und Geistesanschauungen, selbst wenn er verhältnismäsig so ruhig dahinfliest, wie dies meistens in der Heimath der Fall ist, gleicht einem strome, der viele kostbare Perlen und schöne Wellen vorüberführt. Wir selbst styen gleichsam wie Perlenfischer am Ufer dieses stro+Notizensammelns und einmal begegnete ich einem berühmten Reisenden dieser Nation, der sich folgendermasen gerüstet hatte. Wie ein Krieger sein schwert an den Gürtel hängt, so hatte er sich einen schreibstist um den Hals befestigt und zwar an einem zierlichen Goldkettchen. Der Griffel, der ihm beständig vor der Weste baumelte, war so eingerichtet, das er ihn nie zuzuspiken brauchte und der Reisende schämte sich dessen so wenig, wie ein Elegant der ihm vor der Weste baumelnden Lorgnette. Vor der Brust hatte er in seinem Ueberrock eine besondere Tasche, in welcher nichts als sein Tagebuch stecken durfte, anbringen lassen und zwar auf der linken seite, so das er mit der rechten Hand jeden Augenblick das Buch ergreifen konnte. Das Tagebuch war von so solider Arbeit wie man sie nur in demjenigen Land kennt, welches den Reisenden und Touristen Alles, was sie nöthig haben, aufs Trefflichste liefert. so sah ich ihn durch mehcre Museen einer der Hauptstädte Europa's schreiten und sofort Alles, was ihn durch seine Brille und Augen frappirt hatte, verzeichnen. Und in der That, er hatte ganz Recht, sich so schlagfertig zu halten. Ieder Reisende, der etwas Züchtiges heimbringen will, sollte sein Muster nachahmen. Der Flus unserer Gedanken und Geistesanschauungen, selbst wenn er verhältnismäsig so ruhig dahinfliest, wie dies meistens in der Heimath der Fall ist, gleicht einem strome, der viele kostbare Perlen und schöne Wellen vorüberführt. Wir selbst styen gleichsam wie Perlenfischer am Ufer dieses stro
  
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 mes. sind wir träge, so wird uns allmälig Vieles entgehen, denn keine Perle, keine Welle kehrt wieder, oder kehrt wenigstens nie in der Gestalt wieder, wie wir sie gerade jest erblicken und ergreifen können. Bei dem Reisenden, der mitten auf dem wogenden Ocean des Lebens hinausfährt, bewegt sich nun jener innere strom der Gedanken, der Gefühle, Anregungen und Impressionen mit der schnelligkeit eines Waldbachs und kaum hat der Postwagen einige Meilen die Grenze des Heimathlandes überschritten, so hat der Fahrlässige schon viel Versäumtes zu beklagen. mes. sind wir träge, so wird uns allmälig Vieles entgehen, denn keine Perle, keine Welle kehrt wieder, oder kehrt wenigstens nie in der Gestalt wieder, wie wir sie gerade jest erblicken und ergreifen können. Bei dem Reisenden, der mitten auf dem wogenden Ocean des Lebens hinausfährt, bewegt sich nun jener innere strom der Gedanken, der Gefühle, Anregungen und Impressionen mit der schnelligkeit eines Waldbachs und kaum hat der Postwagen einige Meilen die Grenze des Heimathlandes überschritten, so hat der Fahrlässige schon viel Versäumtes zu beklagen.
 ,,Aufschub", sagen die Weisen, ist der Tod der Geschäfte", und dieser spruch gilt für den Reisenden noch mehr, als für viele Andere. Er darf nichts verschieben und mus, wenn er seinen Zweck erreichen und etwas Lebendiges und Nügliches, sei es für sich, sei es für Andere, erreichen will, stets so viel als möglich seine Erfahrungen und Anschauungen durch den Griffel fixiren, wie der Entomolog seine schmetterlinge durch die Nadel.  ,,Aufschub", sagen die Weisen, ist der Tod der Geschäfte", und dieser spruch gilt für den Reisenden noch mehr, als für viele Andere. Er darf nichts verschieben und mus, wenn er seinen Zweck erreichen und etwas Lebendiges und Nügliches, sei es für sich, sei es für Andere, erreichen will, stets so viel als möglich seine Erfahrungen und Anschauungen durch den Griffel fixiren, wie der Entomolog seine schmetterlinge durch die Nadel. 
-Ich gebe zu, das der Eine seine Eindrücke länger bewahrt als der Andere. Allein im Ganzen sind wir Menschen erstaunlich vergeslich und bilden uns noch dazu unglücklicherweise gewöhnlich dabei leicht ein, das uns, was wir gerade jekt vor Augen haben, unvergeslich sein werde. Wer erfahren will, in wie hohem Grade vergeslich wir sind, der stelle sich einmal, ich will nicht sagen dem Angesichte eines Menschen, einem bunten gothischen Thurm oder sonst einem +Ich gebe zu, das der Eine seine Eindrücke länger bewahrt als der Andere. Allein im Ganzen sind wir Menschen erstaunlich vergeslich und bilden uns noch dazu unglücklicherweise gewöhnlich dabei leicht ein, das uns, was wir gerade jetzt vor Augen haben, unvergeslich sein werde. Wer erfahren will, in wie hohem Grade vergeslich wir sind, der stelle sich einmal, ich will nicht sagen dem Angesichte eines Menschen, einem bunten gothischen Thurm oder sonst einem 
  
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-sehr componirten Gegenstande, sondern etwa nur einem Berge mit einfachen Umrissen, einer simpeln strohhütte oder sonst einem Dinge mit wenigen Theilen und von einfacher Bildung gegenüber, fasse die Figur scharf in's Auge, betrachte sie so lange, bis er überzeugt ist, er könne ste nie wieder vergessen. Und dann drehe er ihr den Rücken und versuche es, eine Zeichnung davon zu entwerfen. Es wird sich dann zeigen, wie viel während des Umdrehens sich bereits von den empfangenen Eindrücken verwischt hat.  +sehr componirten Gegenstande, sondern etwa nur einem Berge mit einfachen Umrissen, einer simpeln strohhütte oder sonst einem Dinge mit wenigen Theilen und von einfacher Bildung gegenüber, fasse die Figur scharf in's Auge, betrachte sie so lange, bis er überzeugt ist, er könne sie nie wieder vergessen. Und dann drehe er ihr den Rücken und versuche es, eine Zeichnung davon zu entwerfen. Es wird sich dann zeigen, wie viel während des Umdrehens sich bereits von den empfangenen Eindrücken verwischt hat.  
-In der That, man kann fast von allen unsern Eindrücken sagen, das sie nur so lange lebendig sind, als wir dem Impuls gebenden Gegenstande gegenüber stehen. sie fallen in dem Augenblick, wo wir unsere sinne diesem Einflus entziehen, einer wunderbar raschen Verwesung anheim, wie gewisse sehr zarte Fische des Baikalsee's, die in demselben Moment, wo man ste aus dem Wasser hebt, sterben und zu verfaulen beginnen. Wer gewohnt ist, jeden Abend seines Lebens sein Tagebuch zu schreiben, der weis dies wohl, und er findet dann kaum einen einzigen Gegenstand, zu dem er nicht gern noch einmal sich hinbegeben möchte, um dies und jenes genauer anzusehen. Die Hauptsache mag wohl lange in der Erinnerung bleiben, aber die so charakteristischen Details, auf die es bei allen Dingen so sehr ankommt, entschlüpfen uns immer so leicht. Man überwinde daher jene scheu und scham, wo sie im Wege stehen sollte, und ahme so viel als möglich den von mir als Muster eines Welt +In der That, man kann fast von allen unsern Eindrücken sagen, das sie nur so lange lebendig sind, als wir dem Impuls gebenden Gegenstande gegenüber stehen. sie fallen in dem Augenblick, wo wir unsere sinne diesem Einflus entziehen, einer wunderbar raschen Verwesung anheim, wie gewisse sehr zarte Fische des Baikalsee's, die in demselben Moment, wo man sie aus dem Wasser hebt, sterben und zu verfaulen beginnen. Wer gewohnt ist, jeden Abend seines Lebens sein Tagebuch zu schreiben, der weis dies wohl, und er findet dann kaum einen einzigen Gegenstand, zu dem er nicht gern noch einmal sich hinbegeben möchte, um dies und jenes genauer anzusehen. Die Hauptsache mag wohl lange in der Erinnerung bleiben, aber die so charakteristischen Details, auf die es bei allen Dingen so sehr ankommt, entschlüpfen uns immer so leicht. Man überwinde daher jene scheu und scham, wo sie im Wege stehen sollte, und ahme so viel als möglich den von mir als Muster eines Welt 
  
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-gängers und Menschenbeobachters citirten Engländer nach, zeichne die Gegenstände an Ort und stelle selbst in das Tagebuch, so lange man ste noch vor sich hat, fixire seine Einfälle und Ideen, so lange ste noch lebhaft sind, die Impresstonen, so lange ste gleich unabgeriebenen Münzen noch scharfe Gepräge haben, und die Begegnisse und Ereignisse, denen man beiwohnte, auf dem Theater der Ereignisse selbst. +gängers und Menschenbeobachters citirten Engländer nach, zeichne die Gegenstände an Ort und stelle selbst in das Tagebuch, so lange man sie noch vor sich hat, fixire seine Einfälle und Ideen, so lange sie noch lebhaft sind, die Impresstonen, so lange sie gleich unabgeriebenen Münzen noch scharfe Gepräge haben, und die Begegnisse und Ereignisse, denen man beiwohnte, auf dem Theater der Ereignisse selbst. 
 Es ist allerdings nicht leicht, dieses Verfahren zu befolgen, dessen Nuzen man, sobald man von der Reise nach Hause kommt, erkennen wird, und dem man blindlings wie einem Glaubensartikel anhängen sollte.  Es ist allerdings nicht leicht, dieses Verfahren zu befolgen, dessen Nuzen man, sobald man von der Reise nach Hause kommt, erkennen wird, und dem man blindlings wie einem Glaubensartikel anhängen sollte. 
 Die Lust zum Aufschieben ist auf Reisen, wo so Vieles auf uns eindringt und wo uns manchmal, wie an einer reichbesekten Tafel, ein Ueberdrus befällt, oft sehr gros. Es gehört eine nicht unbedeutende Energie und Ausdauer dazu, alle petites misères der Reise standhaft zu ertragen, alle kleinen Unbequemlichkeiten, welche unsere schreibende Hand lähmen, zu überwinden, die Beobachtungslust stets in spannung zu erhalten und den Geist stets neu zu elektrisiren. Vieles von dem, was man in fremden Landen steht und hört, versteht man nicht gleich. Da scheint es dann sehr natürlich, das man nur Dasjenige beachte und dem Gedächtnis überliefere, was uns klar geworden ist, und das andere davon ausschliese. Hundert Mal überredet man sich, das Dies oder Ienes keiner Beachtung werth sei, obwohl es einer richtigen Politik gemäs wäre, das man nichts von dem Tage- Die Lust zum Aufschieben ist auf Reisen, wo so Vieles auf uns eindringt und wo uns manchmal, wie an einer reichbesekten Tafel, ein Ueberdrus befällt, oft sehr gros. Es gehört eine nicht unbedeutende Energie und Ausdauer dazu, alle petites misères der Reise standhaft zu ertragen, alle kleinen Unbequemlichkeiten, welche unsere schreibende Hand lähmen, zu überwinden, die Beobachtungslust stets in spannung zu erhalten und den Geist stets neu zu elektrisiren. Vieles von dem, was man in fremden Landen steht und hört, versteht man nicht gleich. Da scheint es dann sehr natürlich, das man nur Dasjenige beachte und dem Gedächtnis überliefere, was uns klar geworden ist, und das andere davon ausschliese. Hundert Mal überredet man sich, das Dies oder Ienes keiner Beachtung werth sei, obwohl es einer richtigen Politik gemäs wäre, das man nichts von dem Tage-
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-buche ausschlösse, auch nicht das, was zuerst als unbedeutend, uninteressant oder unverständlich sich darstellt. Die Reise ist noch nicht die Zeit der Kritik und Auswahl, ste ist wie unsere Jugend die Zeit der saat. Der Botaniker sammelt viele Blumen, ohne zu wissen, ob er ste alle der Aufbewahrung werth finden wird. Und unsere Kinder lassen wir eine Menge Dinge auswendig lernen, die ihnen jest noch gar nichts nügen, die aber später in ihrem Geiste oft auf eine höchst wunderbare Weise Wurzel schlagen und Frucht bringen werden. Dem Reisenden geht die Bedeutung der Dinge, die er anfangs mit blöden Augen ansah, später wenn er ste zu combiniren und zu überdenken anfängt, oft eben so wunderbar auf. Wie oft ereignet es sich nicht, das wir bei einem andern schriftsteller eine Ansicht oder Vermuthung ausgesprochen finden, und das wir uns dann dunkel erinnern, auch schon einmal eine Erfahrung zur Unterstützung dieser Vermuthung gemacht zu haben. Nun fangen wir an, zu bedauern, das wir nicht genauer hörten und nicht schärfer sahen, die sache nicht niederschrieben, weil wir dann jene Vermuthung durch neue Bestätigung vielleicht zu einer einleuchtenden und unbestreitbaren Wahrheit erheben könnten. Der Reisende soll auf der Reise so viel als möglich weiter nichts als eine aufnehmende Maschine sein. Das Nachdenken, wie es das Wort schon andeutet, kommt nach her. Wollte der Reisende eigensinnig nur alles das annehmen, dessen volles Interesse ihm gleich klar wäre, so würde er sehr +buche ausschlösse, auch nicht das, was zuerst als unbedeutend, uninteressant oder unverständlich sich darstellt. Die Reise ist noch nicht die Zeit der Kritik und Auswahl, sie ist wie unsere Jugend die Zeit der saat. Der Botaniker sammelt viele Blumen, ohne zu wissen, ob er sie alle der Aufbewahrung werth finden wird. Und unsere Kinder lassen wir eine Menge Dinge auswendig lernen, die ihnen jest noch gar nichts nügen, die aber später in ihrem Geiste oft auf eine höchst wunderbare Weise Wurzel schlagen und Frucht bringen werden. Dem Reisenden geht die Bedeutung der Dinge, die er anfangs mit blöden Augen ansah, später wenn er sie zu combiniren und zu überdenken anfängt, oft eben so wunderbar auf. Wie oft ereignet es sich nicht, das wir bei einem andern schriftsteller eine Ansicht oder Vermuthung ausgesprochen finden, und das wir uns dann dunkel erinnern, auch schon einmal eine Erfahrung zur Unterstützung dieser Vermuthung gemacht zu haben. Nun fangen wir an, zu bedauern, das wir nicht genauer hörten und nicht schärfer sahen, die sache nicht niederschrieben, weil wir dann jene Vermuthung durch neue Bestätigung vielleicht zu einer einleuchtenden und unbestreitbaren Wahrheit erheben könnten. Der Reisende soll auf der Reise so viel als möglich weiter nichts als eine aufnehmende Maschine sein. Das Nachdenken, wie es das Wort schon andeutet, kommt nach her. Wollte der Reisende eigensinnig nur alles das annehmen, dessen volles Interesse ihm gleich klar wäre, so würde er sehr 
  
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 wenig zu verzeichnen finden; dagegen wird er dann nach der Reise, wenn er Alles, was er sah und hörte, einfach und trocken verzeichnete, sehr Weniges finden, was er nicht deuten, combiniren und als einen charakteristischen Beitrag benüzen könnte.  wenig zu verzeichnen finden; dagegen wird er dann nach der Reise, wenn er Alles, was er sah und hörte, einfach und trocken verzeichnete, sehr Weniges finden, was er nicht deuten, combiniren und als einen charakteristischen Beitrag benüzen könnte. 
-Nicht blos die Dinge, die wir in einem fremden Lande sehen und vernehmen, sind sehr eigenthümlich, sondern gewöhnlich nehmen auch unsere Gedanken diesen Dingen gegenüber eine ganz eigenthümliche Färbung an. Die Dinge selbst reden oft eine wunderbare sprache zu uns und regen Ideen und Ansichten in uns auf, die uns früher nie gekommen sind. Jeder hat z. B. gewis schon unzählige Male sich die Phramiden Egyptens vorgestellt, ste auch häufig schon im Bilde gesehen, und doch hat er bei dieser Vorstellung und Nachbildung nie diejenigen Empfindungen, sensationen, Einfälle gehabt, die ihm kommen werden, wenn er einmal selbst die Pyramiden in Egypten erblickt und ste selber besteigt. Da diese Gedanken, die uns von selbst an Ort und stelle kommen und die durch das Land und seinen Anblick hervorgerufen werden, gleichsam eine Localfarbe des Landes tragen, so ist es natürlich, das auch über ste im Tagebuch eine möglichst genaue Rechenschaft abgelegt werden sollte und das sie nicht zu jener Gattung von Nach gedanken gehören, die wir aus dem Tagebuche verweisen. Da das Tagebuch nur für den Reisenden selber bestimmt +Nicht blos die Dinge, die wir in einem fremden Lande sehen und vernehmen, sind sehr eigenthümlich, sondern gewöhnlich nehmen auch unsere Gedanken diesen Dingen gegenüber eine ganz eigenthümliche Färbung an. Die Dinge selbst reden oft eine wunderbare sprache zu uns und regen Ideen und Ansichten in uns auf, die uns früher nie gekommen sind. Jeder hat z. B. gewis schon unzählige Male sich die Phramiden Egyptens vorgestellt, sie auch häufig schon im Bilde gesehen, und doch hat er bei dieser Vorstellung und Nachbildung nie diejenigen Empfindungen, sensationen, Einfälle gehabt, die ihm kommen werden, wenn er einmal selbst die Pyramiden in Egypten erblickt und sie selber besteigt. Da diese Gedanken, die uns von selbst an Ort und stelle kommen und die durch das Land und seinen Anblick hervorgerufen werden, gleichsam eine Localfarbe des Landes tragen, so ist es natürlich, das auch über sie im Tagebuch eine möglichst genaue Rechenschaft abgelegt werden sollte und das sie nicht zu jener Gattung von Nach gedanken gehören, die wir aus dem Tagebuche verweisen. Da das Tagebuch nur für den Reisenden selber bestimmt 
  
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 digen. Es ist etwas von dem veni, vidi, scripsi darin, welches sich der schwerfälligere Reisende, der erst selber schaut, ― dann andere Leute hört, ― dann Tagebücher anleg darauf Bücher excerpirt, ― -und darnach endlich selbst ein Buch von sich giebt, nicht leicht aneignet. digen. Es ist etwas von dem veni, vidi, scripsi darin, welches sich der schwerfälligere Reisende, der erst selber schaut, ― dann andere Leute hört, ― dann Tagebücher anleg darauf Bücher excerpirt, ― -und darnach endlich selbst ein Buch von sich giebt, nicht leicht aneignet.
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