Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


wiki:flucht

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende Überarbeitung
Nächste Überarbeitung
Vorhergehende Überarbeitung
wiki:flucht [2024/07/25 08:06] – ↷ Links angepasst weil Seiten im Wiki verschoben wurden 52.230.152.246wiki:flucht [2026/07/28 12:45] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1
Zeile 13: Zeile 13:
 ===== 1 Vorbemerkung ===== ===== 1 Vorbemerkung =====
  
-Während langer Zeiten im [[wiki:reisegenerationen#20. Jahrhundert|20. Jahrhundert]] war das Reisen oft undenkbar. [[wiki:unterwegs-sein|Unterwegs]] waren dann meist Flüchtlinge, Gestrandete, Heimatlose, Soldaten. Wie erging es Reisenden, die im fremden Land vom Krieg überrascht wurden? Gab es freiwillig Reisende in den Kriegsjahren? Wie „reiste“ man auf der Flucht?\\ +Während langer Zeiten im [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#20. Jahrhundert|20. Jahrhundert]] war das Reisen oft undenkbar. [[wiki:unterwegs-sein|Unterwegs]] waren dann meist Flüchtlinge, Gestrandete, Heimatlose, Soldaten. Wie erging es Reisenden, die im fremden Land vom Krieg überrascht wurden? Gab es freiwillig Reisende in den Kriegsjahren? Wie „reiste“ man auf der Flucht?\\ 
 Die wohl berühmteste Flucht des 20. Jahrhunderts ist im ersten Kapitel beschrieben: Einzigartig ist, daß gleich fünf der sieben Flüchtenden ein Buch über ihre Erfahrungen geschrieben haben: ''Heinrich Harrer'', ''Peter Aufschnaiter'', ''Rolf Magener'', ''Friedel Sattler'' und ''Hans Kopp''.\\  Die wohl berühmteste Flucht des 20. Jahrhunderts ist im ersten Kapitel beschrieben: Einzigartig ist, daß gleich fünf der sieben Flüchtenden ein Buch über ihre Erfahrungen geschrieben haben: ''Heinrich Harrer'', ''Peter Aufschnaiter'', ''Rolf Magener'', ''Friedel Sattler'' und ''Hans Kopp''.\\ 
 Im zweiten Kapitel folgen Einzelerfahrungen mit Krieg, Putsch, Internierung, dem Überleben in fremden Ländern und Möglichkeiten zur [[wiki:Heimkehr|Heimkehr]], basierend auf Reiseberichten des Engländers ''Chatwin'', der Polen ''Rawitsch'' und ''Ossendowski'', der Österreicher ''Fruhmann'', ''Aufschnaiter'', ''Harrer'' und ''Kolb'', des Schweizers ''Meiss-Teuffen'' sowie einiger Deutscher.\\  Im zweiten Kapitel folgen Einzelerfahrungen mit Krieg, Putsch, Internierung, dem Überleben in fremden Ländern und Möglichkeiten zur [[wiki:Heimkehr|Heimkehr]], basierend auf Reiseberichten des Engländers ''Chatwin'', der Polen ''Rawitsch'' und ''Ossendowski'', der Österreicher ''Fruhmann'', ''Aufschnaiter'', ''Harrer'' und ''Kolb'', des Schweizers ''Meiss-Teuffen'' sowie einiger Deutscher.\\ 
Zeile 26: Zeile 26:
 ==== Warum flüchten? ====  ==== Warum flüchten? ==== 
  
-''Sattler'' findet das Lager gut geführt und mit zahlreichen Annehmlichkeiten ausgestattet. Auch Kopp lobt das Lager, die Offiziere behandelten sie gut und menschlich, die Verpflegung war großartig, Schneiderei, Bügelei, Wäscherei und Schuhmacherwerkstatt standen zur Verfügung; ein Orchester spielte auf, Theater wurde gegeben, Filme gezeigt, die verschiedensten Sportarten waren möglich. Deutsche Tropenärzte leiteten ein Hospital und ein Zahnlabor. // „Wir durften zweimal in der Woche [[wiki:spaziergang|Spaziergänge]] außerhalb des Lagers machen, hatten Unterhaltung und Sport. Zweimal wöchentlich spielte ein für uns gebautes und eingerichtetes Kino. Es gab eine große Bibliothek, die Bücher in fast allen Sprachen der Welt umfaßte. Eine Schule, Vorträge aller Art, Theater, Arbeitsräume für jeden nur erdenklichen Handwerksberuf - kurzum, wir hatten alles, was ein zivilisierter Europäer zu seiner Zufriedenheit braucht.“// ((Sattler, Flucht durch den Himalaja ... , 12)) +''Sattler'' findet das Lager gut geführt und mit zahlreichen Annehmlichkeiten ausgestattet. Auch Kopp lobt das Lager, die Offiziere behandelten sie gut und menschlich, die Verpflegung war großartig, Schneiderei, Bügelei, Wäscherei und Schuhmacherwerkstatt standen zur Verfügung; ein Orchester spielte auf, Theater wurde gegeben, Filme gezeigt, die verschiedensten Sportarten waren möglich. Deutsche Tropenärzte leiteten ein Hospital und ein Zahnlabor. //„Wir durften zweimal in der Woche [[wiki:spaziergang|Spaziergänge]] außerhalb des Lagers machen, hatten Unterhaltung und Sport. Zweimal wöchentlich spielte ein für uns gebautes und eingerichtetes Kino. Es gab eine große Bibliothek, die Bücher in fast allen Sprachen der Welt umfaßte. Eine Schule, Vorträge aller Art, Theater, Arbeitsräume für jeden nur erdenklichen Handwerksberuf - kurzum, wir hatten alles, was ein zivilisierter Europäer zu seiner Zufriedenheit braucht.“// ((Sattler, Flucht durch den Himalaja ... , 12)) 
 Weswegen also fliehen? Der Drang zur [[wiki:freiheit|Freiheit]], [[wiki:abenteuer|Abenteuerlust]], das intellektuelle Vergnügen, gesetzte Schranken zumindest geistig zu überwinden, der Glaube an eine offene Zukunft - viele Motive waren möglich, jenseits praktischer Erwägungen:  //„Wenn ich mich trotzdem mit Fluchtgedanken trug, so bedarf das keiner näheren Erläuterung: jeder, der einmal längere Zeit hinter Stacheldraht lebte, wird das verstehen. Das unerträgliche Gefühl des Eingesperrt-Seins, des nutzlosen Ausharrens in einer klimatisch so ungünstigen Zone und auch ein Körnchen Abenteuerlust waren die wichtigsten Beweggründe für meinen Plan...“// ((Sattler, Flucht durch den Himalaja ... , 12))  Weswegen also fliehen? Der Drang zur [[wiki:freiheit|Freiheit]], [[wiki:abenteuer|Abenteuerlust]], das intellektuelle Vergnügen, gesetzte Schranken zumindest geistig zu überwinden, der Glaube an eine offene Zukunft - viele Motive waren möglich, jenseits praktischer Erwägungen:  //„Wenn ich mich trotzdem mit Fluchtgedanken trug, so bedarf das keiner näheren Erläuterung: jeder, der einmal längere Zeit hinter Stacheldraht lebte, wird das verstehen. Das unerträgliche Gefühl des Eingesperrt-Seins, des nutzlosen Ausharrens in einer klimatisch so ungünstigen Zone und auch ein Körnchen Abenteuerlust waren die wichtigsten Beweggründe für meinen Plan...“// ((Sattler, Flucht durch den Himalaja ... , 12)) 
  
-Auch für ''Hans Kopp'' war die Sache klar: // „Von jeher galt mir Freiheit als das Höchste. Schon als Kind begriff ich etwas von ihrem unschätzbarem Wert und fühlte mich nur dort wohl, wo ich meine eigenen Wege gehen und tun und lassen konnte, was ich wollte. Jedem Zwang verschloß ich mich oder suchte ihm zu entrinnen. Soweit ich zurückdenken kann, beseelten mich Abenteuerlust und eine unbändige Sehnsucht nach Unabhängigkeit, Wesenszüge, die denn auch mein ganzes bisheriges Leben mitbestimmten.“// ((Kopp, Sechsmal über den Himalaya, 5))+Auch für ''Hans Kopp'' war die Sache klar: //„Von jeher galt mir Freiheit als das Höchste. Schon als Kind begriff ich etwas von ihrem unschätzbarem Wert und fühlte mich nur dort wohl, wo ich meine eigenen Wege gehen und tun und lassen konnte, was ich wollte. Jedem Zwang verschloß ich mich oder suchte ihm zu entrinnen. Soweit ich zurückdenken kann, beseelten mich Abenteuerlust und eine unbändige Sehnsucht nach Unabhängigkeit, Wesenszüge, die denn auch mein ganzes bisheriges Leben mitbestimmten.“// ((Kopp, Sechsmal über den Himalaya, 5))
  
 ==== Frei - aber in Indien gefangen? ====  ==== Frei - aber in Indien gefangen? ==== 
Zeile 39: Zeile 39:
 ==== Vorbereitungen zur Flucht ==== ==== Vorbereitungen zur Flucht ====
  
-Geldmangel war ein großes Problem: ''Heins von Have'' hatte wie die anderen die Erfahrung gemacht, daß Geldmangel das Risiko der Flucht erhöht, da man [[wiki:unterwegs-sein|unterwegs]] handeln oder tauschen muß. ((Sattler, Flucht durch den Himalaja ..., 12)) Eine Art Lagergeld war außerhalb des Lagers wertlos. Indische Rupies erhielt man durch den Verkauf von Wertgegenständen an Inder oder durch Betrügereien auf Kosten der Engländer: So manches Schwein wurde an die Lagerküche geliefert, erreichte sie aber nie und wurde dennoch von den Engländern bezahlt. // „Da war zunächst die Beschaffung einer möglichst großen Summe Geldes: Wir beschafften sie uns, indem wir Wein und Schnaps aus Rosinen und Melasse fabrizierten. ...“//  Rupies zu besitzen war verboten, doch immer kursierte eine gewisse Menge im Lager. Wer indische Banknoten besaß, versteckte oder vergrub sie. Oft machten sich dann Ameisen über die Scheine her und ließen kaum etwas übrig.+Geldmangel war ein großes Problem: ''Heins von Have'' hatte wie die anderen die Erfahrung gemacht, daß Geldmangel das Risiko der Flucht erhöht, da man [[wiki:unterwegs-sein|unterwegs]] handeln oder tauschen muß. ((Sattler, Flucht durch den Himalaja ..., 12)) Eine Art Lagergeld war außerhalb des Lagers wertlos. Indische Rupies erhielt man durch den Verkauf von Wertgegenständen an Inder oder durch Betrügereien auf Kosten der Engländer: So manches Schwein wurde an die Lagerküche geliefert, erreichte sie aber nie und wurde dennoch von den Engländern bezahlt. //„Da war zunächst die Beschaffung einer möglichst großen Summe Geldes: Wir beschafften sie uns, indem wir Wein und Schnaps aus Rosinen und Melasse fabrizierten. ...“//  Rupies zu besitzen war verboten, doch immer kursierte eine gewisse Menge im Lager. Wer indische Banknoten besaß, versteckte oder vergrub sie. Oft machten sich dann Ameisen über die Scheine her und ließen kaum etwas übrig.
  
 ==== Die Suche nach Gleichgesinnten ==== ==== Die Suche nach Gleichgesinnten ====
  
-Die vorsichtige Mehrheit der Lagerinsassen sympathisierte mit der risikobereiten Minderheit und unterstützte deren Ausbruchsversuche. // „Es erquickt nun einmal jeden Gefangenen, wenn ein Leidensgefährte die Fesseln sprengt und durchbrennt. Die Sergeanten machen verdutzte Gesichter, wenn sie beim Durchzählen den Verlust entdecken. Die Wachen werden angeschnauzt und verfallen einem Strafgericht. Der Kommandant rast. ... So eine Flucht bringt eben Abwechslung und Spannung für alle.“// ((Magener, Die Chance war Null, 8))  Andererseits wetteiferten die ausbrechenden Gruppen um den frühesten Fluchtzeitpunkt; jeder hielt seinen Ausbruchszeitpunkt geheim, denn die erste Gruppe hatte die besten Chancen. Vielleicht trug deswegen die Einigung zwischen den Gruppen um Harrer, Kopp, Aufschnaiter und Magener zum Gelingen ihrer Flucht bei. ''Ede Krämer'', der im Vorjahr mit Kopp zusammen ausgebrochen war, erreichte diese Einigung nur unter Druck und auf Drängen Mageners, während sich alle anderen lange dagegen sträubten. Ede Krämer war ein damals in Asien bekannter und erfolgreicher Ringkämpfer, der im Lager die Ringergruppe leitete, zu der auch ''Hans „Hanne“ Kopp'' gehörte. ''Rolf Magener'' beschrieb Ede Krämer:  //„Er besaß eine gewisse Schlüsselstellung im Lager, nicht nur als Anführer der Rabauken, sondern als Mittelpunkt aller unterirdischen Betriebsamkeit. Von ihm liefen die Fäden zur Außenwelt, da Inder und Tommies ihn gleichermaßen bewunderten; von ihm wurden auch die Lagerwerkstätten unsichtbar beherrscht, die geheimen Tips vergeben und manches Unternehmen ausgeheckt. Über die Handwerker erfuhr er frühzeitig von bevorstehenden Ausbrüchen, weil Schuster, Schneider und Schlosser bei der Anfertigung von Fluchtgerät mitwirkten.“// (( Magener, Die Chance war Null, 12))+Die vorsichtige Mehrheit der Lagerinsassen sympathisierte mit der risikobereiten Minderheit und unterstützte deren Ausbruchsversuche. //„Es erquickt nun einmal jeden Gefangenen, wenn ein Leidensgefährte die Fesseln sprengt und durchbrennt. Die Sergeanten machen verdutzte Gesichter, wenn sie beim Durchzählen den Verlust entdecken. Die Wachen werden angeschnauzt und verfallen einem Strafgericht. Der Kommandant rast. ... So eine Flucht bringt eben Abwechslung und Spannung für alle.“// ((Magener, Die Chance war Null, 8))  Andererseits wetteiferten die ausbrechenden Gruppen um den frühesten Fluchtzeitpunkt; jeder hielt seinen Ausbruchszeitpunkt geheim, denn die erste Gruppe hatte die besten Chancen. Vielleicht trug deswegen die Einigung zwischen den Gruppen um Harrer, Kopp, Aufschnaiter und Magener zum Gelingen ihrer Flucht bei. ''Ede Krämer'', der im Vorjahr mit Kopp zusammen ausgebrochen war, erreichte diese Einigung nur unter Druck und auf Drängen Mageners, während sich alle anderen lange dagegen sträubten. Ede Krämer war ein damals in Asien bekannter und erfolgreicher Ringkämpfer, der im Lager die Ringergruppe leitete, zu der auch ''Hans „Hanne“ Kopp'' gehörte. ''Rolf Magener'' beschrieb Ede Krämer:  //„Er besaß eine gewisse Schlüsselstellung im Lager, nicht nur als Anführer der Rabauken, sondern als Mittelpunkt aller unterirdischen Betriebsamkeit. Von ihm liefen die Fäden zur Außenwelt, da Inder und Tommies ihn gleichermaßen bewunderten; von ihm wurden auch die Lagerwerkstätten unsichtbar beherrscht, die geheimen Tips vergeben und manches Unternehmen ausgeheckt. Über die Handwerker erfuhr er frühzeitig von bevorstehenden Ausbrüchen, weil Schuster, Schneider und Schlosser bei der Anfertigung von Fluchtgerät mitwirkten.“// (( Magener, Die Chance war Null, 12))
  
-Alle aus der Fluchtgruppe, bis auf Sattler und Magener, hatten bereits einen oder mehrere Fluchtversuche hinter sich: Im Mai 1943 war ''Heinrich Harrer'' mit dem italienischen ''General Marchese'' ausgebrochen. Auch ''Peter Aufschnaiter'' und der Jesuitenpater ''Carl Calenberg'' ((Calenberg war Missionar in den Dschungelgebieten gewesen und galt als bester Fußballer des Lagers. Aufschnaiter und Calenberg verließen verkleidet als indische Arbeiter, am 24.6.1943 das Lager. Nach mehr als 17 Tagen wurden sie in der Nähe der Ortschaft Jhala von mehreren Männern umringt und verhaftet. (Brauen, Peter Aufschnaiter ..., 23) )) hatten den Ausbruch gewagt, ebenso ''Ede Krämer'' und ''Hans „Hanne“ Kopp''. Kopp wird von Magener beschrieben: // „Sein wuchtiger Brustkasten hatte ihm den Spitznamen `Geschwollener´ oder auch `Brust mit Beene´ eingetragen, weil seine Beine für den mächtigen Oberkörper zu schwach waren. Er war wohlgelitten, denn wohin er kam, trieb er seinen Ulk und hob mit ausgelassenen Streichen die Stimmung. Man hatte immer den Eindruck, daß er nach einem sehr schweren Gegenstand suche, um dessen Transport zu übernehmen. ... Angezogen war er auf Krawall. Mund und Herz saßen ihm auf dem rechten Fleck.“// ((Magener, Die Chance war Null, 11))+Alle aus der Fluchtgruppe, bis auf Sattler und Magener, hatten bereits einen oder mehrere Fluchtversuche hinter sich: Im Mai 1943 war ''Heinrich Harrer'' mit dem italienischen ''General Marchese'' ausgebrochen. Auch ''Peter Aufschnaiter'' und der Jesuitenpater ''Carl Calenberg'' ((Calenberg war Missionar in den Dschungelgebieten gewesen und galt als bester Fußballer des Lagers. Aufschnaiter und Calenberg verließen verkleidet als indische Arbeiter, am 24.6.1943 das Lager. Nach mehr als 17 Tagen wurden sie in der Nähe der Ortschaft Jhala von mehreren Männern umringt und verhaftet. (Brauen, Peter Aufschnaiter ..., 23) )) hatten den Ausbruch gewagt, ebenso ''Ede Krämer'' und ''Hans „Hanne“ Kopp''. Kopp wird von Magener beschrieben: //„Sein wuchtiger Brustkasten hatte ihm den Spitznamen `Geschwollener´ oder auch `Brust mit Beene´ eingetragen, weil seine Beine für den mächtigen Oberkörper zu schwach waren. Er war wohlgelitten, denn wohin er kam, trieb er seinen Ulk und hob mit ausgelassenen Streichen die Stimmung. Man hatte immer den Eindruck, daß er nach einem sehr schweren Gegenstand suche, um dessen Transport zu übernehmen. ... Angezogen war er auf Krawall. Mund und Herz saßen ihm auf dem rechten Fleck.“// ((Magener, Die Chance war Null, 11))
  
 ''Have'' war als Kaufmann in Batavia tätig gewesen, wurde dort von den Holländern interniert und vor der Landung der Japaner auf Java mit den anderen Deutschen aus Indonesien nach Britisch-Indien gebracht. Dabei unternahm er zusammen mit dem Hamburger ''Hans Peter Hülsen'' einen ersten Fluchtversuch, indem sie aus einem fahrenden Zug sprangen. Zunächst erfolgreich, wurden sie dennoch bald gefaßt. Ein zweiter Fluchtversuch der beiden endete kurz vor dem Erreichen der burmesischen Grenze mit dem Tod des Hamburgers. ((Magener, Die Chance war Null, 6)) 1945 brach der deutsche Bergsteiger ''Ludwig Schmaderer'' aus dem Lager aus, gemeinsam mit seinem Kameraden ''Herbert Paidar''. Sie gingen den gleichen Weg wie Harrer, Kopp, Aufschnaiter ein Jahr zuvor und gelangten nach Schipki. Weil Schmaderer sein Geld allzu offen zeigte, folgten ihm vier Bewohner des Ortes, schlugen ihn zusammen und warfen seine Leiche in den Fluß. Ein Tibeter, der dieses Geschehen heimlich beobachtete, brachte das Verbrechen an die Öffentlichkeit. ((Kopp, Sechsmal über den Himalaya, 134)) ''Have'' war als Kaufmann in Batavia tätig gewesen, wurde dort von den Holländern interniert und vor der Landung der Japaner auf Java mit den anderen Deutschen aus Indonesien nach Britisch-Indien gebracht. Dabei unternahm er zusammen mit dem Hamburger ''Hans Peter Hülsen'' einen ersten Fluchtversuch, indem sie aus einem fahrenden Zug sprangen. Zunächst erfolgreich, wurden sie dennoch bald gefaßt. Ein zweiter Fluchtversuch der beiden endete kurz vor dem Erreichen der burmesischen Grenze mit dem Tod des Hamburgers. ((Magener, Die Chance war Null, 6)) 1945 brach der deutsche Bergsteiger ''Ludwig Schmaderer'' aus dem Lager aus, gemeinsam mit seinem Kameraden ''Herbert Paidar''. Sie gingen den gleichen Weg wie Harrer, Kopp, Aufschnaiter ein Jahr zuvor und gelangten nach Schipki. Weil Schmaderer sein Geld allzu offen zeigte, folgten ihm vier Bewohner des Ortes, schlugen ihn zusammen und warfen seine Leiche in den Fluß. Ein Tibeter, der dieses Geschehen heimlich beobachtete, brachte das Verbrechen an die Öffentlichkeit. ((Kopp, Sechsmal über den Himalaya, 134))
  
-Während einige nach mißlungenen Fluchtversuchen aufgaben (Krämer, Marchese) wollten andere daraus lernen: // „Nun aber hatten wir die Pionierarbeiten geleistet, kannten die Wege und die Lebensbedingungen des Landes und waren ungleich besser in der Lage, Vorbereitungen für eine zweite Flucht zu treffen. ... Zahlreiche Partner boten sich mir an und steigerten die Angebote für meine Führung bis zu 5000 Rupien. Aber am Gelde lag mir nichts. Ich wollte bei meinem nächsten Abenteuer einzig wieder einen sportlich gut durchtrainierten, anständigen Kameraden bei mir wissen.“// ((Kopp, Sechsmal über den Himalaya, 95)) Kopps Wahl fällt auf den Mittelstürmer ''Friedel Sattler'', der ihm versprechen muß, sich ernsthaft vorzubereiten. Wieder fängt er an zu organisieren, legt Medikamente auf Seite und läßt sich vom Lagerarzt über deren Anwendung instruieren. Nach und nach wird die [[wiki:ausruestung|Ausrüstung]] aus dem Lager geschmuggelt und am Tonsfluß versteckt. ((Aufschnaiter erinnerte sich: //„Die Engländer merkten dies zwar und führten Kontrollen durch, doch waren sie - wie bei allen solchen Dingen - niemals hart.“// (Brauen, Peter Aufschnaiter ..., 24) ))+Während einige nach mißlungenen Fluchtversuchen aufgaben (Krämer, Marchese) wollten andere daraus lernen: //„Nun aber hatten wir die Pionierarbeiten geleistet, kannten die Wege und die Lebensbedingungen des Landes und waren ungleich besser in der Lage, Vorbereitungen für eine zweite Flucht zu treffen. ... Zahlreiche Partner boten sich mir an und steigerten die Angebote für meine Führung bis zu 5000 Rupien. Aber am Gelde lag mir nichts. Ich wollte bei meinem nächsten Abenteuer einzig wieder einen sportlich gut durchtrainierten, anständigen Kameraden bei mir wissen.“// ((Kopp, Sechsmal über den Himalaya, 95)) Kopps Wahl fällt auf den Mittelstürmer ''Friedel Sattler'', der ihm versprechen muß, sich ernsthaft vorzubereiten. Wieder fängt er an zu organisieren, legt Medikamente auf Seite und läßt sich vom Lagerarzt über deren Anwendung instruieren. Nach und nach wird die [[wiki:ausruestung|Ausrüstung]] aus dem Lager geschmuggelt und am Tonsfluß versteckt. ((Aufschnaiter erinnerte sich: //„Die Engländer merkten dies zwar und führten Kontrollen durch, doch waren sie - wie bei allen solchen Dingen - niemals hart.“// (Brauen, Peter Aufschnaiter ..., 24) ))
  
 ==== Solidarität und Erfolg ==== ==== Solidarität und Erfolg ====
Zeile 57: Zeile 57:
 Die Gefangenen durften auf sogenannte Paroleausflüge gehen, wenn sie zuvor einen Zettel unterschrieben, daß sie außerhalb des Lagers mit niemandem sprechen würden, keine Verkehrsmittel verwendeten und keinen Fluchtversuch unternehmen würden. Man respektierte die Fairneß der Engländer und hielt sich an das Abkommen, nutzte jedoch die Ausflüge, um zu trainieren, die Gegend für die ersten Marschtage möglichst gut kennenzulernen, um [[wiki:ausruestung|Ausrüstung]] herauszuschmuggeln und Depots anzulegen. Ein deutscher Arzt im Lager besorgte Arzneien, ein Handwerker fabrizierte einen langen Dolch aus einer alten Autofeder, ein Pater, der bei den Tibetern missioniert hatte, informierte über Gebräuche und Sprache der Tibeter und zeichnete Karten. ''Aufschnaiter'' und ''Harrer'' besaßen noch die Expeditionsbücher und Karten der Nanga-Parbat-Expedition und nutzten sie zur genauen Planung der Fluchtroute. Die Gefangenen durften auf sogenannte Paroleausflüge gehen, wenn sie zuvor einen Zettel unterschrieben, daß sie außerhalb des Lagers mit niemandem sprechen würden, keine Verkehrsmittel verwendeten und keinen Fluchtversuch unternehmen würden. Man respektierte die Fairneß der Engländer und hielt sich an das Abkommen, nutzte jedoch die Ausflüge, um zu trainieren, die Gegend für die ersten Marschtage möglichst gut kennenzulernen, um [[wiki:ausruestung|Ausrüstung]] herauszuschmuggeln und Depots anzulegen. Ein deutscher Arzt im Lager besorgte Arzneien, ein Handwerker fabrizierte einen langen Dolch aus einer alten Autofeder, ein Pater, der bei den Tibetern missioniert hatte, informierte über Gebräuche und Sprache der Tibeter und zeichnete Karten. ''Aufschnaiter'' und ''Harrer'' besaßen noch die Expeditionsbücher und Karten der Nanga-Parbat-Expedition und nutzten sie zur genauen Planung der Fluchtroute.
  
-Eine Gruppe bestand aus ''Rolf Magener'' und ''Heins von Have'', eine weitere aus ''Peter Aufschnaiter'' und dem Salzburger ''Bruno Treipel'', die dritte aus ''Hans „Hanne“ Kopp'' und ''Friedel Sattler''; ''Heinrich Harrer'' ging allein. Als Ausbruchszeit legten sie Ende April fest. Sie wollten das Lager als Reparaturkolonne verlassen. Harrer und Kopp schnitten 30 Meter Stacheldraht aus dem Zaun, wickelten ihn auf eine Rolle und stellten sich aus Bambus eine Leiter her. Ein Schneider hatte die Ausbrecher kostümiert: Magener und von Have sprachen ein ausgezeichnetes Oxford-Englisch und wurden als englische Offiziere ausstaffiert. Sie trugen eine Mischung aus entwendeten und selbstgeschneiderten Uniformteilen inklusive Offiziersstöckchen und Blaupausen des Lagers, die anderen gingen als indische Kulis. Je näher der Fluchtzeitpunkt rückte, desto größer wurden die Ängste: // „Was fruchtet jetzt noch grübelndes Abwägen? Von Anfang an stand fest, daß Nachdenken über den Fluchtentschluß in Widersprüche verwickelt. Längst habe ich begriffen, daß zuweilen das Unverständige gerade deshalb getan werden muß, weil es das Vernünftige ist. Der Versuch soll entscheiden. Der entschlossene Versuch. Morgen.“// ((Magener, Die Chance war Null, 19))+Eine Gruppe bestand aus ''Rolf Magener'' und ''Heins von Have'', eine weitere aus ''Peter Aufschnaiter'' und dem Salzburger ''Bruno Treipel'', die dritte aus ''Hans „Hanne“ Kopp'' und ''Friedel Sattler''; ''Heinrich Harrer'' ging allein. Als Ausbruchszeit legten sie Ende April fest. Sie wollten das Lager als Reparaturkolonne verlassen. Harrer und Kopp schnitten 30 Meter Stacheldraht aus dem Zaun, wickelten ihn auf eine Rolle und stellten sich aus Bambus eine Leiter her. Ein Schneider hatte die Ausbrecher kostümiert: Magener und von Have sprachen ein ausgezeichnetes Oxford-Englisch und wurden als englische Offiziere ausstaffiert. Sie trugen eine Mischung aus entwendeten und selbstgeschneiderten Uniformteilen inklusive Offiziersstöckchen und Blaupausen des Lagers, die anderen gingen als indische Kulis. Je näher der Fluchtzeitpunkt rückte, desto größer wurden die Ängste: //„Was fruchtet jetzt noch grübelndes Abwägen? Von Anfang an stand fest, daß Nachdenken über den Fluchtentschluß in Widersprüche verwickelt. Längst habe ich begriffen, daß zuweilen das Unverständige gerade deshalb getan werden muß, weil es das Vernünftige ist. Der Versuch soll entscheiden. Der entschlossene Versuch. Morgen.“// ((Magener, Die Chance war Null, 19))
  
 ==== Zwei Offiziere und fünf Inder? ====  ==== Zwei Offiziere und fünf Inder? ==== 
  
-Während der größten Hitze und der Mittagsruhe, gegen zwei Uhr am 29. April 1944, war es soweit. // „Ein letzter Blick in den Spiegel: Ein Inder, wie er leibt und lebt, sah mich an. Eine zerrissene Pyjamahose, ein schmutziges, ölbeflecktes Hemd, ein vorschriftsmäßig gebundener grau-weißer Turban, die Haut mit einer Permanganlösung ((Kaliumpermanganat, ein kristalliner Feststoff, der sich in Wasser violett löst und die Haut bei Kontakt schon in geringen Mengen für einige Tage tiefbraun färbt.)) braungefärbt, das Weiß der Augen durch Augentropfen bläulich getrübt und ein langer Schnurrbart, in langen Spitzen endend - das war meine vorzügliche Tarnung.“// ((Sattler, Flucht durch den Himalaja ..., 18))+Während der größten Hitze und der Mittagsruhe, gegen zwei Uhr am 29. April 1944, war es soweit. //„Ein letzter Blick in den Spiegel: Ein Inder, wie er leibt und lebt, sah mich an. Eine zerrissene Pyjamahose, ein schmutziges, ölbeflecktes Hemd, ein vorschriftsmäßig gebundener grau-weißer Turban, die Haut mit einer Permanganlösung ((Kaliumpermanganat, ein kristalliner Feststoff, der sich in Wasser violett löst und die Haut bei Kontakt schon in geringen Mengen für einige Tage tiefbraun färbt.)) braungefärbt, das Weiß der Augen durch Augentropfen bläulich getrübt und ein langer Schnurrbart, in langen Spitzen endend - das war meine vorzügliche Tarnung.“// ((Sattler, Flucht durch den Himalaja ..., 18))
  
-Frech durchschritten zwei englische Offiziere mit fünf indischen Kulis das Lagertor, bepackt mit Leiter und Stacheldraht, Pinsel und Teertöpfen, in denen sich Teile des Gepäcks befanden. Niemand hielt sie auf. Kaum außer Sichtweite, entledigten sie sich der Tarnung und spurteten zu ihrem versteckten Gepäck. Harrer, Magener und von Have trennten sich nach kurzer Zeit. Harrer marschierte allein [[wiki:orientierung|Richtung]] Tibet, Rolf Magener und Heins von Have, wollten mit der Bahn zur Burmafront und dann nach Japan. Die vier übrigen wollten gemeinsam nach Tibet: Aufschnaiter (damals bereits über vierzig) und Treipel trailten, dann folgten Kopp und Sattler. Schon auf den ersten Kilometern hatte Sattler Schwierigkeiten, sprach von einem Krampf in den Beinen. // „Trotz meiner vielen Übungsmärsche vom Lager aus fehlten mir Ausdauer und der lange Atem der Bergsteiger.“// ((Sattler, Flucht durch den Himalaja ..., 27))  Kopp war da anderer Meinung:  //„Wie sich dann später herausstellte, war sein Versagen darauf zurückzuführen, daß er nie genügend trainiert hatte. Während wir mit schwer beladenen [[wiki:rucksack|Rucksack]] voll Steinen die Berge hinauf- und hinuntergestiegen waren, um uns zu üben, hatte er, an einem Lagerfeuer im Tal sitzend, unseren Anstrengungen zugeschaut.“// ((Kopp, Sechsmal über den Himalaya, 102))+Frech durchschritten zwei englische Offiziere mit fünf indischen Kulis das Lagertor, bepackt mit Leiter und Stacheldraht, Pinsel und Teertöpfen, in denen sich Teile des Gepäcks befanden. Niemand hielt sie auf. Kaum außer Sichtweite, entledigten sie sich der Tarnung und spurteten zu ihrem versteckten Gepäck. Harrer, Magener und von Have trennten sich nach kurzer Zeit. Harrer marschierte allein [[wiki:orientierung|Richtung]] Tibet, Rolf Magener und Heins von Have, wollten mit der Bahn zur Burmafront und dann nach Japan. Die vier übrigen wollten gemeinsam nach Tibet: Aufschnaiter (damals bereits über vierzig) und Treipel trailten, dann folgten Kopp und Sattler. Schon auf den ersten Kilometern hatte Sattler Schwierigkeiten, sprach von einem Krampf in den Beinen. //„Trotz meiner vielen Übungsmärsche vom Lager aus fehlten mir Ausdauer und der lange Atem der Bergsteiger.“// ((Sattler, Flucht durch den Himalaja ..., 27))  Kopp war da anderer Meinung:  //„Wie sich dann später herausstellte, war sein Versagen darauf zurückzuführen, daß er nie genügend trainiert hatte. Während wir mit schwer beladenen [[wiki:rucksack|Rucksack]] voll Steinen die Berge hinauf- und hinuntergestiegen waren, um uns zu üben, hatte er, an einem Lagerfeuer im Tal sitzend, unseren Anstrengungen zugeschaut.“// ((Kopp, Sechsmal über den Himalaya, 102))
  
 Sie marschierten nur nachts. In zwei Wochen sollte der Weg zur tibetischen Grenze zurückgelegt werden, der [[wiki:proviant|Proviant]] war genau eingeteilt. Tags wurden [[wiki:ausruestung|Ausrüstung]], Schuhe und [[wiki:reisekleidung|Kleidung]] repariert und verbessert oder es wurde geschlafen, immer in der Angst, entdeckt zu werden. Die nächtlichen Märsche boten genug Gefahren: Begegnungen mit Bären, die Entdeckung, daß man sein Lager neben dem Loch einer Kobra aufgeschlagen hat, Stürze im Dunkeln an gefährlichen Hängen, Schluchtüberquerungen an einem Drahtseil hängend, das Durchwaten von Bächen auf glitschigen Felsen - alles im Dunkeln. Sie marschierten nur nachts. In zwei Wochen sollte der Weg zur tibetischen Grenze zurückgelegt werden, der [[wiki:proviant|Proviant]] war genau eingeteilt. Tags wurden [[wiki:ausruestung|Ausrüstung]], Schuhe und [[wiki:reisekleidung|Kleidung]] repariert und verbessert oder es wurde geschlafen, immer in der Angst, entdeckt zu werden. Die nächtlichen Märsche boten genug Gefahren: Begegnungen mit Bären, die Entdeckung, daß man sein Lager neben dem Loch einer Kobra aufgeschlagen hat, Stürze im Dunkeln an gefährlichen Hängen, Schluchtüberquerungen an einem Drahtseil hängend, das Durchwaten von Bächen auf glitschigen Felsen - alles im Dunkeln.
  
-Dörfer wurden heimlich durchquert: // „Lange vorher lagen wir auf der Lauer und warteten ab, bis der letzte Schein eines Feuers oder einer Laterne verlosch. Bei solchen Gelegenheiten tauschten wir unsere benagelten Bergschuhe gegen leichte Turnschuhe aus und versäumten nie, vorher unsere Feldflaschen zu entleeren, um zu vermeiden, daß das Glucksen des Wassers einen Dorfbewohner aufweckte.“// ((Sattler, Flucht durch den Himalaja ..., 28))+Dörfer wurden heimlich durchquert: //„Lange vorher lagen wir auf der Lauer und warteten ab, bis der letzte Schein eines Feuers oder einer Laterne verlosch. Bei solchen Gelegenheiten tauschten wir unsere benagelten Bergschuhe gegen leichte Turnschuhe aus und versäumten nie, vorher unsere Feldflaschen zu entleeren, um zu vermeiden, daß das Glucksen des Wassers einen Dorfbewohner aufweckte.“// ((Sattler, Flucht durch den Himalaja ..., 28))
  
-''Heinrich „Heini“ Harrer'' trifft nach einigen Tagen wieder auf die anderen: // „Sein unermeßlicher Ehrgeiz wollte es nicht zulassen, daß wir unter Umständen vor ihm die Grenze erreichten. So war er die beiden letzten Tage und Nächte ununterbrochen auf den Füßen gewesen. Nie mehr hat er uns ganz verzeihen können, daß wir ihm voraus waren.“// ((Sattler, Flucht durch den Himalaja ..., 42)) Harrer hatte eine andere Route nehmen wollen, sich aber verlaufen und fand erst nach Tagen zur ersten Route zurück.+''Heinrich „Heini“ Harrer'' trifft nach einigen Tagen wieder auf die anderen: //„Sein unermeßlicher Ehrgeiz wollte es nicht zulassen, daß wir unter Umständen vor ihm die Grenze erreichten. So war er die beiden letzten Tage und Nächte ununterbrochen auf den Füßen gewesen. Nie mehr hat er uns ganz verzeihen können, daß wir ihm voraus waren.“// ((Sattler, Flucht durch den Himalaja ..., 42)) Harrer hatte eine andere Route nehmen wollen, sich aber verlaufen und fand erst nach Tagen zur ersten Route zurück.
  
 ==== Sattlers Rückkehr ==== ==== Sattlers Rückkehr ====
Zeile 83: Zeile 83:
 ==== Eine Pille gegen jedes Übel ==== ==== Eine Pille gegen jedes Übel ====
  
-Kopp und Krämer gaben sich häufig als Ärzte aus, ebenso wie Harrer und Aufschnaiter ein Jahr später. Zur Legitimation genügte der Anblick der mitgebrachten Medikamente und Instrumente. Das *[[wiki:vertrauen|Vertrauen]] der Bevölkerung ließ sich so rasch gewinnen, viele wollten behandelt werden. Sie erhielten kaum Geld, doch Nahrungsmittel und Unterkunft. // „Besonders ein koloriertes anatomisches Bild des menschlichen Körpers erregte gewaltiges Aufsehen. Um einer Verschwendung unserer kostbaren Medizinen zu steuern, hatten wir uns selbst Mittelchen aus einem Mehlbrei bereitet, dem wir durch Atebrin ((Ein von Bayer 1932 entwickelter und früher gegen Malaria verwendeter Farbstoff.)) und Salz Geschmack und mit Permanganat ((Kaliumpermanganat ist in Kristallen erhältlich und kann in verdünnter Lösung zum Desinfizieren verwendet werden. Schon geringste Mengen färben intensiv violett.)) Farbe verliehen. Diesen schönen Brei rollten wir dünn aus und schnitten daraus Tabletten, die vorsichtig an der Sonne getrocknet wurden. Dann füllten wir unsere Wundertabletten in Original-Bayer-Ampullen, damit auch niemand auf den Gedanken kommen könnte, uns für Schwindler zu halten. ... Da wir kein ausgesprochenes Rheumamittel mit uns führten, kamen wir auf den Gedanken, Butter abzukochen und mit Hilfe einer Tablette Prontosil ((Das erste Sulfonamid, ebenfalls von Bayer 1932 hergestellt und antibakteriell wirksam. Als Farbstoff bewirkt es eine gelbrote Haut- und eine dunkelrote Harnfärbung.)) zu tönen. Die fette Soße gossen wir in eine bunte Leukoplastdose und ließen sie dort erstarren. Mit diesem Balsam massierten wir die schmerzenden Glieder kräftig. Der Erfolg war erstaunlich, denn schon nach einigen Behandlungen mit der Wundersalbe fühlten sich die Patienten bedeutend besser und bezahlten uns gern mit Butter-, Zamba- und Weizengaben.“// ((Kopp, Sechsmal über den Himalaya, 67f))+Kopp und Krämer gaben sich häufig als Ärzte aus, ebenso wie Harrer und Aufschnaiter ein Jahr später. Zur Legitimation genügte der Anblick der mitgebrachten Medikamente und Instrumente. Das *[[wiki:vertrauen|Vertrauen]] der Bevölkerung ließ sich so rasch gewinnen, viele wollten behandelt werden. Sie erhielten kaum Geld, doch Nahrungsmittel und Unterkunft. //„Besonders ein koloriertes anatomisches Bild des menschlichen Körpers erregte gewaltiges Aufsehen. Um einer Verschwendung unserer kostbaren Medizinen zu steuern, hatten wir uns selbst Mittelchen aus einem Mehlbrei bereitet, dem wir durch Atebrin ((Ein von Bayer 1932 entwickelter und früher gegen Malaria verwendeter Farbstoff.)) und Salz Geschmack und mit Permanganat ((Kaliumpermanganat ist in Kristallen erhältlich und kann in verdünnter Lösung zum Desinfizieren verwendet werden. Schon geringste Mengen färben intensiv violett.)) Farbe verliehen. Diesen schönen Brei rollten wir dünn aus und schnitten daraus Tabletten, die vorsichtig an der Sonne getrocknet wurden. Dann füllten wir unsere Wundertabletten in Original-Bayer-Ampullen, damit auch niemand auf den Gedanken kommen könnte, uns für Schwindler zu halten. ... Da wir kein ausgesprochenes Rheumamittel mit uns führten, kamen wir auf den Gedanken, Butter abzukochen und mit Hilfe einer Tablette Prontosil ((Das erste Sulfonamid, ebenfalls von Bayer 1932 hergestellt und antibakteriell wirksam. Als Farbstoff bewirkt es eine gelbrote Haut- und eine dunkelrote Harnfärbung.)) zu tönen. Die fette Soße gossen wir in eine bunte Leukoplastdose und ließen sie dort erstarren. Mit diesem Balsam massierten wir die schmerzenden Glieder kräftig. Der Erfolg war erstaunlich, denn schon nach einigen Behandlungen mit der Wundersalbe fühlten sich die Patienten bedeutend besser und bezahlten uns gern mit Butter-, Zamba- und Weizengaben.“// ((Kopp, Sechsmal über den Himalaya, 67f))
  
 ==== Die Stimmung ist auf dem Nullpunkt ==== ==== Die Stimmung ist auf dem Nullpunkt ====
  
-Am 24. Juni trafen Kopp und Harrer in Tibet wieder auf Aufschnaiter, doch während Kopp sich freute, war Harrer mißmutig und wollte zuerst nicht mit Aufschnaiter zusammen weiterziehen. ((Kopp, Sechsmal über den Himalaya, 141)) Harrer dagegen betonte in seinem Buch, daß Aufschnaiter nicht mit ihnen weiterziehen wollte. Und obwohl sich die beiden nicht sehr zugetan sind, werden sie mehrere Jahre mehr oder weniger gemeinsam in Tibet verbringen. Bei Harrer werden Konflikte nicht thematisiert: Wo er im Landschaftlichen schwelgt, beschreibt Kopp Details im Zwischenmenschlichen. Wenn sich Harrer auf ein allgemeines „wir“ zurückzieht, nennt Kopp Namen, legt den Finger auf offene Wunden, auf eigene Unzulänglichkeiten, nennt Disharmonien, Ängste und Mißgeschicke beim Namen. Harrer schönt an diesen Stellen, schweigt oder wird doppeldeutig, überspielt Mißverständnisse und Streit. Während er sagt: //„...Aufschnaiter und Treipel waren etwas zurückgeblieben, Kopp und ich bildeten die Vorhut ...“// ((Harrer, Sieben Jahre in Tibet, 22)), heißt das bei Kopp: // „Leider war es in diesen Tagen dann und wann zu kleinen Mißhelligkeiten gekommen, so daß Harrer, als Aufschnaiter und Treipl am nächsten Morgen mit Kochen und Packen nicht rechtzeitig fertig wurden, sich dafür entschied, nicht länger auf sie zu warten.“// ((Kopp, Sechsmal über den Himalaya, 117))+Am 24. Juni trafen Kopp und Harrer in Tibet wieder auf Aufschnaiter, doch während Kopp sich freute, war Harrer mißmutig und wollte zuerst nicht mit Aufschnaiter zusammen weiterziehen. ((Kopp, Sechsmal über den Himalaya, 141)) Harrer dagegen betonte in seinem Buch, daß Aufschnaiter nicht mit ihnen weiterziehen wollte. Und obwohl sich die beiden nicht sehr zugetan sind, werden sie mehrere Jahre mehr oder weniger gemeinsam in Tibet verbringen. Bei Harrer werden Konflikte nicht thematisiert: Wo er im Landschaftlichen schwelgt, beschreibt Kopp Details im Zwischenmenschlichen. Wenn sich Harrer auf ein allgemeines „wir“ zurückzieht, nennt Kopp Namen, legt den Finger auf offene Wunden, auf eigene Unzulänglichkeiten, nennt Disharmonien, Ängste und Mißgeschicke beim Namen. Harrer schönt an diesen Stellen, schweigt oder wird doppeldeutig, überspielt Mißverständnisse und Streit. Während er sagt: //„...Aufschnaiter und Treipel waren etwas zurückgeblieben, Kopp und ich bildeten die Vorhut ...“// ((Harrer, Sieben Jahre in Tibet, 22)), heißt das bei Kopp: //„Leider war es in diesen Tagen dann und wann zu kleinen Mißhelligkeiten gekommen, so daß Harrer, als Aufschnaiter und Treipl am nächsten Morgen mit Kochen und Packen nicht rechtzeitig fertig wurden, sich dafür entschied, nicht länger auf sie zu warten.“// ((Kopp, Sechsmal über den Himalaya, 117))
  
 In Gartok erhielten unsere drei Reisenden erstmals einen Reisepaß für Tibet, der die einzelnen Stationen ihrer Reise auswies und für die Ausreise nach Nepal galt. Alle drei schworen, sich daran zu halten und brachen am 13. Juli auf. Mehrere Wochen waren sie nun unterwegs mit ''Norbu'', ihrem tibetischen Begleiter und Aufpasser. Ihr Paß war gültig bis Gyabnak. Im nächsten Ort, in Tradün, wandten sie sich an den örtlichen Bönpo, den höchsten Beamten und handelten um die Erlaubnis, nach Lhasa ziehen zu dürfen. Sie erfuhren weder Ablehnung noch Zusage und durften einen Brief nach Lhasa schreiben, um ihr Anliegen vorzubringen. Sie erhielten eine Unterkunft, reichlich [[wiki:lebensmittel|Lebensmittel]] und eine gewisse [[wiki:reisefreiheit|Bewegungsfreiheit]]. Aus Tagen wurden Wochen, aus Wochen Monate. Aufschnaiter hatte mittlerweile fast sein ganzes Geld verbraucht. Er kaufte sich von seinem letzten Geld einige Lastschafe und wollte mit ihnen ins Landesinnere ziehen. Doch schon in der ersten Nacht wurden bis auf eines alle von Wölfen gerissen. In Gartok erhielten unsere drei Reisenden erstmals einen Reisepaß für Tibet, der die einzelnen Stationen ihrer Reise auswies und für die Ausreise nach Nepal galt. Alle drei schworen, sich daran zu halten und brachen am 13. Juli auf. Mehrere Wochen waren sie nun unterwegs mit ''Norbu'', ihrem tibetischen Begleiter und Aufpasser. Ihr Paß war gültig bis Gyabnak. Im nächsten Ort, in Tradün, wandten sie sich an den örtlichen Bönpo, den höchsten Beamten und handelten um die Erlaubnis, nach Lhasa ziehen zu dürfen. Sie erfuhren weder Ablehnung noch Zusage und durften einen Brief nach Lhasa schreiben, um ihr Anliegen vorzubringen. Sie erhielten eine Unterkunft, reichlich [[wiki:lebensmittel|Lebensmittel]] und eine gewisse [[wiki:reisefreiheit|Bewegungsfreiheit]]. Aus Tagen wurden Wochen, aus Wochen Monate. Aufschnaiter hatte mittlerweile fast sein ganzes Geld verbraucht. Er kaufte sich von seinem letzten Geld einige Lastschafe und wollte mit ihnen ins Landesinnere ziehen. Doch schon in der ersten Nacht wurden bis auf eines alle von Wölfen gerissen.
Zeile 112: Zeile 112:
 Sie unterhielten sich ständig nur auf englisch, um gar nicht erst in einer zweiten Sprache zu denken. An ihrer Militär-[[wiki:khaki|Khaki]]-[[wiki:reisekleidung|Kleidung]] hatten sie keine Rangabzeichen. Sie rechneten einfach damit, daß jeder annahm, sie seien vom Militär. Andererseits hätte diese Kleidung aber auch jeder Zivilist tragen können. Ebenso hielten sie es mit ihren gestohlenen Papieren: Sie würden sie gegenüber Zivilpersonen benutzen, nicht aber bei Kontrollen durch die Militärpolizei, um nach einer eventuellen Gefangennnahme nicht zusätzliche Strafen für die Benutzung militärischer Abzeichen und Papiere zu erhalten. Sie unterhielten sich ständig nur auf englisch, um gar nicht erst in einer zweiten Sprache zu denken. An ihrer Militär-[[wiki:khaki|Khaki]]-[[wiki:reisekleidung|Kleidung]] hatten sie keine Rangabzeichen. Sie rechneten einfach damit, daß jeder annahm, sie seien vom Militär. Andererseits hätte diese Kleidung aber auch jeder Zivilist tragen können. Ebenso hielten sie es mit ihren gestohlenen Papieren: Sie würden sie gegenüber Zivilpersonen benutzen, nicht aber bei Kontrollen durch die Militärpolizei, um nach einer eventuellen Gefangennnahme nicht zusätzliche Strafen für die Benutzung militärischer Abzeichen und Papiere zu erhalten.
  
-Diese Methode funktionierte gut: mit dem Bus nach Saharanpur, mit dem Zug über Lucknow nach Kalkutta, auf der Straße, in Restaurants und Bahnhofshallen nirgends fielen sie auf. Mit Glück rutschten sie durch eine stichprobenartige Kontrolle der Militärpolizei. Problematisch war allerdings die Übernachtung in der Großstadt: Die großen Hotels waren für Militärs reserviert; diese zu benutzen, fehlten ihnen die geeigneten Papiere. Die Hotels der Einheimischen wurden besonders intensiv von der Polizei kontrolliert, kamen also auch nicht in Frage. Schließlich landeten sie im YMCA, das zwar auch nur Inder beherbergte, aber keine Papiere verlangte. Mit dem Zug ging es weiter nach Goalanda Chat, dann mit dem Schiff nach Chandpur, alles ohne eine Kontrolle. Die erfolgte erst beim Verlassen des Schiffes: Alle Militärpersonen sollten an Bord bleiben. Have und Magener gehen selbstsicher auf die Militärpolizei zu und überzeugten diese durch Vorzeigen ihrer Zivilfahrkarten, daß sie nicht zum Militär gehörten: // „Das war wieder so ein Streich nach Haves Geschmack. Er konnte dem Reiz der Lage nicht widerstehen ... Furchtlos, und ohne Nerven, mit einem unfehlbaren Instinkt für das gerade noch Mögliche, stand er immer über der Situation. Niemals habe ich ihn aufgeregt gesehen ... Hinterher sahen seine Abenteuer immer so aus, als habe er sie vorher genau durchkalkuliert.“// ((Magener, Die Chance war Null, 59))+Diese Methode funktionierte gut: mit dem Bus nach Saharanpur, mit dem Zug über Lucknow nach Kalkutta, auf der Straße, in Restaurants und Bahnhofshallen nirgends fielen sie auf. Mit Glück rutschten sie durch eine stichprobenartige Kontrolle der Militärpolizei. Problematisch war allerdings die Übernachtung in der Großstadt: Die großen Hotels waren für Militärs reserviert; diese zu benutzen, fehlten ihnen die geeigneten Papiere. Die Hotels der Einheimischen wurden besonders intensiv von der Polizei kontrolliert, kamen also auch nicht in Frage. Schließlich landeten sie im YMCA, das zwar auch nur Inder beherbergte, aber keine Papiere verlangte. Mit dem Zug ging es weiter nach Goalanda Chat, dann mit dem Schiff nach Chandpur, alles ohne eine Kontrolle. Die erfolgte erst beim Verlassen des Schiffes: Alle Militärpersonen sollten an Bord bleiben. Have und Magener gehen selbstsicher auf die Militärpolizei zu und überzeugten diese durch Vorzeigen ihrer Zivilfahrkarten, daß sie nicht zum Militär gehörten: //„Das war wieder so ein Streich nach Haves Geschmack. Er konnte dem Reiz der Lage nicht widerstehen ... Furchtlos, und ohne Nerven, mit einem unfehlbaren Instinkt für das gerade noch Mögliche, stand er immer über der Situation. Niemals habe ich ihn aufgeregt gesehen ... Hinterher sahen seine Abenteuer immer so aus, als habe er sie vorher genau durchkalkuliert.“// ((Magener, Die Chance war Null, 59))
  
 Nun stiegen sie um auf die Bahn nach Chittagong, mieteten dort einen einheimischen Führer, der sie auf seinem Sampan bis Cox' Bazar ruderte, drei Tage und Nächte versteckt unter dessen Palmendach. Von dort schlugen sie sich nur noch des nachts durch, auf und neben den Straßen durch den Dschungel. Mehrmals liefen sie in den dunklen Nächten in Militärlager, durchquerten sie aber ohne aufzufallen. Immer wieder fanden sie sich in den gefährlichsten Lagen, vertrauten auf ihre Intuition, handelten, ohne zu planen, verließen sich auf ihr Gefühl. Zu vieles geschah zu plötzlich: Da wurden sie in der Nacht mehrfach mit einem „Stop“ angerufen, hörten das Klicken der Gewehrsicherung in ihrem Rücken und gingen dennoch weiter - niemand schoß, niemand kam ihnen nach. Einen anderen Posten, der es wagte, sie nach ihren Papieren zu fragen, schüchterten sie dermaßen ein, daß der nur noch Entschuldigungen stammeln konnte. Dann wollten sie einen Ghurka-Posten umgehen, indem sie einen Hügel erkletterten. In der Mitte des Hangs lösten sich einige Felsbrocken unter ihren Füßen, der Posten guckte nach oben, die beiden winkten kräftig mit ihren [[wiki:tropenhelm|Tropenhelmen]], der Posten grüßte zurück und alle waren zufrieden. Nun stiegen sie um auf die Bahn nach Chittagong, mieteten dort einen einheimischen Führer, der sie auf seinem Sampan bis Cox' Bazar ruderte, drei Tage und Nächte versteckt unter dessen Palmendach. Von dort schlugen sie sich nur noch des nachts durch, auf und neben den Straßen durch den Dschungel. Mehrmals liefen sie in den dunklen Nächten in Militärlager, durchquerten sie aber ohne aufzufallen. Immer wieder fanden sie sich in den gefährlichsten Lagen, vertrauten auf ihre Intuition, handelten, ohne zu planen, verließen sich auf ihr Gefühl. Zu vieles geschah zu plötzlich: Da wurden sie in der Nacht mehrfach mit einem „Stop“ angerufen, hörten das Klicken der Gewehrsicherung in ihrem Rücken und gingen dennoch weiter - niemand schoß, niemand kam ihnen nach. Einen anderen Posten, der es wagte, sie nach ihren Papieren zu fragen, schüchterten sie dermaßen ein, daß der nur noch Entschuldigungen stammeln konnte. Dann wollten sie einen Ghurka-Posten umgehen, indem sie einen Hügel erkletterten. In der Mitte des Hangs lösten sich einige Felsbrocken unter ihren Füßen, der Posten guckte nach oben, die beiden winkten kräftig mit ihren [[wiki:tropenhelm|Tropenhelmen]], der Posten grüßte zurück und alle waren zufrieden.
Zeile 118: Zeile 118:
 //„Das Ungewisse, das Unbekannte war zu unserem eigentlichen Lebenselement geworden. Nirgends fanden wir sicheren Halt, nirgends eine verläßliche Größe, mit der wir rechnen konnte. Nur selten wußten wir genau, wo wir waren, und selbst dann, wenn wir eine bestimmte Örtlichkeit ausgemacht hatten, blieb uns unsere Lage in bezug auf unser Endziel unklar, denn wo dieses sich befand, konnten wir ja noch gar nicht angeben. ... Die Ereignisse waren auf wenige atemraubende Augenblicke zusammengedrängt, auf allerkleinste Zeiteinheiten, zwischen denen lange, qualvolle Pausen, große, leere Zwischenräume lagen. ... Jeder Augenblick konnte den ganzen Mann erfordern. Mit dieser Umstellung ging auch die Führung vom Verstand auf den Instinkt über; wir überließen uns unbewußten Reaktionen und Reflexbewegungen. Weil ununterbrochen neue Ereignisse auf uns einstürmten, wären wir ihnen alsbald nicht gewachsen gewesen, hätte nicht unsere eigene Natur durch einen Entlastungsmechanismus Abhilfe geschaffen. Er bestand einmal darin, daß das soeben Erlebte weit in die Vergangenheit zurückgestoßen wurde, beklemmende Eindrücke also ihre lähmende Nachwirkung verloren. ... Wir waren noch keine zwanzig Schritt an den Straßenposten vorbei, da waren sie schon aus dem Sinn und vergessen. Und zum anderen wurden wir gegen Gefahren zusehends unempfindlicher; immer gefährlichere Begebenheiten kamen uns harmlos vor ...“// ((Magener, Die Chance war Null, 73f.)) //„Das Ungewisse, das Unbekannte war zu unserem eigentlichen Lebenselement geworden. Nirgends fanden wir sicheren Halt, nirgends eine verläßliche Größe, mit der wir rechnen konnte. Nur selten wußten wir genau, wo wir waren, und selbst dann, wenn wir eine bestimmte Örtlichkeit ausgemacht hatten, blieb uns unsere Lage in bezug auf unser Endziel unklar, denn wo dieses sich befand, konnten wir ja noch gar nicht angeben. ... Die Ereignisse waren auf wenige atemraubende Augenblicke zusammengedrängt, auf allerkleinste Zeiteinheiten, zwischen denen lange, qualvolle Pausen, große, leere Zwischenräume lagen. ... Jeder Augenblick konnte den ganzen Mann erfordern. Mit dieser Umstellung ging auch die Führung vom Verstand auf den Instinkt über; wir überließen uns unbewußten Reaktionen und Reflexbewegungen. Weil ununterbrochen neue Ereignisse auf uns einstürmten, wären wir ihnen alsbald nicht gewachsen gewesen, hätte nicht unsere eigene Natur durch einen Entlastungsmechanismus Abhilfe geschaffen. Er bestand einmal darin, daß das soeben Erlebte weit in die Vergangenheit zurückgestoßen wurde, beklemmende Eindrücke also ihre lähmende Nachwirkung verloren. ... Wir waren noch keine zwanzig Schritt an den Straßenposten vorbei, da waren sie schon aus dem Sinn und vergessen. Und zum anderen wurden wir gegen Gefahren zusehends unempfindlicher; immer gefährlichere Begebenheiten kamen uns harmlos vor ...“// ((Magener, Die Chance war Null, 73f.))
  
-Ihr Weg führte sie durch Dschungel, Sümpfe, über Kanäle und Flüsse, bis sie am 31. Tag ihrer Flucht ahnungslos burmesischen Boden betraten. Japaner nahmen sie einige Kilometer hinter der Front gefangen. Die Freude, es geschafft zu haben, verflog bald, denn für die Japaner waren sie zunächst nichts anderes als englische Spione, und es dauerte Wochen, sie vom Gegenteil zu überzeugen: eine Zeit, die sie in bewachten Hütten, Gefängnis, Lager, Zuchthaus zubrachten. Diese Zeit war nicht weniger belastend als die Wochen zuvor: // „Wir mußten uns daher, in dem Bewußtsein, daß das Samuraischwert noch immer über uns hing, in Lammsgeduld fassen - wir, die wir in Wahrheit keinen Funken Geduld mehr besaßen, vielmehr endlich die Früchte der Flucht genießen, uns bewegen, Leute sehen, Deutsche sprechen, kurz, wieder Menschen sein wollten.“// ((Magener, Die Chance war Null, 135)) Doch weitere Wochen mit Vernehmungen im Hauptquartier der Kempetai schlossen sich an. Die Ernährung war dermaßen schlecht, daß ihnen büschelweise die Haare ausfielen, Schwerhörigkeit und Nervenschmerzen sich einstellten. Nach drei Monaten wurden sie der Presse vorgestellt, plötzlich, ohne Vorankündigung; man eröffnete ihnen, daß man ihnen nun glaubte, ohne den Umstand zu nennen, der den Gesinnungswechsel bewirkte, und schickte sie nach Tokio, endlich in die Freiheit. Leider teilt Magener nicht mit, wie sich die weitere Zukunft entwickelte.+Ihr Weg führte sie durch Dschungel, Sümpfe, über Kanäle und Flüsse, bis sie am 31. Tag ihrer Flucht ahnungslos burmesischen Boden betraten. Japaner nahmen sie einige Kilometer hinter der Front gefangen. Die Freude, es geschafft zu haben, verflog bald, denn für die Japaner waren sie zunächst nichts anderes als englische Spione, und es dauerte Wochen, sie vom Gegenteil zu überzeugen: eine Zeit, die sie in bewachten Hütten, Gefängnis, Lager, Zuchthaus zubrachten. Diese Zeit war nicht weniger belastend als die Wochen zuvor: //„Wir mußten uns daher, in dem Bewußtsein, daß das Samuraischwert noch immer über uns hing, in Lammsgeduld fassen - wir, die wir in Wahrheit keinen Funken Geduld mehr besaßen, vielmehr endlich die Früchte der Flucht genießen, uns bewegen, Leute sehen, Deutsche sprechen, kurz, wieder Menschen sein wollten.“// ((Magener, Die Chance war Null, 135)) Doch weitere Wochen mit Vernehmungen im Hauptquartier der Kempetai schlossen sich an. Die Ernährung war dermaßen schlecht, daß ihnen büschelweise die Haare ausfielen, Schwerhörigkeit und Nervenschmerzen sich einstellten. Nach drei Monaten wurden sie der Presse vorgestellt, plötzlich, ohne Vorankündigung; man eröffnete ihnen, daß man ihnen nun glaubte, ohne den Umstand zu nennen, der den Gesinnungswechsel bewirkte, und schickte sie nach Tokio, endlich in die Freiheit. Leider teilt Magener nicht mit, wie sich die weitere Zukunft entwickelte.
  
 ===== 3 Erfahrungen auf der Flucht ===== ===== 3 Erfahrungen auf der Flucht =====
Zeile 136: Zeile 136:
 Nach dem Kriegsende 1918 gab es lange keine Anzeichen für eine Verschiffung nach Hause, die Moral im Lager sank:  //„Die geistigen Interessen, die zahlreichen Bestrebungen zur Weiterbildung flauten ab, und schließlich hörte sogar die sportliche Betätigung fast völlig auf. Bei vielen machte sich stattdessen dauernde Gereiztheit und Zanksucht und eine Neigung zu alkoholischen Ausschweifungen bemerkbar, andere flüchteten sich in die sonderbarsten sektiererischen Lehren, in okkulten Hokuspokus oder einfach in schiere stumpfe Verzweiflung und Selbstaufgabe - und einige flüchteten aus dem Leben überhaupt. Denjenigen, die freiwillig gegangen waren, sollten im Laufe dieses düsteren Jahres noch viele unfreiwillig folgen. Nachdem schon eine Choleraepidemie auch unter uns mehrere Opfer gefordert hatte, fiel der schwarze Schatten der weltumspannenden Grippe auch über Indien. ... [Dann] flammte die dortzulande nie ganz verlöschende tropische Pest, die Bubonenpest ((Beulenpest)), wieder auf; ihr auf dem Fuße folgten eine neue Cholerapest und dieser dann noch der Typhus.“// ((Heye, Ewige Wanderschaft, 17 f.))  Heye ging es schlecht, obwohl er nicht unter diesen Seuchen zu leiden hatte. Er kam in das Erholungslager Ramandrugh im Süden der Provinz Madras. Dort lernte er den Ethnologen ''Dr. Schlesinger'' kennen, der im Himalaya zu ethnologischen Studien unterwegs gewesen war, und dessen Vater Inhaber eines bekannten Frankfurter Bankhauses war. Mit ihm ging er in den fünf Monaten Erholungslager auf insgesamt acht Wochen währende Forschungs- und Jagdausflüge; für zwei Rupien pro Person und Tag meldete der irische Sergeantmajor die beiden jeden Abend als anwesend. Nach dem Kriegsende 1918 gab es lange keine Anzeichen für eine Verschiffung nach Hause, die Moral im Lager sank:  //„Die geistigen Interessen, die zahlreichen Bestrebungen zur Weiterbildung flauten ab, und schließlich hörte sogar die sportliche Betätigung fast völlig auf. Bei vielen machte sich stattdessen dauernde Gereiztheit und Zanksucht und eine Neigung zu alkoholischen Ausschweifungen bemerkbar, andere flüchteten sich in die sonderbarsten sektiererischen Lehren, in okkulten Hokuspokus oder einfach in schiere stumpfe Verzweiflung und Selbstaufgabe - und einige flüchteten aus dem Leben überhaupt. Denjenigen, die freiwillig gegangen waren, sollten im Laufe dieses düsteren Jahres noch viele unfreiwillig folgen. Nachdem schon eine Choleraepidemie auch unter uns mehrere Opfer gefordert hatte, fiel der schwarze Schatten der weltumspannenden Grippe auch über Indien. ... [Dann] flammte die dortzulande nie ganz verlöschende tropische Pest, die Bubonenpest ((Beulenpest)), wieder auf; ihr auf dem Fuße folgten eine neue Cholerapest und dieser dann noch der Typhus.“// ((Heye, Ewige Wanderschaft, 17 f.))  Heye ging es schlecht, obwohl er nicht unter diesen Seuchen zu leiden hatte. Er kam in das Erholungslager Ramandrugh im Süden der Provinz Madras. Dort lernte er den Ethnologen ''Dr. Schlesinger'' kennen, der im Himalaya zu ethnologischen Studien unterwegs gewesen war, und dessen Vater Inhaber eines bekannten Frankfurter Bankhauses war. Mit ihm ging er in den fünf Monaten Erholungslager auf insgesamt acht Wochen währende Forschungs- und Jagdausflüge; für zwei Rupien pro Person und Tag meldete der irische Sergeantmajor die beiden jeden Abend als anwesend.
  
-Erst Silvester 1919 werden alle Gefangenen Hals über Kopf nach Bombay und dort auf ein Schiff gebracht und am 24. Februar 1920 landet Heye im Hafen von Rotterdam. Heye trifft auch einen ''Dr. Söderland'', der Redakteur bei dem Versicherungsblatt// „Die Mußestunde“// gewesen war und sich in ein buddhistisches Kloster auf Ceylon zurückgezogen hatte. Dort hatte man ihn ausgewiesen, obwohl er bereits mehrere Jahre unter den Mönchen lebte. Vor seiner Internierung war Heye Nachfolger auf dessen Redakteursposten und sollte über seine Reisen schreiben.+Erst Silvester 1919 werden alle Gefangenen Hals über Kopf nach Bombay und dort auf ein Schiff gebracht und am 24. Februar 1920 landet Heye im Hafen von Rotterdam. Heye trifft auch einen ''Dr. Söderland'', der Redakteur bei dem Versicherungsblatt//„Die Mußestunde“// gewesen war und sich in ein buddhistisches Kloster auf Ceylon zurückgezogen hatte. Dort hatte man ihn ausgewiesen, obwohl er bereits mehrere Jahre unter den Mönchen lebte. Vor seiner Internierung war Heye Nachfolger auf dessen Redakteursposten und sollte über seine Reisen schreiben.
  
 ''August Hauer'' ((August Hauer: Kumbuke. Berlin 1943 7.A.)) war Arzt und Leiter des Schlafkrankheitsbezirkes Nianza am Tanganjikasee. Im Juli 1914 begann er eine Rundreise durch seinen Distrikt; am 4. August brachte ihm ein Bote den Brief mit der Nachricht der Kriegserklärung zwischen Deutschland und Rußland. Der Einberufungsbefehl zur 9. Feldkompagnie in Usambara wartete bereits in Gitega. Dort traf er auch auf den aus dem Kongo kommenden „Abenteurer und Elefantenjäger“, den Deutsch-Amerikaner ''Kramer''.\\  ''August Hauer'' ((August Hauer: Kumbuke. Berlin 1943 7.A.)) war Arzt und Leiter des Schlafkrankheitsbezirkes Nianza am Tanganjikasee. Im Juli 1914 begann er eine Rundreise durch seinen Distrikt; am 4. August brachte ihm ein Bote den Brief mit der Nachricht der Kriegserklärung zwischen Deutschland und Rußland. Der Einberufungsbefehl zur 9. Feldkompagnie in Usambara wartete bereits in Gitega. Dort traf er auch auf den aus dem Kongo kommenden „Abenteurer und Elefantenjäger“, den Deutsch-Amerikaner ''Kramer''.\\ 
 Bis Mitte 1917 war Hauer in den Kampfgebieten Ostafrikas eingesetzt, dann wurde er gefangengenommen und Ende November in das Gefangenenlager in Lindi gebracht. Ein Hospitalschiff brachte ihn nach siebenwöchigem Typhusleiden und abgemagert auf 45 Kilo nach Indien und dort über Karachi ins Gefangenenlager von Ahmednagar, einem der gesündesten, wenngleich äußerst heißen Plätze Südindiens. Hier waren nicht nur die deutschen Soldaten aus Ostafrika, sondern auch Zivildeutsche aus Siam und China interniert. Schon bald sah er, wie eine Gruppe Ausbrecher zurückgebracht wurde, die ein altes, den Engländern unbekanntes Kanalsystem zur Flucht benutzt hatten, sich aber durch ungeschicktes Verhalten nach etwa zehn Tagen in der Freiheit verraten hatten.\\  Bis Mitte 1917 war Hauer in den Kampfgebieten Ostafrikas eingesetzt, dann wurde er gefangengenommen und Ende November in das Gefangenenlager in Lindi gebracht. Ein Hospitalschiff brachte ihn nach siebenwöchigem Typhusleiden und abgemagert auf 45 Kilo nach Indien und dort über Karachi ins Gefangenenlager von Ahmednagar, einem der gesündesten, wenngleich äußerst heißen Plätze Südindiens. Hier waren nicht nur die deutschen Soldaten aus Ostafrika, sondern auch Zivildeutsche aus Siam und China interniert. Schon bald sah er, wie eine Gruppe Ausbrecher zurückgebracht wurde, die ein altes, den Engländern unbekanntes Kanalsystem zur Flucht benutzt hatten, sich aber durch ungeschicktes Verhalten nach etwa zehn Tagen in der Freiheit verraten hatten.\\ 
-Außerdem berichtet er von einer weiteren Flucht, die auch Heye erwähnt: // „Eines Morgens fehlte jener schlagfertige Leipziger. In einem Brief, der jedem Melancholiker [[wiki:ehre|Ehre]] gemacht hätte, teilte er dem Kommandanten mit, daß die Quälereien des `schwarzen Peter´ ... ihn zum Selbstmord getrieben hätten. Während nun tagelang Busch und Höhlen vergebens durchsucht wurden, saß Herr Hahn zuversichtlich in der Bahn. Bei der Ankunft in Madras ... ward er der Polizei nur dadurch verdächtig, daß er das wenigste Gepäck von allen Reisenden trug.“// ((Hauer, Kumbuke, 311))+Außerdem berichtet er von einer weiteren Flucht, die auch Heye erwähnt: //„Eines Morgens fehlte jener schlagfertige Leipziger. In einem Brief, der jedem Melancholiker [[wiki:ehre|Ehre]] gemacht hätte, teilte er dem Kommandanten mit, daß die Quälereien des `schwarzen Peter´ ... ihn zum Selbstmord getrieben hätten. Während nun tagelang Busch und Höhlen vergebens durchsucht wurden, saß Herr Hahn zuversichtlich in der Bahn. Bei der Ankunft in Madras ... ward er der Polizei nur dadurch verdächtig, daß er das wenigste Gepäck von allen Reisenden trug.“// ((Hauer, Kumbuke, 311))
  
 Bei Heye heißt der Flüchtige allerdings ''Blum'' und die Flucht fand aus Ramandrugh statt, im übrigen gleichen sich die Angaben. Heye traf Blum später nochmals in Deutschland und gibt zahlreiche Details an, so z. B., das Blum zu vier Jahren Militärgefängnis in Poona verurteilt wurde, diese jedoch nicht abzusitzen brauchte und zusammen mit allen anderen Anfang 1920 nach Deutschland überführt wurde. Am 30. Dezember 1919 wurden die internierten Deutschen zurück nach Deutschland geschickt. Bei Heye heißt der Flüchtige allerdings ''Blum'' und die Flucht fand aus Ramandrugh statt, im übrigen gleichen sich die Angaben. Heye traf Blum später nochmals in Deutschland und gibt zahlreiche Details an, so z. B., das Blum zu vier Jahren Militärgefängnis in Poona verurteilt wurde, diese jedoch nicht abzusitzen brauchte und zusammen mit allen anderen Anfang 1920 nach Deutschland überführt wurde. Am 30. Dezember 1919 wurden die internierten Deutschen zurück nach Deutschland geschickt.
  
-''Hagenbeck'' lebte bereits 25 Jahre in Indien, war Importeur, Exporteur, Tierhändler, Pflanzer und nahm unter den Großkaufleuten Indiens einen der ersten Plätze ein:  //„meine Firma war überall in der Welt bekannt, ich besaß ausgedehnte Pflanzungen, ein prächtiges Heim, ein beträchtliches Vermögen und erfreute mich nicht nur in den Kreisen meiner Landsleute, sondern auch bei den Engländern des besten Rufes und der angenehmsten Beziehungen.“// ((Hagenbeck, Fünfundzwanzig Jahre Ceylon, 207)) \\ +''Hagenbeck'' lebte bereits 25 Jahre in Indien, war Importeur, Exporteur, Tierhändler, Pflanzer und nahm unter den Großkaufleuten Indiens einen der ersten Plätze ein:  //„meine Firma war überall in der Welt bekannt, ich besaß ausgedehnte Pflanzungen, ein prächtiges Heim, ein beträchtliches Vermögen und erfreute mich nicht nur in den Kreisen meiner Landsleute, sondern auch bei den Engländern des besten Rufes und der angenehmsten Beziehungen.“// ((Hagenbeck, Fünfundzwanzig Jahre Ceylon, 207))\\ 
 Auch in Ceylon glaubte man bis zuletzt nicht an die Möglichkeit eines Krieges. Am 7. August 1914 erhielt Hagenbeck den Ausweisungsbefehl und mußte Ceylon noch am gleichen Tage verlassen, Frau, Familie, Haus, Hab und Gut bis auf einen kleinen Handkoffer zurücklassend und sich zweiter Klasse nach Batavia einschiffend, das damals holländische Kolonie war. Zusammen mit ihm waren auch acht Vergnügungsreisende aus Colombo ausgewiesen worden; vier Österreicher verließen freiwillig die Insel. Er hoffte darauf, bei Bekannten und Freunden unterzukommen, doch hatte man das Gerücht verbreitet, er sei ein Spion. Die Stimmung schlug gefährlich gegen ihn um und er beschloß die Flucht nach Deutschland. Ceylon hatte er ohne Papiere verlassen müssen, doch gelang es ihm, einem holländischen Kolonialsoldaten den Paß abzukaufen und sich als Zwischendeckspassagier einzuschiffen. Leider erkannte ihn einer der patrouillierenden Polizisten und seine Flucht fand schnell, aber folgenlos, ein Ende.\\  Auch in Ceylon glaubte man bis zuletzt nicht an die Möglichkeit eines Krieges. Am 7. August 1914 erhielt Hagenbeck den Ausweisungsbefehl und mußte Ceylon noch am gleichen Tage verlassen, Frau, Familie, Haus, Hab und Gut bis auf einen kleinen Handkoffer zurücklassend und sich zweiter Klasse nach Batavia einschiffend, das damals holländische Kolonie war. Zusammen mit ihm waren auch acht Vergnügungsreisende aus Colombo ausgewiesen worden; vier Österreicher verließen freiwillig die Insel. Er hoffte darauf, bei Bekannten und Freunden unterzukommen, doch hatte man das Gerücht verbreitet, er sei ein Spion. Die Stimmung schlug gefährlich gegen ihn um und er beschloß die Flucht nach Deutschland. Ceylon hatte er ohne Papiere verlassen müssen, doch gelang es ihm, einem holländischen Kolonialsoldaten den Paß abzukaufen und sich als Zwischendeckspassagier einzuschiffen. Leider erkannte ihn einer der patrouillierenden Polizisten und seine Flucht fand schnell, aber folgenlos, ein Ende.\\ 
  
Zeile 156: Zeile 156:
 Getrennt reisen die Expeditionsteilnehmer am 14. April 1915 von Berlin über Wien und durch Rumänien nach Konstantinopel, dann mit der Bahn durch die Türkei, schließlich auf Booten nach Bagdad. Hentig beschreibt die aufreibende Organisation der [[wiki:fahrt|Fahrt]]: //„Zum Transport unsres Gepäcks hätten wir mindestens 150 Tiere, für Wacht- und Treiberpersonal wie für das Futter weitere hundert Tiere gebraucht. Die Kosten hätten sich auf annähernd zehntausend Mark belaufen. Statt dessen schaffte es der Euphrat in weniger als einem Drittel der Zeit und für etwa ein Zehntel der Kosten ... bis zur alten Kaiserstadt Bagdad hinunter.“// ((Hentig, Ins verschlossene Land, 32))\\  Getrennt reisen die Expeditionsteilnehmer am 14. April 1915 von Berlin über Wien und durch Rumänien nach Konstantinopel, dann mit der Bahn durch die Türkei, schließlich auf Booten nach Bagdad. Hentig beschreibt die aufreibende Organisation der [[wiki:fahrt|Fahrt]]: //„Zum Transport unsres Gepäcks hätten wir mindestens 150 Tiere, für Wacht- und Treiberpersonal wie für das Futter weitere hundert Tiere gebraucht. Die Kosten hätten sich auf annähernd zehntausend Mark belaufen. Statt dessen schaffte es der Euphrat in weniger als einem Drittel der Zeit und für etwa ein Zehntel der Kosten ... bis zur alten Kaiserstadt Bagdad hinunter.“// ((Hentig, Ins verschlossene Land, 32))\\ 
  
-Am 1. Juni 1915 brechen sie erneut auf, ab nun begleitet von Spionen, denn sie befinden sich bereits im englischen Einfluß, nicht aber in deren Machtbereich. Mit Maultieren, Eseln, Pferden und Kamelen ziehen sie durch Persien, getrenntt, in drei Gruppen, meist auf den schwierigsten Strecken, meist durch die trockensten Wüstengegenden, da sie sich zwischen russischen und englischen Einflußsphären möglichst ungesehen hindurchschlängeln müssen. Ein Kamel kostete 2,40 Mark pro Tag, an Verpflegung nochmals 3,20 Mark, während die Menschen bereits mit 1,60 Mark verpflegt wurden. Problemlos war die Strecke von Kirmanschah nach Teheran und Isfahan, schwierig wurden die Wüstenstrecken über Najin nach Tebbes, der heißesten Stadt der Welt, wo sie am 23. Juni ((Auf Seite 56 wird der 23. Juli genannt. Das kann jedoch nicht sein, da sie vier Wochen später, am 22. Juli, die afghanische Grenze überschreiten (S. 72). Vermutlich handelt es sich um einen Übertragungsfehler.)) ankommen: Einen Monat lang sind sie täglich etwa sechzig Kilometer marschiert, bei sommerlicher Wüstenhitze und all den Problemen, die die Organisation einer so großen Gruppe mit sich bringt. Ohne direkte Feindberührung, jedoch oft in Hör- und Sichtweite feindlicher Patrouillen erreichen sie schließlich Afghanistan bei //Doroschk// und //Tacht-i-Wun// am 22. Juni 1915, erreichen Kabul aber erst Ende September. Zehn Monate bleiben sie in Afghanistan als [[wiki:gast|Gast]] des Emirs und obwohl sie eine recht große Freiheit genießen, gelten sie aus Rücksicht auf die Engländer als Gefangene. In dieser Zeit geht Hentig seiner politischen und nicht näher beschriebenen Aufgabe nach, die im Wesentlichen nur darin bestehen kann, freundschaftliche Beziehungen zu fördern. Nach Abschluß seiner Tätigkeit machten sich Niedermayer und er auf den Rückweg, jedoch in östlicher [[wiki:orientierung|Richtung]] und auf getrennten Wegen, vermutlich aus taktischen Erwägungen. Die üblichen Karawanenstraßen wurden von Engländern und Russen kontrolliert, so daß ''Hentig'' zusammen mit ''Röhr'', dem Ungarn ''Jossip'', dem Perser ''Afgher'' und dem Inder ''Seyed Achmed'' eine Route durch den Pamir wählte, durch das nicht deutlich abgegrenzte Land zwischen Rußland und Indien, das so gut wie unvermessen war, kaum Namen trug und daher [[wiki:sicherheit|Sicherheit]] bot. Am 21. Mai 1916 begann die Reise nach Osten. Hin und wieder begleiteten einheimische Führer die Gruppe, sonst richtete sich von Hentig nach einer Karte im Maßstab 1 zu 7,5 Millionen. Mehrfach von russischen Truppen verfolgt erreichen sie nach mörderischen Strapazen ihr Ziel Yarkent im chinesischen Turkestan. Damit war zwar nur relative Sicherheit erreicht - die Russen hatten auch dort noch einen großen Einfluß und überschritten oft die Grenze - doch mußten sie weitere hundertdreißig Tage durch Wüsten marschieren, zehn, zwölf Stunden täglich: // „Von all der Mühsal, wie jeder einzelne dieser Tage sie brachte, kann ich heute noch nicht reden. So viele dumpfe Gedanken, wie sie dabei in ununterbrochener Wiederholung des Gehirns sich bemächtigen, soll man anderen nicht vortragen wollen. Und dann - ich würde daran verzweifeln, einen hinreichenden Begriff von einhundertdreißigmal zehn- bis zwölfstündigen Märschen geben zu können. Acht Tage schreitet man ja, von Hitze und Kälte getrieben, freudig fürbaß. Vier Wochen kann man es, mit einem Ziel vor Augen, noch gut aushalten. Selbst zwei Monate wären noch keine Leistung. Aber dann auch noch nicht die Hälfte des Weges zurückgelegt zu haben, täglich weiter mit wunden Füßen, zerrissenen Händen, klaffenden Sohlen, verschlissenen Kleidern, ohne etwas Rechtes im Magen, marschieren und frieren, frieren und wieder marschieren zu müssen, auch des nachts keine Ruhe zu finden und nur immer mit wunder Seele an einer ungelösten Rechnung zu rechnen, das darf man nicht vorher schon einmal durchgemacht haben, wenn man der sprungbereiten, gierig lauernden Verzweiflung entgehen will.“// ((Hentig, Ins verschlossene Land, 147 f.))\\ +Am 1. Juni 1915 brechen sie erneut auf, ab nun begleitet von Spionen, denn sie befinden sich bereits im englischen Einfluß, nicht aber in deren Machtbereich. Mit Maultieren, Eseln, Pferden und Kamelen ziehen sie durch Persien, getrenntt, in drei Gruppen, meist auf den schwierigsten Strecken, meist durch die trockensten Wüstengegenden, da sie sich zwischen russischen und englischen Einflußsphären möglichst ungesehen hindurchschlängeln müssen. Ein Kamel kostete 2,40 Mark pro Tag, an Verpflegung nochmals 3,20 Mark, während die Menschen bereits mit 1,60 Mark verpflegt wurden. Problemlos war die Strecke von Kirmanschah nach Teheran und Isfahan, schwierig wurden die Wüstenstrecken über Najin nach Tebbes, der heißesten Stadt der Welt, wo sie am 23. Juni ((Auf Seite 56 wird der 23. Juli genannt. Das kann jedoch nicht sein, da sie vier Wochen später, am 22. Juli, die afghanische Grenze überschreiten (S. 72). Vermutlich handelt es sich um einen Übertragungsfehler.)) ankommen: Einen Monat lang sind sie täglich etwa sechzig Kilometer marschiert, bei sommerlicher Wüstenhitze und all den Problemen, die die Organisation einer so großen Gruppe mit sich bringt. Ohne direkte Feindberührung, jedoch oft in Hör- und Sichtweite feindlicher Patrouillen erreichen sie schließlich Afghanistan bei //Doroschk// und //Tacht-i-Wun// am 22. Juni 1915, erreichen Kabul aber erst Ende September. Zehn Monate bleiben sie in Afghanistan als [[wiki:gast|Gast]] des Emirs und obwohl sie eine recht große Freiheit genießen, gelten sie aus Rücksicht auf die Engländer als Gefangene. In dieser Zeit geht Hentig seiner politischen und nicht näher beschriebenen Aufgabe nach, die im Wesentlichen nur darin bestehen kann, freundschaftliche Beziehungen zu fördern. Nach Abschluß seiner Tätigkeit machten sich Niedermayer und er auf den Rückweg, jedoch in östlicher [[wiki:orientierung|Richtung]] und auf getrennten Wegen, vermutlich aus taktischen Erwägungen. Die üblichen Karawanenstraßen wurden von Engländern und Russen kontrolliert, so daß ''Hentig'' zusammen mit ''Röhr'', dem Ungarn ''Jossip'', dem Perser ''Afgher'' und dem Inder ''Seyed Achmed'' eine Route durch den Pamir wählte, durch das nicht deutlich abgegrenzte Land zwischen Rußland und Indien, das so gut wie unvermessen war, kaum Namen trug und daher [[wiki:sicherheit|Sicherheit]] bot. Am 21. Mai 1916 begann die Reise nach Osten. Hin und wieder begleiteten einheimische Führer die Gruppe, sonst richtete sich von Hentig nach einer Karte im Maßstab 1 zu 7,5 Millionen. Mehrfach von russischen Truppen verfolgt erreichen sie nach mörderischen Strapazen ihr Ziel Yarkent im chinesischen Turkestan. Damit war zwar nur relative Sicherheit erreicht - die Russen hatten auch dort noch einen großen Einfluß und überschritten oft die Grenze - doch mußten sie weitere hundertdreißig Tage durch Wüsten marschieren, zehn, zwölf Stunden täglich: //„Von all der Mühsal, wie jeder einzelne dieser Tage sie brachte, kann ich heute noch nicht reden. So viele dumpfe Gedanken, wie sie dabei in ununterbrochener Wiederholung des Gehirns sich bemächtigen, soll man anderen nicht vortragen wollen. Und dann - ich würde daran verzweifeln, einen hinreichenden Begriff von einhundertdreißigmal zehn- bis zwölfstündigen Märschen geben zu können. Acht Tage schreitet man ja, von Hitze und Kälte getrieben, freudig fürbaß. Vier Wochen kann man es, mit einem Ziel vor Augen, noch gut aushalten. Selbst zwei Monate wären noch keine Leistung. Aber dann auch noch nicht die Hälfte des Weges zurückgelegt zu haben, täglich weiter mit wunden Füßen, zerrissenen Händen, klaffenden Sohlen, verschlissenen Kleidern, ohne etwas Rechtes im Magen, marschieren und frieren, frieren und wieder marschieren zu müssen, auch des nachts keine Ruhe zu finden und nur immer mit wunder Seele an einer ungelösten Rechnung zu rechnen, das darf man nicht vorher schon einmal durchgemacht haben, wenn man der sprungbereiten, gierig lauernden Verzweiflung entgehen will.“// ((Hentig, Ins verschlossene Land, 147 f.))\\ 
  
-Erst am 24. Dezember 1916 ist die erste Bahnverbindung erreicht, sie betreten //Mientsche//. Über //Honan//, //Tschentschou// gelangen sie nach //Hankau// und werden vom deutschen Konsul aufgenommen. Doch drei Monate später erreicht der Krieg auch diesen Winkel der Welt: China hat die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland abgebrochen. Als Diplomat hat Hentig eingentlich freies [[wiki:geleitswesen|Geleit]], doch das ist Theorie: die chinesischen Beamten verzögern die Ausstellung der [[wiki:dokumente|Reisepapiere]] immer wieder, die Engländer verweigern sie, die Franzosen reagieren gar nicht, die Amerikaner wollen zunächst, dann wieder nicht. Kurzum: Man sitzt fest.// „Die schönen Wege, die im Anfang des Krieges noch Flüchtlingen offenstanden, über Sibirien, den Suezkanal und so weiter, waren so streng überwacht, daß ihre Benutzung, zumal ohne eine lange, gründliche Vorbereitung, nur zu sicheren Entdeckung geführt hätte. Der Krieg mit Amerika stand vor der Tür.“// ((Hentig, Ins verschlossene Land, 166))+Erst am 24. Dezember 1916 ist die erste Bahnverbindung erreicht, sie betreten //Mientsche//. Über //Honan//, //Tschentschou// gelangen sie nach //Hankau// und werden vom deutschen Konsul aufgenommen. Doch drei Monate später erreicht der Krieg auch diesen Winkel der Welt: China hat die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland abgebrochen. Als Diplomat hat Hentig eingentlich freies [[wiki:geleitswesen|Geleit]], doch das ist Theorie: die chinesischen Beamten verzögern die Ausstellung der [[wiki:dokumente|Reisepapiere]] immer wieder, die Engländer verweigern sie, die Franzosen reagieren gar nicht, die Amerikaner wollen zunächst, dann wieder nicht. Kurzum: Man sitzt fest.//„Die schönen Wege, die im Anfang des Krieges noch Flüchtlingen offenstanden, über Sibirien, den Suezkanal und so weiter, waren so streng überwacht, daß ihre Benutzung, zumal ohne eine lange, gründliche Vorbereitung, nur zu sicheren Entdeckung geführt hätte. Der Krieg mit Amerika stand vor der Tür.“// ((Hentig, Ins verschlossene Land, 166))
  
 Nach der letzten Absage handelt Hentig schnell, taucht noch abends in Shanghai unter und läßt sein Gepäck zurück, besitzt lediglich ein amerikanisches Marine-Hemd, eine Missionars-Jacke und eine Seemannsmütze, um in möglichst unterschiedliche Rollen schlüpfen zu können, und begibt sich als blinder Passagier auf den am 1. April 1917 auslaufenden amerikanischen Dampfer //Ecuador//. Es gelingt ihm, zwei österreichische Offiziere zu überreden, ihn in ihrer Erster-Klasse-Kabine zu verbergen, dabei faltet er sich täglich von neun bis zwölf Uhr in einen engen Kleiderschrank. Die gefürchteten Kontrollen in Japan sind oberflächlich, die Kabinen werden gar nicht kontrolliert, doch bei der zweiten Landung, diesmal in Yokohama, werden sechs Deutsche gefunden. Bei der Landung in Honolulu verläßt er das Schiff, schwimmend, da alle Ein- und Ausgänge schwer bewacht werden, seit Amerika in den Krieg eingetreten ist. Es gelingt ihm wohl, ungesehen an Land zu kommen, doch zeigt es sich, die Kontrollen in Honolulu sehr streng sind. Schließlich stellt sich Hentig freiwillig dem Generalstaatsanwalt, bekommt ein Ticket nach Amerika und wird bei San Francisco auf der Einwandererinsel //Angel Island// im Hospital interniert. Auch die Österreicher und die anderen sechs Deutschen befinden sich dort in Internierung ebenso wie die Kapitäne deutscher Schiffe.  //„Am Tage nach meinem Einzug auf der Engels-Insel fand ein eingehendes Verhör statt. Ich wußte, daß hiervon, wenn nicht alles, so doch außerordentlich viel abhänge. Mein Plan war einfach die Fortsetzung des von mir stets auf der Reise und meist mit erstaunlichem Erfolg innegehaltenen Programms: die Wahrheit und Tatsachen für mich sprechen zu lassen und den Gegner zu fassen, sobald er sich in eine, nur durch Kombinationen gedeckte Stellung begäbe.“// ((Hentig, Ins verschlossene Land, 187 f))\\  Nach der letzten Absage handelt Hentig schnell, taucht noch abends in Shanghai unter und läßt sein Gepäck zurück, besitzt lediglich ein amerikanisches Marine-Hemd, eine Missionars-Jacke und eine Seemannsmütze, um in möglichst unterschiedliche Rollen schlüpfen zu können, und begibt sich als blinder Passagier auf den am 1. April 1917 auslaufenden amerikanischen Dampfer //Ecuador//. Es gelingt ihm, zwei österreichische Offiziere zu überreden, ihn in ihrer Erster-Klasse-Kabine zu verbergen, dabei faltet er sich täglich von neun bis zwölf Uhr in einen engen Kleiderschrank. Die gefürchteten Kontrollen in Japan sind oberflächlich, die Kabinen werden gar nicht kontrolliert, doch bei der zweiten Landung, diesmal in Yokohama, werden sechs Deutsche gefunden. Bei der Landung in Honolulu verläßt er das Schiff, schwimmend, da alle Ein- und Ausgänge schwer bewacht werden, seit Amerika in den Krieg eingetreten ist. Es gelingt ihm wohl, ungesehen an Land zu kommen, doch zeigt es sich, die Kontrollen in Honolulu sehr streng sind. Schließlich stellt sich Hentig freiwillig dem Generalstaatsanwalt, bekommt ein Ticket nach Amerika und wird bei San Francisco auf der Einwandererinsel //Angel Island// im Hospital interniert. Auch die Österreicher und die anderen sechs Deutschen befinden sich dort in Internierung ebenso wie die Kapitäne deutscher Schiffe.  //„Am Tage nach meinem Einzug auf der Engels-Insel fand ein eingehendes Verhör statt. Ich wußte, daß hiervon, wenn nicht alles, so doch außerordentlich viel abhänge. Mein Plan war einfach die Fortsetzung des von mir stets auf der Reise und meist mit erstaunlichem Erfolg innegehaltenen Programms: die Wahrheit und Tatsachen für mich sprechen zu lassen und den Gegner zu fassen, sobald er sich in eine, nur durch Kombinationen gedeckte Stellung begäbe.“// ((Hentig, Ins verschlossene Land, 187 f))\\ 
Zeile 164: Zeile 164:
 Zu seiner Überraschung wird er nach einiger Zeit freigelassen, allerdings noch nicht als Diplomat anerkannt, und ständig überwacht. Doch schließlich gelingt ihm auch die Zusicherung freien Geleits. In Kanada kann er sich offiziell auf der norwegischen //Halifax// nach Bergen einschiffen und trifft sechsundzwanzig Monate nach seiner Abreise aus Deutschland in Norwegen ein. Zu seiner Überraschung wird er nach einiger Zeit freigelassen, allerdings noch nicht als Diplomat anerkannt, und ständig überwacht. Doch schließlich gelingt ihm auch die Zusicherung freien Geleits. In Kanada kann er sich offiziell auf der norwegischen //Halifax// nach Bergen einschiffen und trifft sechsundzwanzig Monate nach seiner Abreise aus Deutschland in Norwegen ein.
  
-Die Art der Schilderung hebt sich angenehm von ähnlichen Publikationen aus den Kriegsjahren ab. Hentig bekennt sich als Deutscher, schildert seine Erlebnisse jedoch ohne jeden Hurra-Patriotismus. Erfahrungen, Empfindungen und Einstellungen werden meist ohne übertreibenden Zierrat vorgetragen, bekennend, aber nicht mit missionarischem Eifer. Dadurch ist der schmale Band auch heute noch kurzweilig zu lesen. Vieles wird nur kurz vorgetragen, wo der Leser Lust auf mehr bekommt, das Prosaische kommt zu kurz. Hentig weist alle Eigenschaften eines Globetrotters auf, wir würden ihn heute gar als Abenteurer einstufen, doch genau das widerspricht seinem Bild: // „...ich hoffe dadurch nicht in den Ruf der Abenteuerlichkeit zu kommen ...“// ((Hentig, Ins verschlossene Land, 191))  Hentig war Adliger, Akademiker, Soldat, Diplomat. Zwar war er auch in der Wanderbewegung aktiv, doch mußte sich der Abenteurer unterordnen, Pflicht, Selbstdisziplin, Gehorsam bestimmten sein Verhalten auch fern der Heimat. Dafür spricht auch der Titel seiner 1963 veröffentlichten Biographie: //„Mein Leben, eine Dienstreise.“//+Die Art der Schilderung hebt sich angenehm von ähnlichen Publikationen aus den Kriegsjahren ab. Hentig bekennt sich als Deutscher, schildert seine Erlebnisse jedoch ohne jeden Hurra-Patriotismus. Erfahrungen, Empfindungen und Einstellungen werden meist ohne übertreibenden Zierrat vorgetragen, bekennend, aber nicht mit missionarischem Eifer. Dadurch ist der schmale Band auch heute noch kurzweilig zu lesen. Vieles wird nur kurz vorgetragen, wo der Leser Lust auf mehr bekommt, das Prosaische kommt zu kurz. Hentig weist alle Eigenschaften eines Globetrotters auf, wir würden ihn heute gar als Abenteurer einstufen, doch genau das widerspricht seinem Bild: //„...ich hoffe dadurch nicht in den Ruf der Abenteuerlichkeit zu kommen ...“// ((Hentig, Ins verschlossene Land, 191))  Hentig war Adliger, Akademiker, Soldat, Diplomat. Zwar war er auch in der Wanderbewegung aktiv, doch mußte sich der Abenteurer unterordnen, Pflicht, Selbstdisziplin, Gehorsam bestimmten sein Verhalten auch fern der Heimat. Dafür spricht auch der Titel seiner 1963 veröffentlichten Biographie: //„Mein Leben, eine Dienstreise.“//
  
 Ein wenig hat er diesen Zwist nach dem Ende seiner Zentralasien-Durchquerung in Hankau formuliert:  //„Mit den unvergessenen Erfahrungen des Menschen, der früher einmal unter Kulturverhältnissen höherer Ordnung gelebt hat, aber mit dem Gemüt des Primitiven empfand ich die Wohltat der geschützten Zimmer, den Alleinbesitz eines Raumes, das Bewußtsein, das ein zum Nomadisieren gezwungener Ackerbauer bei der Rückkehr auf den eigenen Grund und Boden haben muß. ... Ein Bedauern bleibt schließlich zurück, daß man sich nicht die Einfachheit in Lebensweise und Kleidung bewahren darf, daß man fürchten muß, durch die Mannigfaltigkeit der Kulturbedürfnisse wieder unfreier, abhängiger zu werden. Als wirklicher, recht irdischer Vorteil bleibt freilich übrig, daß man nicht jeden Morgen die gesamte Habe zu packen braucht ...“// ((Hentig, Ins verschlossene Land, 160 f.)) Ein wenig hat er diesen Zwist nach dem Ende seiner Zentralasien-Durchquerung in Hankau formuliert:  //„Mit den unvergessenen Erfahrungen des Menschen, der früher einmal unter Kulturverhältnissen höherer Ordnung gelebt hat, aber mit dem Gemüt des Primitiven empfand ich die Wohltat der geschützten Zimmer, den Alleinbesitz eines Raumes, das Bewußtsein, das ein zum Nomadisieren gezwungener Ackerbauer bei der Rückkehr auf den eigenen Grund und Boden haben muß. ... Ein Bedauern bleibt schließlich zurück, daß man sich nicht die Einfachheit in Lebensweise und Kleidung bewahren darf, daß man fürchten muß, durch die Mannigfaltigkeit der Kulturbedürfnisse wieder unfreier, abhängiger zu werden. Als wirklicher, recht irdischer Vorteil bleibt freilich übrig, daß man nicht jeden Morgen die gesamte Habe zu packen braucht ...“// ((Hentig, Ins verschlossene Land, 160 f.))
Zeile 171: Zeile 171:
  
 ''Herbert Pritzke'' war Arzt und wurde 1944 nach Afrika beordert, zum Rommel-Korps. Nach seinem ersten Fluchtversuch aus englischer Gefangenschaft verlegte man ihn in das berüchtigte Lager 307 bei Fanara in der Suezkanal-Zone, ein Entkommen von dort war unmöglich. So begann er, Wadenkrämpfe zu simulieren und erreichte bald sein Ziel, die Verlegung ins Hospital nach Fayed. Er wurde an den Krampfadern operiert und kaum zu Kräften gelangt, floh er, 18 Monate nach Kriegsende.\\  ''Herbert Pritzke'' war Arzt und wurde 1944 nach Afrika beordert, zum Rommel-Korps. Nach seinem ersten Fluchtversuch aus englischer Gefangenschaft verlegte man ihn in das berüchtigte Lager 307 bei Fanara in der Suezkanal-Zone, ein Entkommen von dort war unmöglich. So begann er, Wadenkrämpfe zu simulieren und erreichte bald sein Ziel, die Verlegung ins Hospital nach Fayed. Er wurde an den Krampfadern operiert und kaum zu Kräften gelangt, floh er, 18 Monate nach Kriegsende.\\ 
-Ausgerüstet war er mit einem zwei Meter langen [[wiki:stab|Zeltstock]], der ihm mit seinen eisenbeschlagenen Spitzen als Waffe dienen sollte. Aufpassen mußte er aber auch vor den anderen Internierten: 100 Zigaretten Belohnung gab es, wenn eine Flucht verraten wurde. Gefährlich waren die //„knüppelbewaffneten deutschen Lagerwachen, meist Fallschirmjäger, die für dreißig Pfennig am Tag ihre eigenen Kameraden bewachten und robuste Methoden anwandten, um den Ertappten das Heimweh aus den Knochen zu prügeln, ehe sie vom Wachsergeanten die Belohnung in Zigaretten einkassierten.“// ((''Pritzke'', Nach Hause kommst du nie ..., 12)) Doch so lange nach Kriegsende war die Aufmerksamkeit der Wachen gering, und nur ein Zaun war zu überwinden. Seine Fluchtroute war ihm klar: // „Ich folgte dem klassischen Fluchtweg der deutschen Kriegsgefangenen: zunächst drei Stunden in genau westlicher [[wiki:orientierung|Richtung]], um aus der britischen Kanal-Enklave herauszukommen, dann abschwenken nach Nordwesten bis an den Süßwasserkanal, der von Ismailia nach Kairo führt.“// ((Pritzke, Nach Hause kommst du nie ..., 16))\\ +Ausgerüstet war er mit einem zwei Meter langen [[wiki:stock_stab|Zeltstock]], der ihm mit seinen eisenbeschlagenen Spitzen als Waffe dienen sollte. Aufpassen mußte er aber auch vor den anderen Internierten: 100 Zigaretten Belohnung gab es, wenn eine Flucht verraten wurde. Gefährlich waren die //„knüppelbewaffneten deutschen Lagerwachen, meist Fallschirmjäger, die für dreißig Pfennig am Tag ihre eigenen Kameraden bewachten und robuste Methoden anwandten, um den Ertappten das Heimweh aus den Knochen zu prügeln, ehe sie vom Wachsergeanten die Belohnung in Zigaretten einkassierten.“// ((''Pritzke'', Nach Hause kommst du nie ..., 12)) Doch so lange nach Kriegsende war die Aufmerksamkeit der Wachen gering, und nur ein Zaun war zu überwinden. Seine Fluchtroute war ihm klar: //„Ich folgte dem klassischen Fluchtweg der deutschen Kriegsgefangenen: zunächst drei Stunden in genau westlicher [[wiki:orientierung|Richtung]], um aus der britischen Kanal-Enklave herauszukommen, dann abschwenken nach Nordwesten bis an den Süßwasserkanal, der von Ismailia nach Kairo führt.“// ((Pritzke, Nach Hause kommst du nie ..., 16))\\ 
  
-Drei Tage lief er ohne Wasser, dann brach er zusammen. [[wiki:beduinen|Beduinen]] fanden ihn, gaben ihm Wasser und bei den Beduinen blieb er, als sie seine Qualitäten als Arzt entdeckten. Der nur geduldete Flüchtling wurde zum //Hakim Alemanni// mit Ruf und Ansehen. Als solcher praktizierte er in einem Beduinenzelt, ließ sich Medikamente und Geräte aus Ismailia beschaffen und baute sich eine kleine, mobile Praxis auf. Rezepte für Patienten unterschrieb er mit// „Le docteur inconnu.“// Als Dank für die Gastfreundschaft wurde von ihm die Unterstützung illegaler Geschäfte erwartet und Pritzke beteiligte sich daher am Haschisch-Schmuggel. Der Diebstahl einer Kiste mit Morphium aus einem englischen Lager schlug allerdings fehl.\\  +Drei Tage lief er ohne Wasser, dann brach er zusammen. [[wiki:beduinen|Beduinen]] fanden ihn, gaben ihm Wasser und bei den Beduinen blieb er, als sie seine Qualitäten als Arzt entdeckten. Der nur geduldete Flüchtling wurde zum //Hakim Alemanni// mit Ruf und Ansehen. Als solcher praktizierte er in einem Beduinenzelt, ließ sich Medikamente und Geräte aus Ismailia beschaffen und baute sich eine kleine, mobile Praxis auf. Rezepte für Patienten unterschrieb er mit//„Le docteur inconnu.“// Als Dank für die Gastfreundschaft wurde von ihm die Unterstützung illegaler Geschäfte erwartet und Pritzke beteiligte sich daher am Haschisch-Schmuggel. Der Diebstahl einer Kiste mit Morphium aus einem englischen Lager schlug allerdings fehl.\\  
-Etwa ein Jahr blieb er bei den Beduinen, lernte deren [[wiki:sprachen|Sprache]], kleidete sich wie sie, paßte sich an, auch wenn es ihm hin und wieder schwerfiel: // „Ich war bevorzugter Gast. `Hier ist etwas Gutes für dich, Salameh!“ sagte der Onkel und hielt mir mit seinen schmutzigen Fingern ein Auge des Hammels hin. Kaum eine Situation im Krieg hatte mich soviel Todesverachtung gekostet wie das würgende Hinunterschlucken solcher Gastbrocken. ... Der Onkel jedoch, der mich ins Herz geschlossen hatte, streifte sich die Ärmel hoch, beugte sich so weit vor, daß sein Bart beinahe mit dem Gericht in Berührung kam, griff ein paarmal ein Stück Fleisch heraus und prüfte es, ob es auch gut genug war für den Gast; aber jedes Stück warf er wieder zurück, bis er endlich vom Besten das Allerbeste für mich gefunden hatte. ... Es war ein Stück Schwanzfett, mit dem ich den ganzen aufdringlichen Geruch des Fettschwanzhammels in die Nase bekam. Um den Fettklumpen gekrümmt, sah ich die unsagbar dreckige Hand, vom Fettklumpen weg rann die Brühe über den nackten haarigen Arm ... Die Natur sorgte dafür, daß ich das Schwanzfett nicht mehr zu essen brauchte und auch das Hammelauge wieder zurückbekam, nachdem es sich in meinem aufgewühlten Inneren nur eine Weile hatte umsehen dürfen.“// ((Pritzke, Nach Hause kommst du nie ..., 139))\\ +Etwa ein Jahr blieb er bei den Beduinen, lernte deren [[wiki:sprachen|Sprache]], kleidete sich wie sie, paßte sich an, auch wenn es ihm hin und wieder schwerfiel: //„Ich war bevorzugter Gast. `Hier ist etwas Gutes für dich, Salameh!“ sagte der Onkel und hielt mir mit seinen schmutzigen Fingern ein Auge des Hammels hin. Kaum eine Situation im Krieg hatte mich soviel Todesverachtung gekostet wie das würgende Hinunterschlucken solcher Gastbrocken. ... Der Onkel jedoch, der mich ins Herz geschlossen hatte, streifte sich die Ärmel hoch, beugte sich so weit vor, daß sein Bart beinahe mit dem Gericht in Berührung kam, griff ein paarmal ein Stück Fleisch heraus und prüfte es, ob es auch gut genug war für den Gast; aber jedes Stück warf er wieder zurück, bis er endlich vom Besten das Allerbeste für mich gefunden hatte. ... Es war ein Stück Schwanzfett, mit dem ich den ganzen aufdringlichen Geruch des Fettschwanzhammels in die Nase bekam. Um den Fettklumpen gekrümmt, sah ich die unsagbar dreckige Hand, vom Fettklumpen weg rann die Brühe über den nackten haarigen Arm ... Die Natur sorgte dafür, daß ich das Schwanzfett nicht mehr zu essen brauchte und auch das Hammelauge wieder zurückbekam, nachdem es sich in meinem aufgewühlten Inneren nur eine Weile hatte umsehen dürfen.“// ((Pritzke, Nach Hause kommst du nie ..., 139))\\ 
  
 Erst Ende 1947 durfte er die Beduinen verlassen und ging nach Kairo. Seine Versuche, sich einen Paß und eine Fahrkarte nach Europa zu organisieren, scheiterten kläglich, er mußte erneut untertauchen und fiel in die Hände der Muslim-Bruderschaft von Hadji Khaled, die ihm eine neue Identität verschafften.\\  Erst Ende 1947 durfte er die Beduinen verlassen und ging nach Kairo. Seine Versuche, sich einen Paß und eine Fahrkarte nach Europa zu organisieren, scheiterten kläglich, er mußte erneut untertauchen und fiel in die Hände der Muslim-Bruderschaft von Hadji Khaled, die ihm eine neue Identität verschafften.\\ 
Zeile 187: Zeile 187:
 ==== Das Ende einer Bergfahrt ==== ==== Das Ende einer Bergfahrt ====
  
-''Friedrich Kolb'' und ''Ludwig Krenek'' waren mit vier englischen Freunden im Himalaja unterwegs. Am 10. September 1939 sandte ihnen ein Polizeioffizier per Bote in die Berge hinein folgende Nachricht: // „Meine Herren, ich muß Sie bitten, ohne Verzögerung nach Manali zurückzukehren, um sich dort beim Polizeiinspektor zu melden. Ich ermahne Sie in Ihrem eigenen Interesse, dieser Bitte nachzukommen. Sie beugen damit der Notwendigkeit vor, Ihre Anwesenheit durch drastischere Mittel zu sichern. Sie müssen sich klar darüber sein, daß das Britische Weltreich sich im Kriege mit dem Deutschen Reich befindet, Sie daher Angehörige eines feindlichen Staates sind.“// ((Kolb, Einzelgänger im Himalaja, 67))+''Friedrich Kolb'' und ''Ludwig Krenek'' waren mit vier englischen Freunden im Himalaja unterwegs. Am 10. September 1939 sandte ihnen ein Polizeioffizier per Bote in die Berge hinein folgende Nachricht: //„Meine Herren, ich muß Sie bitten, ohne Verzögerung nach Manali zurückzukehren, um sich dort beim Polizeiinspektor zu melden. Ich ermahne Sie in Ihrem eigenen Interesse, dieser Bitte nachzukommen. Sie beugen damit der Notwendigkeit vor, Ihre Anwesenheit durch drastischere Mittel zu sichern. Sie müssen sich klar darüber sein, daß das Britische Weltreich sich im Kriege mit dem Deutschen Reich befindet, Sie daher Angehörige eines feindlichen Staates sind.“// ((Kolb, Einzelgänger im Himalaja, 67))
 Für kurze Zeit landeten beide im Militärgefängnis von Lahore, kamen dann ins Internierungslager Ahmednagar und trafen dort auf //„drei Mitglieder der deutschen Nanga-Parbat-Expedition sowie zwei Bayern, die mit einem Schweizer in Sikkim gewesen waren.“// ((Kolb, Einzelgänger im Himalaja, 71)) Einer der Bayern war ein Bäcker, der einige Jahre später nach einem Fluchtversuch von Dörflern wegen seines Geldes erschlagen wurde, vermutlich Schmaderer (s. Kap. 1). Die beiden lernten Hindustani und andere Sprachen. Später kamen sie nach Deolali, dann nach Dehra-Dun. Sie unternahmen keinen Fluchtversuch und wurden bereits 1944 entlassen, da sie außerhalb des Lagers als Lehrer tätig waren. Für kurze Zeit landeten beide im Militärgefängnis von Lahore, kamen dann ins Internierungslager Ahmednagar und trafen dort auf //„drei Mitglieder der deutschen Nanga-Parbat-Expedition sowie zwei Bayern, die mit einem Schweizer in Sikkim gewesen waren.“// ((Kolb, Einzelgänger im Himalaja, 71)) Einer der Bayern war ein Bäcker, der einige Jahre später nach einem Fluchtversuch von Dörflern wegen seines Geldes erschlagen wurde, vermutlich Schmaderer (s. Kap. 1). Die beiden lernten Hindustani und andere Sprachen. Später kamen sie nach Deolali, dann nach Dehra-Dun. Sie unternahmen keinen Fluchtversuch und wurden bereits 1944 entlassen, da sie außerhalb des Lagers als Lehrer tätig waren.
  
Zeile 198: Zeile 198:
 ==== Der Legion entkommen ==== ==== Der Legion entkommen ====
  
-''Philip Rosenthal'' war schon als Kind nach England gekommen, besaß aber noch die deutsche Staatsbürgerschaft. Er hatte sein Studium in Oxord beendet und war mit einem Freund in Frankreich unterwegs, wollte dort zunächst seine Mutter in ihrer Villa in Juan-Les-Pins besuchen, dann zu Fuß und per Anhalter durch den [[wiki:staunen_fremdheit_neues_neugier#Dort fängt der Balkan an|Balkan]] und die Türkei bis nach Persien.  „Danach wollte ich sehen, was sich weiter ergab. Was jedoch kam, war der Krieg. Wie so viele Menschen konnten wir nicht begreifen, daß der Krieg da war; was man nie erlebt hat, kommt einem irgendwie nicht recht möglich vor.“ ((Rosenthal, Einmal Legionär, 18)) Er wollte nicht ins faschistische Deutschland zurück, in England und Frankreich war er [[wiki:auslaender|Ausländer]]. So beschloß er kurzerhand, sich der Fremdenlegion anzuschließen. Doch die bot nicht das, was er sich vorgestellt hatte: Anstatt gegen das NS-Regime kämpfen zu dürfen, muß er in der Sahara Sand schaufeln.\\ +''Philip Rosenthal'' war schon als Kind nach England gekommen, besaß aber noch die deutsche Staatsbürgerschaft. Er hatte sein Studium in Oxord beendet und war mit einem Freund in Frankreich unterwegs, wollte dort zunächst seine Mutter in ihrer Villa in Juan-Les-Pins besuchen, dann zu Fuß und per Anhalter durch den [[wiki:fremdem_begegnen#Dort fängt der Balkan an|Balkan]] und die Türkei bis nach Persien.  „Danach wollte ich sehen, was sich weiter ergab. Was jedoch kam, war der Krieg. Wie so viele Menschen konnten wir nicht begreifen, daß der Krieg da war; was man nie erlebt hat, kommt einem irgendwie nicht recht möglich vor.“ ((Rosenthal, Einmal Legionär, 18)) Er wollte nicht ins faschistische Deutschland zurück, in England und Frankreich war er [[wiki:auslaender|Ausländer]]. So beschloß er kurzerhand, sich der Fremdenlegion anzuschließen. Doch die bot nicht das, was er sich vorgestellt hatte: Anstatt gegen das NS-Regime kämpfen zu dürfen, muß er in der Sahara Sand schaufeln.\\ 
  
-1940 erklärte Frankreich den Waffenstillstand. Damit fehlte ihm dann auch die letzte Perspektive.// „Ich hatte nie ein Abenteuer in der Legion, bis ich versuchte, von ihr wegzukommen; aus dem einfachen Grunde, daß es kein Abenteuer ist, mehr Arbeit unter häßlicheren Bedingungen und mit weniger Lohn und weniger Anerkennung zu leisten als die meisten Arbeiter der Welt. Auch kann selbst das Kämpfen kein Abenteuer sein, wenn es zur Dauerbeschäftigung wird. Abenteuer bedeutet, aus der Routine rauszukommen, und nicht, sich in einer zu befinden, die besonders gräßlich ist.“// ((Rosenthal, Einmal Legionär, 65))  Dreimal versuchte er aus der Legion zu fliehen, erst der letzte Versuch gelang. Er hatte sich Geld gespart, einen gefälschten Urlaubsschein ausstellen, gute Zivilkleidung schneidern lassen und läßt sich am Tag seiner Flucht rasieren und maniküren - sein Plan beruhte darauf, nicht wie ein Legionär auszusehen. Über Fes, Meknes und Rabat gelangte er nach Casablanca und da jedes Hotel Ausweise verlangte, nahm er erst spät abends Quartier, trug einen falsche Namen ein und wechselte das Hotel früh am nächsten Morgen, da erst dann die Papiere zur Polizei gebracht wurden. Tagelang suchte er Möglichkeiten, außer Landes zu gelangen: Doch weder im Prostituierten-Milieu noch bei der amerikanischen Botschaft noch im Hafen bot sich eine Chance. Der amerikanische Konsul schlug ihm ernsthaft vor, nach Britisch-Gambia mit dem Fahrrad zu fahren. Dann lernte er einen entlassenen Legionär kennen und erschwindelte sich mit dessen Entlassungsschein bei der Polizei einen neuen Personalausweis auf den baskischen Namen ''Thomas Bartolomeo Echevarria''. Die neue Identität hielt künftig allen Überprüfungen stand, nur das Land verlassen konnte er auch damit nicht. Bei einem solchen Versuch wurde er verhaftet, kam zunächst ins Gefängnis, dann ins Lager, wurde aber nicht als entlaufener Legionär erkannt. Erst im September 1942 gelang es ihm mit Hilfe von Freunden und Beziehungen, in einem kleinen Fischkutter Marokko zu verlassen und nach Gibraltar überzusetzen.+1940 erklärte Frankreich den Waffenstillstand. Damit fehlte ihm dann auch die letzte Perspektive.//„Ich hatte nie ein Abenteuer in der Legion, bis ich versuchte, von ihr wegzukommen; aus dem einfachen Grunde, daß es kein Abenteuer ist, mehr Arbeit unter häßlicheren Bedingungen und mit weniger Lohn und weniger Anerkennung zu leisten als die meisten Arbeiter der Welt. Auch kann selbst das Kämpfen kein Abenteuer sein, wenn es zur Dauerbeschäftigung wird. Abenteuer bedeutet, aus der Routine rauszukommen, und nicht, sich in einer zu befinden, die besonders gräßlich ist.“// ((Rosenthal, Einmal Legionär, 65))  Dreimal versuchte er aus der Legion zu fliehen, erst der letzte Versuch gelang. Er hatte sich Geld gespart, einen gefälschten Urlaubsschein ausstellen, gute Zivilkleidung schneidern lassen und läßt sich am Tag seiner Flucht rasieren und maniküren - sein Plan beruhte darauf, nicht wie ein Legionär auszusehen. Über Fes, Meknes und Rabat gelangte er nach Casablanca und da jedes Hotel Ausweise verlangte, nahm er erst spät abends Quartier, trug einen falsche Namen ein und wechselte das Hotel früh am nächsten Morgen, da erst dann die Papiere zur Polizei gebracht wurden. Tagelang suchte er Möglichkeiten, außer Landes zu gelangen: Doch weder im Prostituierten-Milieu noch bei der amerikanischen Botschaft noch im Hafen bot sich eine Chance. Der amerikanische Konsul schlug ihm ernsthaft vor, nach Britisch-Gambia mit dem Fahrrad zu fahren. Dann lernte er einen entlassenen Legionär kennen und erschwindelte sich mit dessen Entlassungsschein bei der Polizei einen neuen Personalausweis auf den baskischen Namen ''Thomas Bartolomeo Echevarria''. Die neue Identität hielt künftig allen Überprüfungen stand, nur das Land verlassen konnte er auch damit nicht. Bei einem solchen Versuch wurde er verhaftet, kam zunächst ins Gefängnis, dann ins Lager, wurde aber nicht als entlaufener Legionär erkannt. Erst im September 1942 gelang es ihm mit Hilfe von Freunden und Beziehungen, in einem kleinen Fischkutter Marokko zu verlassen und nach Gibraltar überzusetzen.
  
 ==== 3.3 Mitten im Putsch ==== ==== 3.3 Mitten im Putsch ====
Zeile 238: Zeile 238:
 ==== I am sailin' ... ====  ==== I am sailin' ... ==== 
  
-Afrika lockt ihn. In Brindisi, wo er eigentlich auf den Dampfer nach Griechenland wartet, kauft er spontan die //„Santa Barbara“,// ein sechs Meter langes Fischerboot ((Meiss-Teuffen, Ziel im Wind, 29)). Damit fährt er, zum Entsetzen der italienischen Fischer, über Korfu und Korinth, zunächst nach Athen und trifft dort einen //„jungen Burschen im typischen Kostüm des deutschen Wandervogels - offenes Hemd, kurze Kordhose und Sandalen an den nackten Füßen ... Karl erschien wie verabredet am Samstagnachmittag mit [[wiki:rucksack|Rucksack]] und daran anhängendem Kochgeschirr. Ein echter Wandervogel!“.// ((Meiss-Teuffen, Ziel im Wind, 41, 43)) In Syros verkaufte er die „Santa Barbara“ und beteiligt sich mit dem Erlös fünzigprozentig an der „Austria“, einem sloopgetakelten Siebentonnenboot. Mit an Bord sind // „Ein schmächtiger Bursche mit einem Menjoubärtchen, das mich sogleich gegen ihn einnahm“,//  ein Österreicher namens ''Pirkhahn'',  „der zweite namens ''Antezzi'', war schon ein älterer Jahrgang. ... Der dritte war ein erst achtzehnjähriger Schuljunge... Tiroler und wurde Hem genannt.“ ((Meiss-Teuffen, Ziel im Wind, 48)) Ein wenig Geld verdient er sich mit dem Schreiben von illustrierten Artikeln für Schweizer Zeitungen. ((Meiss-Teuffen, Ziel im Wind, 92)) In Beirut trennt er sich von den Österreichern, die „Austria“ wird verkauft, er erhält 150 Pfund und kauft sich für 85 Pfund ein kleineres Boot.+Afrika lockt ihn. In Brindisi, wo er eigentlich auf den Dampfer nach Griechenland wartet, kauft er spontan die //„Santa Barbara“,// ein sechs Meter langes Fischerboot ((Meiss-Teuffen, Ziel im Wind, 29)). Damit fährt er, zum Entsetzen der italienischen Fischer, über Korfu und Korinth, zunächst nach Athen und trifft dort einen //„jungen Burschen im typischen Kostüm des deutschen Wandervogels - offenes Hemd, kurze Kordhose und Sandalen an den nackten Füßen ... Karl erschien wie verabredet am Samstagnachmittag mit [[wiki:rucksack|Rucksack]] und daran anhängendem Kochgeschirr. Ein echter Wandervogel!“.// ((Meiss-Teuffen, Ziel im Wind, 41, 43)) In Syros verkaufte er die „Santa Barbara“ und beteiligt sich mit dem Erlös fünzigprozentig an der „Austria“, einem sloopgetakelten Siebentonnenboot. Mit an Bord sind //„Ein schmächtiger Bursche mit einem Menjoubärtchen, das mich sogleich gegen ihn einnahm“,//  ein Österreicher namens ''Pirkhahn'',  „der zweite namens ''Antezzi'', war schon ein älterer Jahrgang. ... Der dritte war ein erst achtzehnjähriger Schuljunge... Tiroler und wurde Hem genannt.“ ((Meiss-Teuffen, Ziel im Wind, 48)) Ein wenig Geld verdient er sich mit dem Schreiben von illustrierten Artikeln für Schweizer Zeitungen. ((Meiss-Teuffen, Ziel im Wind, 92)) In Beirut trennt er sich von den Österreichern, die „Austria“ wird verkauft, er erhält 150 Pfund und kauft sich für 85 Pfund ein kleineres Boot.
  
 ==== Illegal in Palästina ==== ==== Illegal in Palästina ====
  
-Am 19. Oktober 1935 betritt er illegal Palästina, gibt sich als Jude aus und arbeitet dort einen Winter lang. Im nächsten Jahr fährt er über Port Said und durch den Suez-Kanal nach Port Sudan. Dort verkauft er sein Schiff für 175 Pfund (wieder einmal ein gutes Geschäft) ((Meiss-Teuffen, Ziel im Wind, 158)), da es ihm für das Rote Meer als zu leicht gebaut erscheint. Auf einer arabischen Dhau fährt er die alte Handelsroute über die südarabischen Länder nach Karachi und Bombay. In Bombay kauft er sich die „Ibis“, eine Fünftonnen-Ketsch ((Eine Ketsch ist ein Segelboot mit zwei Masten.)) mit Hilfsmotor und fährt auf die Seychellen, wo er sich als Perlentaucher versucht. Das Ergebnis deckt gerade die Kosten, und er fährt weiter nach Madagaskar. Im Hafen sinkt ihm das Schiff. Das nimmt er als Zeichen, Afrika auf dem Landweg kennenzulernen und macht sich auf den Weg in die Kupferminen von Rhodesien. Es folgten fünf schwere Monate als Verwalter der Gemüsefarm Tambowa ohne Verdienst unter der Fuchtel einer // „ewig nörgelnden, unzufriedenen, bissigen, keifenden Frauensperson“//.((Meiss-Teuffen, Ziel im Wind, 183)) Dann wird er Lastkraftwagenfahrer, Aufseher auf einer Orangenfarm, Leiter eines Straßenbaus und arbeitet in der Kupfermine als Sprengmeister. Aus der Idee, genügend Geld für eine eigene Farm zu verdienen, entwickelt sich ein gutgehendes Hotel, nebenbei florieren die Orangenplantage, der Heilkräuter- und Obstgarten, 35 Gebäude werden mit der Zeit errichtet. Da ihn das noch nicht auslastet, beginnt er zunächst Lehrfilme, dann Filme über die Kultur und das Leben der Schwarzen zu drehen.+Am 19. Oktober 1935 betritt er illegal Palästina, gibt sich als Jude aus und arbeitet dort einen Winter lang. Im nächsten Jahr fährt er über Port Said und durch den Suez-Kanal nach Port Sudan. Dort verkauft er sein Schiff für 175 Pfund (wieder einmal ein gutes Geschäft) ((Meiss-Teuffen, Ziel im Wind, 158)), da es ihm für das Rote Meer als zu leicht gebaut erscheint. Auf einer arabischen Dhau fährt er die alte Handelsroute über die südarabischen Länder nach Karachi und Bombay. In Bombay kauft er sich die „Ibis“, eine Fünftonnen-Ketsch ((Eine Ketsch ist ein Segelboot mit zwei Masten.)) mit Hilfsmotor und fährt auf die Seychellen, wo er sich als Perlentaucher versucht. Das Ergebnis deckt gerade die Kosten, und er fährt weiter nach Madagaskar. Im Hafen sinkt ihm das Schiff. Das nimmt er als Zeichen, Afrika auf dem Landweg kennenzulernen und macht sich auf den Weg in die Kupferminen von Rhodesien. Es folgten fünf schwere Monate als Verwalter der Gemüsefarm Tambowa ohne Verdienst unter der Fuchtel einer //„ewig nörgelnden, unzufriedenen, bissigen, keifenden Frauensperson“//.((Meiss-Teuffen, Ziel im Wind, 183)) Dann wird er Lastkraftwagenfahrer, Aufseher auf einer Orangenfarm, Leiter eines Straßenbaus und arbeitet in der Kupfermine als Sprengmeister. Aus der Idee, genügend Geld für eine eigene Farm zu verdienen, entwickelt sich ein gutgehendes Hotel, nebenbei florieren die Orangenplantage, der Heilkräuter- und Obstgarten, 35 Gebäude werden mit der Zeit errichtet. Da ihn das noch nicht auslastet, beginnt er zunächst Lehrfilme, dann Filme über die Kultur und das Leben der Schwarzen zu drehen.
  
 ==== Kriegsdienst in Helvetia ==== ==== Kriegsdienst in Helvetia ====
Zeile 256: Zeile 256:
 ==== Alles im Lot auf'm Boot ==== ==== Alles im Lot auf'm Boot ====
  
-Er kaufte sich im Juli 1945 ein Schiff, die// „Speranza“,// und verließ Ende August England über die Themse, als erster privater Schiffsführer nach dem Krieg, dabei Spezialkarten der //Royal Navy// benutzend, die die noch existierenden Minenfelder enthielten. Er hatte versprechen müssen, die Karten nach Passieren der Minenfelder sofort zu vernichten. In Lissabon überwinterte er an Bord seines Schiffes:  //„Am Nachmittag kamen meist Bekannte, die ihren Bekannten das Schiff zeigen wollten, und abends mußte im neu angeschafften Smoking zu einer der vielen Einladungen gegangen werden, wo alte Bestellungen [für bedruckte Tücher] abgeliefert und neue Aufträge angenommen wurden. Gesellschaftliches Leben war für mich zur Notwendigkeit geworden. ... Nach den schweren Winterregen ... drehte ich ... einen Dokumentarfilm über Kork. Mehr als eine Woche verbrachte ich in den ausgedehnten Korkwäldern im Süden Portugals.“// ((Meiss-Teuffen, Ziel im Wind, 331)) Zwei weitere Filme haben den Stierkampf und einen „[[wiki:spaziergang|Spaziergang]] durch Lissabon“ zum Thema.\\ +Er kaufte sich im Juli 1945 ein Schiff, die//„Speranza“,// und verließ Ende August England über die Themse, als erster privater Schiffsführer nach dem Krieg, dabei Spezialkarten der //Royal Navy// benutzend, die die noch existierenden Minenfelder enthielten. Er hatte versprechen müssen, die Karten nach Passieren der Minenfelder sofort zu vernichten. In Lissabon überwinterte er an Bord seines Schiffes:  //„Am Nachmittag kamen meist Bekannte, die ihren Bekannten das Schiff zeigen wollten, und abends mußte im neu angeschafften Smoking zu einer der vielen Einladungen gegangen werden, wo alte Bestellungen [für bedruckte Tücher] abgeliefert und neue Aufträge angenommen wurden. Gesellschaftliches Leben war für mich zur Notwendigkeit geworden. ... Nach den schweren Winterregen ... drehte ich ... einen Dokumentarfilm über Kork. Mehr als eine Woche verbrachte ich in den ausgedehnten Korkwäldern im Süden Portugals.“// ((Meiss-Teuffen, Ziel im Wind, 331)) Zwei weitere Filme haben den Stierkampf und einen „[[wiki:spaziergang|Spaziergang]] durch Lissabon“ zum Thema.\\ 
 Am 11. März 1946 segelte er schließlich weiter. Drei Wochen blieb er in Tanger, ebenso lange in Gibraltar, und hielt dort Vorträge über Einhandsegeln vor den englischen Offizieren und Kadetten. Den vorläufigen Abschluß seiner zwölfjährigen Vagabundenzeit auf dem Meer bildete die Überquerung des Atlantiks in der Rekordzeit von 58 Tagen über Neufundland und Neuschottland. Es schlossen sich drei Jahre in Amerika an und im April 1949 finden wir ihn in Alaska überwinternd und dieses Buch schreibend. Drei Vortragsreisen durch die USA und Deutschland folgten 1949/50. Am 11. März 1946 segelte er schließlich weiter. Drei Wochen blieb er in Tanger, ebenso lange in Gibraltar, und hielt dort Vorträge über Einhandsegeln vor den englischen Offizieren und Kadetten. Den vorläufigen Abschluß seiner zwölfjährigen Vagabundenzeit auf dem Meer bildete die Überquerung des Atlantiks in der Rekordzeit von 58 Tagen über Neufundland und Neuschottland. Es schlossen sich drei Jahre in Amerika an und im April 1949 finden wir ihn in Alaska überwinternd und dieses Buch schreibend. Drei Vortragsreisen durch die USA und Deutschland folgten 1949/50.
  
Zeile 266: Zeile 266:
  
 ''Gunther Plüschow'' war Offizier und bei Kriegsanfang als (einziger) Marineflieger in der damals deutschen Kolonie Tsingtau in China eingesetzt. Das Ultimatum der Japaner vom 15.8.1914 ging den Kampfhandlungen voraus. Kurz vor dem Fall der Stadt hatte Plüschow den Auftrag, das Flugzeug in Sicherheit zu bringen und sich selbst abzusetzen. Er flog, so weit er kam, und landete am 6.11.1914 auf einem Acker in der Nähe der chinesischen Stadt Hai-Dschou, ließ den Motor bei den Behörden in Sicherheit bringen und entging, obwohl auf neutralem Gebiet, selbst nur durch Flucht einer Internierung in Nanking. Damit begann sein Leben als Reisender, der sich irgendwie nach Deutschland durchzuschlagen versuchte. Freunde halfen ihm, sich als Nähmaschinenfabrikant ''McGarvin'' in Schanghai nach Amerika einzuschiffen. Bei den Kontrollen in fünf angelaufenen japanischen Häfen halfen ihm der Schiffsarzt, eine vorgetäuschte Krankheit und die luxuriöse Erste-Klasse-Umgebung - die Papiere wurden nicht kontrolliert. In Honolulu und San Francisco stürzten sich die Reporter auf ihn, seine Flucht und seine Fliegereinsätze hatten sich bereits herumgesprochen. Aber trotz ihrer Neutralität im Krieg hatten Presse und Öffentlichkeit Partei ergriffen gegen Deutschland, Plüschow bekam das zu spüren.\\  ''Gunther Plüschow'' war Offizier und bei Kriegsanfang als (einziger) Marineflieger in der damals deutschen Kolonie Tsingtau in China eingesetzt. Das Ultimatum der Japaner vom 15.8.1914 ging den Kampfhandlungen voraus. Kurz vor dem Fall der Stadt hatte Plüschow den Auftrag, das Flugzeug in Sicherheit zu bringen und sich selbst abzusetzen. Er flog, so weit er kam, und landete am 6.11.1914 auf einem Acker in der Nähe der chinesischen Stadt Hai-Dschou, ließ den Motor bei den Behörden in Sicherheit bringen und entging, obwohl auf neutralem Gebiet, selbst nur durch Flucht einer Internierung in Nanking. Damit begann sein Leben als Reisender, der sich irgendwie nach Deutschland durchzuschlagen versuchte. Freunde halfen ihm, sich als Nähmaschinenfabrikant ''McGarvin'' in Schanghai nach Amerika einzuschiffen. Bei den Kontrollen in fünf angelaufenen japanischen Häfen halfen ihm der Schiffsarzt, eine vorgetäuschte Krankheit und die luxuriöse Erste-Klasse-Umgebung - die Papiere wurden nicht kontrolliert. In Honolulu und San Francisco stürzten sich die Reporter auf ihn, seine Flucht und seine Fliegereinsätze hatten sich bereits herumgesprochen. Aber trotz ihrer Neutralität im Krieg hatten Presse und Öffentlichkeit Partei ergriffen gegen Deutschland, Plüschow bekam das zu spüren.\\ 
-Schwierig war es, einen Platz auf einem Schiff nach Europa zu bekommen. Das gelang ihm erst mit einem gefälschten Paß, der ihn als Schweizer ausgab, und ihm die [[wiki:passage|Passage]] auf einem italienischen Schiff ermöglichte. Bei der Durchfahrt durch die Meerenge von Gibraltar wurden sie von Engländern kontrolliert:  //„Der englische Offizier ließ sich auf nichts mehr ein, er sagte bloß, es seien bereits so viel Schweizer durch Gibraltar durchgefahren, so viele gäbe es in der ganzen Welt nicht.“// ((Plüschow, Die Abenteuer des Fliegers ..., 112)) \\ +Schwierig war es, einen Platz auf einem Schiff nach Europa zu bekommen. Das gelang ihm erst mit einem gefälschten Paß, der ihn als Schweizer ausgab, und ihm die [[wiki:passage|Passage]] auf einem italienischen Schiff ermöglichte. Bei der Durchfahrt durch die Meerenge von Gibraltar wurden sie von Engländern kontrolliert:  //„Der englische Offizier ließ sich auf nichts mehr ein, er sagte bloß, es seien bereits so viel Schweizer durch Gibraltar durchgefahren, so viele gäbe es in der ganzen Welt nicht.“// ((Plüschow, Die Abenteuer des Fliegers ..., 112))\\ 
  
 Fünf „Schweizer“, darunter auch Plüschow, wurden verhaftet und interniert, nachdem sie nicht in der Lage waren, mit einem echten Schweizer Schwyzerdütsch zu reden. Wenig später wurden alle Lagerinsassen nach England überführt. Während die Behandlung in den Überführungslagern sehr schlecht war, besserten sich die Umstände erheblich, nachdem Plüschow in das Offizierslager von Dorchester kam: freie Bewegung innerhalb aller Gebäude und des Geländes, Sportmöglichkeiten, eigene Wäscherei und Schneider; ein Streichquartett und ein Gesangverein wurden gegründet. Die Gefangenen erhielten ein Gehalt von einhundertzwanzig Mark monatlich, abzüglich sechzig Mark für Verpflegung. Die Post von Deutschland funktionierte tadellos, außerdem konnte man sich Geld und Pakete schicken lassen. Allerdings durfte man nur begrenzt nach Deutschland schreiben.\\  Fünf „Schweizer“, darunter auch Plüschow, wurden verhaftet und interniert, nachdem sie nicht in der Lage waren, mit einem echten Schweizer Schwyzerdütsch zu reden. Wenig später wurden alle Lagerinsassen nach England überführt. Während die Behandlung in den Überführungslagern sehr schlecht war, besserten sich die Umstände erheblich, nachdem Plüschow in das Offizierslager von Dorchester kam: freie Bewegung innerhalb aller Gebäude und des Geländes, Sportmöglichkeiten, eigene Wäscherei und Schneider; ein Streichquartett und ein Gesangverein wurden gegründet. Die Gefangenen erhielten ein Gehalt von einhundertzwanzig Mark monatlich, abzüglich sechzig Mark für Verpflegung. Die Post von Deutschland funktionierte tadellos, außerdem konnte man sich Geld und Pakete schicken lassen. Allerdings durfte man nur begrenzt nach Deutschland schreiben.\\ 
Zeile 295: Zeile 295:
 === Von New York nach Norwegen === === Von New York nach Norwegen ===
  
-Wieder einmal war ein neuer Paß nötig: Wenn er sich als Franzose ausgeben würde, holten ihn die Engländer vom Schiff und schickten ihn nach Frankreich, damit er seine Militärpflicht erfüllte. Und als Schweizer? // „Aber gerade als Schweizer Staatsangehöriger hatte man bei den Engländern mit einer besonders scharfen Kontrolle zu rechnen, da sich alle diejenigen, die eine fremde Sprache nicht fließend beherrschten, notgedrungen die Schweizer Staatsangehörigkeit zulegen mußten. ... Da kam mir ein erleuchtender Gedanke: ich stamme einfach aus der französischen Schweiz und spreche gar nicht Deutsch.“// ((Killinger, Flucht um die Erde, 185))\\ +Wieder einmal war ein neuer Paß nötig: Wenn er sich als Franzose ausgeben würde, holten ihn die Engländer vom Schiff und schickten ihn nach Frankreich, damit er seine Militärpflicht erfüllte. Und als Schweizer? //„Aber gerade als Schweizer Staatsangehöriger hatte man bei den Engländern mit einer besonders scharfen Kontrolle zu rechnen, da sich alle diejenigen, die eine fremde Sprache nicht fließend beherrschten, notgedrungen die Schweizer Staatsangehörigkeit zulegen mußten. ... Da kam mir ein erleuchtender Gedanke: ich stamme einfach aus der französischen Schweiz und spreche gar nicht Deutsch.“// ((Killinger, Flucht um die Erde, 185))\\ 
 Die französische Schweiz kannte Killinger gut aus seiner Schulzeit und war dort bei dem Geistlichen ''Pasteur Epars'' in Pension gewesen - diesen gab er nun als Vater an. Seine Lebensgeschichte plante er detailliert. Anhand einiger Nachschlagewerke und Baedeker konnte er Straßennamen und Hausnummern angeben, die stimmten. In diesem Lebenslauf war er mit sechzehn Jahren als Taugenichts durchgebrannt und zur See gefahren:  //„Aus alten Schiffsregistern wurden jetzt ein paar kleinere unbekanntere Handelsdampfer herausgesucht und Jeans Seefahrtszeit rekonstruiert. Das war gar nicht so einfach, denn vom Jahr 1906-1912 mußte der Verbleib meines Jean lückenlos nachgewiesen werden. Die Namen der verschiedenen Schiffe, auf denen ich Dienst haben wollte, die Reiserouten, Kapitäne, Größe und Aussehen der Dampfer, womöglich Ladung, die wir an Bord hatten, Hafenplätze, wo wir anlegten, alles mußte den Tatsachen entsprechen....“//. ((Killinger, Flucht um die Erde, 186))\\  Die französische Schweiz kannte Killinger gut aus seiner Schulzeit und war dort bei dem Geistlichen ''Pasteur Epars'' in Pension gewesen - diesen gab er nun als Vater an. Seine Lebensgeschichte plante er detailliert. Anhand einiger Nachschlagewerke und Baedeker konnte er Straßennamen und Hausnummern angeben, die stimmten. In diesem Lebenslauf war er mit sechzehn Jahren als Taugenichts durchgebrannt und zur See gefahren:  //„Aus alten Schiffsregistern wurden jetzt ein paar kleinere unbekanntere Handelsdampfer herausgesucht und Jeans Seefahrtszeit rekonstruiert. Das war gar nicht so einfach, denn vom Jahr 1906-1912 mußte der Verbleib meines Jean lückenlos nachgewiesen werden. Die Namen der verschiedenen Schiffe, auf denen ich Dienst haben wollte, die Reiserouten, Kapitäne, Größe und Aussehen der Dampfer, womöglich Ladung, die wir an Bord hatten, Hafenplätze, wo wir anlegten, alles mußte den Tatsachen entsprechen....“//. ((Killinger, Flucht um die Erde, 186))\\ 
  
-Abends läßt er sich von Freunden ins Kreuzverhör nehmen, bis er alle Angaben widerspruchsfrei beherrscht. Auch sein Äußeres trimmt er auf Matrose: // „... ich brachte mir an mehreren Stellen der Finger kleine Verletzungen bei und hielt dann die Hände in Petroleum, in dem vorher rostige Eisenstücke gelegen hatten. Die Finger schwollen natürlich sofort an, und der Rost setzte sich in den Ritzen der Haut fest. Dies Verfahren wirkte vorzüglich. Nach wenigen Tagen schon hatte ich eine richtige Seemannsfaust. ... Auch mein Gebiß paßte schlecht zu einem Matrosen. Früher hatte ich einmal durch einen Sturz mit meinem Flugzeug einen Vorderzahn eingebüßt, der mir durch einen goldgefaßten Stiftzahn ersetzt worden war. Der mußte natürlich entfernt werden. Kurzerhand schlug ich ihn mir aus. Die Zahnlücke machte sich recht gut ... Verschiedene Backenzähne waren mit Goldkronen überkapselt, die mehr nach vorn gelegenen konnte man beim Sprechen leicht sehen; ich riß die goldenen Kronen ab. Die weiter rückwärts liegenden schmierte ich mit Teer ein. ... Haare und Augenbrauen wurden tüchtig mit Fett eingerieben, das zuvor mit Kohlenstaub gemischt war.“//[95]  Killinger trug nur amerikanische Kleidungsstücke. Das Foto einer älteren Frau wurde sachgemäß zerknittert und beschmutzt und stellte seine Mutter dar.\\ +Abends läßt er sich von Freunden ins Kreuzverhör nehmen, bis er alle Angaben widerspruchsfrei beherrscht. Auch sein Äußeres trimmt er auf Matrose: //„... ich brachte mir an mehreren Stellen der Finger kleine Verletzungen bei und hielt dann die Hände in Petroleum, in dem vorher rostige Eisenstücke gelegen hatten. Die Finger schwollen natürlich sofort an, und der Rost setzte sich in den Ritzen der Haut fest. Dies Verfahren wirkte vorzüglich. Nach wenigen Tagen schon hatte ich eine richtige Seemannsfaust. ... Auch mein Gebiß paßte schlecht zu einem Matrosen. Früher hatte ich einmal durch einen Sturz mit meinem Flugzeug einen Vorderzahn eingebüßt, der mir durch einen goldgefaßten Stiftzahn ersetzt worden war. Der mußte natürlich entfernt werden. Kurzerhand schlug ich ihn mir aus. Die Zahnlücke machte sich recht gut ... Verschiedene Backenzähne waren mit Goldkronen überkapselt, die mehr nach vorn gelegenen konnte man beim Sprechen leicht sehen; ich riß die goldenen Kronen ab. Die weiter rückwärts liegenden schmierte ich mit Teer ein. ... Haare und Augenbrauen wurden tüchtig mit Fett eingerieben, das zuvor mit Kohlenstaub gemischt war.“//[95]  Killinger trug nur amerikanische Kleidungsstücke. Das Foto einer älteren Frau wurde sachgemäß zerknittert und beschmutzt und stellte seine Mutter dar.\\ 
  
 Auf dem norwegischen Dampfer //Storfjeld// heuerte er an, indem er abends zuvor einen Matrosen so vollaufen ließ, daß der am nächsten Morgen nicht erwachte, während Killinger „zufällig“ zur Stelle war und sich vom Kapitän nach langem Feilschen überreden ließ, mitzufahren. Es folgten vier Wochen harte Arbeit, schwerer Seegang und eine mehr als schmutzige Umgebung. Vor Erreichen der englischen Küste wurden sie von englischen Schiffen in den Hafen von Kirkwall begleitet. Dort begann die Untersuchung, vor der er sich bereits die ganze Zeit fürchtete: Die Koje wird genau untersucht und alles, was sich darin befindet; die Papiere wurden mit der Lupe studiert; im Kreuzverhör wurde der Lebenslauf überprüft. Als er das Verhör hinter sich hatte und gerade den Raum verließ, rief ihm jemand - auf Deutsch - hinterher: „Halt, Sie haben etwas vergessen.“ Ein beliebter Trick, auf den er aber nicht hereinfiel. In der nächsten Nacht wird er unsanft geweckt, doch Killinger reagierte nur mit den Worten //„Damned! Stop it!“// Viele verfallen aufwachend in ihre Muttersprache.\\  Auf dem norwegischen Dampfer //Storfjeld// heuerte er an, indem er abends zuvor einen Matrosen so vollaufen ließ, daß der am nächsten Morgen nicht erwachte, während Killinger „zufällig“ zur Stelle war und sich vom Kapitän nach langem Feilschen überreden ließ, mitzufahren. Es folgten vier Wochen harte Arbeit, schwerer Seegang und eine mehr als schmutzige Umgebung. Vor Erreichen der englischen Küste wurden sie von englischen Schiffen in den Hafen von Kirkwall begleitet. Dort begann die Untersuchung, vor der er sich bereits die ganze Zeit fürchtete: Die Koje wird genau untersucht und alles, was sich darin befindet; die Papiere wurden mit der Lupe studiert; im Kreuzverhör wurde der Lebenslauf überprüft. Als er das Verhör hinter sich hatte und gerade den Raum verließ, rief ihm jemand - auf Deutsch - hinterher: „Halt, Sie haben etwas vergessen.“ Ein beliebter Trick, auf den er aber nicht hereinfiel. In der nächsten Nacht wird er unsanft geweckt, doch Killinger reagierte nur mit den Worten //„Damned! Stop it!“// Viele verfallen aufwachend in ihre Muttersprache.\\ 
Zeile 306: Zeile 306:
 ==== Selbstbestimmung und Objekt ==== ==== Selbstbestimmung und Objekt ====
  
-Zweimal im [[wiki:reisegenerationen#20. Jahrhundert|20. Jahrhundert]] unterbrachen Kriege weltweit die Kontinuität des Gewohnten, einmal vier, dann noch einmal sechs Jahre lang, gefolgt von Jahren nur langsamer Normalisierung im Schatten der Kriege. Reisende bewegen sich immer außerhalb der Normalität und des Alltags, doch in den Zeiten der Not und des Krieges, finden sie sich in außergewöhnlichem Maße staatlichen Zwängen und menschlicher Willkür ausgesetzt. Extremsituationen werden zur alltäglichen Routine, zum permanenten Existenzkampf.+Zweimal im [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#20. Jahrhundert|20. Jahrhundert]] unterbrachen Kriege weltweit die Kontinuität des Gewohnten, einmal vier, dann noch einmal sechs Jahre lang, gefolgt von Jahren nur langsamer Normalisierung im Schatten der Kriege. Reisende bewegen sich immer außerhalb der Normalität und des Alltags, doch in den Zeiten der Not und des Krieges, finden sie sich in außergewöhnlichem Maße staatlichen Zwängen und menschlicher Willkür ausgesetzt. Extremsituationen werden zur alltäglichen Routine, zum permanenten Existenzkampf.
  
 //"Join the army, see the world, meet another people and kill them"// - dieser satirisch verfremdete Werbespruch für die US-Army aus der Zeit des Vietnamkrieges deutet Ähnlichkeiten zwischen Soldaten und Reisenden an. Beide sind unterwegs in der Welt, treffen Menschen und sehen die Welt. Survivaltechniken und Ausrüstung entstammen oft militärischer Forschung und Entwicklung. Auch Rudyard Kipling sieht solche Ähnlichkeiten (siehe oben). //"Join the army, see the world, meet another people and kill them"// - dieser satirisch verfremdete Werbespruch für die US-Army aus der Zeit des Vietnamkrieges deutet Ähnlichkeiten zwischen Soldaten und Reisenden an. Beide sind unterwegs in der Welt, treffen Menschen und sehen die Welt. Survivaltechniken und Ausrüstung entstammen oft militärischer Forschung und Entwicklung. Auch Rudyard Kipling sieht solche Ähnlichkeiten (siehe oben).
Zeile 314: Zeile 314:
 Reisende werden in Kriegszeiten wie Soldaten, Gefangene, Spione behandelt (Aram, Harrer, Sattler). Reisende sind in Kriegszeiten nun einmal häufig nicht mehr selbstbestimmt, Zwänge bestimmen ihr Dasein, Unterordnung ihr Verhalten. Sie sind Befehlen unterworfen, ihre [[wiki:grundfreiheiten|Handlungsfreiheit]] ist marginalisiert, die Reise nicht mehr abbrechbar, wenngleich meist beendet. Reisende werden in Kriegszeiten wie Soldaten, Gefangene, Spione behandelt (Aram, Harrer, Sattler). Reisende sind in Kriegszeiten nun einmal häufig nicht mehr selbstbestimmt, Zwänge bestimmen ihr Dasein, Unterordnung ihr Verhalten. Sie sind Befehlen unterworfen, ihre [[wiki:grundfreiheiten|Handlungsfreiheit]] ist marginalisiert, die Reise nicht mehr abbrechbar, wenngleich meist beendet.
  
-Ein Flüchtiger wandelt auf der Grenze zwischen beiden Extremen. Have bemerkt das bereits auf der Flucht: // „Erst jahrelang als Gefangener reines Objekt, das alles mit sich geschehen läßt, dann plötzlich, das Geschick an sich reißend, selbstbestimmter, eigenmächtiger Akteur! Aber welch labiles Gleichgewicht zwischen eigenem Handeln und den sich darbietenden, entgegenkommenden Situationen!“// ((Magener, Die Chance war Null, 51))+Ein Flüchtiger wandelt auf der Grenze zwischen beiden Extremen. Have bemerkt das bereits auf der Flucht: //„Erst jahrelang als Gefangener reines Objekt, das alles mit sich geschehen läßt, dann plötzlich, das Geschick an sich reißend, selbstbestimmter, eigenmächtiger Akteur! Aber welch labiles Gleichgewicht zwischen eigenem Handeln und den sich darbietenden, entgegenkommenden Situationen!“// ((Magener, Die Chance war Null, 51))
  
 Andererseits wurden hin und wieder aus Soldaten Reisende, die auf sich allein gestellt eigene Entscheidungen treffen mußten. Gunther Plüschow und Erich Killinger sind nach ihrer Flucht fast ein Jahr unterwegs, Werner-Otto von Hentig reist freiwillig in geheimer Mission. Dabei kann der Eindruck des Reisens so stark sein, daß aus zwangsweise Reisenden später freiwillig Reisende wurden: Plüschow nahm seinen Abschied und war bis 1931 immer wieder auf langen Reisen, ebenso Colin Ross, der im Ersten Weltkrieg als Kriegsberichterstatter tätig war. Andererseits wurden hin und wieder aus Soldaten Reisende, die auf sich allein gestellt eigene Entscheidungen treffen mußten. Gunther Plüschow und Erich Killinger sind nach ihrer Flucht fast ein Jahr unterwegs, Werner-Otto von Hentig reist freiwillig in geheimer Mission. Dabei kann der Eindruck des Reisens so stark sein, daß aus zwangsweise Reisenden später freiwillig Reisende wurden: Plüschow nahm seinen Abschied und war bis 1931 immer wieder auf langen Reisen, ebenso Colin Ross, der im Ersten Weltkrieg als Kriegsberichterstatter tätig war.
Zeile 324: Zeile 324:
 Wer sich derart unvermittelt in Feindesland wiederfand konnte mit etwas Glück, Papieren, Geld und schneller Entschlußkraft noch in neutrale Länder ausreisen. Walter-Eberhard Freiherr von Medem hat soviel Glück, als er kurz vor der Kriegserklärung Englands noch an Bord eines deutschen Dampfers kommt. John Hagenbeck empört sich über seine Ausweisung aus Ceylon, wo er schon viele Jahre lebte, doch die zurückgebliebenen Deutschen wurden entgegen aller Zusagen interniert. Nur selten gelang es Reisenden, im jeweiligen Aufenthaltsland zu bleiben und normal zu leben: Hans Helfritz war zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in Südamerika, blieb dort zwanzig Jahre und nahm die chilenische Staatsangehörigkeit an. Solches gelang am ehesten in südamerikanischen Ländern. Wer sich derart unvermittelt in Feindesland wiederfand konnte mit etwas Glück, Papieren, Geld und schneller Entschlußkraft noch in neutrale Länder ausreisen. Walter-Eberhard Freiherr von Medem hat soviel Glück, als er kurz vor der Kriegserklärung Englands noch an Bord eines deutschen Dampfers kommt. John Hagenbeck empört sich über seine Ausweisung aus Ceylon, wo er schon viele Jahre lebte, doch die zurückgebliebenen Deutschen wurden entgegen aller Zusagen interniert. Nur selten gelang es Reisenden, im jeweiligen Aufenthaltsland zu bleiben und normal zu leben: Hans Helfritz war zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in Südamerika, blieb dort zwanzig Jahre und nahm die chilenische Staatsangehörigkeit an. Solches gelang am ehesten in südamerikanischen Ländern.
  
-Wer es nicht schaffte, sich rechtzeitig abzusetzen, dem drohte neben dem Unwillen der Bevölkerung Hausarrest, die Internierung in Gefängnis, Zuchthaus oder Konzentrationslager. Concentration camps gab es bei den Engländern bereits im Ersten Weltkrieg - allerdings waren diese nicht mit den Konzentrationslagern der Deutschen im Zweiten Weltkrieg zu vergleichen. Auch die Vichy-Regierung im besetzten Frankreich richtete Konzentrationslager ein:  //„In diesen Lagern ... werden gespeist, gekleidet und zu nützlicher Arbeit angehalten alle jene unerwünschten und nicht anpassungsfähigen Elemente, die sich anders nicht weiterhelfen könnten: alle jene, die sonst in die Fremdenlegion eingetreten wären, Landstreicher und Heruntergekommene, die sich verelendet in den Städten herumtrieben, potentielle Verbrecher und unerwünschte [[wiki:auslaender|Ausländer]].“// ((Rosenthal, Einmal Legionär, 263)) ((''Andrzej Szczypiorski'' erklärt die Entstehung des Lagerkonzeptes:// „Man kann sagen, das Lager sei als Folge der Dummheit entstanden. Der Mensch ist von Natur aus schwach und fürchtet sich darum vor der Wirklichkeit. Je geringer sein [[wiki:wissen|Wissen]] um die ihn umgebende Welt, desto größere Ängste hat er. Angst erzeugt Aggression. Was ich nicht kenne, ist mir fremd. Das Fremde ist für mich feindlich, bedrohlich und erfüllt mich mit Furcht. Ich müßte also das Fremde von meiner Welt isolieren, es aus meiner Welt eliminieren. Das Lager ist ein guter Ort, um in ihm meine Ängste einzuschließen. ... Das Lager habe ich mit Stacheldraht umgeben, Wachen aufgestellt, meine Welt ist gereinigt von fremden Elementen. Ich atme erleichtert auf, weil ich die Sphäre meiner Ängste begrenzt habe.“// (in: „Das Ende aller Zivilisation“) ))+Wer es nicht schaffte, sich rechtzeitig abzusetzen, dem drohte neben dem Unwillen der Bevölkerung Hausarrest, die Internierung in Gefängnis, Zuchthaus oder Konzentrationslager. Concentration camps gab es bei den Engländern bereits im Ersten Weltkrieg - allerdings waren diese nicht mit den Konzentrationslagern der Deutschen im Zweiten Weltkrieg zu vergleichen. Auch die Vichy-Regierung im besetzten Frankreich richtete Konzentrationslager ein:  //„In diesen Lagern ... werden gespeist, gekleidet und zu nützlicher Arbeit angehalten alle jene unerwünschten und nicht anpassungsfähigen Elemente, die sich anders nicht weiterhelfen könnten: alle jene, die sonst in die Fremdenlegion eingetreten wären, Landstreicher und Heruntergekommene, die sich verelendet in den Städten herumtrieben, potentielle Verbrecher und unerwünschte [[wiki:auslaender|Ausländer]].“// ((Rosenthal, Einmal Legionär, 263)) ((''Andrzej Szczypiorski'' erklärt die Entstehung des Lagerkonzeptes://„Man kann sagen, das Lager sei als Folge der Dummheit entstanden. Der Mensch ist von Natur aus schwach und fürchtet sich darum vor der Wirklichkeit. Je geringer sein [[wiki:wissen|Wissen]] um die ihn umgebende Welt, desto größere Ängste hat er. Angst erzeugt Aggression. Was ich nicht kenne, ist mir fremd. Das Fremde ist für mich feindlich, bedrohlich und erfüllt mich mit Furcht. Ich müßte also das Fremde von meiner Welt isolieren, es aus meiner Welt eliminieren. Das Lager ist ein guter Ort, um in ihm meine Ängste einzuschließen. ... Das Lager habe ich mit Stacheldraht umgeben, Wachen aufgestellt, meine Welt ist gereinigt von fremden Elementen. Ich atme erleichtert auf, weil ich die Sphäre meiner Ängste begrenzt habe.“// (in: „Das Ende aller Zivilisation“) ))
  
 Die Lagersysteme glichen sich überall auf der Welt und machten den Internierten das Leben mal mehr, mal weniger schwer. Zunächst einmal waren es tatsächlich „Konzentrationslager“: Wer sich in den englischen Kolonialgebieten Afrikas oder Asiens befand, kam mit ziemlicher Sicherheit in eines der indischen Lager, nach Ahmednagar oder Dehra-Dun, lediglich in Ägypten scheint es zusätzliche Lager der Engländer gegeben zu haben. Die Russen brachten die Internierten hinter den Ural, also nach Sibirien, dort konnte man in einem der vielen Lager zwischen Omsk und Sachalin landen, die teils Arbeitslager waren, teils mußten sich die Internierten in normalen Dörfern einquartieren ((Wie die Lagersysteme der Sowjetunion bis in die 80er Jahre hinein aussahen, wo sie lagen und was dort geschah, ist ausführlich nachzulesen in ''A. Shifrin'': //Reiseführer durch Gefängnisse und Konzentrationslager in der Sowjetunion//)). Die Franzosen waren nach dem Waffenstillstand 1942 Erfüllungsgehilfen des deutschen NS-Regimes und besaßen Lager in Marokko und Westafrika. Erwähnt wird, daß auch die Holländer Internierungslager hatten: ''Max Dauthendey'' (*25.7.1867 in Würzburg), Weltreisender und berühmter Verfasser von Erzählungen und Romanen zu Anfang dieses Jahrhunderts, starb 1918, kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs in niederländischer Internierung in Malang auf Java. Franzosen und Russen führten überwiegend Arbeitslager, die Engländer unterschieden zwischen gut geführten Lagern (z.B. Dehra-Dun), härteren und Straflagern (z.B. Deoli). Man konnte sich also durchaus verschlechtern oder verbessern. Franzosen und Engländer hatten auch Erholungslager (z.B. Ramandrugh) für solche Internierten, die schwer erkrankt waren. Die Lagersysteme glichen sich überall auf der Welt und machten den Internierten das Leben mal mehr, mal weniger schwer. Zunächst einmal waren es tatsächlich „Konzentrationslager“: Wer sich in den englischen Kolonialgebieten Afrikas oder Asiens befand, kam mit ziemlicher Sicherheit in eines der indischen Lager, nach Ahmednagar oder Dehra-Dun, lediglich in Ägypten scheint es zusätzliche Lager der Engländer gegeben zu haben. Die Russen brachten die Internierten hinter den Ural, also nach Sibirien, dort konnte man in einem der vielen Lager zwischen Omsk und Sachalin landen, die teils Arbeitslager waren, teils mußten sich die Internierten in normalen Dörfern einquartieren ((Wie die Lagersysteme der Sowjetunion bis in die 80er Jahre hinein aussahen, wo sie lagen und was dort geschah, ist ausführlich nachzulesen in ''A. Shifrin'': //Reiseführer durch Gefängnisse und Konzentrationslager in der Sowjetunion//)). Die Franzosen waren nach dem Waffenstillstand 1942 Erfüllungsgehilfen des deutschen NS-Regimes und besaßen Lager in Marokko und Westafrika. Erwähnt wird, daß auch die Holländer Internierungslager hatten: ''Max Dauthendey'' (*25.7.1867 in Würzburg), Weltreisender und berühmter Verfasser von Erzählungen und Romanen zu Anfang dieses Jahrhunderts, starb 1918, kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs in niederländischer Internierung in Malang auf Java. Franzosen und Russen führten überwiegend Arbeitslager, die Engländer unterschieden zwischen gut geführten Lagern (z.B. Dehra-Dun), härteren und Straflagern (z.B. Deoli). Man konnte sich also durchaus verschlechtern oder verbessern. Franzosen und Engländer hatten auch Erholungslager (z.B. Ramandrugh) für solche Internierten, die schwer erkrankt waren.
Zeile 436: Zeile 436:
  
 ==== Werner-Otto von Hentig ==== ==== Werner-Otto von Hentig ====
-* 22.5.1886 in Berlin. Sein Vater war Staatsminister, seine zweite Frau eine Luise von Mach, mit ihr hatte er vier Kinder. (Sein Sohn Hartmut von Hentig ist heute ein berühmter Erziehungswissenschaftler in Bielefeld.) Er besuchte das Gymnasium in Gotha und die Universitäten in Grenoble, Königsberg, Berlin und Bonn. 1909 promovierte er zum Dr. jur. et rer. pol. und trat in den diplomatischen Dienst ein, wurde Attaché in Peking, Konstantinopel und Teheran. 1915 bis 1917 war er in besonderer Mission nach Afghanistan unterwegs, danach Pressechef an der deutschen Botschaft in Konstantinopel. Er trat nach dem Umsturz aus dem Reichsdienst aus, engagierte sich bei der Rettung deutscher Kriegsgefangener aus Sibirien, wurde dann erneut Geschäftsträger des Reiches zunächst in Estland, dann auf dem [[wiki:staunen_fremdheit_neues_neugier#Dort fängt der Balkan an|Balkan]] und schließlich in Posen. In den zwanziger Jahren wurde er in der deutschen Jugendbewegung aktiv. 1937-1939 leitete er die Orientabteilung im Auswärtigen Amt in Berlin.+* 22.5.1886 in Berlin. Sein Vater war Staatsminister, seine zweite Frau eine Luise von Mach, mit ihr hatte er vier Kinder. (Sein Sohn Hartmut von Hentig ist heute ein berühmter Erziehungswissenschaftler in Bielefeld.) Er besuchte das Gymnasium in Gotha und die Universitäten in Grenoble, Königsberg, Berlin und Bonn. 1909 promovierte er zum Dr. jur. et rer. pol. und trat in den diplomatischen Dienst ein, wurde Attaché in Peking, Konstantinopel und Teheran. 1915 bis 1917 war er in besonderer Mission nach Afghanistan unterwegs, danach Pressechef an der deutschen Botschaft in Konstantinopel. Er trat nach dem Umsturz aus dem Reichsdienst aus, engagierte sich bei der Rettung deutscher Kriegsgefangener aus Sibirien, wurde dann erneut Geschäftsträger des Reiches zunächst in Estland, dann auf dem [[wiki:fremdem_begegnen#Dort fängt der Balkan an|Balkan]] und schließlich in Posen. In den zwanziger Jahren wurde er in der deutschen Jugendbewegung aktiv. 1937-1939 leitete er die Orientabteilung im Auswärtigen Amt in Berlin.
   * (1.) Heim durch Kurdistan. Ritt u. Reise von Persien zur Ostfront 1914. Voggenreiter. Potsdam. 1943. 124 S., 8° (2 Ausg.)   * (1.) Heim durch Kurdistan. Ritt u. Reise von Persien zur Ostfront 1914. Voggenreiter. Potsdam. 1943. 124 S., 8° (2 Ausg.)
   * (2.) Ins verschlossene Land. Ein Kampf um Mensch und Meile. Voggenreiter. Potsdam. 1928. 192 S., 8° (7 dt. Auflg., Über 200. Tsd. Ex. i. d. 1. Aufl.)   * (2.) Ins verschlossene Land. Ein Kampf um Mensch und Meile. Voggenreiter. Potsdam. 1928. 192 S., 8° (7 dt. Auflg., Über 200. Tsd. Ex. i. d. 1. Aufl.)
Zeile 593: Zeile 593:
   * (3.) Auf deutschem Boden um die Erde. Erinnerungen eines Weltreisenden. Schaffstein. Köln. 1934. 79 S., 8°   * (3.) Auf deutschem Boden um die Erde. Erinnerungen eines Weltreisenden. Schaffstein. Köln. 1934. 79 S., 8°
   * (4.) Südamerikanisches [[wiki:liste_ausstellungen#Auswanderer|Auswanderer]]-ABC. Praktische Winke u. Ratschläge. Ausland u. Heimat. Stuttgart. 1921. 40 S., gr. 8°   * (4.) Südamerikanisches [[wiki:liste_ausstellungen#Auswanderer|Auswanderer]]-ABC. Praktische Winke u. Ratschläge. Ausland u. Heimat. Stuttgart. 1921. 40 S., gr. 8°
-  * (5.) Der [[wiki:staunen_fremdheit_neues_neugier#Dort fängt der Balkan an|Balkan]] Amerikas. Mit Kind und Kegel durch Mexiko zum Panamakanal. Brockhaus. Lpz. 1937. 274 S., 8° (10 Aufl.)+  * (5.) Der [[wiki:fremdem_begegnen#Dort fängt der Balkan an|Balkan]] Amerikas. Mit Kind und Kegel durch Mexiko zum Panamakanal. Brockhaus. Lpz. 1937. 274 S., 8° (10 Aufl.)
   * (6.) Im Balkankrieg. Singer. Strassburg. 1918. 125 S.   * (6.) Im Balkankrieg. Singer. Strassburg. 1918. 125 S.
   * (7.) Fahrten- und Abenteuerbuch. Büchergilde Gutenberg. Berlin. 1925. 236 S., gr. 8°   * (7.) Fahrten- und Abenteuerbuch. Büchergilde Gutenberg. Berlin. 1925. 236 S., gr. 8°
Zeile 631: Zeile 631:
 ===== 7 Verweise ===== ===== 7 Verweise =====
 siehe auch\\  siehe auch\\ 
-* [[wiki:literaturliste_fluchtreisen|Literaturliste Fluchtreisen]] mit mehr als 70 Titeln\\+* [[wiki:literaturliste_fluchtreisen|Literaturliste Fluchtreisen]] mit mehr als 70 Titeln\\ 
 * [[wiki:literaturliste_biographien|Literaturliste biographischer Reiseliteratur]] * [[wiki:literaturliste_biographien|Literaturliste biographischer Reiseliteratur]]
  
-==== Anmerkungen ==== 
- 
-<html><img src="https://vg09.met.vgwort.de/na/43523668a17f41cd8412882e510f0b06" width="1" height="1" alt=""></html> 
wiki/flucht.1721894793.txt.gz · Zuletzt geändert: von 52.230.152.246

Donate Powered by PHP Valid HTML5 Valid CSS Driven by DokuWiki