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wiki:1878_kaltbrunner_rezension

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wiki:1878_kaltbrunner_rezension [2026/06/01 05:04] Norbert Lüdtkewiki:1878_kaltbrunner_rezension [2026/06/01 08:32] (aktuell) – [272] Norbert Lüdtke
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 ===== Literatur-Notizen ===== ===== Literatur-Notizen =====
  
-==== S. 270 ====+==== 270 ====
    
 D. KALTBRUNNER. //Manuel du Voyageur avec 280 figures et 24 planches.//\\ Zürich 1879. J. Wurster & Co. 8°. 762 pp. D. KALTBRUNNER. //Manuel du Voyageur avec 280 figures et 24 planches.//\\ Zürich 1879. J. Wurster & Co. 8°. 762 pp.
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 schwierig, dass es bisher für selbstverständlich galt, eine ganze Gruppe erfahrener Männer zur Ausführung desselben zu vereinigen. schwierig, dass es bisher für selbstverständlich galt, eine ganze Gruppe erfahrener Männer zur Ausführung desselben zu vereinigen.
  
-Im Einklang mit der Entwickelung ihres weltumspannenden Colonialreiches, waren die Engländer die ersten, welche im Jahre 1871 ein //„Manual of scientific enquiry"// herausgaben und es zunächst für die Träger von Englands Macht und Ruhm, für die Flotte bestimmten. Von gleichen Intentionen getragen, vereinigte der so vielseitig verdiente ''Neumayer'' 28 deutsche Gelehrte, welche in eben so vielen Abhandlungen ihre Rathschläge und Forderungen für wissenschaftliche Beobachtungen auf Reisen zusammenfassten. Auch die Pariser geographische Gesellschaft veröffentlichte fast zu derselben Zeit (1875) ihre //„Instructions"//, und in Italien erschienen die //„Istruzioni scientifiche per viaggiatori"//.+Im Einklang mit der Entwickelung ihres weltumspannenden Colonialreiches, waren die Engländer die ersten, welche im Jahre 1871 ein //„[[zeitleiste_reiseanleitungen_19._jahrhundert|Manual of scientific enquiry]]"// herausgaben und es zunächst für die Träger von Englands Macht und Ruhm, für die Flotte bestimmten. Von gleichen Intentionen getragen, vereinigte der so vielseitig verdiente ''Neumayer'' 28 deutsche Gelehrte, welche in eben so vielen Abhandlungen ihre Rathschläge und Forderungen für wissenschaftliche Beobachtungen auf Reisen zusammenfassten. Auch die Pariser geographische Gesellschaft veröffentlichte fast zu derselben Zeit (1875) ihre //„[[zeitleiste_reiseanleitungen_19._jahrhundert|Instructions]]"//, und in Italien erschienen die //„[[zeitleiste_reiseanleitungen_19._jahrhundert|Istruzioni scientifiche per viaggiatori]]"//.
  
 Darnach möchte es fast überflüssig erscheinen, dass die Literatur einen neuen Zuwachs auf dem so vielseitig bearbeiteten Gebiete erhielte. Dies ist indessen nicht der Fall, und zwar aus dem Grunde nicht, weil, im Gegensatz zu den angeführten Publicationen, das Kaltbrunner'sche //„Manuel"// einen einzigen Verfasser hat. Und hierin liegt das Verdienst und die Berechtigung. Denn was von einem einzigen Menschen geschrieben ist, kann auch von einem einzigen Menschen verstanden werden; die nothwendige Beschränkung der an den Reisenden gestellten Anforderungen ergiebt sich daraus von selbst, und der wahre Satz, dass in der Beschränkung die Kunst liegt, erhält eine schlagende Bestätigung. Zwar besitzen wir das verdienstvolle Buch des ''Colonel J. R. Jackson'' //„What to observe"//, welches bereits im Jahre 1861 die 3. Auflage erlebt hat und welches sich selbst ein //„traveller's remembrancer"// nennt; dieses aber legt den Nachdruck mehr auf das Was, Kaltbrunner's //„Manuel"// mehr auf das Wie beobachtet werden soll. Jackson führt die Sentenz an: //„L'art d'observer est le seul moyen d'acquérir des connaissances utiles"//, und Kaltbrunner lässt seinen Philosophen sagen: //„Nous voyons en raison de ce que nous savons"//. Darnach möchte es fast überflüssig erscheinen, dass die Literatur einen neuen Zuwachs auf dem so vielseitig bearbeiteten Gebiete erhielte. Dies ist indessen nicht der Fall, und zwar aus dem Grunde nicht, weil, im Gegensatz zu den angeführten Publicationen, das Kaltbrunner'sche //„Manuel"// einen einzigen Verfasser hat. Und hierin liegt das Verdienst und die Berechtigung. Denn was von einem einzigen Menschen geschrieben ist, kann auch von einem einzigen Menschen verstanden werden; die nothwendige Beschränkung der an den Reisenden gestellten Anforderungen ergiebt sich daraus von selbst, und der wahre Satz, dass in der Beschränkung die Kunst liegt, erhält eine schlagende Bestätigung. Zwar besitzen wir das verdienstvolle Buch des ''Colonel J. R. Jackson'' //„What to observe"//, welches bereits im Jahre 1861 die 3. Auflage erlebt hat und welches sich selbst ein //„traveller's remembrancer"// nennt; dieses aber legt den Nachdruck mehr auf das Was, Kaltbrunner's //„Manuel"// mehr auf das Wie beobachtet werden soll. Jackson führt die Sentenz an: //„L'art d'observer est le seul moyen d'acquérir des connaissances utiles"//, und Kaltbrunner lässt seinen Philosophen sagen: //„Nous voyons en raison de ce que nous savons"//.
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 weniger an die Reisenden von Beruf, als an die Dilettanten, an die Touristen und alle Diejenigen, für welche das Reisen nur eine nebensächliche Beschäftigung ist. Der leicht fassliche Ton des Buches macht es allerdings für diese geeignet, ohne dass die Bedeutung desselben für den wissenschaftlichen Reisenden dadurch gemindert würde. Denn für sein Specialfach bedarf der Gelehrte keines „Manuel", sondern nur für diejenigen Gebiete, auf denen er nicht zu Hause ist, und auf denen er, vermöge seiner geistigen Geschultheit − wir möchten sagen − einen erleuchteten Dilettantismus entfalten kann. weniger an die Reisenden von Beruf, als an die Dilettanten, an die Touristen und alle Diejenigen, für welche das Reisen nur eine nebensächliche Beschäftigung ist. Der leicht fassliche Ton des Buches macht es allerdings für diese geeignet, ohne dass die Bedeutung desselben für den wissenschaftlichen Reisenden dadurch gemindert würde. Denn für sein Specialfach bedarf der Gelehrte keines „Manuel", sondern nur für diejenigen Gebiete, auf denen er nicht zu Hause ist, und auf denen er, vermöge seiner geistigen Geschultheit − wir möchten sagen − einen erleuchteten Dilettantismus entfalten kann.
  
-Was der Verfasser hat thun können, um sein Buch nutzbringend zu machen, hat er gethan; aber eben weil es vornehmlich ein Buch der Erfahrung ist, so sind seiner Wirksamkeit die [[Grenzen |Grenzen]] gesteckt, welche das, jedem Menschen anhaftende Widerstreben: sich die Erfahrungen Anderer zu Nutze zu machen, aufrichtet.+Was der Verfasser hat thun können, um sein Buch nutzbringend zu machen, hat er gethan; aber eben weil es vornehmlich ein Buch der Erfahrung ist, so sind seiner Wirksamkeit die [[Grenze|Grenzen]] gesteckt, welche das, jedem Menschen anhaftende Widerstreben: sich die Erfahrungen Anderer zu Nutze zu machen, aufrichtet.
  
 Um so mehr erscheint es als eine Pflicht der Besprechung, nachdem der Inhalt an der eigenen Erfahrung geprüft ist, das Buch allseitiger Berücksichtigung zu empfehlen. Die blosse Lectüre wird natürlich weder einen Reisenden noch einen Beobachter hervorbringen; zwischen dem behaglichen Studium des schön gedruckten Werkes und der rauhen Wirklichkeit liegt noch eine tiefe Kluft, und in praxi wird man bald erkennen, dass ein Reisender sich nicht so vielseitig bethätigen kann, wie ein „Manuel" es voraussetzen muss. Daraus aber entsteht für das Buch selbst kein Vorwurf; denn wenn dieses auf alle Widerwärtigkeiten und Hemmnisse Rücksicht nehmen wollte, die den Reisenden treffen können, so würde es über lauter „Wenn" und "Aber" seinen Zweck nicht erreichen. Um so mehr erscheint es als eine Pflicht der Besprechung, nachdem der Inhalt an der eigenen Erfahrung geprüft ist, das Buch allseitiger Berücksichtigung zu empfehlen. Die blosse Lectüre wird natürlich weder einen Reisenden noch einen Beobachter hervorbringen; zwischen dem behaglichen Studium des schön gedruckten Werkes und der rauhen Wirklichkeit liegt noch eine tiefe Kluft, und in praxi wird man bald erkennen, dass ein Reisender sich nicht so vielseitig bethätigen kann, wie ein „Manuel" es voraussetzen muss. Daraus aber entsteht für das Buch selbst kein Vorwurf; denn wenn dieses auf alle Widerwärtigkeiten und Hemmnisse Rücksicht nehmen wollte, die den Reisenden treffen können, so würde es über lauter „Wenn" und "Aber" seinen Zweck nicht erreichen.
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