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| wiki:analytik [2020/06/18 15:17] – angelegt Norbert Lüdtke | wiki:analytik [2021/08/18 05:02] (aktuell) – [1. Außerfachliche und analytische Fragestellung] Norbert Lüdtke | ||
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| - | ====== Der analytische | + | ====== Der analytische |
| ===== Ursprung und Aufgaben der Analytik ===== | ===== Ursprung und Aufgaben der Analytik ===== | ||
| Ihre geschichtlichen Wurzeln hat die Analytik im mineralogischen und metallurgischen Bereich: Bergbau und die Weiterverarbeitung der Rohstoffe erforderten die Kenntnis von Art und Mengen der in Mineralien und Erzen enthaltenen Stoffe. Zu dieser Zeit war Analytik noch zu Recht " | Ihre geschichtlichen Wurzeln hat die Analytik im mineralogischen und metallurgischen Bereich: Bergbau und die Weiterverarbeitung der Rohstoffe erforderten die Kenntnis von Art und Mengen der in Mineralien und Erzen enthaltenen Stoffe. Zu dieser Zeit war Analytik noch zu Recht " | ||
| - | Die Bedeutung der Begriffe | + | |
| - | Das Wort " | + | ==== Analyse und Analytik |
| - | In den Naturwissenschaften bilden Gemische, Kristalle, Moleküle, Atome, Ionen die Erscheinungen der objektiven Realität; die Relationen zwischen ihnen zeigen sich ihrer Struktur, ihrem Aufbau. In diesem Sinne wäre Analytik in der Chemie die Zerlegung | + | Das Wort " |
| - | " | + | |
| - | Dies führt zu einer ersten Definition: " | + | In den Naturwissenschaften bilden Gemische, Kristalle, Moleküle, Atome, Ionen die Erscheinungen der objektiven Realität; die Relationen zwischen ihnen zeigen sich ihrer Struktur, ihrem Aufbau. In diesem Sinne wäre Analytik in der Chemie die Zerlegung |
| - | Art, Menge und Struktur werden als Information erfasst und beschrieben; | + | Die Analyse zielt also nicht auf die Stoffebene, sondern versucht mit Blick auf ein chemisches System |
| - | " | + | |
| - | " | + | |
| - | " | + | |
| - | " | + | |
| - | Der Ablauf des analytischen Prozesses | + | |
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| + | »Chemische | ||
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| + | ==== Der Ablauf des analytischen Prozesses | ||
| Unabhängig vom gewählten Analysenverfahren findet sich eine immer gleiche Methodik in den folgenden Schritten: | Unabhängig vom gewählten Analysenverfahren findet sich eine immer gleiche Methodik in den folgenden Schritten: | ||
| - | 1. Erkennen des vorliegenden Problems | + | - Erkennen des vorliegenden Problems |
| - | 2. Formulierung einer analytischen Fragestellung | + | |
| - | 3. Wahl des geigneten Analyseverfahrens | + | |
| - | 4. Probenahme | + | |
| - | 5. Vorbereitung der Probe | + | |
| - | 6. Messung | + | |
| - | 7. Datenverarbeitung | + | |
| - | 8. Statistische | + | |
| - | 9. Kritische Interpretation des Analysenresultats | + | |
| - | Diese Schritte sollen im folgenden genauer beschrieben werden. | + | ===== 1. Außerfachliche und analytische Fragestellung ===== |
| - | Der Zusammenhang | + | Es gilt: 1. Abwesenheit |
| + | Aber es gilt auch: //unus testis nullus testis//. | ||
| Fragestellungen ergeben sich aus konkreten Umweltsituationen: | Fragestellungen ergeben sich aus konkreten Umweltsituationen: | ||
| - | - Kann ich dieses Wasser ohne Gefahr für meine Gesundheit trinken? | + | * Kann ich dieses Wasser ohne Gefahr für meine Gesundheit trinken? |
| - | Dieses Informationsbedürfnis ist klar, leicht verständlich und durch die subjektiven Interessen der Betroffenen enstanden. Entstanden ist es auch durch eine Güterabwägung: | + | * Ist dieses oder jenes Lebensmittel vergiftet? |
| - | Dieses Mißtrauen mag dazu führen, daß den Aussagen städtischer Bediensteter oder den Pressereferenten größerer Betriebe kein Glauben geschenkt wird. Man will Sicherheit und glaubt diese am ehesten in der Wissenschaft zu finden. So wenden sich die Betroffenen an mehr oder weniger unabhängige Institute wie den TÜV, an kommerzielle Laboratorien oder an alternative Einrichtungen | + | * Welches Risiko gehen meine Kinder ein, wenn sie auf dem Kinderspielplatz spielen? |
| + | * Ist die Luft in unserer Gegend, in unserem Haus schädlich? | ||
| + | Dieses Informationsbedürfnis ist klar, leicht verständlich und durch die subjektiven Interessen der Betroffenen enstanden. Entstanden ist es auch durch eine **Güterabwägung**: Gesundheit und Lebensqualität werden abgewogen gegen mögliche | ||
| + | Dieses Mißtrauen mag dazu führen, daß den Aussagen städtischer Bediensteter oder den Pressereferenten größerer Betriebe kein Glauben geschenkt wird. Man will [[wiki: | ||
| + | |||
| + | ==== Die Deutung der Wahrheit ==== | ||
| Wahrheit bedeutet Wissenschaft: | Wahrheit bedeutet Wissenschaft: | ||
| - | - Also, ich möchte wissen, ob ich das Grundwasser aus meinem Garten trinken darf. Oder werde ich davon krank? | + | * Also, ich möchte wissen, ob ich das Grundwasser aus meinem Garten trinken darf. Oder werde ich davon krank? |
| - | - Nun, ich kann untersuchen, | + | * //Nun, ich kann untersuchen, |
| - | - Ich glaube nämlich, daß unser Wasser verseucht ist. Und wenn es den Anforderungen genügt, ist es dann gesund und macht nicht krank? | + | |
| - | - Normalerweise wird man dann nicht krank. Aber ganz sicher sein kann man nicht. Es kommt eben darauf an, was drin ist. Wonach sollen wir denn suchen? | + | * //Normalerweise wird man dann nicht krank. Aber ganz sicher sein kann man nicht. Es kommt eben darauf an, was drin ist. Wonach sollen wir denn suchen?// |
| - | - Am liebsten nach allem, was krank macht. | + | |
| - | - Nun, das geht nicht. Wir können Tests machen, mit Fischen oder mit Bakterien oder anderen Lebewesen. Und wenn die Tiere gesund bleiben, ist das Wasser zumindest nicht so stark vergiftet, daß es akute Wirkungen hat. | + | |
| - | - Die armen Tiere. Das heißt, dann kann ich das Wasser bedenkenlos trinken? | + | |
| - | - Nein, natürlich nicht. Es können immer noch Stoffe drin sein, die sehr langfristig wirken, die krebserzeugend sind oder das Erbgut verändern oder die sich im Körper anreichern und erst nach Jahren ihre Giftwirkung zeigen. | + | * //Nein, natürlich nicht. Es können immer noch Stoffe drin sein, die sehr langfristig wirken, die krebserzeugend sind oder das Erbgut verändern oder die sich im Körper anreichern und erst nach Jahren ihre Giftwirkung zeigen.// |
| - | - Ja, dann suchen Sie im Wasser doch diese Stoffe. | + | |
| - | - Ach, wissen Sie: es gibt zehntausende Stoffe, von denen wir wissen, daß sie gefährlich sein können. Da brauchen wir Monate und Jahre, um die alle nachzuweisen. Besser wäre es, wenn Sie einen Verdacht haben. Wenn also in Ihrer Gegend viel Landwirtschaft ist, könnte es sinnvoll sein, nach Nitraten zu suchen oder nach Pestiziden. Oder wenn Sie von einer Deponie in der Nähe wissen, könnten wir das berücksichtigen. Oder wenn eine alte Autowerkstatt in Ihrer Nachbarschaft liegt, dann würden wir nach Mineralölen suchen. | + | * //Ach, wissen Sie: es gibt zehntausende Stoffe, von denen wir wissen, daß sie gefährlich sein können. Da brauchen wir Monate und Jahre, um die alle nachzuweisen. Besser wäre es, wenn Sie einen Verdacht haben. Wenn also in Ihrer Gegend viel Landwirtschaft ist, könnte es sinnvoll sein, nach Nitraten zu suchen oder nach Pestiziden. Oder wenn Sie von einer Deponie in der Nähe wissen, könnten wir das berücksichtigen. Oder wenn eine alte Autowerkstatt in Ihrer Nachbarschaft liegt, dann würden wir nach Mineralölen suchen.// |
| - | - Und dann können Sie herausfinden, | + | |
| - | - Wir können schon untersuchen, | + | * //Wir können schon untersuchen, |
| - | - Das enttäuscht mich aber sehr. Dann kann ich ja nie ganz sicher sein, daß ich sauberes Wasser habe. | + | |
| - | - Das gibt es ja nie und das hat es auch auf der Erde noch nie gegeben. In jedem Wassertropfen können alle Stoffe, die es auf der Welt gibt, enthalten sein. Aber eben so wenig von jedem, daß sie wahrscheinlich keinen Schaden anrichten. | + | * //Das gibt es ja nie und das hat es auch auf der Erde noch nie gegeben. In jedem Wassertropfen können alle Stoffe, die es auf der Welt gibt, enthalten sein. Aber eben so wenig von jedem, daß sie wahrscheinlich keinen Schaden anrichten.// |
| - | - Jetzt werde ich aber ein bißchen vorsichtig: was heißt denn " | + | |
| - | - Ja, wissen Sie, wir Analytiker können herausfinden, | + | * //Ja, wissen Sie, wir Analytiker können herausfinden, |
| - | - Sie meinen, Sie können mir eine Analyse machen von allen Stoffen, die mich interessieren. Und dann habe ich alle diese Analysenergebnisse und kann noch immer nicht mit Sicherheit sagen, ob es für mich schädlich ist, wenn ich das Wasser trinke? | + | |
| - | - So ist es. Sie müssen herausfinden, | + | * //So ist es. Sie müssen herausfinden, |
| - | In einem solchen Gespräch muß das allgemeine Interesse der Betroffenen in die Fachsprache des Analytikers übersetzt werden. Dabei wird es gleichzeitig zerlegt in analytisch beantwortbare Teilfragen. Erst diese sind dann mit der wissenschaftlichen Methodik untersuchbar. Nach Beendigung der Untersuchung erfolgt der gleiche Vorgang umgekehrt. Teilergebnisse werden verständlich gedeutet und formuliert. Aus der Summe der Teilantworten sollte sich die übergeordnete Antwort für den Interessenten konstruieren lassen. Das kritische | + | |
| + | In einem solchen Gespräch muß das allgemeine Interesse der Betroffenen in die Fachsprache des Analytikers übersetzt werden. Dabei wird es gleichzeitig zerlegt in analytisch beantwortbare Teilfragen. Erst diese sind dann mit der wissenschaftlichen Methodik untersuchbar. Nach Beendigung der Untersuchung erfolgt der gleiche Vorgang umgekehrt. Teilergebnisse werden verständlich gedeutet und formuliert. Aus der Summe der Teilantworten sollte sich die übergeordnete Antwort für den Interessenten konstruieren lassen. Das Kritische | ||
| + | |||
| + | Graham Priest: | ||
| + | Gibt es mehr als nur wahr oder falsch? | ||
| + | Die westliche Philosophie mit ihrer Logik war über Jahrtausende nicht bereit, | ||
| + | wahre Widersprüche zu tolerieren. | ||
| + | Das buddhistische Denken kennt da einen faszinierenden anderen Weg: | ||
| + | Das Catuṣkoṭi. | ||
| + | DIE ZEIT Nr. 25/2020 | ||
| + | |||
| + | ==== Ergebnis und Resultat ==== | ||
| Dieser Prozeß macht die so gewonnenen Wahrheiten außerordentlich anfällig für Manipulationen. Auseinandersetzungen lassen sich daher oft nicht mit dieser Vorgehensweise schlichten, da beide Parteien diese Wahrheiten für sich instrumentalisieren können. Pointiert lassen sich sechs Strategien unterscheiden: | Dieser Prozeß macht die so gewonnenen Wahrheiten außerordentlich anfällig für Manipulationen. Auseinandersetzungen lassen sich daher oft nicht mit dieser Vorgehensweise schlichten, da beide Parteien diese Wahrheiten für sich instrumentalisieren können. Pointiert lassen sich sechs Strategien unterscheiden: | ||
| - | 1. Das Ergebnis ist richtig, man verläßt sich hundertprozentig darauf. | + | - Das Ergebnis ist richtig, man verläßt sich hundertprozentig darauf. |
| - | 2. Das Resultat ist falsch, da das Analysenverfahren in irgendeinem Punkt nicht vorschriftsmäßig durchgeführt wurde. (Beispiel: Probenahmefehler) | + | |
| - | 3. Das Resultat ist richtig, aber nicht anwendbar, da es unter völlig unrealistischen Bedingungen zustande kam. (Beispiel: Asbestfaser- und Staubmessungen in einem menschenleeren Raum mit abgeschalteten Maschinen, der sonst intensiv genutzt wird) | + | |
| - | 4. Das Resultat ist richtig, aber irrelevant, da dem Analytiker eine falsche oder interessegeleitete Fragestellung vorlag. (Beispiel: Der Schulträger beauftragt ein Institut, die Asbestbelastung einer Schule mit dem Ziel zu messen, welche Maßnahmen die Schule baldmöglichst wieder nutzbar machen) | + | |
| - | 5. Das Resultat kann richtig oder falsch sein. Es ist aber nicht anwendbar, da die Fragestellung zu eng gefasst wurde. Weitere Fragen bleiben offen und müssen durch zusätzliche Untersuchungen erst geklärt werden. (Beispiel: Messung der Schadstoffbelastung des Waldes ohne eindeutig bekannte Wirkungszusammenhänge mit der Erkrankung von Bäumen) | + | |
| - | 6. Das Resultat ist richtig, aber in seiner Anwendung auf den Einzelfall zweifelhaft, | + | |
| Im konkreten Fall mag es durchaus möglich sein, daß alle Strategien gleichzeitig auf dasselbe Analysenergebnis angewandt werden, da unterschiedliche Gruppen unterschiedliche Interessen haben.Es mag paradox erscheinen, daß eine wissenschaftlich exakt geführte, enorm aufwendige Untersuchung zu einem Ergebnis führt, das nahezu beliebig bewertet werden kann. Der Wert der Untersuchung ist damit selber in Frage gestellt! | Im konkreten Fall mag es durchaus möglich sein, daß alle Strategien gleichzeitig auf dasselbe Analysenergebnis angewandt werden, da unterschiedliche Gruppen unterschiedliche Interessen haben.Es mag paradox erscheinen, daß eine wissenschaftlich exakt geführte, enorm aufwendige Untersuchung zu einem Ergebnis führt, das nahezu beliebig bewertet werden kann. Der Wert der Untersuchung ist damit selber in Frage gestellt! | ||
| - | Das Bemühen von Analytikern, | + | |
| - | Andererseits sind die Auftraggeber meist analytische Laien. Für sie zählt das Ergebnis, das sie aber nicht als Produkt eines solch komplexen Prozesses verstehen, sondern oft nur als Ja-Nein-Beleg, als Grundlage einer Entscheidung. Dann muß sich der Analytiker fragen: | + | Das Bemühen von Analytikern, |
| - | 1. Wie kann ich dem Auftraggeber deutlich machen, daß das exakt anmutende, mathematisch formulierte | + | |
| - | 2. Wie wird das Resultat | + | Andererseits sind die Auftraggeber meist analytische Laien. Für sie zählt das Ergebnis nicht als Produkt eines solch komplexen Prozesses verstehen, sondern oft nur als Ja-Nein-Grundlage einer Entscheidung. das objektive Ergebnis muss situativ etwas ergeben, ein subjektives Resultat bewirken. Dann muß sich der Analytiker fragen: |
| - | Der verantwortungsvolle Analytiker muß zusätzliche Hinweise über den Aussagewert seiner Untersuchung liefern; er muß sich klar sein, daß sein Resultat eine interpretationsbedürftige Information darstellt. | + | |
| - | Der Chemiker R. Pudill meint dazu: " | + | |
| - | Die Formulierung des analytischen Problems | + | Der verantwortungsvolle Analytiker muß zusätzliche Hinweise über den Aussagewert seiner Untersuchung liefern; er muß sich klar sein, daß sein Resultat eine interpretationsbedürftige Information darstellt. Der Chemiker |
| - | Die Schwierigkeit des Analytikers besteht nun darin, aus diesem unauflösbaren Konflikt heraus eine analytisch umsetzbare Fragestellung herauszukristallisieren. Ohne jetzt auf Einzelfälle einzugehen, lassen sich die Ziele des Analytikers in etwa folgenden Zielgruppen zuordnen (verändert nach " | + | |
| - | 1. Ein stoffliches System ist vollständig beschrieben, | + | ===== 2. Die Formulierung des analytischen Problems |
| - | 2. Die partielle, gezielte Information: | + | Die Schwierigkeit des Analytikers besteht nun darin, aus diesem unauflösbaren Konflikt heraus eine analytisch umsetzbare Fragestellung herauszukristallisieren. Ohne jetzt auf Einzelfälle einzugehen, lassen sich die Ziele des Analytikers in etwa folgenden Zielgruppen zuordnen ((angelehnt an " |
| - | 3. Der gesuchte Stoff ist unbekannt, jedoch sind Wirkungen erkennbar, die auf eine materielle Ursache hinweisen. Der gesuchte Stoff muß isoliert, charakterisiert und seine Anteile quantifiziert werden. | + | |
| - | 4. Der gesuchte Stoff ist Reaktionsprodukt (Metabolit) einer bekannten Komponente und somit wenigstens teilweise bekannt. Das weitere Verfahren entspricht 2 und 3. | + | |
| - | 5. Der gesuchte Stoff ist nicht nur eine einzige Komponente, sondern eine Gruppe von Substanzen mit ähnlichen Wirkungen. Beispielsweise könnten das die mehr als 20 polychlorierten Biphenyle (PCB' s) sein. | + | |
| - | 6. Das zu Bestimmende ist so wenig abgrenzbar, daß es nur aufgrund bestimmter vereinbarter Verfahren nachgewiesen | + | |
| - | 7. Die zu bestimmenden Komponenten sind Hauptbestandteile, | + | |
| - | 8. Der interessierende Stoff ist Hauptbestandteil in hoher Konzentration von etwa 99%. In diesem Fall spricht man von Reinheitsprüfung. Es werden die Nebenbestandteile | + | |
| - | 9. Ein gesicherter Grenzwert für die Abwesenheit gewisser Komponenten ist zu garantieren, | + | |
| - | 10. Eine oder mehrere Phasen müssen getrennt quantitativ oder qualitativ analysiert werden. | + | |
| - | 11.Mehrphasensysteme werden unter gleichzeitiger Mittelung analysiert, z.B. Gesteins~ analysen klassischer Art. | + | |
| - | 12. Die Analyse bezieht sich auf einen begrenzten | + | |
| - | 13. Ziel ist die Aufklärung atomarer oder molekularer Strukturen. Reinheit und Phasen~ verhalten | + | |
| - | 14. Bestandteile werden auf niedrigerem Hierarchieniveau bestimmt, z.B. der Gehalt an aromatischen Aminen durch Titration mit Säuren. | + | |
| - | 15. Die zu bestimmenden Stoffe haben eine gemeinsame Eigenschaft, | + | |
| - | 16.Bestimmung physikalisch-chemischerEigenschaften | + | |
| - | Mit Rücksicht auf die gesellschaftliche Bedeutung der Analytik | + | |
| - | Die methodenorientierte Analytik | + | |
| - | Die Aufgabenstellungen | + | |
| - | 1. Die vergleichende Qualitätskontrolle in der landwirtschaftlichen und industriellen Produktion sowie beim Umweltschutz. Materialien werden hinsichtlich festgelegter Kenngrößen, | + | ==== Methodenorientierte und problemorientierte |
| - | 2. Die Untersuchung von im allgemeinen unerwünschten Nebenprodukten und Mechanismen, | + | Die methodenorientierte Analytik |
| - | 3. Die wissenschaftliche Grundlagenforschung bezüglich Zusammensetzung, | + | |
| - | Die Wahl eines geeigneten Analysenverfahrens | + | |
| - | Der Analytiker | + | |
| - | "Analysenmittel | + | |
| - | Vereinfachend unterteilt man ein Analysenverfahren in die Schritte: | + | ===== 3. Die Wahl eines geeigneten Analysenverfahrens |
| - | 1. Probenahme | + | Der Analytiker |
| - | 2. Probenvorbereitung | + | |
| - | 3. Messung | + | ==== Analysenprinzipien |
| - | 4. Auswertung | + | |
| - | Analysenprinzipien | + | |
| Soll beispielsweise der Gehalt des Objektes an einer bestimmten Komponente untersucht werden, so werden sich eine Reihe von Analysenprinzipien finden lassen, die grundsätzlich zur Wechselwirkung mit dieser Komponente geeignet sind (siehe im Abschnitt " | Soll beispielsweise der Gehalt des Objektes an einer bestimmten Komponente untersucht werden, so werden sich eine Reihe von Analysenprinzipien finden lassen, die grundsätzlich zur Wechselwirkung mit dieser Komponente geeignet sind (siehe im Abschnitt " | ||
| - | Dann bleibt uns die chemische Reaktion | + | Die chemische Reaktion |
| - | Da diese Meßgrößen mit den analytischen Informationen nur über stöchiometrische Faktoren zusammenhängen, | + | * Masse |
| - | 1. Eindeutigkeit des Reaktionsablaufs, | + | * Volumen |
| - | 2. Vollständigkeit der Umsetzung und | + | * Druck |
| - | 3. hinreichend große Reaktionsgeschwindigkeit. | + | * Teilchenzahl |
| - | Die nachstehende Abbildung zeigt zusammenfassend, | + | * Konzentration |
| - | Da chemische Reaktionen meist mit thermischen Effekten verbunden sind, ergeben sich weitere Meßgrößen als Grundlage von Analysenprinzipien: | + | * Reaktionsgeschwindigkeit |
| - | Dieser kleine Ausschnitt mag vorerst genügen, um die Fülle möglicher Analysenprinzipien | + | * Reaktionsordnung |
| - | 1. Reaktionen mit Bariumverbindungen | + | * Reaktionszeit |
| - | 2. Reaktionen mit Calciumverbindungen | + | Da diese Meßgrößen mit den analytischen Informationen nur über stöchiometrische Faktoren zusammenhängen, |
| - | 3. Reaktionen mit Bleiverbindungen | + | |
| - | 4. Reaktionen mit Laugen | + | |
| - | Analysenmethoden | + | |
| - | Das Analysenprinzip | + | |
| - | Diese Reaktionen können aber unter zahlreichen unterschiedlichen Bedingungen | + | Da chemische Reaktionen meist mit messbaren |
| - | Beispielsweise kann die Reaktion mit Bariumchlorid in einem Tropfen unter dem Mikro~ skop, auf der Tüpfelplatte oder in einem Reagenzglas durchgeführt werden. Das Resultat ist immer qualitativ: es läßt sich erkennen, ob Sulfat vorliegt oder nicht - quantitative Aussagen lassen sich nicht machen. Alle drei Methoden sind schnell durchführbar. Der Einsatz von Mikroskop und Tüpfelplatte ist sinnvoll, wenn beispielsweise die zur Verfügung stehende Probenmenge sehr gering ist. | + | * Temperatur |
| - | Der apparative Aufwand steigt, wenn die Methode quantitative Aussagen ermöglichen soll. Beispielsweise kann die Titration mit einer normalen Bürette oder einer Mikrobürette erfolgen. Die Reaktion mit Bariumhydroxid läßt sich gravimetrisch erfassen oder titrimetrisch, | + | * Wärmeleitfähigkeit |
| - | Die folgende Liste zeigt eine Auswahl möglicher quantitativer Analysenmethoden: | + | * Schmelz-, Erstarrungs-, |
| - | 1. Fällung und nachfolgende gravimetrische Bestimmung | + | * Schmelz- und Siedepunkte usw. |
| - | 1.1 mit Bariumverbindungen | + | |
| - | 1.1.1 über Bariumchlorid | + | Diese Fülle möglicher Analysenprinzipien |
| - | 1.1.2 über Bariumhydroxid | + | |
| - | 1.1.3 über Bariumperchlorat | + | |
| - | 1.1.4 über Bariumacetat | + | |
| - | 1.2 mit Calciumverbindungen | + | |
| - | 1.2.1 über Calciumchlorid | + | |
| - | 1.2.2 über Calciumhydroxid | + | ==== Analysenmethoden |
| - | 1.2.3 über Calciumoxalat | + | Das Analysenprinzip |
| - | 1.3 mit Bleiverbindungen | + | Die ausgewählte |
| - | 1.3.1 über Bleichromat | + | * die Zustandsgrößen Temperatur, Druck, Konzentration sind variabel, |
| - | 2. Neutralisationstitration mit Säure-Base-Indikatoren zur Endpunktbestimmung | + | * Zusätze von Hilfsreagentien sind möglich (Indikatoren), |
| - | 2.1 mit Natronlauge | + | * es können andere |
| - | 2.2 mit Kalilauge | + | * Bei der apparativen Umsetzung sind den Möglichkeiten |
| - | 3 Fällungstitration mit allen unter 1. genannten Möglichkeiten | + | Beispielsweise kann die Reaktion mit Bariumchlorid in einem Tropfen unter dem Mikroskop, auf der Tüpfelplatte oder in einem Reagenzglas durchgeführt werden. Das Resultat ist immer qualitativ: es läßt sich erkennen, ob Sulfat vorliegt oder nicht - quantitative Aussagen lassen sich nicht machen. Alle drei Methoden sind schnell durchführbar. Der Einsatz von Mikroskop und Tüpfelplatte ist sinnvoll, wenn beispielsweise die zur Verfügung stehende Probenmenge sehr gering ist. |
| - | 3.1 und konduktometrische Gehaltsbestimmung | + | |
| - | 3.2 und amperometrische Gehaltsbestimmung | + | Der apparative Aufwand steigt, wenn die Methode quantitative Aussagen ermöglichen soll. Beispielsweise kann die Titration mit einer normalen Bürette oder einer Mikrobürette erfolgen. Die Reaktion mit Bariumhydroxid läßt sich gravimetrisch erfassen oder titrimetrisch, |
| - | 3.3 und potentiometrische Gehaltsbestimmung | + | 1. Fällung und nachfolgende gravimetrische Bestimmung |
| - | 4 Photometrische Bestimmung | + | |
| - | 4.1 mit Parafuchsin | + | 1.1.1 über Bariumchlorid |
| - | Anforderungen und Voraussetzungen zur Auswahl einer Analysenmethode | + | 1.1.2 über Bariumhydroxid |
| + | 1.1.3 über Bariumperchlorat | ||
| + | 1.1.4 über Bariumacetat | ||
| + | | ||
| + | 1.2.1 über Calciumchlorid | ||
| + | 1.2.2 über Calciumhydroxid | ||
| + | 1.2.3 über Calciumoxalat | ||
| + | | ||
| + | 1.3.1 über Bleichromat | ||
| + | 2. Neutralisationstitration mit Säure-Base-Indikatoren zur Endpunktbestimmung | ||
| + | | ||
| + | | ||
| + | 3. Fällungstitration mit allen unter 1. genannten Möglichkeiten | ||
| + | | ||
| + | | ||
| + | | ||
| + | 4 Photometrische Bestimmung | ||
| + | | ||
| + | |||
| + | ==== Anforderungen und Voraussetzungen zur Auswahl einer Analysenmethode | ||
| Über die Auswahl einer geeigneten Analysenmethode entscheiden gänzlich andere Kriterien. Auf der einen Seite begrenzen die apparative Ausstattung des Labors, die Erfahrung und die Fähigkeiten des Analytikers die Auswahl der Methode. | Über die Auswahl einer geeigneten Analysenmethode entscheiden gänzlich andere Kriterien. Auf der einen Seite begrenzen die apparative Ausstattung des Labors, die Erfahrung und die Fähigkeiten des Analytikers die Auswahl der Methode. | ||
| Auf der anderen Seite stehen die Anforderungen des Interessenten: | Auf der anderen Seite stehen die Anforderungen des Interessenten: | ||
| - | - Wie genau soll der Gehalt dieser Komponente bestimmt werden? | + | * Wie genau soll der Gehalt dieser Komponente bestimmt werden? |
| - | - Wie schnell wird das Ergebnis benötigt? | + | |
| - | - Wie sicher soll das Ergebnis sein? | + | |
| - | - Handelt es sich um eine Einzelbestimmung oder soll regelmäßig gemessen werden? | + | |
| - | - Wie teuer darf der ganze Vorgang sein? | + | |
| - | Unter Berücksichtigung dieser Anforderungen sollten sich einige Analysenmethoden | + | Unter Berücksichtigung dieser Anforderungen sollten sich bereits |
| - | Je mehr über dieses Objekt bzw. die Probe bekannt ist, desto erfolgreicher kann eine vielversprechende Analysenmethode ausgewählt und daraus ein Analysenverfahren entwickelt werden: | + | |
| - | - Ist die Zusammensetzung der Probe zeitlich konstant oder verändert sie sich? - Ist die Probe homogen oder besteht sie aus mehreren Phasen? | + | * Ist die Probe homogen oder besteht sie aus mehreren Phasen? |
| - | Werden beispielsweise Wasserproben aus Oberflächengewässern gezogen, so ist durch~ aus mit einer sich verändernden Probe zu rechnen: darin enthaltene Algen verändern den Sauerstoffgehalt, | + | * Welche Probenmengen stehen zur Verfügung? |
| - | Eine Wasserprobe kann durchaus heterogen sein, auch wenn sie auf den ersten Blick völlig klar und gleichmäßig erscheint. Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid sind nahezu immer darin gelöst; bei Proben, die unter Druck stehen (z.B. aus großer Tiefe) muß ein Ausgasen verhindert werden bzw. entwichenes Gas wird aufgefangen und getrennt untersucht. Dies gilt gleichermaßen für feste Bestandteile. | + | * In welchem Gehaltsbereich liegt die zu bestimmende Komponente vor (z.B. ppm, bis 1%, bis 10%, bis 99%)? |
| - | Bei Wasserproben stehen meist ausreichende | + | |
| - | Aber zurück zu unserem schwefelsäurehaltigen Wasser. Eine solche Probe ist meist problemlos. Sicher sind auch hier sulfatabbauende Bakterien möglich, aber sehr selten und wir können von einer stabilen Probe ausgehen. Auch die Probenmengen sollten nicht ungewöhnlich klein sein, da Regen, Grundwasser, | + | Werden beispielsweise Wasserproben aus Oberflächengewässern gezogen, so ist durchaus |
| - | Die geeignete Analysenmethode ist gewählt, das Analysenverfahren ist jedoch noch nicht vollständig. | + | |
| - | Die Probenahme | + | Eine Wasserprobe kann durchaus heterogen sein, auch wenn sie auf den ersten Blick völlig klar und gleichmäßig erscheint. Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid sind nahezu immer darin gelöst; bei Tiefenwasser muss jedoch |
| - | Bei der Probenahme wird ein Teil des Analysenobjektes stellvertretend für das Ganze entnommen; selber möglichst klein, soll die Probe das Objekt in allen zu untersuchenden Eigenschaften exakt abbilden: die Probe repräsentiert das Objekt. Diese Forderung kann relativ einfach erfüllt werden, wenn das zu untersuchende Objekt räumlich und zeitlich homogen ist. | + | |
| - | Genau genommen wird dies niemals der Fall sein. Alle Regeln für die Probenahme bezwecken jedoch, dieses Ideal zu erreichen. Selbst im scheinbar einfachsten Fall, der Probenahme aus Luft, sind die Verhältnisse verzwickt: Raumluft unterscheidet sich von Außenluft, die Luft über Straßen ändert sich schon nach wenigen Metern, an Kreuzungen herrschen wieder andere Verhältnisse, | + | Die Probenmengen |
| + | |||
| + | Aber zurück zu unserem schwefelsäurehaltigen Wasser. Eine solche Probe ist meist problemlos. Sicher sind auch hier sulfatabbauende Bakterien möglich, aber sehr selten und wir können von einer stabilen Probe ausgehen. Auch die Probenmengen sollten nicht ungewöhnlich klein sein, da Regen, Grundwasser, | ||
| + | |||
| + | Die geeignete Analysenmethode ist nun gewählt, das Analysenverfahren ist jedoch noch nicht vollständig. Anforderungen des Auftraggebers | ||
| + | ===== 4. Die Probenahme | ||
| + | Bei der Probenahme wird ein Teil des Analysenobjektes stellvertretend für das Ganze entnommen; selber möglichst klein, soll die Probe das Objekt in allen zu untersuchenden Eigenschaften exakt abbilden: die Probe repräsentiert das Objekt. Diese Forderung kann relativ einfach erfüllt werden, wenn das zu untersuchende Objekt räumlich und zeitlich homogen ist. Genau genommen wird dies niemals der Fall sein. Alle Regeln für die Probenahme bezwecken jedoch, dieses Ideal zu erreichen. Selbst im scheinbar einfachsten Fall, der Probenahme aus Luft, sind die Verhältnisse verzwickt: Raumluft unterscheidet sich von Außenluft, die Luft über Straßen ändert sich schon nach wenigen Metern, an Kreuzungen herrschen wieder andere Verhältnisse, | ||
| Viele allgemeine Regeln lassen sich vor diesem Hintergrund verstehen: | Viele allgemeine Regeln lassen sich vor diesem Hintergrund verstehen: | ||
| - | - Einzelproben haben nahezu keine Aussagekraft. | + | * Einzelproben haben nahezu keine Aussagekraft. |
| - | - Gleichzeitige Stichproben erlauben für den abgedeckten Bereich eine Durchschnittsanalyse. | + | |
| - | - Meßreihen erlauben Aussagen über die zeitliche Entwicklung. | + | |
| - | - Alle Umstände der Probenahme müssen festgehalten werden, da sie die Probe beeinflussen. | + | |
| - | Die Methodik der Probenahme | + | Die Methodik der Probenahme |
| - | Für die meisten Einzelfälle gibt es in der Literatur genaue Angaben über die Technik der jeweiligen Probenahme. Diese Vorgehensweisen entstammen letztlich der Erfahrung und sind durch vergleichende Untersuchungen mit statistischen Methoden verifiziert worden. Sie sind optimale Annäherungen an das Ideal. | + | |
| - | Die Menge der zu nehmenden Probe richtet sich sowohl nach dem Anteil der zu bestim~ menden | + | Die Menge der zu nehmenden Probe richtet sich sowohl nach dem Anteil der zu bestimmenden |
| - | 1. Arbeitsbereich A=m x | + | - **Arbeitsbereich** A=m x\\ Zulässiger Verfahrensbereich der Mengen für den zu bestimmenden |
| - | Zulässiger Verfahrensbereich der Mengen für den zu bestimmenden | + | - **Probenmengenbereich** |
| - | 2. Probenmengenbereich P= m +m x y | + | - **Gehaltsbereich** G \\ Gehalt der Probe an der zu bestimmenden Komponente x in Massenprozenten |
| - | Nötige Probenmenge aus der zu bestimmenden Komponente x und der Matrix y (Sum~ me der übrigen Bestandteile) m x 3. Gehaltsbereich G = ____ __ 100 m +m x y | + | |
| - | Gehalt der Probe an der zu bestimmenden Komponente x in Massenprozenten | + | ===== 5. Die Probenvorbereitung |
| - | Die Probenvorbereitung | + | Die Probe ist die Informationsquelle für die Messung. Oft sind jedoch die gesuchten Informationen, |
| - | Die Probe dient als Informationsquelle für die eigentliche Untersuchung bzw. Messung. Oft sind jedoch die gesuchten Informationen, | + | Informationstheoretisch betrachtet wird dadurch die gesuchte Information verstärkt (angereichert), |
| - | Alle Verfahren | + | |
| - | Homogenisierung | + | Die chemischen |
| - | Unerläßlich ist während der Messung | + | * der zu untersuchende Bestandteil angereichert wird. |
| - | Räumliche Homogenität ist meist bei gasförmigen und flüssigen Stoffen gegeben oder kann durch Phasentrennung (z.B. Abscheiden, Filtern) erreicht werden. Feste Proben | + | * oder störende Bestandteile |
| + | |||
| + | ==== Homogenisieren | ||
| + | Während des Messvorgangs muss die Probe räumlich | ||
| + | Räumliche Homogenität ist bei gasförmigen und flüssigen Stoffen | ||
| Aufschlußmethoden dagegen beruhen auf chemischen Reaktionen im engeren Sinne: | Aufschlußmethoden dagegen beruhen auf chemischen Reaktionen im engeren Sinne: | ||
| - | - Ionenreaktionen (ohne Redox-Vorgänge), | + | * Ionenreaktionen (ohne Redox-Vorgänge) |
| - | - Redox-Reaktionen | + | |
| - | - Reaktionen in der Probe durch Energiezufuhr. | + | |
| - | Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über mögliche | + | Die folgende Tabelle gibt eine (unvollständige) |
| - | 1 Aufschlüsse über Ionenreaktionen | + | 1 Aufschlüsse über Ionenreaktionen |
| - | 1.1 in Lösung | + | |
| - | - mit HCl, HBr oder HJ | + | mit HCl, HBr oder HJ |
| - | - mit Schwefelsäure | + | mit Schwefelsäure |
| - | - mit Phosphorsäure | + | mit Phosphorsäure |
| - | - mit Alkalimetallhydroxid | + | mit Alkalimetallhydroxid |
| - | - oder -carbonat-Lösungen | + | oder -carbonat-Lösungen |
| - | 1.2 in der Schmelze | + | |
| - | - mit Hydrogensulfaten oder Disulfaten | + | mit Hydrogensulfaten oder Disulfaten |
| - | - mit Alkalimetallhydroxiden | + | mit Alkalimetallhydroxiden |
| - | - mit Alkalimetallcarbonaten | + | mit Alkalimetallcarbonaten |
| - | 1.3 Enzymatische Aufschlüsse | + | |
| - | 2 Aufschlüsse über Redoxreaktionen | + | 2 Aufschlüsse über Redoxreaktionen |
| - | 2.1 Oxidierende Verfahren | + | |
| - | - mit Sauerstoff oder Ozon | + | mit Sauerstoff oder Ozon |
| - | - mit Oxonium-Ionen | + | mit Oxonium-Ionen |
| - | - mit Salpetersäure oder Stickoxiden | + | mit Salpetersäure oder Stickoxiden |
| - | - mit Wasserstoffperoxid | + | mit Wasserstoffperoxid |
| - | - mit Peroxiden oder Persulfaten | + | mit Peroxiden oder Persulfaten |
| - | - mit Kaliumpermanganat | + | mit Kaliumpermanganat |
| - | 2.2 Reduzierende Verfahren | + | |
| - | - mit Wasserstoff | + | mit Wasserstoff |
| - | - mit Kohlenstoff | + | mit Kohlenstoff |
| - | - mit Metallen oder metallorganischen Verbindungen | + | mit Metallen oder metallorganischen Verbindungen |
| - | - mit Lithiumaluminiumhydrid | + | mit Lithiumaluminiumhydrid |
| - | - mit Hydrazin | + | mit Hydrazin |
| - | - mit Natriumborhydrid | + | mit Natriumborhydrid |
| - | 3 Aufschluß durch Energiezufuhr | + | 3 Aufschluß durch Energiezufuhr |
| - | - mit thermischer Energie | + | mit thermischer Energie |
| - | - mit elektrischer Energie | + | mit elektrischer Energie |
| - | - mit Strahlungsenergie | + | mit Strahlungsenergie |
| - | Phasentrennungen | + | ==== Phasentrennungen |
| - | Trennverfahren sollen feste, flüssige und gasförmige Phasen sauber voneinander trennen. Hierfür sind alle Methoden geeignet, die bewirken, daß sich die Teilchen der unterschiedlichen Phasen entweder in verschiedene Richtungen bewegen und/oder unterschiedlich schnell in der gleichen Richtung bewegen. | + | Trennverfahren sollen feste, flüssige und gasförmige Phasen sauber voneinander trennen. Hierfür sind alle Methoden geeignet die bewirken, daß sich die Teilchen der unterschiedlichen Phasen entweder in verschiedene Richtungen bewegen und/oder unterschiedlich schnell in der gleichen Richtung bewegen. Dazu wird auf die zu trennende Probe von außen |
| - | Dazu wird auf die zu trennende Probe von außen | + | |
| - | Die folgende Tabelle zeigt einen Überblick: | + | === Beispiele für Trennverfahren durch unterschiedliche |
| - | Unterschiedliche | + | |
| - | Trennung aufgrund elektrischen Feld magnetischen | + | ^ ^ Elektrisches |
| - | Teilchenmasse Elektrodialyse | + | ^Teilchenmasse |Elektrodialyse |
| - | Elektrophorese Magnetscheidung Dekantieren | + | ^Teilchengröße |Elektrophorese |Magnetscheidung | Filtrieren, Sieben | |
| - | Teilchengröße Elektrolyse Filtrieren | + | ^Teilchenladung|Elektrolyse | | Elektrofiltration | |
| - | elektrostatische Zentrifugieren | + | |
| - | Teilchenladung Scheidung | + | === Beispiele für Trennverfahren |
| - | Windsichten | + | |
| - | Elektrofiltration Staubfiltration Scheiden | + | ^ ^ Druck^Temperatur^Konzentration^ |
| - | Trennung | + | ^Teilchengröße, |
| - | Druck Temperatur Konzentration | + | ^Löslichkeit |
| - | Teilchengröße, | + | ^Dampfdruck |
| - | Löslichkeit Entgasen Kristallisation Fällung | + | ^Absorption, Adsorption|Alle Arten |der | Chromatografie |
| - | Ausfrieren Extraktion | + | |
| - | Dampfdruck | + | ===== 6. Die Messung |
| - | Destillation | + | Die Messung ist der komplexeste Vorgang im Analysenverfahren, |
| - | Destillation | + | |
| - | Sublimation | + | Jedes einzelne Meßprinzip basiert auf einer eindeutigen Wechselwirkung mit bestimmten Bestandteilen der Probe. Diese Wechselwirkung wird durch eine Meß- oder Eichfunktion mathematisiert: |
| - | Absorption, Adsorption | + | |
| - | Die Messung | + | »Bei jeder Analyse wird die Probe über die Analysenfunktion |
| - | Die Messung ist sicher | + | |
| - | Jedes einzelne Meßprinzip basiert auf einer eindeutigen Wechselwirkung mit bestimmten Bestandteilen der Probe. Diese Wechselwirkung wird durch eine Meß- oder Eichfunktion mathematisiert: | + | |
| - | " Bei jeder Analyse wird die Probe über die Analysenfunktion (u.U. ist das nur ein Umrechnungsfaktor) mit den Eichproben verglichen, die zur Eichung des Verfahrens benutzt wurden. (Bei gängigen, bewährten Verfahren mag das lange her sein, der Autor und seine Arbeit mögen vergessen sein; seine Ergebnisse gehören jedoch zum anonymen Erfahrungsschatz der Analytischen Chemie)" (Methodicum Chimicum) | + | |
| - | Einteilung der Meßprinzipien | + | |
| - | Wegen der Vielzahl möglicher Meßprinzipien | + | |
| - | Bei den sogenannten elastischen Wechselwirkungen werden derzeit elektromagnetische- und Teilchenstrahlung eingesetzt. Die Energie der Strahlung ändert sich dabei nicht (elastische W.), es finden lediglich Richtungsänderungen statt; diese Veränderungen werden zur Strukturaufklärung genutzt. Folgende Abbildung zeigt eine Übersicht der angewandten Meßprinzipien. Dabei führt jede Wellenart durch Beugung, Brechung, Reflexion, Polarisation und Streuung zu unterschiedlichsten Meßprinzipien. | + | |
| - | Bei den unelastischen Wechselwirkungen verändert sich die Energie der Probe: dabei charakterisiert der resultierende Energiebetrag die Art der vorhandenen Komponenten, | + | |
| - | 1. Änderungen | + | === Einteilung der Meßprinzipien |
| - | 2. Änderungen | + | Die Vielzahl möglicher Meßprinzipien |
| - | 3. Änderungen | + | |
| - | 4. Änderungen | + | Bei den sogenannten |
| - | 5. Änderungen | + | |
| - | 6. Änderungen | + | Bei den //unelastischen Wechselwirkungen// verändert sich die innere |
| - | Zur Konkretisierung wird die Gliederung in der nachstehenden Tabelle weiter ausgeführt. Auch in dieser | + | |
| - | Die folgende Abbildung zeigt das elektromagnetische Spektrum mit den daraus hervorgegangenen Meßprinzipien: | + | |
| - | 1. Änderungen der Reaktionsenergie (chemisches und elektrochemisches Potential) | + | |
| - | 1.1 Potentialänderungen durch Protonenaustausch | + | |
| - | 1.2 Potentialänderungen durch Ionen- oder Radikalreaktionen | + | |
| - | 1.2.1 Lösen und Aufschließen ohne Redoxvorgänge | + | |
| - | 1.2.2 Fällungen ohne Redoxvorgänge | + | |
| - | 1.2.3 Komplex- und Ligandenaustauschreaktionen | + | Die folgende |
| - | 1.3 Potentialänderungen durch Elektronenaustausch | + | |
| - | 1.3.1 Redoxreaktionen in homogener Phase | + | 1. Änderungen der Reaktionsenergie (chemisches und elektrochemisches Potential) |
| - | 1.3.1.1 Oxidierende Verfahren | + | |
| - | 1.3.1.2 Reduzierende Verfahren | + | |
| - | 1.3.2 Redoxreaktionen an Phasengrenzflächen | + | 1.2.1 Lösen und Aufschließen ohne Redoxvorgänge |
| - | 1.3.2.1 Verfahren ohne Elektrodenreaktion | + | 1.2.2 Fällungen ohne Redoxvorgänge |
| - | 1.3.2.1.1 Konduktometrie | + | 1.2.3 Komplex- und Ligandenaustauschreaktionen |
| - | 1.3.2.2 Verfahren mit Elektrodenreaktionen | + | |
| - | 1.3.2.2.1 Potentiometrie | + | 1.3.1 Redoxreaktionen in homogener Phase |
| - | 1.3.2.2.2 Amperometrie | + | |
| - | 1.3.2.2.3 Elektrogravimetrie | + | |
| - | 1.3.2.2.4 Elektrolytische Trennung | + | 1.3.2 Redoxreaktionen an Phasengrenzflächen |
| - | 2 Änderungen der Aggregationsenergie | + | |
| - | 2.1 Thermische Meßprinzipien | + | 1.3.2.1.1 Konduktometrie |
| - | 2.1.1 Wärmeleitfähigkeitsmessungen | + | |
| - | 2.1.2 Kalorimetrie | + | 1.3.2.2.1 Potentiometrie |
| - | 2.2 Lösen ohne chemische Reaktionen | + | 1.3.2.2.2 Amperometrie |
| - | 2.2.1 Lösungsmittel | + | 1.3.2.2.3 Elektrogravimetrie |
| - | 2.2.2 Aufschließen durch Energiezufuhr | + | 1.3.2.2.4 Elektrolytische Trennung |
| - | 2.2.3 Gleichgewichte an Phasengrenzflächen | + | 2 Änderungen der Aggregationsenergie |
| - | 2.2.3.1 Ausschütteln | + | |
| - | 2.2.3.2 Gaschromatografie | + | 2.1.1 Wärmeleitfähigkeitsmessungen |
| - | 2.2.3.3 Fällungen | + | 2.1.2 Kalorimetrie |
| - | 2.2.3.4 Destillation | + | |
| - | 3 Änderungen der Molekülenergie | + | 2.2.1 Lösungsmittel |
| - | 3.1 Mikrowellen-Spektroskopie | + | 2.2.2 Aufschließen durch Energiezufuhr |
| - | 3.2 IR-Spektroskopie | + | 2.2.3 Gleichgewichte an Phasengrenzflächen |
| - | 3.3 Raman-Spektroskopie | + | |
| - | 4 Änderungen der Elektronenenergie | + | |
| - | 4.1 UV-VIS-Spektroskopie | + | |
| - | 4.2 Röntgen-Spektroskopie | + | |
| - | 4.3 Elektronenspinresonanz-Spektroskopie | + | 3 Änderungen der Molekülenergie |
| - | 5 Änderungen der Kernenergie | + | |
| - | 5.1 Kernresonanz-Spektroskopie | + | |
| - | 5.2 Mößbauer-Spektroskopie | + | |
| - | 5.3 Aktivierungsanalyse | + | 4 Änderungen der Elektronenenergie |
| - | 6 Änderungen der Translationsenergie | + | |
| - | 6.1 Beschleunigung im elektrischen und magnetischen Feld | + | |
| - | 6.1.1 Massenspektrometrie | + | |
| - | 6.1.2 Elektrodialyse | + | 5 Änderungen der Kernenergie |
| - | 6.1.3 Elektrolyse | + | |
| - | 6.2 Beschleunigung im Schwerefeld | + | |
| - | 6.2.1 Filtration | + | |
| - | 6.2.2 Zentrifugation | + | 6 Änderungen der Translationsenergie |
| - | 6.3 Unterschiedliche Wanderung im Zustandsgradienten | + | |
| - | 6.3.1 Wanderung im Druckgradienten | + | 6.1.1 Massenspektrometrie |
| - | 6.3.1.1 Druckdiffusion | + | 6.1.2 Elektrodialyse |
| - | 6.3.1.2 Reversosmose | + | 6.1.3 Elektrolyse |
| - | 6.3.2 Wanderung im Temperaturgradienten | + | |
| - | 6.3.2.1 Destillation | + | 6.2.1 Filtration |
| - | 6.3.2.2 Sublimation | + | 6.2.2 Zentrifugation |
| - | 6.3.3 Wanderung im Konzentrationsgradienten | + | |
| - | 6.3.3.1 Diffusion | + | 6.3.1 Wanderung im Druckgradienten |
| + | | ||
| + | | ||
| + | 6.3.2 Wanderung im Temperaturgradienten | ||
| + | | ||
| + | | ||
| + | 6.3.3 Wanderung im Konzentrationsgradienten | ||
| + | | ||
| - | Auswertung und Fehlerbetrachtung | + | Die Meßgrößen des elektromagnetischen Spektrum sind Wellenlänge, |
| - | Erster Schritt: Datenverarbeitung | + | ===== 7. Auswertung und Fehlerbetrachtung |
| + | ==== Daten verarbeiten ==== | ||
| Der Meßvorgang setzt sich zusammen aus: | Der Meßvorgang setzt sich zusammen aus: | ||
| • der Codierung statischer Probensignale in dynamische Signale und | • der Codierung statischer Probensignale in dynamische Signale und | ||
| • der Codierung dynamischer Signale in Meßgrößen. | • der Codierung dynamischer Signale in Meßgrößen. | ||
| - | Die mathematische Form der Codierung ist zum einen durch das Analysenprinzip festgelegt und wird durch gerätetechnische Randbedingungen der Analysenmethode beeinflußt. In ihrer Gesamtheit ergibt sich daraus die Meß- oder Eichfunktion; | + | Die mathematische Form der Codierung ist zum einen durch das Analysenprinzip festgelegt und wird durch gerätetechnische Randbedingungen der Analysenmethode beeinflußt. In ihrer Gesamtheit ergibt sich daraus die //Meß- oder Eichfunktion//; deren Umkehrfunktion wird //Analysenfunktion// genannt. Für unelastische Wechselwirkungen gilt: |
| - | Eichfunktion w = f (z) Meßgröße w z z | + | Eichfunktion w = f (z) Meßgröße w z z |
| - | Analysenfunktion z = g (w ) analytische Information z z | + | Analysenfunktion z = g (w ) |
| - | Es besteht eine Beziehung zwischen der Meßgröße (Gewicht, Volumen, Extinktion usw.) und der geforderten analytischen Information (z.B. Gehalt einer Komponente). Diese Beziehung wird immer durch Eichung der Methode erhalten, beispielsweise mittels einer Probe bekannter Zusammensetzung. Mit der Eichung werden die Koeffizienten der Analysenfunktion bestimmt. Diese Koeffizienten können nur dann im voraus festgelegt werden, wenn ihnen eine eindeutige chemische oder physikalische Bedeutung zukommt. Dies ist beispielsweise bei gravimetrischen und titrimetrischen Untersuchungen der Fall; eine zusätzlich noch stattfindende Faktorierung korrigiert dann lediglich | + | |
| - | z = a w z | + | Es besteht eine Beziehung zwischen der Meßgröße (Gewicht, Volumen, Extinktion usw.) und der geforderten analytischen Information (z.B. Gehalt einer Komponente). Diese Beziehung wird immer durch Eichung der Methode erhalten, beispielsweise mittels einer Probe bekannter Zusammensetzung. Mit der Eichung werden die Koeffizienten der Analysenfunktion bestimmt. Diese Koeffizienten können nur dann im voraus festgelegt werden, wenn ihnen eine eindeutige chemische oder physikalische Bedeutung zukommt. Dies ist beispielsweise bei gravimetrischen und titrimetrischen Untersuchungen der Fall; eine zusätzlich noch stattfindende Faktorierung korrigiert dann lediglich Abweichungen, |
| Im Falle elektrogravimetrischer Metallabscheidung ist dieser Faktor gleich eins. | Im Falle elektrogravimetrischer Metallabscheidung ist dieser Faktor gleich eins. | ||
| + | |||
| Die Ergebnisse der Eichung kann die Beziehung zwischen Meß- und Analysengröße auf drei Arten darstellen: | Die Ergebnisse der Eichung kann die Beziehung zwischen Meß- und Analysengröße auf drei Arten darstellen: | ||
| - | 1. Die tabellarische Form wird meist gewählt bei Strukturanalysen (Spektrallinientabelle) und Elementanalysen: | + | - Die //tabellarische Form// wird meist gewählt bei Strukturanalysen (Spektrallinientabelle) und Elementanalysen: |
| - | | + | - //Graphische Darstellungen// wählt man bevorzugt bei empirischen Eichungen. Aus Gründen der Ablesegenauigkeit wird eine lineare Kurvenform bevorzugt und gegebenenfalls durch Koordinatentransformation erreicht (logarithmisch, |
| - | | + | - //Funktionsgleichungen// sind die abstrakteste und komprimierteste Darstellungsform. Mathematisch geschulten Personen fällt das Erkennen von Gesetzmäßigkeiten leichter. Nachteilig ist die aufwendige Ableitung aus den Eichpunkten mittels Regression. |
| - | Am Beispiel einer Schwefelsäure-Bestimmung sollen diese Zusammenhänge verdeutlicht werden: | + | |
| + | Am **Beispiel einer Schwefelsäure-Bestimmung** sollen diese Zusammenhänge verdeutlicht werden: | ||
| Eine Lösung enthält einen exakten, aber uns unbekannten Sulfatanteil (statisches Signal 1). In der Reaktion mit Bariumacetat oder Calciumoxalat oder Bleichromat oder .... fällt ein schwerlösliches Produkt aus. Dieses Produkt enthält wieder denselben, uns immer noch unbekannten Sulfatanteil (statisches Signal 2). Dennoch liefert uns diese Reaktion alle Informationen, | Eine Lösung enthält einen exakten, aber uns unbekannten Sulfatanteil (statisches Signal 1). In der Reaktion mit Bariumacetat oder Calciumoxalat oder Bleichromat oder .... fällt ein schwerlösliches Produkt aus. Dieses Produkt enthält wieder denselben, uns immer noch unbekannten Sulfatanteil (statisches Signal 2). Dennoch liefert uns diese Reaktion alle Informationen, | ||
| - | Bei der gravimetrischen Vorgehensweise wird das schwerlösliche Produkt in sauberer, trockener Form gewogen (Meßgröße: | + | |
| + | Bei der //gravimetrischen Vorgehensweise// wird das schwerlösliche Produkt in sauberer, trockener Form gewogen (Meßgröße: | ||
| Analytische Information = Faktor x Meßwert | Analytische Information = Faktor x Meßwert | ||
| - | Dieselben Reaktionen können auch als Fällungstitration durchgeführt werden. Der Endpunkt der Reaktion wird konduktometrisch oder potentiometrisch bestimmt. Der eigentliche Meßwert ist dann das Volumen der zugegebenen Lösung (Bariumacetat, | + | |
| + | Dieselben Reaktionen können auch als //Fällungstitration// durchgeführt werden. Der Endpunkt der Reaktion wird konduktometrisch oder potentiometrisch bestimmt. Der eigentliche Meßwert ist dann das Volumen der zugegebenen Lösung (Bariumacetat, | ||
| Bei der Fällungsreaktion mit Bariumchlorid wäre sogar eine photometrische Bestimmung der entstehenden Trübung möglich; Bariumchlorid-Lösung würde im Überschuß zugesetzt. Meßwert ist dann die Extinktion. Zur Eichung werden verschiedene Sulfatlösungen unterschiedlicher Konzentration ebenso behandelt und man erhält entweder einen Umrechungsfaktor oder erstellt einen graphischen Zusammenhang zwischen Extinktion und Sulfatkonzentration. | Bei der Fällungsreaktion mit Bariumchlorid wäre sogar eine photometrische Bestimmung der entstehenden Trübung möglich; Bariumchlorid-Lösung würde im Überschuß zugesetzt. Meßwert ist dann die Extinktion. Zur Eichung werden verschiedene Sulfatlösungen unterschiedlicher Konzentration ebenso behandelt und man erhält entweder einen Umrechungsfaktor oder erstellt einen graphischen Zusammenhang zwischen Extinktion und Sulfatkonzentration. | ||
| - | Zweiter Schritt: | ||
| - | Statistische Auswertung des Ergebnisses | ||
| - | Ergebnis unseres Beispiels ist ein Zahlenwert, der die Masse oder Konzentration angibt. Ein sorgfältiger Analytiker hat den gesamten Vorgang mehrfach wiederholt und erhält jedes Mal einen anderen Zahlenwert. Das kann, muß aber kein Grund zur Beunruhigung sein. | ||
| - | Ziel des analytischen Prozesses ist es, einen wahren Wert zu finden. Nach all dem, was bislang ausgeführt wurde, scheint dies prinzipiell unmöglich zu sein. Anzustreben ist jedoch eine möglichst gute Annäherung an den wahren Wert. Wie kann der Analytiker herausfinden, | ||
| - | Nehmen wir an, eine Probe mit bekanntem Gehalt eines Stoffes wird von verschiedenen Personen mehrfach analysiert und die Ergebnisse werden anhand einer Zielscheibe verglichen, deren Mittelpunkt den wahren Wert darstellt (siehe Abbildung). Dann lassen sich die folgenden Typen erkennen: | ||
| - | Fehlerart | + | ==== Die Suche nach dem wahren Wert ==== |
| - | zufälliger | + | Das Ergebnis obigen Beispiels ist ein Zahlenwert, der die Masse oder Konzentration angibt. Ein sorgfältiger Analytiker hat den gesamten Vorgang mehrfach wiederholt und erhält jedes Mal einen etwas anderen Zahlenwert. Das kann, muß aber kein Grund zur Beunruhigung sein. |
| - | systematischer | + | |
| - | grober | + | Ziel des analytischen Prozesses ist es, einen wahren Wert zu finden. Nach all dem, was bislang ausgeführt wurde, scheint dies prinzipiell unmöglich zu sein. Anzustreben ist jedoch erstens eine möglichst gute Annäherung an den wahren Wert und zweitens eine Angabe, wie gut diese Annäherung ist. Wie kann der Analytiker herausfinden, |
| - | Verfahrens- | + | |
| + | Nehmen wir an, eine Probe mit bekanntem Gehalt eines Stoffes wird von verschiedenen Personen mehrfach analysiert und die Ergebnisse werden anhand einer Zielscheibe verglichen, deren Mittelpunkt den wahren Wert darstellt. Dann lassen sich die folgenden Typen von Fehlern erkennen: | ||
| - | Fehler | + | ^Fehlerart^Präzision^Richtigkeit^Korrektur mittels^ |
| - | Präzision | + | ^zufälliger F. |schlecht |
| - | schlecht | + | ^systematischer |
| - | gut | + | ^grober F. |mittel |
| - | mittel | + | ^Verfahrens-F. |optimal |optimal |Verfahrensvergleich |
| - | optimal | + | |
| - | Richtigkeit | + | |
| - | gut | + | |
| - | schlecht | + | |
| - | mittel | + | |
| - | optimal | + | |
| - | Korrektur | + | |
| - | Fehlerrechnung | + | |
| - | Verfahrensänderung | + | |
| - | Ausreißer-Test | + | |
| - | Verfahrensvergleich | + | |
| - | Zufällige Fehler | + | === Zufällige Fehler |
| Zufällige Fehler verursachen eine Streuung um den wahren Wert und beeinflussen die Reproduzierbarkeit der Werte. Sie sind unvermeidbar und hängen von Schwankungen der Fehlerquellen ab (z.B. natürliche Schwankungen beim Pipettieren). Zur Minimierung werden Wiederholungsmessungen mit demselben Verfahren und durch denselben Analytiker durchgeführt und der Mittelwert gebildet. Die mit statistischen Methoden errechenbare Streuung um den Mittelwert ist ein Parameter für die Genauigkeit der Messung. | Zufällige Fehler verursachen eine Streuung um den wahren Wert und beeinflussen die Reproduzierbarkeit der Werte. Sie sind unvermeidbar und hängen von Schwankungen der Fehlerquellen ab (z.B. natürliche Schwankungen beim Pipettieren). Zur Minimierung werden Wiederholungsmessungen mit demselben Verfahren und durch denselben Analytiker durchgeführt und der Mittelwert gebildet. Die mit statistischen Methoden errechenbare Streuung um den Mittelwert ist ein Parameter für die Genauigkeit der Messung. | ||
| + | |||
| Der Mittelwert ist eine optimale Annäherung an den wahren Wert, den man bei unendlichfacher Wiederholung der Messungen erhalten würde. Die Präzision steigt aber nicht linear mit der Anzahl zusätzlicher Messungen, sondern mit der Wurzel aus deren Anzahl: vier Messungen sind doppelt so genau wie eine Messung; hundert Messungen sind zehnmal so genau wie eine, aber nur fünfmal so genau wie vier Messungen. Messwerte mit steigender oder fallender Tendenz dürfen nicht zur Mittelwertbildung herangezogen werden. Die Meßwerte müssen der Gaußschen Normalverteilung gehorchen. | Der Mittelwert ist eine optimale Annäherung an den wahren Wert, den man bei unendlichfacher Wiederholung der Messungen erhalten würde. Die Präzision steigt aber nicht linear mit der Anzahl zusätzlicher Messungen, sondern mit der Wurzel aus deren Anzahl: vier Messungen sind doppelt so genau wie eine Messung; hundert Messungen sind zehnmal so genau wie eine, aber nur fünfmal so genau wie vier Messungen. Messwerte mit steigender oder fallender Tendenz dürfen nicht zur Mittelwertbildung herangezogen werden. Die Meßwerte müssen der Gaußschen Normalverteilung gehorchen. | ||
| + | |||
| Ein Maß für die Streuung um den Mittelwert und somit für die Reproduzierbarkeit ist die Standardabweichung s; sie wird als Absolutfehler des Mittelwertes in dessen Maßeinheit angegeben. Die Varianz s und der Variationskoeffizient s sind gleichwertige Angaben, bedürfen jedoch der Umrechnung. | Ein Maß für die Streuung um den Mittelwert und somit für die Reproduzierbarkeit ist die Standardabweichung s; sie wird als Absolutfehler des Mittelwertes in dessen Maßeinheit angegeben. Die Varianz s und der Variationskoeffizient s sind gleichwertige Angaben, bedürfen jedoch der Umrechnung. | ||
| Komplizierter liegen die Verhältnisse, | Komplizierter liegen die Verhältnisse, | ||
| - | Systematische Fehler | + | |
| + | === Systematische Fehler | ||
| Der systematische Fehler wird durch eine einseitige Tendenz in den Fehlerquellen verursacht und läßt sich durch Wiederholung des Verfahrens nicht ausschließen. Soweit diese bekannt sind, kann und muß er durch Korrekturen beseitigt werden. Systematische Fehler lassen sich häufig auch noch in der Auswertung korrigieren, | Der systematische Fehler wird durch eine einseitige Tendenz in den Fehlerquellen verursacht und läßt sich durch Wiederholung des Verfahrens nicht ausschließen. Soweit diese bekannt sind, kann und muß er durch Korrekturen beseitigt werden. Systematische Fehler lassen sich häufig auch noch in der Auswertung korrigieren, | ||
| + | |||
| Absolute, systematische Fehlerquellen sind z.B.: | Absolute, systematische Fehlerquellen sind z.B.: | ||
| - | • Verwendete Reagenzien sind nicht konstant, sondern wechselhaft verunreinigt. Blindwerte aus früheren Meßreihen sind damit falsch. | + | * Verwendete Reagenzien sind nicht konstant, sondern wechselhaft verunreinigt. Blindwerte aus früheren Meßreihen sind damit falsch. |
| - | | + | |
| - | | + | |
| - | | + | |
| Relative, systematische Fehlerquellen sind: | Relative, systematische Fehlerquellen sind: | ||
| - | • mit verunreinigten Reagenzien erstellte Eichkurven; | + | * mit verunreinigten Reagenzien erstellte Eichkurven; |
| - | | + | |
| - | | + | |
| - | (aus: Ullmans Enzyklopädie der Technischen Chemie, Band 5, Bandermann: " | + | ((aus: Ullmans Enzyklopädie der Technischen Chemie, Band 5, Bandermann: " |
| Systematische Fehler lassen sich in Analysenverfahren nur durch komplexe statistische Verfahren aufdecken. Eine Möglichkeit ist die Modellanalyse: | Systematische Fehler lassen sich in Analysenverfahren nur durch komplexe statistische Verfahren aufdecken. Eine Möglichkeit ist die Modellanalyse: | ||
| - | Grobe Fehler | + | |
| + | === Grobe Fehler | ||
| Die groben Fehler sind nicht korrigierbar und können bei der statistischen Aufarbeitung der Ergebnisse nicht berücksichtigt werden. Sie gelten als Ausreißer und können mit geeigneten mathematischen Verfahren als solche erkannt werden (z.B. nach Nalimov). | Die groben Fehler sind nicht korrigierbar und können bei der statistischen Aufarbeitung der Ergebnisse nicht berücksichtigt werden. Sie gelten als Ausreißer und können mit geeigneten mathematischen Verfahren als solche erkannt werden (z.B. nach Nalimov). | ||
| Fehlerquellen können beispielsweise sein: | Fehlerquellen können beispielsweise sein: | ||
| - | • Einstellung einer falschen Wellenlänge | + | * Einstellung einer falschen Wellenlänge |
| - | | + | |
| - | | + | |
| - | Verfahrensfehler | + | |
| + | === Verfahrensfehler | ||
| Die Einteilung in einen Verfahrensfehler ist unüblich, da normalerweise nur die Fehler während der Durchführung einer Methode betrachtet werden. Sie ist aber nützlich, da schon bei der Auswahl eines Verfahrens dessen verfahrenseigener Fehler akzeptiert wird. | Die Einteilung in einen Verfahrensfehler ist unüblich, da normalerweise nur die Fehler während der Durchführung einer Methode betrachtet werden. Sie ist aber nützlich, da schon bei der Auswahl eines Verfahrens dessen verfahrenseigener Fehler akzeptiert wird. | ||
| - | Es gibt einen analytischen Störpegel , der bei kleinen Konzentrationen für große Unsicherheit sorgt, ob ein beobachteter Meßwert tatsächlich von der zu bestimmenden Komponente verursacht wird oder von unbeherrschbaren Störungen herrührt. Dies können zum Beispiel sein: die Brownsche Molekularbewegung bei der Waage oder das Rauschen in der Elektronik, Verunreinigungen der Reagenzien, Nebenreaktionen, | ||
| - | Hier muß eine Grenze gezogen werden, bei der gemessene Werte noch als sinnvoll anerkannt werden können; diese Grenze ist die Nachweisgrenze. Sie erhält man, indem man zahlreiche Blindproben mißt, den Mittelwert und die Standardabweichung ermittelt. Zu 99,9% hat man kein Störsignal gemessen, wenn man die Nachweisgrenze um drei Standardabweichungen oberhalb des Mittelwertes festgelegt. Die Nachweisgrenze sagt daher aus, daß ein Meßwert in diesem Bereich zu 99,9% keine Störung ist, sondern durch die zu bestimmende Komponente verursacht wurde. Dies macht die folgende Abbildung deutlich: | ||
| + | Ein Maß für Verfahrensinhärente Fehler ist der **Störpegel**, | ||
| + | Hier muß eine Grenze gezogen werden, bei der gemessene Werte noch als sinnvoll anerkannt werden können; diese Grenze ist die **Nachweisgrenze**. Sie erhält man, indem man zahlreiche Blindproben mißt, den Mittelwert und die Standardabweichung ermittelt. Zu 99,9% hat man kein Störsignal gemessen, wenn man die Nachweisgrenze um drei Standardabweichungen oberhalb des Mittelwertes festgelegt. Die Nachweisgrenze sagt daher aus, daß ein Meßwert in diesem Bereich zu 99,9% keine Störung ist, sondern durch die zu bestimmende Komponente verursacht wurde. | ||
| + | Nun ist allerdings jeder Meßwert an der Nachweisgrenze mit einer großen Streuung behaftet, dementsprechend ist seine Standardabweichung sehr groß. Dies führt zu einer seltsamen Schlußfolgerung: | ||
| + | Um nun in 99,9% aller Fälle, in denen eine Komponente vorliegt, ein positives Ergebnis zu finden, wurde die **Bestimmungsgrenze** definiert: sie liegt um sechs Standardabweichungen über dem Blindwert. | ||
| + | ==== Fehlerquellen ==== | ||
| + | Grundsätzlich lassen sich alle Fehler in den folgenden Kategorien erfassen: | ||
| + | **1. Instrumentelle Fehler** | ||
| + | * Waage mit Schlagseite | ||
| + | * schlecht oder nicht geeichte Meßgeräte | ||
| + | * unreine Reagentien | ||
| + | * defekte Geräte | ||
| + | * angegebener Gerätefehler | ||
| + | **2. Methodische Fehler** | ||
| + | * Mitfällung von Eisen und Mangan | ||
| + | * Restlöslichkeit schwerlöslicher Substanzen | ||
| + | * Nebenreaktionen | ||
| + | * Absorption an Gefäßwänden | ||
| + | **3. Handhabungsfehler** | ||
| + | * falsches Filterpapier | ||
| + | * Siedeverzug | ||
| + | * nicht abgedecktes Glas | ||
| + | * Meßgeräte werden falsch bedient | ||
| + | * Versuchsvorschriften werden nicht exakt beachtet | ||
| + | **4. Menschliche Fehler** | ||
| + | * Erwartungen und Hoffnungen | ||
| + | * Befürchtungen und Ängste bewirken einseitig falsche Handlungsweisen, | ||
| - | Nun ist allerdings jeder Meßwert an der Nachweisgrenze mit einer großen Streuung behaftet, dementsprechend ist seine Standardabweichung sehr groß. Dies führt zu einer seltsamen Schlußfolgerung: | + | ==== Fehlerbetrachtung |
| - | Um nun in 99,9% aller Fälle, in denen eine Komponente vorliegt, ein positives Ergebnis zu finden, wurde die Bestimmungsgrenze definiert: sie liegt um sechs Standardabweichungen | + | Das Analysenresultat soll nun kritisch betrachtet werden, dabei fließen |
| - | Folgende Abbildung vergleicht die Nachweisgrenzen verschiedener Analysenverfahren: | + | |
| - | Fehlerquellen | + | |
| - | Grundsätzlich lassen sich alle Fehler | + | |
| - | 1. Instrumentelle Fehler | + | |
| - | • Waage mit Schlagseite | + | |
| - | • schlecht oder nicht geeichte Meßgeräte | + | |
| - | • unreine Reagentien | + | |
| - | • defekte Geräte | + | |
| - | • angegebener Gerätefehler | + | |
| - | 2. Methodische Fehler | + | |
| - | • Mitfällung von Eisen und Mangan | + | |
| - | • Restlöslichkeit schwerlöslicher Substanzen | + | |
| - | • Nebenreaktionen | + | |
| - | • Absorption an Gefäßwänden | + | |
| - | 3. Handhabungsfehler | + | |
| - | • falsches Filterpapier | + | |
| - | • Siedeverzug | + | |
| - | • nicht abgedecktes Glas | + | |
| - | • Meßgeräte werden falsch bedient | + | |
| - | • Versuchsvorschriften werden nicht exakt beachtet | + | |
| - | 4. Menschliche Fehler | + | |
| - | • Erwartungen und Hoffnungen | + | |
| - | • Befürchtungen und Ängste | + | |
| - | bewirken einseitig falsche Handlungsweisen, durch die unbewußt ein bestimmtes Ergebnis bevorzugt oder verhindert werden soll. | + | |
| - | Fehlerbetrachtung und Fehlerfortpflanzung | + | Der gesuchte wahre Wert ist zwar eindeutig und unveränderlich, jedoch |
| - | Das Analysenresultat soll nun kritisch betrachtet werden, dabei fließen die bisherigen Ausführungen über Fehler mit ein. Vorab sei nochmals daran erinnert, daß der gesuchte wahre Wert eindeutig und unveränderlich | + | |
| - | Das prinzipiell fehlerbehaftete | + | == Der absolute Fehler |
| - | Der absolute Fehler | + | |
| Die Abweichung des Meßwertes x vom wahren Wert u nennt man den absoluten Fehler: | Die Abweichung des Meßwertes x vom wahren Wert u nennt man den absoluten Fehler: | ||
| x - u = Fa | x - u = Fa | ||
| Da der wahre Wert aber unbekannt ist, kann der absolute Fehler nicht auf diese Weise ermittelt werden; die Verfahren, ihn dennoch zu erhalten, werden im folgenden geschildert. Sie unterscheiden sich je nachdem, ob Einzel- oder Wiederholungsmessungen vorliegen. | Da der wahre Wert aber unbekannt ist, kann der absolute Fehler nicht auf diese Weise ermittelt werden; die Verfahren, ihn dennoch zu erhalten, werden im folgenden geschildert. Sie unterscheiden sich je nachdem, ob Einzel- oder Wiederholungsmessungen vorliegen. | ||
| + | |||
| Bei Einzelmessungen erhält man den absoluten Fehler am sichersten durch eine kritische Prüfung des Verfahrens. Dies beinhaltet aufwendige Kontrollmessungen und eine entsprechende statistische Auswertung. Lohnen wird sich dieser Aufwand vermutlich nur, wenn das Verfahren zur Serienanalyse eingesetzt wird. Hat der Analytiker bereits lange Erfahrung mit dem Verfahren, so ist auch das Schätzen zugelassen. Handelt es sich um ein älteres oder bekanntes Verfahren, so besteht die Möglichkeit in der Literatur auf eine Angabe des absoluten Fehlers zu stoßen. Eventuell finden sich im Handbuch auch Angaben des Geräteherstellers. Als unverzichtbares Minimum ist allerdings die Angabe der Ablesefehler aller verwendeten Meßgeräte erforderlich! | Bei Einzelmessungen erhält man den absoluten Fehler am sichersten durch eine kritische Prüfung des Verfahrens. Dies beinhaltet aufwendige Kontrollmessungen und eine entsprechende statistische Auswertung. Lohnen wird sich dieser Aufwand vermutlich nur, wenn das Verfahren zur Serienanalyse eingesetzt wird. Hat der Analytiker bereits lange Erfahrung mit dem Verfahren, so ist auch das Schätzen zugelassen. Handelt es sich um ein älteres oder bekanntes Verfahren, so besteht die Möglichkeit in der Literatur auf eine Angabe des absoluten Fehlers zu stoßen. Eventuell finden sich im Handbuch auch Angaben des Geräteherstellers. Als unverzichtbares Minimum ist allerdings die Angabe der Ablesefehler aller verwendeten Meßgeräte erforderlich! | ||
| - | Man sollte sich jedoch vor Augen halten, daß die beste Möglichkeit, | + | Die beste Möglichkeit, |
| - | Die einfachste Methode: | + | |
| - | Angabe und Berücksichtigung der Ablesefehler | + | === Die einfachste Methode: Angabe und Berücksichtigung der Ablesefehler |
| - | Meistens | + | Meist wird sich der Analytiker damit begnügen, nur einmal zu pipettieren, |
| - | 1,6483 g +/- 0,0001 g 5 signifikante Ziffern | + | 1,6483 g +/- 0,0001 g 5 signifikante Ziffern |
| - | Unmittelbar vor oder hinter dem Komma stehende Nullen gelten als nicht signifikant, | + | Unmittelbar vor oder hinter dem Komma stehende Nullen gelten als nicht signifikant, |
| - | 0,0164 = 1,64 10-2 3 signifikante Ziffern | + | |
| - | 0,00016 = 1,6 10-4 2 signifikante Ziffern | + | 0,0164 = 1,64 10-2 3 signifikante Ziffern |
| - | Nullen, die zwischen den Ziffern oder unmittelbar hinter der letzten Ziffer stehen, sind signifikant, | + | 0,00016 = 1,6 10-4 2 signifikante Ziffern |
| - | 36,608 5 signifikante Ziffern | + | Nullen, die zwischen den Ziffern oder unmittelbar hinter der letzten Ziffer stehen, |
| - | 641,0 4 signifikante Ziffern | + | |
| - | Wird das Analysenresultat aus mehreren Meßwerten berechnet, so bestimmt der ungenaueste Meßwert die Genauigkeit des Ergebnisses: | + | 36,608 5 signifikante Ziffern |
| - | Beispiele: | + | 641,0 4 signifikante Ziffern |
| - | Zur Bestimmung der Dichte eines Stoffes wird seine Masse mit m = 3,847 g und sein Volumen mit V = 0,63 ml bestimmt. Berechne | + | Wird das Analysenresultat aus mehreren Meßwerten berechnet, so bestimmt der ungenaueste Meßwert die Genauigkeit des Ergebnisses: |
| - | Bei der Vorbereitung werden unterschiedliche Mengen von drei Stoffen zusammen eingewogen. Der Laborant benutzt drei Waagen unterschiedlicher Genauigkeit. Gebe die Gesamtmasse an: | + | Dieses **Signifikanzverfahren** ist eine Schätzung, die nach Regeln abläuft |
| - | m (1) = 0,543815 g m(2) = 16,037 g m(3) = 138 g | + | |
| - | Um den Glühverlust einer Probe zu bestimmen, wird die Masse eines Tiegels vor und nach dem Glühen bestimmt. Gebe den Glühverlust und die Anzahl der signifikanten Stellen an: | + | |
| - | m (vor dem Glühen) = 23,0649 g | + | |
| - | m (nach dem Glühen) = 23,0286 g | + | |
| - | Die Methode der Fehlerfortpflanzung | + | === Die Methode der Fehlerfortpflanzung |
| - | Das Signifikanzverfahren ist eine Schätzung, die nach Regeln abläuft und keine mathematische Ermittlung des Fehlers: sie verhindert lediglich eine allzu große, unbegründete Genauigkeit. | + | Um im Resultat für den absoluten Fehler exakte Zahlen anzugeben, müssen nicht nur alle Teilfehler bei allen Teilmessungen berücksichtigt werden. Es muß auch berücksichtigt werden, wie sich diese Teilfehler durch die Berechnungen fortpflanzen. Dies sei an enem einfachen Beispiel illustriert: |
| - | Tiegel mit Inhalt 25,3692 g +/- 0,0001 g | + | Tiegel mit Inhalt 25,3692 g +/- 0,0001 g |
| - | Tiegel, leer 25,2346 g +/- 0,0001 g | + | Tiegel, leer 25,2346 g +/- 0,0001 g |
| - | Masse des Inhalts 0,1346 g +/- 0,0002 g | + | Masse des Inhalts 0,1346 g +/- 0,0002 g |
| Es wird deutlich, daß sich die Fehler (bei Strichrechnung) addieren - egal, ob es sich dabei um Addition oder Subtraktion handelt. Mathematisch läßt sich das folgendermaßen schreiben: | Es wird deutlich, daß sich die Fehler (bei Strichrechnung) addieren - egal, ob es sich dabei um Addition oder Subtraktion handelt. Mathematisch läßt sich das folgendermaßen schreiben: | ||
| - | E = x + y + z E = Endergebnis | + | |
| - | E+ E = x + x + y + y + z + z E = Fehler des Ergebnisses | + | E+ E = x + x + y + y + z + z E = Fehler des Ergebnisses |
| - | E = x + y + z x = Fehler der Einzelwerte | + | E = x + y + z x = Fehler der Einzelwerte |
| - | + E+ E = E ( x + y + z ) - | + | + E+ E = E ( x + y + z ) - |
| Bei Punktrechnung gilt: | Bei Punktrechnung gilt: | ||
| - | x + y E = z | + | |
| - | x y z E = ( + + ) E x y z | + | x y z E = ( + + ) E x y z |
| - | Auch dafür ein Beispiel: | + | Beispiel: |
| Eine Analyse erbringt folgende Zwischenergebnisse: | Eine Analyse erbringt folgende Zwischenergebnisse: | ||
| - | | + | |
| - | + Einwaage = 1,0898 g 0,0002 g - | + | Einwaage = 1,0898 g 0,0002 g |
| - | + Faktor = 0,2394 0, | + | Faktor = 0,2394 0,0001 |
| - | | + | Auswaage x Faktor Analysenresultat = Einwaage |
| - | | + | 0,1346 g x 0,2394 = = 0,0295680 1,0898 g |
| - | | + | 0,0002 0,0002 0,0001 Fehlerfortpflanzung= ( + + ) x 0,029568 g = 0,000062 g 0,1346 1,0898 0,2394 |
| - | + Analysenresultat = 0,00295 g 0,00006 g - | + | + Analysenresultat = 0,00295 g 0,00006 g - |
| - | Zusammenfassung zur Fehlerbetrachtung | + | |
| - | Benutzt man ein Analysenverfahren, | + | |
| - | Gestaltet man sein eigenes Verfahren, so muß bei sehr hohen Ansprüchen in aufwendigen und vergleichenden Untersuchungen (evtl. gar in Ringversuchen mit anderen Laboratorien) der Verfahrensfehler bestimmt werden. Dabei werden systematische, | + | |
| - | Der beste Weg dürfte sein, über Wiederholungsmessungen zu einem Mittelwert und dessen Standardabweichung zu gelangen. Systematische Fehler werden allerdings mit diesem Verfahren nicht erfasst und müssen akzeptiert werden. Grobe Fehler werden ausgeschlossen, | + | |
| - | Ist auch dies nicht durchführbar, | + | |
| - | Als letzte Möglichkeit einer kritischen Fehlerbetrachtung bleibt die Einzelmessung mit einer Berücksichtigung der signifikanten Stellen im Analysenresultat. Fehler bleiben unerkannt, außerdem wird die Genauigkeit des Ergebnisses eingeschränkt. | + | |
| - | Auf die Möglichkeit, | + | ===== 8. Kritische Angabe des Analysenergebnisses ===== |
| + | Ein zahlenmässiges »Ergebnis« | ||
| + | - Benutzt man ein Analysenverfahren, | ||
| + | - Gestaltet man sein eigenes Verfahren, so muß bei sehr hohen Ansprüchen in aufwendigen und vergleichenden Untersuchungen (evtl. gar in Ringversuchen mit anderen Laboratorien) | ||
| + | - Der pragmatischste Weg führt über Wiederholungsmessungen zu einem Mittelwert und dessen Standardabweichung. Systematische Fehler werden damit nicht erfasst und müssen akzeptiert werden. Grobe Fehler werden ausgeschlossen, | ||
| + | - Die Einzelmessung mit Angabe eines Fehlers als Ergebnis | ||
| + | - Die unzuverlässigste Methode ist eine Einzelmessung, | ||
wiki/analytik.1592493427.txt.gz · Zuletzt geändert: von Norbert Lüdtke
