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wiki:fuehrer

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wiki:fuehrer [2024/08/01 11:37] – [Dark Companions] norbertwiki:fuehrer [2025/02/28 06:02] (aktuell) – [Literatur] norbert
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 ===== Die Funktionen der Führer ===== ===== Die Funktionen der Führer =====
  
 +  „Dysse pylgrymmacie byn ich dat meisten deyl myt kouffluden getzoegen, 
 +  dae it gar guet myt tzien ist; sij wyssent spraiche und Wege; 
 +  sij nement geleyde vss deme eyme lande in dat ander 
 +  und doynt eyme gar gude geselschaff."
 +  Die Pilgerfahrt des Ritters Arnold von Harff von Cöln durch 
 +  Italien, Syrien, Aegypten, Arabien, Aethiopien, Nubien, Palästina, etc. 
 +  in den J. 1496 bis 1499. Cöln, 1860, Seite 4.
 +  
 +Pilgerbericht [[https://archive.org/details/bub_gb_mqNOAAAAcAAJ/page/n61/mode/2up?q=geleyde|online]]
 ==== Die Aufgaben von Führern ==== ==== Die Aufgaben von Führern ====
 +
 Reisen, wenn sie denn keine Routine sind, also vor allem "erste Fahrten", bedürfen [[wiki:liste_kundige|kundiger]] Führer, die neben der [[wiki:wegfindung|Wegfindung]] meist weitere Aufgaben übernehmen als: Reisen, wenn sie denn keine Routine sind, also vor allem "erste Fahrten", bedürfen [[wiki:liste_kundige|kundiger]] Führer, die neben der [[wiki:wegfindung|Wegfindung]] meist weitere Aufgaben übernehmen als:
   * Aufpasser (engl. chaperone, attendant)   * Aufpasser (engl. chaperone, attendant)
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   * //Führen// geht darüber hinaus, denn ahd. **fôrari** bezeichnete ursprünglich den "lohnträger, lastträger, bajolus" (( „führer, m.“, Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/21, <https://www.woerterbuchnetz.de/DWB?lemid=F11132>, abgerufen am 04.12.2021)) und meinte damit jemanden, der erstens den Weg kennt, zweitens ein Tier sowie drittens eine Waffe führt und damit viertens bestens gerüstet ist, jemandem unterwegs zu begleiten und sicher zu geleiten. Mit diesem Begriff steht das Deutsche isoliert zwischen den anderen Sprachen.   * //Führen// geht darüber hinaus, denn ahd. **fôrari** bezeichnete ursprünglich den "lohnträger, lastträger, bajolus" (( „führer, m.“, Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/21, <https://www.woerterbuchnetz.de/DWB?lemid=F11132>, abgerufen am 04.12.2021)) und meinte damit jemanden, der erstens den Weg kennt, zweitens ein Tier sowie drittens eine Waffe führt und damit viertens bestens gerüstet ist, jemandem unterwegs zu begleiten und sicher zu geleiten. Mit diesem Begriff steht das Deutsche isoliert zwischen den anderen Sprachen.
   * Die anderen germanischen und romanischen Sprachen ((Dänisch, Englisch, Französisch, Niederländisch, Italienisch, Norwegisch, Rumänisch, Spanisch, Schwedisch, aber auch Ukrainisch)) verwenden übereinstimmend `**guide**´. Dieses Wort kommt über französisches //guider// aus italienischem //guidare//. Gut begründet ist dessen Ableitung aus dem germanischem //wītan// `beobachten´ und gotischem //witan// `wissen´. Gräbt man noch tiefer, so führt indogermanisches //vedh// mit seiner Doppelbedeutung `binden´ und `heimführen´ in den Alltag des Viehhirten und dessen Aufgabe, das Vieh zu hüten, zu beschützen und sicher wieder heim zu bringen ((''Wilhelm Bruckner''\\ // II. Zur Wortgeschichte 1. romanisch guidare 2. got. widan (ahd. wetan).//\\ Zeitschrift für romanische Philologie 37.2 (1913) 205-210.\\ Der Autor verweist auf die weithin akzeptierte Deutung `beobachtend auf etwas sehen´ aus gotischem //wîtan// (Mackel 182-183), nennt zwei weitere Deutungen aus lateinischem //vitare// `verhüten > behüten´ (F. Settegast: Romanische Etymologien. Zeitschrift für romanische Philologie 1 (1883) 248-249) und aus dem Keltischen (''Thurneysen, Rudolf'' //Keltoromanisches.// Halle 1884: Niemeyer. S.65) und schlägt die Ableitung aus gotischem //widan// vor: `ins Joch binden´, weil dies als praktische Tätikeit dem abstrakten Wissen vorausgeht. Der Strick verbindet Tier und Hirt und ist Voraussetzung für das Führen und Leiten durch Ziehen. Dies wäre dann bedeutungsgleich mit forari.\\ ''Joan Maria Jaime Moya'': //El lèxic d’origen germànic en el llatí medieval de Catalunya//. Universitat de Barcelona 2015, S. 317-320: Belegstellen ab 1101, Sprachvergleiche, Quellen.)).   * Die anderen germanischen und romanischen Sprachen ((Dänisch, Englisch, Französisch, Niederländisch, Italienisch, Norwegisch, Rumänisch, Spanisch, Schwedisch, aber auch Ukrainisch)) verwenden übereinstimmend `**guide**´. Dieses Wort kommt über französisches //guider// aus italienischem //guidare//. Gut begründet ist dessen Ableitung aus dem germanischem //wītan// `beobachten´ und gotischem //witan// `wissen´. Gräbt man noch tiefer, so führt indogermanisches //vedh// mit seiner Doppelbedeutung `binden´ und `heimführen´ in den Alltag des Viehhirten und dessen Aufgabe, das Vieh zu hüten, zu beschützen und sicher wieder heim zu bringen ((''Wilhelm Bruckner''\\ // II. Zur Wortgeschichte 1. romanisch guidare 2. got. widan (ahd. wetan).//\\ Zeitschrift für romanische Philologie 37.2 (1913) 205-210.\\ Der Autor verweist auf die weithin akzeptierte Deutung `beobachtend auf etwas sehen´ aus gotischem //wîtan// (Mackel 182-183), nennt zwei weitere Deutungen aus lateinischem //vitare// `verhüten > behüten´ (F. Settegast: Romanische Etymologien. Zeitschrift für romanische Philologie 1 (1883) 248-249) und aus dem Keltischen (''Thurneysen, Rudolf'' //Keltoromanisches.// Halle 1884: Niemeyer. S.65) und schlägt die Ableitung aus gotischem //widan// vor: `ins Joch binden´, weil dies als praktische Tätikeit dem abstrakten Wissen vorausgeht. Der Strick verbindet Tier und Hirt und ist Voraussetzung für das Führen und Leiten durch Ziehen. Dies wäre dann bedeutungsgleich mit forari.\\ ''Joan Maria Jaime Moya'': //El lèxic d’origen germànic en el llatí medieval de Catalunya//. Universitat de Barcelona 2015, S. 317-320: Belegstellen ab 1101, Sprachvergleiche, Quellen.)).
-Während also der Begriff //guide// die Voraussetzungen zum Führen (mittels Seil) und zur [[wiki:orientierung|Orientierung]] (mittels Wissen) enthält, findet sich im //forari// zudem das Führen der Waffe. Das Spanische gibt zudem an, woran sich der Führer orientiert: **guía lo que [[wiki:orient|orienta]]** bedeutet zu wissen, wo Osten ist. + 
 +Während also der Begriff //guide// die Voraussetzungen zum Führen (mittels Seil) und zur [[wiki:orientierung|Orientierung]] (mittels Wissen) enthält, findet sich im //forari// zudem das Führen der Waffe. Das Spanische gibt zudem an, woran sich der Führer orientiert: **guía lo que [[wiki:orient|orienta]]** bedeutet zu wissen, wo Osten ist. 'Guide' erscheint als Begriff ab 1775 im französischen Verlagswesen im Zusammenhang mit Reisen nach Italien (Voyages d'Italie), jedoch ohne dass damit etwas inhaltlich Neues geschaffen wurde im Vergleich zu anderen Titeln. Sie alle kombinierten Elemente von Reisebeschreibungen, Wörterbüchern, Kartenwerken, Itinerarien, Kursbüchern auch unter den Oberbegriffen Kompendium, Portfolio oder Handbuch.
  
 In abstrahierter und codierter Form erstarrt dieser Wissenstransfer in Zeichen wie etwa einem [[wiki:steinmann|Steinman]], einem Wegzeiger, [[wiki:Wegweiser|Wegweiser]], [[wiki:itinerar|Itinerar]] oder einer [[wiki:kartographie|Karte]] zur [[wiki:wegfindung|Wegfindung]].  In abstrahierter und codierter Form erstarrt dieser Wissenstransfer in Zeichen wie etwa einem [[wiki:steinmann|Steinman]], einem Wegzeiger, [[wiki:Wegweiser|Wegweiser]], [[wiki:itinerar|Itinerar]] oder einer [[wiki:kartographie|Karte]] zur [[wiki:wegfindung|Wegfindung]]. 
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     * [[wiki:trail|Trailing]] through a Medieval Depiction of the Entire Earth Literary      * [[wiki:trail|Trailing]] through a Medieval Depiction of the Entire Earth Literary 
     * [[wiki:erforscher|Explorations]] and Medieval [[wiki:kartographie|Maps]] (Ebstorf) and Charts.     * [[wiki:erforscher|Explorations]] and Medieval [[wiki:kartographie|Maps]] (Ebstorf) and Charts.
 +  * ''Göckenjan, Hansgerd''\\ //Kundschafter und Späher. Ein Beitrag zur Strategie und Taktik reiternomadischer Kriegsführung//\\ S. 419-434 in: derselbe: Ungarn, Türken und Mongolen: kleine Schriften von Hansgerd Göckenjan. Wiesbaden 2007
 +  * ''Schreiner, Peter''\\ //Reisende in Konstantinopel und ihre Führer: Zwischen Orient und Okzident//\\ S. 723-732 in: Zwischen Orient und Okzident. Festschrift für Hansgerd Hellenkemper. 2010  Historische Bibliographie [[https://www.degruyter.com/database/HBOL/entry/hb.20111456/html|Online]]
  
 === Bergführer === === Bergführer ===
  
   * ''Renaud de Bellefon''\\ //Histoire des Guides de Montagne: Alpes et Pyrénées, 1760-1980.//\\ 551 S. XVI Tafeln. Pau: Cairn; Toulouse: Milan, 2003   * ''Renaud de Bellefon''\\ //Histoire des Guides de Montagne: Alpes et Pyrénées, 1760-1980.//\\ 551 S. XVI Tafeln. Pau: Cairn; Toulouse: Milan, 2003
 +  * ''Hungerbühler, Andrea''\\ //Könige der Alpen. Zur Kultur des Bergführerberufs//\\ (=Materialitäten, 19) 442 S. Bielefeld 2013: Transcript [[https://d-nb.info/1028836023/04|Inhalt]]
   * ''Kurt Pflügl''\\ //1906 bis 2006. 100 Jahre Heeresbergführer.//\\ Wien Bundesministerium für Landesverteidigung, Führungsgebiet 5. 2006   * ''Kurt Pflügl''\\ //1906 bis 2006. 100 Jahre Heeresbergführer.//\\ Wien Bundesministerium für Landesverteidigung, Führungsgebiet 5. 2006
  
wiki/fuehrer.1722512224.txt.gz · Zuletzt geändert: 2024/08/01 11:37 von norbert

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