wiki:raeder
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| wiki:raeder [2018/06/21 12:21] – [Die Reifenaufstandsfläche des plastisch verformbaren Luftreifens] Norbert Lüdtke | wiki:raeder [2025/06/25 03:51] (aktuell) – Norbert Lüdtke | ||
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| ====== Räder & Reifen abseits der Straße ====== | ====== Räder & Reifen abseits der Straße ====== | ||
| - | Sie sind schwarz und sie sind rund. Über alles andere wird gestritten. Seltsam, denn es muss sich ja jeder darauf verlassen können. Man scheint viel zu wissen, doch das Wissen ist nicht gut geordnet und noch weniger zugänglich. Die Foren sind voller Fragen mit noch mehr Meinungen, jedoch nur wenigen belastbaren Antworten. Ansätze dazu lassen sich auf mehreren Wegen finden: | + | Sie sind schwarz und sie sind rund. Über alles andere wird gestritten. Seltsam, denn es muss sich ja jeder darauf verlassen können. Man scheint viel zu wissen, doch das [[wiki: |
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| * //praktisch & einfach//: Wie lösen das Leute mit ähnlichen Interessen? | * //praktisch & einfach//: Wie lösen das Leute mit ähnlichen Interessen? | ||
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| ===== Die historisch besten Reifen ===== | ===== Die historisch besten Reifen ===== | ||
| - | Eselskarren, | + | |
| + | Eselskarren, | ||
| ==== Anforderungen an Räder ==== | ==== Anforderungen an Räder ==== | ||
| - | //Alle Räder sind gleich?// Nicht wirklich. Räder sind nur erfolgreich als Teil des Wagens und der Wagen wird für bestimmte Zwecke gebaut: als Lastwagen, Sportwagen, Kultwagen, Kriegswagen … Mit den gewünschten | + | //Alle Räder sind gleich?// Nicht wirklich. Räder sind nur erfolgreich als Teil des [[wiki: |
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| Große Räder waren so erfolgreich, | Große Räder waren so erfolgreich, | ||
| - | Im 19. Jahrhundert verloren die großen Räder zunächst den Anschluss, denn die Fahrzeugtechnik wurde revolutioniert durch selbst angetriebene Fahrzeuge auf Rädern. Diese verlangten nun von von manchen Rädern zusätzlich // | + | Im [[wiki: |
| ==== Asphaltstraßen und Luftreifen ==== | ==== Asphaltstraßen und Luftreifen ==== | ||
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| ==== Gleitschichten auf Wasser, Lehm und Eis ==== | ==== Gleitschichten auf Wasser, Lehm und Eis ==== | ||
| - | **Wasser:** Bei zu schnellen | + | **Wasser:** Bei Flussdurchfahrten auf betonierten *[[wiki: |
| **Lehm:** Eine auf den ersten Blick vergleichbare Situation findet man auf nassen // | **Lehm:** Eine auf den ersten Blick vergleichbare Situation findet man auf nassen // | ||
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| **Gegenmaßnahmen: | **Gegenmaßnahmen: | ||
| ==== Widersprüchliche Reibung und was wir uns darunter vorstellen ==== | ==== Widersprüchliche Reibung und was wir uns darunter vorstellen ==== | ||
| - | **Verzahnt: | + | **Verzahnt: |
| **Verklettet: | **Verklettet: | ||
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| **Die »freie Zugkraft« eines Fahrzeugs** wird bezogen auf dessen Gesamtmasse und ist bestimmt durch\\ | **Die »freie Zugkraft« eines Fahrzeugs** wird bezogen auf dessen Gesamtmasse und ist bestimmt durch\\ | ||
| (a) den Kraftschluss der Reifen auf den Untergrund und\\ | (a) den Kraftschluss der Reifen auf den Untergrund und\\ | ||
| - | (b) das Drehmoment des Motors\\ | + | (b) das [[wiki: |
| (c ) abzüglich dem Reibungsverlust | (c ) abzüglich dem Reibungsverlust | ||
| Da es im Gelände meist um das Anfahren geht bzw. um das langsame Bewältigen von Steigungen, bleibt der Luftwiderstand praktisch wirkungslos. Die freie Zugkraft steigt dann mit der Last auf den angetriebenen Achsen und nimmt ab mit der Masse des gesamten Fahrzeugs. Daher ist es falsch zu sagen, ein leichteres Fahrzeug habe mehr freie Zugkraft. Vielmehr kommt es auf die Verteilung dieser Masse an.\\ | Da es im Gelände meist um das Anfahren geht bzw. um das langsame Bewältigen von Steigungen, bleibt der Luftwiderstand praktisch wirkungslos. Die freie Zugkraft steigt dann mit der Last auf den angetriebenen Achsen und nimmt ab mit der Masse des gesamten Fahrzeugs. Daher ist es falsch zu sagen, ein leichteres Fahrzeug habe mehr freie Zugkraft. Vielmehr kommt es auf die Verteilung dieser Masse an.\\ | ||
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| * Da jedes angetriebene Rad zum Kraftschluss beiträgt, verbessert Allradantrieb den Kraftschluss ebenso wie Zwillingsbereifung. | * Da jedes angetriebene Rad zum Kraftschluss beiträgt, verbessert Allradantrieb den Kraftschluss ebenso wie Zwillingsbereifung. | ||
| * Optimal ist Allradantrieb eingesetzt, wenn die Verteilung des Drehmoments im Verteilergetriebe der Verteilung der Achslasten beim beladenen Fahrzeug entspricht, vorteilhaft ist meist rund 33:67 [Hoepke 2016]. Für spezielle Anwendungen kann das stark schwanken (60:40 beim Unimog). | * Optimal ist Allradantrieb eingesetzt, wenn die Verteilung des Drehmoments im Verteilergetriebe der Verteilung der Achslasten beim beladenen Fahrzeug entspricht, vorteilhaft ist meist rund 33:67 [Hoepke 2016]. Für spezielle Anwendungen kann das stark schwanken (60:40 beim Unimog). | ||
| + | ==== Längskraft und Seitenkraft ==== | ||
| + | Die maximale Kraft, die ein Reifen auf die Fahrbahn übertragen kann muss ausreichen für zwei Komponenten: | ||
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| + | - // | ||
| - | ===== Die Reifenaufstandsfläche des plastisch verformbaren Luftreifens ==== = | + | Werden also 95% der maximal verfügbaren Kraft für Traktion in der Geradeausfahrt eingesetzt, bleiben nur 5% übrig zum Spurführen und Lenken. Erfordern Bergfahrten |
| - | Gummi ersetzt nicht einfach Holz oder Metall. Als viskoelastisches Material vereint es Eigenschaften flüssiger und fester Stoffe und eröffnet Möglichkeiten, die es zuvor nicht gab. Daher lässt sich die Kraftübertragung eines Gummireifens mit den klassischen Reibungskräften nicht mehr erklären. Die // | + | |
| + | Der »Kammsche Kreis« veranschaulicht dieses Zusammenspiel. Der größere äußere Kreis entspricht der Fahrbahn mit dem höheren Kraftschlussbeiwert, | ||
| + | ===== Der plastisch verformbare Luftreifen ===== | ||
| + | Gummi ersetzt nicht einfach Holz oder Metall. Als viskoelastisches Material vereint es Eigenschaften flüssiger und fester Stoffe und eröffnet Möglichkeiten, | ||
| + | |||
| + | ==== Die Reifenaufstandsfläche ==== | ||
| Ein Pkw hat auf glattem Untergrund eine Reifenaufstandsfläche von rund 200 qcm. Das lässt sich für das eigene Fahrzeug leicht messen indem der Boden rund um die Reifen mit Mehl gepudert wird. Dann den Wagen wegfahren und die nicht-weiße Fläche ausmessen (z.B. kariertes Papier drüberlegen, | Ein Pkw hat auf glattem Untergrund eine Reifenaufstandsfläche von rund 200 qcm. Das lässt sich für das eigene Fahrzeug leicht messen indem der Boden rund um die Reifen mit Mehl gepudert wird. Dann den Wagen wegfahren und die nicht-weiße Fläche ausmessen (z.B. kariertes Papier drüberlegen, | ||
| - | Radlast | + | ==== Reibungsarten des verformbaren Luftreifens |
| - | Die Radlast wird damit überwiegend (typisch sind etwa 85%) von der Luft im Reifen getragen; der verbleibende Lastanteil der Karkasse hängt von deren Steifigkeit ab.\\ | + | Das »Bürstenmodell« |
| - | Die Traglast des Reifens steigt mit dem Innendruck, mit dessen Aufstellfläche und der Einfederungsstrecke sowie mit der Steifigkeit der Karkasse. Bei dynamischer Belastung übernehmen die reversible Kompression der Luft und die elastische Formänderung des Reifens zwei Lastkomponenten, | + | |
| - | Etwa 0,01 % der Radlast wirken als Walkwiderstand; | + | |
| - | Die Latschfläche vergrößert sich mit der Radlast. | + | |
| - | Sie vergrößert sich auch bei abnehmendem Reifendruck: | + | |
| - | + | ||
| - | ==== Das Bürstenmodell mit adhäsiver und Hysteresereibung | + | |
| - | Beim fahrenden Reifen | + | |
| === Adhäsive Reibung === | === Adhäsive Reibung === | ||
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| Bei Geschwindigkeiten ab einem Meter pro Sekunde sorgt die ungleichmäßige Verformung des viskoelastischen Gummis für die »Hysteresereibung«, | Bei Geschwindigkeiten ab einem Meter pro Sekunde sorgt die ungleichmäßige Verformung des viskoelastischen Gummis für die »Hysteresereibung«, | ||
| - | === Wechselnde Belastungszustände === | + | ==== Wechselnde Belastungszustände |
| - | Wenn adhäsive | + | Das Fahrverhalten luftgefüllter Gummireifen lässt sich also mit adhäsiver |
| * freies Rollen | * freies Rollen | ||
| * senkrechte Kraftübertragung | * senkrechte Kraftübertragung | ||
| * Bremsen & Beschleunigen | * Bremsen & Beschleunigen | ||
| * Kurvenfahren | * Kurvenfahren | ||
| - | Schwierig wird es beim abrupten | + | Mit dem Wechsel zwischen den Belastungszuständen |
| - | //Don’t touch the clutch!// Mit dem Entkuppeln wechselt das Fahrzeug in den Zustand des freien Rollens. | + | **Don’t touch the clutch!** \\ |
| - | //Langsam den Fahrbahnuntergrund wechseln!// Solange der Reifenlatsch an der Fahrbahn haftet, staut sich der Reifengummi vor der Reifenaufstellfläche und wird durch das angetriebene Rad hinter der Reifenaufstellfläche gleichzeitig gedehnt. Diese Formänderung bewirkt einerseits einen Schlupf, ermöglicht jedoch andererseits die Kraftübertragung. Diese hängt vom Kraftschlussbeiwert ab, also vom Untergrund. Beim Wechsel des Fahrbahnuntergrundes, | + | Mit dem Entkuppeln wechselt das Fahrzeug in den Zustand des freien Rollens. |
| - | Die Grundregeln: | + | **Den Fahrbahnuntergrund wechseln**\\ |
| - | - Jeder Reifen kann eine maximale Kraft auf die Fahrbahn übertragen – mehr geht nicht. | + | Solange der Reifenlatsch an der Fahrbahn haftet, staut sich der Reifengummi vor der Reifenaufstellfläche und wird durch das angetriebene Rad hinter der Reifenaufstellfläche gleichzeitig gedehnt. Diese Formänderung bewirkt einerseits einen Schlupf, ermöglicht jedoch andererseits die Kraftübertragung. Diese hängt vom Kraftschlussbeiwert ab, also vom Untergrund. Beim Wechsel des Fahrbahnuntergrundes, |
| - | - Diese Kraft verteilt | + | |
| - | - Die Summe von Längskraft plus Seitenkraft ist immer gleich. | + | |
| - | Werden also 95% der maximal verfügbaren Kraft für Traktion, also Geradeausfahrt, | + | |
| - | Der »Kammsche Kreis« veranschaulicht dieses Zusammenspiel. Der größere äußere Kreis entspricht der Fahrbahn mit dem höheren Kraftschlussbeiwert, | + | |
| - | ===== Plastischer Untergrund: Der Reifen! soll sich verformen ===== | + | ==== Offroad |
| - | Abseits ebener und harter Straßenbeläge wird die »reine« Physik schmutzig. Wenn sich der Untergrund unter dem Reifen verformt, verbiegt sich auch die Theorie. Das Fahren auf einem plastischen Untergrund kann das 10-100fache des Rollwiderstandes betragen, den derselbe Untergrund hätte, wäre er hart [Heißing 2013]. Jeder Zentimeter Spurtiefe | + | Abseits ebener und harter Straßenbeläge wird die »reine« Physik |
| * Verdichten des Untergrundes | * Verdichten des Untergrundes | ||
| * Verdrängen des Erdkeils vor dem Reifen: »Bulldozing« | * Verdrängen des Erdkeils vor dem Reifen: »Bulldozing« | ||
| * seitliche Reibung in den Spurrillen | * seitliche Reibung in den Spurrillen | ||
| - | Während auf festem Untergrund der Rollwiderstand mit zunehmendem Reifendruck sinkt, weil der Reifen sich dann weniger verformt, ist dies im Gelände umgekehrt. Der Rollwiderstand sinkt mit abnehmender | + | |
| - | * Er vergrößert die Radaufstellfläche, | + | ==== Rollwiderstand und Reifendruck ==== |
| + | Während auf festem Untergrund der Rollwiderstand mit zunehmendem Reifendruck sinkt, weil der Reifen sich dann weniger verformt, ist dies im Gelände umgekehrt. Der Rollwiderstand sinkt mit abnehmendem | ||
| + | * Er vergrößert die Radaufstellfläche, | ||
| * Er übt geringeren Druck auf den Untergrund aus und mindert dadurch den Energieverlust durch Verdichtung. | * Er übt geringeren Druck auf den Untergrund aus und mindert dadurch den Energieverlust durch Verdichtung. | ||
| * Er mindert aus demselben Grund den Erdkeil vor dem Reifen sowie das Einsinken und senkt dadurch den Energieverlust durch Verdrängen und seitliche Spurrillenreibung. | * Er mindert aus demselben Grund den Erdkeil vor dem Reifen sowie das Einsinken und senkt dadurch den Energieverlust durch Verdrängen und seitliche Spurrillenreibung. | ||
| - | ==== Das wirkt besonders: Den Reifeninnendruck | + | === Erfahrungen aus der Praxis: |
| - | Der mittlere Kontaktflächendruck auf den Untergrund ist 25% höher als der Reifeninnendruck: | + | * Auf den nahezu ausschließlichen sandigen Pisten des Kgalakgadi-Transfrontierpark im südlichen Afrika empfehlen die Ranger durchgehend das Fahren mit 1,6 bar und maximale Geschwindigkeiten von 50 km/h. Das klappt hervorragend.\\ |
| - | Experimentell wurde im Gelände für einen Reifen ermittelt, wie Reifeninnendruck und Zugkraft zusammenhängen. | + | * Auch bei pastösen Böden (dicker Schlamm) hilft das Absenken des Drucks; bei dünnem Schlick auf hartem Untergrund ist höherer Druck von Vorteil.\\ |
| - | Auf den nahezu ausschließlichen sandigen Pisten des Kgalakgadi-Transfrontierpark im südlichen Afrika empfehlen die Ranger durchgehend das Fahren mit 1,6 bar und maximale Geschwindigkeiten von 50 km/h. Das klappt hervorragend. Auch bei pastösen Böden (dicker Schlamm) hilft das Absenken des Drucks; bei dünnem Schlick auf hartem Untergrund ist höherer Druck von Vorteil. Auf hartem, unebenem Untergrund steigert ein vorsichtiges Luftablassen den Fahrkomfort, | + | * Auf hartem, unebenem Untergrund steigert ein vorsichtiges Luftablassen den Fahrkomfort, |
| - | Für Fahrten | + | * Schlauchlose Reifen sind von Vorteil, denn die Flankenverformung bei geringem Luftdruck zerstört den Schlauch.\\ |
| - | Versuche ergaben, dass das Verringern des Luftdrucks die Zugkraft stärker | + | * Der Reifeninnendruck |
| - | Typisch fürs Gelände sind die dynamischen vertikalen Radlastschwankungen. | + | * Er ist zu niedrig oder das Drehmoment zu hoch, wenn der Reifen auf der Felge wandert [Spreu 2015]. |
| - | Anders als auf ebener Fahrbahn kann die effektive Reifenaufstellfläche | + | |
| - | Standard-, Breit-und Zwillingsbereifung reduzieren – in dieser Reihe zunehmend – den Kontaktflächendruck, | + | === Experimentell ermittelte Werte === |
| - | Ackerschlepper dürfen die Böden weder verdichten noch die Oberfläche aufreißen. Sie fahren daher mit 0,5 bis 0,8 bar auf den angetriebenen Reifen; zur besseren Kraftübertragung werden die Reifen ballastiert, | + | * **Der mittlere Kontaktflächendruck** auf den Untergrund ist 25% höher als der Reifeninnendruck: |
| - | Baustellenfahrzeuge | + | * **Zugkraft, Reifeninnendruck und Schlupf: |
| - | Formschluss und Verzahnung | + | * **Vorfahrt |
| - | Wenn die kraftschlüssige Übertragung ausgeschöpft ist, schlägt die Stunde für Spikes, (Schnee-)ketten, | + | * **Zugkraft, Reifeninnendruck und Achslast:** Das Verringern des Luftdrucks |
| + | * Obwohl der Druck auf den Untergrund sinkt, werden höhere Zugkräfte übertragen [DLG Merkblatt 356, Volk 2003].\\ | ||
| + | | ||
| + | * Halbierter Luftdruck im Reifen | ||
| + | * **Radialreifen** haben bei verringertem Druck eine größere Reifenaufstandsfläche als Diagonalreifen; | ||
| + | * **Standard-, Breit-und Zwillingsbereifung** reduzieren – in dieser Reihe zunehmend – den Kontaktflächendruck, | ||
| + | * **Baustellenfahrzeuge** sind sowohl für die Straße als auch fürs Gelände bereift; insbesondere hier trifft man auf Zwillingsbereifung und Reifengrößen von 17,5“ bis 22,5“ mit hohem Reifendruck von etwa 8-9 bar.\\ | ||
| + | * **Ackerschlepper** dürfen die Böden weder verdichten noch die Oberfläche aufreißen. Sie fahren daher mit 0,5 bis 0,8 bar auf den angetriebenen Reifen; zur besseren Kraftübertragung werden die Reifen ballastiert, | ||
| + | |||
| + | ==== Radlast, Druck und Aufstellfläche ==== | ||
| + | Die Radlast wird überwiegend (typisch | ||
| + | Die Traglast des Reifens steigt mit dem Innendruck, mit dessen Aufstellfläche und der Einfederungsstrecke sowie mit der Steifigkeit der Karkasse. Bei dynamischer Belastung übernehmen | ||
| + | Etwa 0,01 % der Radlast wirken | ||
| + | Die Latschfläche vergrößert sich mit der Radlast.\\ | ||
| + | Eine geringere Fahrzeugmasse ist vorteilhaft | ||
| + | Ein höheres Gewicht auf den angetriebenen Rädern verbessert die Verzahnung auf den Untergrund | ||
| + | |||
| + | Typisch fürs Gelände sind die **dynamischen vertikalen Radlastschwankungen**. Die Eigenfrequenz des gesamten Radsystems liegt zwischen 10 und 15 Hz. Ein Wellblechuntergrund, | ||
| + | |||
| + | ==== Formschluss und Verzahnung | ||
| + | Wenn die kraftschlüssige Übertragung ausgeschöpft ist, schlägt die Stunde für Spikes, (Schnee-)ketten, | ||
| - | Eine geringere Fahrzeugmasse ist vorteilhaft auf Sand und Morast, denn nachgiebige Untergründe werden weniger verformt; das Fahrzeug sinkt geringer ein, die Flankenreibung sinkt und der Erdkeil vor dem Reifen wird kleiner. Eine höheres Gewicht auf den angetriebenen Rädern verbessert die Verzahnung auf den Untergrund etwa bei dünnem Schlamm, senkt den Schlupf und mindert das Aquaplaning.\\ | ||
| Kampfpanzer verzahnen sich mit Panzerketten im Untergrund; KAT I Radfahrzeuge sollen fähig sein, ihnen im Gelände zu folgen, müssen jedoch auch Straßenlaufeigenschaften haben, hier überwiegt 14R20 bis 16R20. Radpanzer passen den Reifendruck mittels Reifendruckanlagen an; auch für bestimmte geländegängige Feuerwehrfahrzeuge sind solche Anlagen vorgeschrieben.\\ | Kampfpanzer verzahnen sich mit Panzerketten im Untergrund; KAT I Radfahrzeuge sollen fähig sein, ihnen im Gelände zu folgen, müssen jedoch auch Straßenlaufeigenschaften haben, hier überwiegt 14R20 bis 16R20. Radpanzer passen den Reifendruck mittels Reifendruckanlagen an; auch für bestimmte geländegängige Feuerwehrfahrzeuge sind solche Anlagen vorgeschrieben.\\ | ||
| - | Stollenreifen beeindrucken durch Aussehen. Sie beeindrucken auch im Schnee, im Schlamm und auf nassen Wiesen. Reisende beurteilen allerdings den Einsatz im realen Mix von Straße und Gelände sehr skeptisch (z.B. sehr ausführlich www.abseitsreisen.de). Hauptargumente dagegen sind die mangelnde Verfügbarkeit auf anderen Kontinenten sowie der hohe Verschleiß auf der Straße.\\ | + | |
| - | Welche | + | ===== Welche Reifen? ===== |
| - | Es gibt keine definierten Kennzahlen speziell für Geländereifen. | + | Der Nutzen breiterer Reifen ist umstritten. Heutige Reifen tragen die Fahrzeugmasse über das Luftpolster, nicht über die Reifenflanken. Die Reifenaufstandsfläche bleibt bei unveränderter Last also gleich, unabhängig |
| - | Wohl gilt seit 2012 mit der Verordnung EG 1222/2009 eine Kennzeichnungspflicht für Neureifen (Pkw, Transporter, | + | |
| - | (1.) Rollwiderstand als Maß für den Kraftstoffverbrauch | + | Zwei Faktoren wirken sicher in den meisten Geländesituationen positiv auf die Kraftübertragung: |
| - | (2.) Nasshaftung als Maß für die Bremsperformance und | + | |
| - | (3.) Dezibel als Maß für die Geräuschentwicklung. | + | Es gibt keine definierten Kennzahlen speziell für Geländereifen. Wohl gilt seit 2012 mit der Verordnung EG 1222/2009 eine Kennzeichnungspflicht für Neureifen (Pkw, Transporter, |
| - | Diese Verordnung gilt nicht für runderneuerte Reifen, Reifen ohne Straßenzulassung, Rennreifen, Notradreifen | + | |
| - | SUV mit richtig Power können keine echten Geländereifen aufziehen, weil diese keinen hohen Speedindex haben. Solche Geländereifen sind für richtige Geländewagen gemacht, die auf der Autobahn jedoch selten links fahren können, die also einen deutlich niedrigeren Speedindex eingetragen haben. \\ | + | |
| - | POR-Reifen | + | |
| - | Nun haben aber auch viele POR-Reifen keine M& | + | Diese Verordnung gilt nicht für |
| - | Wem wird mit diesen Regelungen gedient? Cui bono?\\ \\ | + | * runderneuerte Reifen |
| - | Lkw-Reifen gibt es für Antriebs-, Lenk- und Anhängerachsen sowie für Bus- & Fernverkehr, | + | * Reifen ohne Straßenzulassung |
| + | * Rennreifen | ||
| + | * Notradreifen | ||
| + | * Oldtimerreifen | ||
| + | * Professionelle | ||
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| + | ==== Professionelle Off-Road-Reifen POR ==== | ||
| + | POR sind speziell auf eine außergewöhnliche Haftungsleistung bei schlechten Bedingungen und jeder Fahrbahnbeschaffenheit ausgelegt | ||
| + | Laut StVO dürfen diese Reifen dennoch gefahren werden, wenn sie mit M&S oder Schneeflockensymbol gekennzeichnet sind und der dafür vorgesehene M& | ||
| + | Nun haben aber viele POR-Reifen keine M& | ||
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| + | ==== Lkw-Reifen | ||
| + | // | ||
| * rund 10% geringerer Verbrauch bei Straßenfahrt | * rund 10% geringerer Verbrauch bei Straßenfahrt | ||
| * etwa dreifach längere Nutzungsdauer | * etwa dreifach längere Nutzungsdauer | ||
| * Fahrverhalten: | * Fahrverhalten: | ||
| - | Auch der Nutzen breiterer Reifen ist umstritten. Heutige Reifen tragen die Fahrzeugmasse über das Luftpolster, | ||
| - | Zwei Faktoren wirken sicher in den meisten Geländesituationen positiv auf die Kraftübertragung: | ||
| + | »Stollenreifen« beeindrucken durch Aussehen. Sie beeindrucken auch im Schnee, im Schlamm und auf nassen Wiesen. Reisende beurteilen allerdings den Einsatz im realen Mix von Straße und Gelände sehr skeptisch, | ||
| ===== Schlussbetrachtung ===== | ===== Schlussbetrachtung ===== | ||
| Kaufen ist ein emotionaler Vorgang, bei dem sich der Verstand oft vergeblich an einer Kosten-Nutzen-Analyse abarbeitet, während gleichzeitig an ihm vorbei bereits alles aus dem Bauch heraus entschieden wird. Auch das »haben-wollen« hat weniger mit Argumenten als mit Image zu tun. Beim Reifenkauf scheint das nicht viel anders zu sein. \\ | Kaufen ist ein emotionaler Vorgang, bei dem sich der Verstand oft vergeblich an einer Kosten-Nutzen-Analyse abarbeitet, während gleichzeitig an ihm vorbei bereits alles aus dem Bauch heraus entschieden wird. Auch das »haben-wollen« hat weniger mit Argumenten als mit Image zu tun. Beim Reifenkauf scheint das nicht viel anders zu sein. \\ | ||
| - | Erschwerend kommt hinzu, dass der Sachverhalt besonders schwierig ist (ein komplexer Prozeß, multifaktoriell und so …). Zudem ist er sachlich kaum erschließbar. Systematische Tests für das Fahren im Gelände mit Messwerten und Auswertungen sind nahezu ausschließlich in der agrar- und forstwirtschaftlichen Fachliteratur veröffentlicht. Die Fachwissenschaft rund um die Dynamik der Kraftfahrzeuge beschäftigt sich nahezu ausschließlich mit dem Fahren auf der Straße. | + | Erschwerend kommt hinzu, dass der Sachverhalt besonders schwierig ist (ein komplexer Prozeß, multifaktoriell und so …). Zudem ist er sachlich kaum erschließbar: |
| - | Drittens | + | - Systematische Tests für das Fahren im Gelände mit Messwerten und Auswertungen sind nahezu ausschließlich in der agrar- und forstwirtschaftlichen Fachliteratur veröffentlicht. |
| - | Reifenhersteller müssen Reifen verkaufen. Da ist es nur folgerichtig, | + | - Die Fachwissenschaft rund um die Dynamik der Kraftfahrzeuge beschäftigt sich nahezu ausschließlich mit dem Fahren auf der Straße. |
| - | | + | - Es gibt keine Lobby der Fernreisemobilisten, |
| - | | + | - Reifenhersteller und –verkäufer, |
| - | | + | Zu verschieden sind also die Bedürfnisse und Anforderungen der Nutzergruppen, |
| + | Reifenhersteller müssen Reifen verkaufen. Da ist es nur folgerichtig, | ||
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| - | Abseitsreisen.de schreibt: »Stollenreifen für Lastwagen werden außerhalb von Europa normalerweise nicht geführt, außer reine AS Ackerprofile für Traktoren, die sich nun wirklich keiner antun möchte. Einzig auf Militär- und Feuerwehrfahrzeugen entdeckt man gelegentlich MPT-Geländereifen, | ||
| Die Suche nach der perfekten Reifenlösung frißt Zeit, Nerven und Geld, ohne dass eine Antwort klarer wird. Ressourcenschonender ist es, den Standpunkt zu wechseln, solche Standpunkte könnten sein: | Die Suche nach der perfekten Reifenlösung frißt Zeit, Nerven und Geld, ohne dass eine Antwort klarer wird. Ressourcenschonender ist es, den Standpunkt zu wechseln, solche Standpunkte könnten sein: | ||
| - | • Gerade bei monate- und jahrelangen Reisen ist der Geländeanteil klein gegenüber dem Straßenanteil. Die Auswahl der Reifen sollte dementsprechend gewichtet werden. Der Geländeanteil ist um so höher zu gewichten, je ausgesetzter und abgelegener die Fahrstrecken sind. | + | * Gerade bei monate- und jahrelangen Reisen ist der Geländeanteil klein gegenüber dem Straßenanteil. Die Auswahl der Reifen sollte dementsprechend gewichtet werden. Der Geländeanteil ist um so höher zu gewichten, je ausgesetzter und abgelegener die Fahrstrecken sind. |
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| ===== Quellen ===== | ===== Quellen ===== | ||
| - | Alle Fotos von Norbert Lüdtke und Sonja Roschy.\\ | ||
| - | Zusammenhänge wurden in Textform dargestellt, | ||
| - | Horst Bauer (Hrsg.): Kraftfahrtechnisches Taschenbuch. Robert Bosch GmbH. Vieweg Wiesbaden 2003\\ | ||
| - | Hans-Hermann Braess, Ulrich Seiffert: Handbuch Kraftfahrzeugtechnik. Vieweg Wiesbaden 2005\\ | ||
| - | Bert Breuer, Karlheinz H. Bill (Hrsg.): Bremsenhandbuch. Vieweg Wiesbaden 2003\\ | ||
| - | Bernd Heißing, M. Ersoy, St. Gies: Fahrwerkhandbuch: | ||
| - | Erich Hoepke, Stefan Breuer: Nutzfahrzeugtechnik: | ||
| - | S. Huschek: Kennzeichnung der Oberflächenrauheit und deren Einfluß auf die Griffigkeit und die Reifengeräusche. Fahrzeug und Fahrbahn, FGSV-Tagung Karlsruhe 10. & 11.10.1995\\ | ||
| - | Frank Klempau: Untersuchungen zum Aufbau eines Reibwertvorhersagesystems im fahrenden Fahrzeug. Diss. Darmstadt 2003\\ | ||
| - | Horst Kuchling: Taschenbuch der Physik. VEB Leipzig 1986\\ | ||
| - | G. Kühn: Der gleislose Erdbau. Berlin Springer 1956\\ | ||
| - | Ulli Kulke: Als die ganze Welt ins Rollen geriet. Die Welt 08.01.2013.\\ | ||
| - | Online www.welt.de/ | ||
| - | B. Lorenz, Persson BN, Fortunato G, Giustiniano M, Baldoni F. J: Rubber friction for tire tread compound on road surfaces. Phys Condens Matter. 2013 Mar 6; 25(9): | ||
| - | www.fz-juelich.de/ | ||
| - | Manfred Mitschke, Henning Wallentowitz: | ||
| - | Ernst Joachim Schramm: Reibung von Elastomeren auf rauen Oberflächen und Beschreibung von Nassbremseigenschaften von Pkw-Reifen. Diss. Regensburg 2002, | ||
| - | Download http:// | ||
| - | H. Schulz u.a.: Landwirtschaftliche Fahrzeuge und Krane, Berlin 1987\\ | ||
| - | Albert Spreu: Der richtige Luftdruck macht’s. Bauernblatt 11. April 2015 36-37\\ | ||
| - | Terranimo: Kontaktfläche, | ||
| - | Ludwig Volk, Kirsten Schnapp, FH Südwestfalen, | ||
| - | www4.fh-swf.de/ | ||
| - | https:// | ||
| - | Die praktische Antwort | + | Alle Fotos von [[wiki: |
| - | langsam fahren. | + | Zusammenhänge wurden in Textform dargestellt, |
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| + | * Terranimo\\ // | ||
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| + | * Reifenlexikon | ||
wiki/raeder.1529583682.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
