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wiki:voelkerkunde

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wiki:voelkerkunde [2025/06/05 05:41] – [Nomaden] Norbert Lüdtkewiki:voelkerkunde [2026/04/06 18:34] (aktuell) – [Völkerkunde] Norbert Lüdtke
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 Wer kann denn auf Anhieb den Unterschied zwischen [[https://www.kulturglossar.de/html/e-begriffe.html#ethnologie|Ethnologie]], Völkerkunde und Soziologie erklären? Völkerkunde darf man nicht mehr sagen – stimmt das? Na, woll’n mal seh’n: Wer kann denn auf Anhieb den Unterschied zwischen [[https://www.kulturglossar.de/html/e-begriffe.html#ethnologie|Ethnologie]], Völkerkunde und Soziologie erklären? Völkerkunde darf man nicht mehr sagen – stimmt das? Na, woll’n mal seh’n:
  
-17 deutsche Unis bieten das Fach Völkerkunde an, etwa 10.000 Studenten belegen es. Die interessieren sich aber kaum für Friesen, Rheinländer, Bayern, selbst Basken, Schotten und Kroaten werden ignoriert. Dafür gibt’s die Volkskunde. Die Völker müssen schon recht weit weg sein: »Obwohl im Sinne unserer Wissenschaft unter Völkern alle Völker und auch kleinere nationale Einheiten wie Stämme verstanden werden, befaßt sich die völkerkundliche Forschung doch herkömmlicherweise aus praktischen und anderen Gründen bevorzugt mit den weniger komplizierten und daher der Untersuchung zugänglicheren Naturvölkern … mit geringen Mitteln zur Naturbeherrschung…« (Fischer-Lexikon Völkerkunde 1959).+17 deutsche Unis bieten das Fach Völkerkunde an, etwa 10.000 Studenten belegen es. Die interessieren sich aber kaum für Friesen, Rheinländer, Bayern, selbst Basken, Schotten und Kroaten werden ignoriert. Dafür gibt’s die Volkskunde, ein Begriff, der bereits 1782 ((''Kutter, Uli''\\ //Volks-KundeEin Beleg von 1782.//\\ Zeitschrift für Volkskunde, Stuttgart, 74 (1978) 161-166)), gleich mehrfach in der Zeitschrift //Der Reisende. Ein Wochenblatt zur Ausbreitung gemeinnütziger Kenntnisse//, erscheint [[https://books.google.de/books?id=sQVHAAAAcAAJ&vq=volkskunde&hl=de&pg=PP5#v=onepage&q=volks-kunde&f=false|Online]]. 
 +  * ''Stephan Bachter''\\ //Aufklärungshistorie und „volkskundliche" Interessen. Ein Versuch zur Ordnung der Fachgeschichte im 18. Jahrhundert//\\ Augsburger Volkskundliche Nachrichten: 7.1 (1998) 41--62 
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 +Die Völker müssen schon recht weit weg sein: »Obwohl im Sinne unserer Wissenschaft unter Völkern alle Völker und auch kleinere nationale Einheiten wie Stämme verstanden werden, befaßt sich die völkerkundliche Forschung doch herkömmlicherweise aus praktischen und anderen Gründen bevorzugt mit den weniger komplizierten und daher der Untersuchung zugänglicheren Naturvölkern … mit geringen Mitteln zur Naturbeherrschung…« (Fischer-Lexikon Völkerkunde 1959).
   * ''Heckmann, F.''\\ //Ethnische Minderheiten, Volk und Nation//\\ Soziologie interethnischer Beziehungen\\ Stuttgart: Enke 1992   * ''Heckmann, F.''\\ //Ethnische Minderheiten, Volk und Nation//\\ Soziologie interethnischer Beziehungen\\ Stuttgart: Enke 1992
   * ''Nikolaus Bernau''\\ //Als die Völkerkunde zu schimmern begann//\\ FAZ 12.07.2024    * ''Nikolaus Bernau''\\ //Als die Völkerkunde zu schimmern begann//\\ FAZ 12.07.2024 
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 Für den Großen Meyer ist die Völkerkunde noch 1979 eine »Wissenschaft der schriftlosen Völker«. Was wird denn daraus, wenn die »Naturvölker« alle Transistorradios haben und schreiben können? Oder sie können nicht schreiben und leben in Berliner, Dortmunder oder Frankfurter [[wiki:auslaender|Ausländerghettos]]? Sind sie dann für die Völkerkunde interessant? Ein paar Unis betreiben bereits eine europäische Ethnologie und sind dabei, sie mit der Soziologie zu verschmelzen, die ja schließlich »die Formen des menschlichen Zusammenlebens und die dadurch hervorgerufenen Verhaltensweisen« untersucht. Auch das Völkerkundemuseum Basel suchte einen Ausweg und nennt sich nun Museum der Kulturen. Was ist damit gewonnen? ''Michel Leiris'' fand eine schöne Metapher für das Problem des Ethnologen:// »Was man zu fassen bekommt, ist immer der Schatten und nicht die Beute.«// Für den Großen Meyer ist die Völkerkunde noch 1979 eine »Wissenschaft der schriftlosen Völker«. Was wird denn daraus, wenn die »Naturvölker« alle Transistorradios haben und schreiben können? Oder sie können nicht schreiben und leben in Berliner, Dortmunder oder Frankfurter [[wiki:auslaender|Ausländerghettos]]? Sind sie dann für die Völkerkunde interessant? Ein paar Unis betreiben bereits eine europäische Ethnologie und sind dabei, sie mit der Soziologie zu verschmelzen, die ja schließlich »die Formen des menschlichen Zusammenlebens und die dadurch hervorgerufenen Verhaltensweisen« untersucht. Auch das Völkerkundemuseum Basel suchte einen Ausweg und nennt sich nun Museum der Kulturen. Was ist damit gewonnen? ''Michel Leiris'' fand eine schöne Metapher für das Problem des Ethnologen:// »Was man zu fassen bekommt, ist immer der Schatten und nicht die Beute.«//
  
-So oder so: Das "Reisen" bleibt weiterhin ausgeblendet und wird nicht Teil der Selbstbefragung, wobei doch ohne Reisen die Anderen nicht zu uns und die Ethnologen nich zu den Fremden kommen können.\\ Ebenso seltsam mutet die quantitative Explosion der [[wiki:liste_ausstellungen|Ausstellungskultur]] in den letzten Jahrzehnten an: die Selbstzweifel stehen dabei nicht im Gleichgewicht mit dem Bedürfnis zu zeigen, was man hat.+Im Zeitalter der Entdeckungsreisen traf man zwar auf andere Völker, doch widmeten Entdecker und Erforscher ihnen erst spät eine besondere Aufmerksamkeit. Mal vom Rauben abgesehen, widmeten sich die Expeditionen eher Küstenlinien, Segelrouten, Pflanzen, Vögeln, Fischen, Hauptsache: fremd und neu. Und obwohl die fremde Sprache das Erste war, was anzueignen sinnvoll war, wurden Sprachaufzeichnungen und -untersuchungen lange vernachlässigt. Weitere Unterscheidungsmerkmale waren Religion, Kleidung und Aussehen (Hautfarbe, Körperformen), Nation. Für Naturforscher (engl. naturalists) erhielten 'Naturvölker' erst 1774 durch ''Johann Gottfried Herder'' ((''Johann Gottfried Herder''\\ //Älteste Urkunde des Menschengeschlechts.//\\ 2 Bde. Tübingen 1774, 1776)) ihre eigene Kategorie. 
 +  * ''Stagl, Justin''\\ //Rationalism and Irrationalism in Early German Ethnology. The Controversy between Schlözer and Herder, 1772/73.//\\ Anthropos 93.4-6 (1998): 521-536. [[https://www.jstor.org/stable/40464847|Online]]\\ Diskutiert werden die Begriffe 'ethnography', 'ethnology', 'Volkskunde', 'Völkerkunde', 'Naturvölker'
 +  * ''Han F. Vermeulen''\\ //Linguistik und Völkerkunde im 18. Jahrhundert. Leibniz’ historische Linguistik als Voraussetzung für die Entstehung der Völkerkunde.//\\ S. 57–73 in: Wieland Hintzsche, Joachim Otto Habeck (Hg.): Die Erforschung Sibiriens im 18. Jahrhundert. Beiträge der Deutsch-Russischen Begegnungen in den Franckeschen Stiftungen, Halle/Saale: Franckeschen Stiftungen 
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 +So oder so: Das "Reisen" bleibt weiterhin ausgeblendet und wird nicht Teil der Selbstbefragung, wobei doch ohne Reisen die Anderen nicht zu uns und die Ethnologen nicht zu den Fremden kommen können.\\ Ebenso seltsam mutet die quantitative Explosion der [[wiki:liste_ausstellungen|Ausstellungskultur]] in den letzten Jahrzehnten an: die Selbstzweifel stehen dabei nicht im Gleichgewicht mit dem Bedürfnis zu zeigen, was man hat.
  
 → [[wiki:wissen|Wissen]]\\  → [[wiki:wissen|Wissen]]\\ 
 → [[wiki:erforscher|Erforscher und Entdecker]]\\  → [[wiki:erforscher|Erforscher und Entdecker]]\\ 
-→ [[wiki:liste_ausstellungen#Wissen: Entdecken & Erforschen |Ausstellungen zu Wissen: Entdecken & Erforschen]] +→ [[wiki:liste_ausstellungen#Wissen: Entdecken & Erforschen |Ausstellungen zu Wissen: Entdecken & Erforschen]]\\ 
 → [[wiki:Literaturliste Völkerkunde|Literaturliste Völkerkunde]] → [[wiki:Literaturliste Völkerkunde|Literaturliste Völkerkunde]]
  
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 Doch der Autor wendet sich auch an die breite Leserschaft – das ist löblich und ich wünsche ihm und seinem Buch viele Leser, doch ist das mehr als ein frommer Wunsch? Es verlangt einiges an Durchhaltevermögen, man muß es sich erarbeiten. Erleichtert wird dies, weil Semper selbst Reisender und Reiseschriftsteller ist. Er geht aus vom selbst Erlebten und hält sich nah an der Lebenswirklichkeit. Auf 12 Seiten schildert seine Begegnungen mit den Indianern Kolumbiens: »Denn es ist mir ernst damit, dieses außerordentlich wichtige Thema - die Indigenen in Kolumbien sind vielerorts in ihrer Existenz bedroht - nicht allein der Fachdiskussion zu überlassen. Bisherige Quintessenz eines langen Reiselebens, das mich durch alle Länder Lateinamerikas, viele asiatische und afrikanische Länder geführt hat: Kolumbien ist eines der wirklich noch geheimnisvollen und aufregenden (nicht unbedingt gleichzusetzen mit gefährlich) Orte auf diesem Planeten, ein Land, dem ich mich immer wieder mit großer Begeisterung nähere.« Für ernsthafte Kolumbienreisenden, für jeden, der sich für die indigenen Völker Lateinamerikas interessiert, wird seine Lektüre ein Gewinn sein. ([[wiki:luedtke_norbert|Norbert Lüdtke]], [[wiki:der_trotter|Der Trotter]]) Doch der Autor wendet sich auch an die breite Leserschaft – das ist löblich und ich wünsche ihm und seinem Buch viele Leser, doch ist das mehr als ein frommer Wunsch? Es verlangt einiges an Durchhaltevermögen, man muß es sich erarbeiten. Erleichtert wird dies, weil Semper selbst Reisender und Reiseschriftsteller ist. Er geht aus vom selbst Erlebten und hält sich nah an der Lebenswirklichkeit. Auf 12 Seiten schildert seine Begegnungen mit den Indianern Kolumbiens: »Denn es ist mir ernst damit, dieses außerordentlich wichtige Thema - die Indigenen in Kolumbien sind vielerorts in ihrer Existenz bedroht - nicht allein der Fachdiskussion zu überlassen. Bisherige Quintessenz eines langen Reiselebens, das mich durch alle Länder Lateinamerikas, viele asiatische und afrikanische Länder geführt hat: Kolumbien ist eines der wirklich noch geheimnisvollen und aufregenden (nicht unbedingt gleichzusetzen mit gefährlich) Orte auf diesem Planeten, ein Land, dem ich mich immer wieder mit großer Begeisterung nähere.« Für ernsthafte Kolumbienreisenden, für jeden, der sich für die indigenen Völker Lateinamerikas interessiert, wird seine Lektüre ein Gewinn sein. ([[wiki:luedtke_norbert|Norbert Lüdtke]], [[wiki:der_trotter|Der Trotter]])
  
-==== Leo Frobenius ==== 
- 
-  Hans-Jürgen Heinrichs 
-  Die fremde Welt, das bin ich 
-  Leo Frobenius: Ethnologe, Forschungsreisender, Abenteurer 
-  1. Auflage (=Reihe), Wuppertal: Hammer 1998. 12,5x20,5cm: 262 S., 59 Abb.  
-Die erste Biographie des umstrittensten und berühmtesten deutschen Völkerkundlers legt ein Autor vor, der seine Kompetenz bereits bei Werken über die Ethnologen Leiris, Hubert Fichte, Lacan und Lévi-Strauss bewiesen hat. Der Schriftsteller und Kulturanthropologe Heinrichs geht jedoch über eine Biographie hinaus. Frobenius war ein Außenseiter mit »anderen« Vorstellungen. Die von ihm geprägten Begriffe und Theorien standen in krassem Gegensatz zur Völkerkunde seiner Zeit. In dem von Heinrichs entworfenen Bild ordnen sich fachliche und persönliche Verhältnisse von Frobenius zu seinen Kollegen vor dem Hintergrund zeittypischer Denkmuster und -moden. Titel und Untertitel treffen ins Schwarze – wer sich davon angesprochen fühlt, sollte sich das Buch kaufen. Doch die Ansprüche an den Leser sind hoch; auch ein Fremdwörterlexikon hilft nicht immer. ([[wiki:luedtke_norbert|Norbert Lüdtke]], [[wiki:der_trotter|Der Trotter]]) 
  
 ==== Race, Sex und Gender ====  ==== Race, Sex und Gender ==== 
wiki/voelkerkunde.1749102116.txt.gz · Zuletzt geändert: von Norbert Lüdtke

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