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wiki:fremdem_begegnen

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   es liegen ganz Afrika und alle seine Wunder in uns.   es liegen ganz Afrika und alle seine Wunder in uns.
   Sir Thomas Brown   Sir Thomas Brown
-Der Fremde, Die Fremde, Das Fremde … das Phänomen der darin enthaltenen Fremdheit ist [[wiki:universalismus|universal]], seine Bedeutungen sind vielfältig und kaum faßbar. Die nachfolgenden Überlegungen begrenzen sich auf eine bestimmte Perspektive: Was bedeutet Fremdheit für [[wiki:reisende|Reisende]] unterwegs? Das Fremde in der Heimat ist Thema der Ethnologen, [[wiki:voelkerkunde|Völkerkunde]](museen) und [[wiki:liste_ausstellungen|Ausstellungen]]. \\ +Der Fremde, Die Fremde, Das Fremde … das Phänomen der darin enthaltenen Fremdheit ist [[wiki:universalismus|universal]], seine Bedeutungen sind vielfältig und kaum faßbar. Die nachfolgenden Überlegungen begrenzen sich auf eine bestimmte Perspektive: Was bedeutet Fremdheit für [[wiki:reisende|Reisende]] unterwegs? Das Fremde in der Heimat ist Thema der Ethnologen, [[wiki:voelkerkunde|Völkerkunde]](museen) und [[wiki:liste_ausstellungen|Ausstellungen]].\\ 
 Anders als Exilanten ziehen wir immer wieder in andere Fernen; anders als etwa der Bundeswehrsoldat am Hindukusch sind wir selbstbestimmt unterwegs; anders als Migranten haben wir eine Heimat, in die wir zurückkehren, anders als Urlauber suchen wir eher das Fremde als das Vertraute und genießen es … Im Vordergrund stehen für uns [[wiki:neugier|Neugier]] und [[wiki:fernweh|Fernweh]], ein [[wiki:unterwegs-sein|Unterwegs-sein]] als anhaltender Zustand, im Gefühl: die [[wiki:welt|Welt]] ist schön und es gibt noch viel zu seh’n. Unsere Art, Fremdheit zu erleben, ist geprägt durch [[wiki:zeit_musse|Zeit]], [[wiki:freiheit|Freiheit]] und besonders durch das Neue. Anders als Exilanten ziehen wir immer wieder in andere Fernen; anders als etwa der Bundeswehrsoldat am Hindukusch sind wir selbstbestimmt unterwegs; anders als Migranten haben wir eine Heimat, in die wir zurückkehren, anders als Urlauber suchen wir eher das Fremde als das Vertraute und genießen es … Im Vordergrund stehen für uns [[wiki:neugier|Neugier]] und [[wiki:fernweh|Fernweh]], ein [[wiki:unterwegs-sein|Unterwegs-sein]] als anhaltender Zustand, im Gefühl: die [[wiki:welt|Welt]] ist schön und es gibt noch viel zu seh’n. Unsere Art, Fremdheit zu erleben, ist geprägt durch [[wiki:zeit_musse|Zeit]], [[wiki:freiheit|Freiheit]] und besonders durch das Neue.
  
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 ==== Der Fremde als Barbar ==== ==== Der Fremde als Barbar ====
  
-Wenn uns »etwas spanisch vorkommt« dann sind es meist »böhmische Dörfer«. Dagegen spricht man im Tschechischen von „spanischen Dörfern“ (španělské věsnice), während den Spaniern eher chinesisch zumute ist: »es como si me hablaran en chino«. \\ +Wenn uns »etwas spanisch vorkommt« dann sind es meist »böhmische Dörfer«. Dagegen spricht man im Tschechischen von „spanischen Dörfern“ (španělské věsnice), während den Spaniern eher chinesisch zumute ist: »es como si me hablaran en chino«.\\ 
 Was man nicht versteht, kommt von weit her, etwa aus der Walachei ((Walachen bezeichnet romanischsprachige Volksgruppen in Südosteuropa. Die Bezeichnung kommt wohl aus dem Germanischen, das entsprechende Wurzelwort "welsch/walch" ist mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem keltischen Volksnamen abgeleitet (Wikipedia) und findet sich auch in Wales und Wallis)). Dort spricht man natürlich //Kauderwelsch//. Solche Leute »brabbeln« eine Art »Blah-Blah« und man versteht nur »Rhabarber, Rhabarber«.\\  Was man nicht versteht, kommt von weit her, etwa aus der Walachei ((Walachen bezeichnet romanischsprachige Volksgruppen in Südosteuropa. Die Bezeichnung kommt wohl aus dem Germanischen, das entsprechende Wurzelwort "welsch/walch" ist mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem keltischen Volksnamen abgeleitet (Wikipedia) und findet sich auch in Wales und Wallis)). Dort spricht man natürlich //Kauderwelsch//. Solche Leute »brabbeln« eine Art »Blah-Blah« und man versteht nur »Rhabarber, Rhabarber«.\\ 
 Ein //Barbar// war im antiken Griechenland jemand, der kaum Griechisch sprach. Das Wort fand Eingang in fast alle europäischen Sprachen. Dabei ist es so alt, daß es sich auch im Sanskrit findet (barbarāh), im Persischen, Armenischen, Arabischen (Berber) … Auf drei Kontinenten bezeichnen sich also Völker mit dem gleichen Wort gegenseitig als sprachunkundig und wählen dafür paradoxerweise ein Wort, das von allen verstanden wird. Die dahinter erkennbare Haltung scheint [[wiki:universalismus|universal]] gültig zu sein, denn weltweit bezeichnen sich viele Ethnien in ihrer Eigenbezeichnung schlicht als »Menschen« ((Inuit, Khoi Khoin (Menschen der Menschen), Roma, Na-Uni (= Komantschen. erste Menschen), Ainu (Japan), Kanaken (Hawaii), Nenzen (Ural), Zulu, Bantu, Kikuyu (Kenia), Malaien (Orang Melayu = umherschweifende Menschen), Yamana und Shelk’enan (= Jaghan und Ona auf Feuerland: vernunftbegabte Wesen), Orawelat (= Tschuktschen), Numang-Kake (= Mandan-Indianer), Odulpa (= Jukagieren in Nordost-Sibirien), Andamanen (= Oenge), Alemannen, Hunnen, Magyaren)).\\  Ein //Barbar// war im antiken Griechenland jemand, der kaum Griechisch sprach. Das Wort fand Eingang in fast alle europäischen Sprachen. Dabei ist es so alt, daß es sich auch im Sanskrit findet (barbarāh), im Persischen, Armenischen, Arabischen (Berber) … Auf drei Kontinenten bezeichnen sich also Völker mit dem gleichen Wort gegenseitig als sprachunkundig und wählen dafür paradoxerweise ein Wort, das von allen verstanden wird. Die dahinter erkennbare Haltung scheint [[wiki:universalismus|universal]] gültig zu sein, denn weltweit bezeichnen sich viele Ethnien in ihrer Eigenbezeichnung schlicht als »Menschen« ((Inuit, Khoi Khoin (Menschen der Menschen), Roma, Na-Uni (= Komantschen. erste Menschen), Ainu (Japan), Kanaken (Hawaii), Nenzen (Ural), Zulu, Bantu, Kikuyu (Kenia), Malaien (Orang Melayu = umherschweifende Menschen), Yamana und Shelk’enan (= Jaghan und Ona auf Feuerland: vernunftbegabte Wesen), Orawelat (= Tschuktschen), Numang-Kake (= Mandan-Indianer), Odulpa (= Jukagieren in Nordost-Sibirien), Andamanen (= Oenge), Alemannen, Hunnen, Magyaren)).\\ 
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 ==== Der Fremde als Eindringling ==== ==== Der Fremde als Eindringling ====
  
-Im Jahre 802 verbot ''Karl der Große'', dem Fremden das Gastrecht vorzuenthalten. ((''Gerhard Köbler'': //Zielwörterbuch europäischer Rechtsgeschichte//, 4. A. 2007, mit Hinweis auf: Söllner §§ 6, 7, 8, 9; Hübner 83, 460; Kroeschell, DRG 1; Köbler, DRG 71, 88, 120; Köbler, WAS;\\ ''L. v. Bar:'' //Das Fremdenrecht u. seine volkswirtschaftliche Bedeutung//, 1892; //L’Étranger//, 1958; //Die Begegnung mit dem Fremden//, ''M. Schister'' (Hg.) 1996; ''Seiring, C.,'' //Fremde in der Stadt// (1300-1800), 1999; ''Cavallar, F.:'' //The rights of strangers//, 2002)) \\  +Im Jahre 802 verbot ''Karl der Große'', dem Fremden das Gastrecht vorzuenthalten. ((''Gerhard Köbler'': //Zielwörterbuch europäischer Rechtsgeschichte//, 4. A. 2007, mit Hinweis auf: Söllner §§ 6, 7, 8, 9; Hübner 83, 460; Kroeschell, DRG 1; Köbler, DRG 71, 88, 120; Köbler, WAS;\\ ''L. v. Bar:'' //Das Fremdenrecht u. seine volkswirtschaftliche Bedeutung//, 1892; //L’Étranger//, 1958; //Die Begegnung mit dem Fremden//, ''M. Schister'' (Hg.) 1996; ''Seiring, C.,'' //Fremde in der Stadt// (1300-1800), 1999; ''Cavallar, F.:'' //The rights of strangers//, 2002))\\  
-Das der persönlichen Ebene entstammende Gastrecht ging mit zunehmender staatlicher Organisation, Kontrolle und Gewalt in das Fremdenrecht des Staates über. Dem Reisenden außerhalb touristischer Systeme steht die Möglichkeit offen, Gastrecht zu erhalten, also als Einzelner aufgenommen zu werden in eine Gemeinschaft. Der als Gast aufgenommene Fremde bietet den Vorteil, über keinerlei eigene Interessen mit dem Ort und den Menschen, die ihn aufgenommen haben, verbunden zu sein. Er hat dort kein Haus, kein Heim, keine Familie, keine Geschichte, keinen Beruf, keine Freunde … \\ +Das der persönlichen Ebene entstammende Gastrecht ging mit zunehmender staatlicher Organisation, Kontrolle und Gewalt in das Fremdenrecht des Staates über. Dem Reisenden außerhalb touristischer Systeme steht die Möglichkeit offen, Gastrecht zu erhalten, also als Einzelner aufgenommen zu werden in eine Gemeinschaft. Der als Gast aufgenommene Fremde bietet den Vorteil, über keinerlei eigene Interessen mit dem Ort und den Menschen, die ihn aufgenommen haben, verbunden zu sein. Er hat dort kein Haus, kein Heim, keine Familie, keine Geschichte, keinen Beruf, keine Freunde …\\ 
 Jeder, der sich durch solche Beziehungen in seiner Heimat beengt fühlt, empfindet in dieser Situation eine unendliche *[[wiki:freiheit|Freiheit]] von etwas. Das ist aber auch den Menschen bewußt, zwischen denen er lebt. Und so gilt der Fremde als jemand, den man um Rat fragen kann, weil er unverdächtig ist, Partei zu ergreifen für diesen oder jenen ((Zur Objektivität des Fremden siehe ''Georg Simmel'': //Soziologie//. 1908 a.a.O. S. 509-512)). Jedoch nur, wenn die Umstände stimmen. Hat die Gemeinschaft dagegen Anlaß zur Sorge, gibt der Fremde ebenso einen hervorragenden Sündenbock ab.\\  Jeder, der sich durch solche Beziehungen in seiner Heimat beengt fühlt, empfindet in dieser Situation eine unendliche *[[wiki:freiheit|Freiheit]] von etwas. Das ist aber auch den Menschen bewußt, zwischen denen er lebt. Und so gilt der Fremde als jemand, den man um Rat fragen kann, weil er unverdächtig ist, Partei zu ergreifen für diesen oder jenen ((Zur Objektivität des Fremden siehe ''Georg Simmel'': //Soziologie//. 1908 a.a.O. S. 509-512)). Jedoch nur, wenn die Umstände stimmen. Hat die Gemeinschaft dagegen Anlaß zur Sorge, gibt der Fremde ebenso einen hervorragenden Sündenbock ab.\\ 
 In jedem Fall bewegt sich der Reisende in einer Situation, in die er als Tourist innerhalb geschützter touristischer Systeme niemals gelangen kann. Reisende, die sich außerhalb touristischer Einrichtungen und Zonen bewegen, können dagegen leicht in solche Situationen geraten; Globetrotter gehen dieses Risiko eher ein. Beispielhaft schildert dies ''Heinrich Harrer'' in //Sieben Jahre in Tibet//. Gemeinsam mit ''Peter Aufschnaiter'' wandert er in Tibet von Dorf zu Dorf ohne Gastfreundschaft zu erhalten. Bestenfalls wurden sie ignoriert. Niemand wollte ihnen etwas verkaufen oder mit ihnen tauschen. Fremde waren nicht erwünscht. In jedem Fall bewegt sich der Reisende in einer Situation, in die er als Tourist innerhalb geschützter touristischer Systeme niemals gelangen kann. Reisende, die sich außerhalb touristischer Einrichtungen und Zonen bewegen, können dagegen leicht in solche Situationen geraten; Globetrotter gehen dieses Risiko eher ein. Beispielhaft schildert dies ''Heinrich Harrer'' in //Sieben Jahre in Tibet//. Gemeinsam mit ''Peter Aufschnaiter'' wandert er in Tibet von Dorf zu Dorf ohne Gastfreundschaft zu erhalten. Bestenfalls wurden sie ignoriert. Niemand wollte ihnen etwas verkaufen oder mit ihnen tauschen. Fremde waren nicht erwünscht.
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