Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


wiki:voelkerkunde

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende Überarbeitung
wiki:voelkerkunde [2026/06/26 12:17] Norbert Lüdtkewiki:voelkerkunde [2026/07/28 11:49] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1
Zeile 13: Zeile 13:
 //Eingeborene// sagt man auch nicht, hip sind derzeit //indigene Völker//. Die werden von der UNO definiert als Menschen, die historische und traditionelle Beziehungen zu ihrem Land haben. Indigen (lateinisch) übersetzt das Fremdwörterlexikon (Wahrig 1991) mit eingeboren – political correctness treibt schon seltsame Blüten: //»Mit Worten läßt sich trefflich streiten, mit Worten ein System bereiten«// (Faust). //Eingeborene// sagt man auch nicht, hip sind derzeit //indigene Völker//. Die werden von der UNO definiert als Menschen, die historische und traditionelle Beziehungen zu ihrem Land haben. Indigen (lateinisch) übersetzt das Fremdwörterlexikon (Wahrig 1991) mit eingeboren – political correctness treibt schon seltsame Blüten: //»Mit Worten läßt sich trefflich streiten, mit Worten ein System bereiten«// (Faust).
  
-Für den Großen Meyer ist die Völkerkunde noch 1979 eine »Wissenschaft der schriftlosen Völker«. Was wird denn daraus, wenn die »Naturvölker« alle Transistorradios haben und schreiben können? Oder sie können nicht schreiben und leben in Berliner, Dortmunder oder Frankfurter [[wiki:auslaender|Ausländerghettos]]? Sind sie dann für die Völkerkunde interessant? Ein paar Unis betreiben bereits eine europäische Ethnologie und sind dabei, sie mit der Soziologie zu verschmelzen, die ja schließlich »die Formen des menschlichen Zusammenlebens und die dadurch hervorgerufenen Verhaltensweisen« untersucht. Auch das Völkerkundemuseum Basel suchte einen Ausweg und nennt sich nun Museum der Kulturen. Was ist damit gewonnen? ''Michel Leiris'' fand eine schöne Metapher für das Problem des Ethnologen:// »Was man zu fassen bekommt, ist immer der Schatten und nicht die Beute.«//+Für den Großen Meyer ist die Völkerkunde noch 1979 eine »Wissenschaft der schriftlosen Völker«. Was wird denn daraus, wenn die »Naturvölker« alle Transistorradios haben und schreiben können? Oder sie können nicht schreiben und leben in Berliner, Dortmunder oder Frankfurter [[wiki:auslaender|Ausländerghettos]]? Sind sie dann für die Völkerkunde interessant? Ein paar Unis betreiben bereits eine europäische Ethnologie und sind dabei, sie mit der Soziologie zu verschmelzen, die ja schließlich »die Formen des menschlichen Zusammenlebens und die dadurch hervorgerufenen Verhaltensweisen« untersucht. Auch das Völkerkundemuseum Basel suchte einen Ausweg und nennt sich nun Museum der Kulturen. Was ist damit gewonnen? ''Michel Leiris'' fand eine schöne Metapher für das Problem des Ethnologen://»Was man zu fassen bekommt, ist immer der Schatten und nicht die Beute.«//
  
 Im Zeitalter der Entdeckungsreisen traf man zwar auf andere Völker, doch widmeten Entdecker und Erforscher ihnen erst spät eine besondere Aufmerksamkeit. Mal vom Rauben abgesehen, widmeten sich die Expeditionen eher Küstenlinien, Segelrouten, Pflanzen, Vögeln, Fischen, Hauptsache: fremd und neu. Und obwohl die fremde Sprache das Erste war, was anzueignen sinnvoll war, wurden Sprachaufzeichnungen und -untersuchungen lange vernachlässigt. Weitere Unterscheidungsmerkmale waren Religion, Kleidung und Aussehen (Hautfarbe, Körperformen), Nation. Für Naturforscher (engl. naturalists) erhielten 'Naturvölker' erst 1774 durch ''Johann Gottfried Herder'' ((''Johann Gottfried Herder''\\ //Älteste Urkunde des Menschengeschlechts.//\\ 2 Bde. Tübingen 1774, 1776)) ihre eigene Kategorie. Im Zeitalter der Entdeckungsreisen traf man zwar auf andere Völker, doch widmeten Entdecker und Erforscher ihnen erst spät eine besondere Aufmerksamkeit. Mal vom Rauben abgesehen, widmeten sich die Expeditionen eher Küstenlinien, Segelrouten, Pflanzen, Vögeln, Fischen, Hauptsache: fremd und neu. Und obwohl die fremde Sprache das Erste war, was anzueignen sinnvoll war, wurden Sprachaufzeichnungen und -untersuchungen lange vernachlässigt. Weitere Unterscheidungsmerkmale waren Religion, Kleidung und Aussehen (Hautfarbe, Körperformen), Nation. Für Naturforscher (engl. naturalists) erhielten 'Naturvölker' erst 1774 durch ''Johann Gottfried Herder'' ((''Johann Gottfried Herder''\\ //Älteste Urkunde des Menschengeschlechts.//\\ 2 Bde. Tübingen 1774, 1776)) ihre eigene Kategorie.
wiki/voelkerkunde.1782476273.txt.gz · Zuletzt geändert: von Norbert Lüdtke

Donate Powered by PHP Valid HTML5 Valid CSS Driven by DokuWiki