Buchner, E. etal. (2012)Buddha from space — An ancient object of art made of a Chinga iron meteorite fragment
Meteoritics & Planetary Science, 47: 1491-1501. https://doi.org/10.1111/j.1945-5100.2012.01409.x
Dies ist eine alte Version des Dokuments!
Im Hinduismus bezeichnet das Sanskritwort vajra वज्र eine Waffe des Gottes Indra, die meist als Donnerkeil übersetzt wird und als Blitzsymbol gedeutet; sie wurde geworfen oder geschwungen. Die Hantelform und die beidseitigen Spitzen erinnern an eine Mörserkeule (römisch pilum) mit mittiger Handhabe und an eine Doppelaxt (griechisch Pelekys, persisch Labrys, minoisch »Amazonenaxt«) mit geschäftetem Stiel in der Mitte, die beide als Werkzeug, Waffe, Zepter und Kultgegenstand archäologisch nachweisbar sind. Die Doppelaxt ist eine Leitform der neolithischen Trichterbecherkultur.
Nach der indischen Mythologie hatte Indra diese besonders schwere Waffe aus den Knochen des Dadhīca (tibetisch Źo thuń), einer Sagengestalt, hergestellt. Diese Unzerstörbarkeit meint der Beiname `Diamant´, tibetisch rdo rje (»Herr der Steine«). Der Vajra/Dorje symbolisiert daher die allem zugrundeliegende, unveränderbare Wirklichkeit. Der zweite Beiname zamba bezeichnet auch das eiserne Endstück eines Pistills; eine eiserne Kette; ein Längenmaß sowie Tätigkeiten des Pflügens (Sanskrit-Lexikon Cologne) und symbolisiert das männliche Prinzip, während die Glocke Gantha das weibliche Prinzip darstellt.
Alle Aspekte lassen sich deuten mit dem Herstellen von Werkzeugen und Waffen aus Natureisen (Meteoriteneisen) 1) im 3. und 4. Jahrtausend BC, das den 40fachen Wert von Silber hatte 2). In Mesopotamien wurde Eisen zuerst schriftlich erwähnt als »Kupfer des Himmels« (hethitisch AN.BAR GE6, sumerisch urudu-an-bar, altägyptisch bj-n-pt, ḥmt-n-p.t), also sowohl sachlich die Herkunft als Meteoreisen angebend als auch symbolisch »von den Göttern kommend«, vergleichbar tibetisch Thokcha (ཐོག་ལྕགས thog lcags; གནམ་ལྕགས gnam lcags) aus thog `Donner, Blitz, Dach, oben´ und lcag `Eisen´ übersetzt, also `Eisen vom Himmel´. Das Feuerschweißen mit Zusatz von Knochen härtet das weiche Eisen zu Stahl, weil dadurch der Kohlenstoffanteil der Legierung erhöht wird. Die Rolle als Pioniere der Eisenverhüttung und -vermarktung im 2. Jahrtausend BC wird den Hethitern in Anatolien zugeschrieben.
Etymologisch führen vajra, avestisch vazra- (Mithras Keule), finnisch wasara, ossetisch vasar für `Hammer´ über Proto-Finno-Uralisch *vaśara, „Hammer, Axt“ auf eine PIE-Wurzel *weg' `mächtig werden´ zurück 3). Die doppelte Wertschätzung als Werkzeug (Pistill, Mörserkeule) zum Aufbereiten der Nahrung und als Waffe (Keule, Axt) zum Töten machte das Gerät zum göttlichen Symbol für Macht, zum Kultgegenstand und zum Zepter der Herrscher.
Insbesondere in den indoeuropäischen Mythen, aber auch bei den benachbarten semitischen Völkern, führt der Wettergott Blitz und Donner als Waffen und wird damit auch zum Göttervater: griechisch Zeus, römisch Jupiter, germanisch Thor, keltisch Taranis, luwisch Tarhunzas (auch: deus tonitrus), hethitisch Tarhunnas … und wurzelt im Proto-Indo-Europäischen Gott Perkwunos 4) mit dem Beinamen Tṛḫu-ent- `Eroberer´ 5) und in einm Verb mit der PIE-Wurzel *terh₂- `durchdringen, überqueren, überwinden´, also bedeutungsgleich mit hethitisch tarḫu-zi, `herrschen, erobern, kraftvoll, fähig sein, siegen´. Dieselbe Wurzel haben der etruskische Reisegott 𐌕𐌖𐌓𐌌𐌑 Turms, der armenische Tirs, der vedische Twaschtir.
Der mythische Plot zeigt überall dieselbe Struktur:
Im hethitischen Raum findet sich der Wettergott auf zwei Bergen an der heute türkisch-syrischen Grenze: Tarhunzas wurde auf dem Arputa (Arputawanis Tarhunz) verehrt, und Ba’al Ṣāpôn sowie Zeus Kasios und Teššub auf dem Kel Dağı (=Ḫazzi, Kasion, Sapano, Jebel al-Akra) am Orontes.
Mit der einsetzenden Eisenverhüttung im zweiten Jahrtausend BC durch die Hethiter verändern sich die Waffen.
Baal mit Blitzbündel und Donnerkeule gehört zu einer Götter-Trias und beendet als Wettergott die Dürre; er kämpft mit der Waffe ṣmd gegen die Schlange Yam; sein Schmied heißt Kothar 6), dieser fertigt für ihn die Waffen Yagarrish und Ayyamarri, `Vertreiber´ und `Jäger´, Baal wird gezeigt mit einem speerartigen Blitzsymbol in der linken und einem keulenförmigen Donner in der rechten Hand.Herakles mit der Wasserschlange Hydra;Hephaistos; er kämpft damit gegen den schlangenköpfigen Typhon.Indra tötet mit seinem Donnerkeil vajra den Drachen Vritra 7), einen Dürredämon (Asura), auch als Schlange Ahi bezeichnet. Daher erhielt Indra den Beinamen „Vṛtrahan“, also Töter von Vitra. Der Schmied des vajra war Tvashtri (Sanskrit त्वष्टृ Tvaṣṭṛ `Former´ > Künstler, Techniker, Erzeuger).VerethragnaFereidun (< Traitaunas, Sohn von Tritas) tötet den dreiköpfigen Drachen Zahhak (Aži Dahāk, Dahāka, Dahāg)mGar-ba-nag-po `schwarze Schmied´ gilt als Wettergott und führt einen Stab mit drei dorje (=vajra) aus Meteoreisen in der rechten Hand 8)Thor mit seinem Gewitterhammer Mjölnir gegen die Midgardschlange, Kampf von Siegfried gegen den Drachen mit seinem SchwertDer Vajra ist hantelförmig; die dicken Enden sind korbartig aufgeweitet mit Speichen und mit (sechs) Spitzen versehen. die korbartige Aufweitung eines metallenen Stabes findet sich auch beim Stab gandr der germanischen, wandernden Seherinnen völva 9).
Buchner, E. etal. (2012)Parpola, Asko; Carpelan, Christian (2005). Edwin Francis Bryant; Laurie L. Patton (eds.). The Indo-Aryan Controversy: Evidence and Inference in Indian History. Routledge. ISBN 978-0-7007-1463-6Asko Parpola (2015). The Roots of Hinduism: The Early Aryans and the Indus Civilization.Das Gupta, Tapan Kumar Der Vájra, eine vedische WaffeDahlaquist, Allan. Megasthenes and Indian ReligionPirkuschi eine Keule und einen Bogen aus Eisen her, für Kopala, den Gott der Blitze, sieheGeorges DumézilHutter, Sylvia (ed.) gemeinsam mit M. Hutter. 2004.Siegbert HummelVölundr (=Wieland, Wēlund, Velent, ᚹᛖᛚᚩᛞᚢ wela[n]du 'wayland', auf einem Solidus des 6. Jh.Berghaus, P. & Schneider, K.