====== Ferien ====== Etymologisch wurzelt 'Ferien' im lateinischen feriae 'Feiertage, Feste'. Im [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Ab dem 15. Jahrhundert|15. Jahrhundert]] wurde das lateinische //feriae// eingedeutscht. Linguistisch ist das Wort Ferien ein neutrales Pluraliatantum, es kommt nur im Plural vor. Bis in die Frühe Neuzeit wurden feriae sacrae (Oster-, Weihnachtsferien, gleichbedeutend engl. //holiday//) und feriae profanae (Ernteferien) unterschieden. In dieser Zeit ruhte das öffentliche Leben, also Gerichte, Universitäten, Schulen. Ferien waren ein Gebot des Landesherrn und wurden geregelt. Ferienordnungen bestimmten die Einzelheiten. Gleichbedeutend sind französische //vacances//, italienisches //vacanza// usw., doch bezeichnet dies ursprünglich die 'Vakanz' der in dieser Zeit nicht besetzten öffentlichen Stellen. Auch das griechische //οι διακοπές// bezeichnet einen "Zeitraum ohne Schule und/oder Arbeit; Urlaub, Ferien" (Wictionary). * "ferien, schulfreiheit; feriae u. nomenclator hamburg. (1634) 286; gerichtsferien Staub-Tobler 3, 960; vacantie nl. wb. 11, 126, 2b: wen man dan in der schul als am donstag und samsztag urlob hatt, gieng ich zum frowenminster Th. Platter 38 B. frühlings-, herbst-, hundstags-, ernteurlaub; urlaubtag, urlaubszeit Staub-Tobler 3, 959 f.; Fischer 6, 299. auch für ferienaufgaben Staub-Tobler 960. nicht mehr schriftsprachlich, doch ähnlich: ich geniesze nun in meinem haus den völligsten u. Göthe IV 11, 85 W.; vgl. IV 8, 357 W." ((„urlaub, m.“, Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/25, <[[https://www.woerterbuchnetz.de/DWB?lemid=U14291|Online]]>, abgerufen am 13.12.2025.\\ Referenz zur gedruckten Ausgabe: Anfang des Artikels: Bd. 24, Sp. 2466, Z. 60; Originalausgabe: XI. Band, 3. Abtheilung, Lfg 16. ureigenthümlichkeit — urstoff. Erscheinungsjahr: 1935. )) ===== Ferien und Urlaub ===== Ferien und Urlaub sind einzig und allein verbunden durch die [[musse|Auszeit]], die sie gewähren, ansonsten waren sie lange Zeit grundverschieden. Während Ferien ein öffentliches Gebot waren, wurde //[[urlaub|Urlaub]]// im Einzelfall gewährt, es war die //Erlaubnis//, sich aus einem Abhängigkeitsverhältnis zu entfernen verbunden mit der //Pflicht//, zurückzukehren. Obgleich sich das Wort ursprünglich in allen germanischen Sprachen findet, wird es im modernen Sinn nur im Deutschen verwendet, bekannt ist es auch im Niederländischen (//verlof//) und Polnischen (//urlop//); sinnverwandt ist Russisches отпуск (otpusk) und französisches //congé//. Weder Ferien noch Urlaub wurden ursprünglich mit 'Reisen' verbunden. Der Begriff 'Ferienreise' erscheint im Schriftdeutschen zuerst 1799 ((Naturforschende Gesellschaft in Zürich: An die Zürcherische Jugend auf das Jahr ... 1799, S.7)), 'Urlaubsreise' ab 1788 ((Historisches portefeuille, 7. Stück, Juli 1788, Wien, S. 252)). Im [[unterwegs_im_19._jahrhundert|19. Jahrhundert]] wurde die Auszeit für beide als [[freizeit|Freizeit]] des [[einzelne|Einzelnen]] verstanden, die insbesondere der Erholung zu dienen hatte als [[sommerfrische|Sommerfrische]], [[tour|Tour]] in die Berge, [[fahrt|Fahrt]] ins Bad oder [[liste_strand-abc|Strand]]urlaub. Diese Bedeutungsverschiebung verband sich mit dem gesellschaftlich gewünschten Ziel der gesundheitlichen Stärkung (Erholung) für alle und der [[reisen|Reise]] als geeignetem Mittel dazu, hin zu den zeittypischen Zielen Badeort, Landluft, [[bergwelt|Berg]], Meer und [[Strand|Strand]].\\ Dies näherte den Sinn beider Begriffe an. Das Verständnis von 'Urlaub' kehrte sich gar um: er wurde ursprünglich gewährt, heute wird er genommen. ===== Literatur und Verweise ===== * ''Stefan Keller''\\ //Vorwärts zum Genuss. Von Arbeiterferien und Arbeiterhotels//\\ 150 S. zahlr. Abb. Zürich 2014: Rotpunkt. [[https://d-nb.info/1050834488/04|Inhalt]] * ''Richez, Jean-Claude'', ''Léon Strauss''\\ //Généalogie des Vacances Ouvrières.//\\ Le Mouvement Social, 150 (1990) 3–18. [[https://doi.org/10.2307/3778648|Online]]\\ Mit einem Kapitel zur Semantik von Congé, Vacation, Ferien, Urlaub. * ''Heinz Friedrich Schniggenfittig'' (Ltg. Autorenkollektiv)\\ //Handbuch für das Betriebsferienlager//\\ VEB Tribüne Berlin 1976\\ Bundesvorstand des FDGB, Abt. Bildung 2.A. (21-40. Tsd.) 261 S. * ''Beatrice Schumacher''\\ //Ferien – Interpretationen und Popularisierung eines Bedürfnisses. Schweiz 1890–1950//\\ Zugl.: Univ. Basel 2000: Diss. 418 Seiten, [6] Blätter. Literaturverz. S. 385 - 397 Wien 2002: Böhlau. [[https://d-nb.info/962872989/04|Inhalt]] → [[ausstellungsliste_fernweh_reisefieber_reiselust|Ausstellungsliste Fernweh, Reisefieber, Reiselust]]\\ → [[literaturliste_fernweh_reisefieber_reiselust|Literaturliste Fernweh, Reisefieber, Reiselust]] * [**1777**] //Auf des Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Carl, Regierenden Herzogs zu Braunschweig und Lüneburg ... Befehl, fügen Wir Vice-Rector und Professores auf der Herzogl. Braunschweig-Lüneburgischen Jvlivs-Carls-Universität; Jedermänniglich, ... Helmstedt, den 9. Januar 1777//\\ Braunschweig-Lüneburg, Herzog, Karl *1713-1780*. [[http://diglib.hab.de/drucke/q-141c-4f-helmst-4s/start.htm|Online]] [4] S.\\ Ferienordnung für Professorren und Studenten für (1.) die 14-tägigen Osterferien mit der "Marterwoche"; (2.) die Michaelisferien Mitte Oktober vom Michaelistag bis zum Juliustag; (3.) die Weihnachtsferien vom Tag vor Heiligabend bis zum Tag nach Neujahr und (4.) keine Ferien mehr an den Messetagen. * **1933** ''P. Wyr''\\ //Wie weit komme ich in den Ferien für 10 Mark?//\\ Uhu, 10 (Juli 1933) 68-72\\ 111 S. Berlin 1933: Ullstein * **1953** //Die Ferien des Monsieur Hulot// (Les Vacances de Monsieur Hulot)\\ Film von und mit ''Jacques Tati'' (Frankreich, 110 min) * **1982** //Pauline am [[liste_strand-abc|Strand]]// Film, Regie: ''Eric Rohmer'' (Frankreich, 94 min) {{tag>Liste_Reisestile_im_Deutschen zeit_musse}}