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wiki:welt

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wiki:welt [2026/06/01 05:32] Norbert Lüdtkewiki:welt [2026/06/01 05:41] (aktuell) Norbert Lüdtke
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 ====== Welt ====== ====== Welt ======
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   »Wir leben in der besten aller denkbaren möglichen Welten«   »Wir leben in der besten aller denkbaren möglichen Welten«
   Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716)   Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716)
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     * Reisen, Sammeln, Entdecken     * Reisen, Sammeln, Entdecken
  
-//Sechstens// - als gäbe es nicht schon genug Welten, gibt es die Welten die unsere [[wiki:liste_phantasieorte|Phantasie]] zu ihrem Vergnügen konstruiert.+//Sechstens// - als gäbe es nicht schon genug Welten, gibt es die Welten die unsere [[wiki:liste_phantasieorte|Phantasie]] zu ihrem Vergnügen konstruiert, bar jeder Notwendigkeit und Vernunft. 
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 +===== Wirklichkeiten =====
  
-==== Wirklichkeiten ==== 
 Über das, was »wirklich« existiert, lässt sich streiten. Individuelle Wirklichkeiten des [[wiki:einzelne|Einzelnen]] werden allgemein akzeptiert, wenn sie die allgemein anerkannten Wirklichkeiten nicht stören. Ihren nützlichen Wert finden sie im Probehandeln des [[wiki:abenteuer|Abenteuers]] und im [[wiki:erforscher|Erforschen]] des Unbekannten. Im Unterschied zur anerkannten Wirklichkeit, dem [[wiki:wissen|Wissen]], ist ihre Grundlage der [[wiki:glaube|Glaube]] und der Wunsch nach [[wiki:illusionen|Illusionen]]. Über das, was »wirklich« existiert, lässt sich streiten. Individuelle Wirklichkeiten des [[wiki:einzelne|Einzelnen]] werden allgemein akzeptiert, wenn sie die allgemein anerkannten Wirklichkeiten nicht stören. Ihren nützlichen Wert finden sie im Probehandeln des [[wiki:abenteuer|Abenteuers]] und im [[wiki:erforscher|Erforschen]] des Unbekannten. Im Unterschied zur anerkannten Wirklichkeit, dem [[wiki:wissen|Wissen]], ist ihre Grundlage der [[wiki:glaube|Glaube]] und der Wunsch nach [[wiki:illusionen|Illusionen]].
  
-==== Wissen und Glauben ====+===== Wissen und Glauben ====
 »[[wiki:wissen|Wissen]]« ist objektiv sicher und wirklich - zumindest innerhalb definierter Grenzen. Wissen beruht auf Fakten, die immer wieder gleichermaßen reproduzierbar und überprüfbar sind, also auf äußerer Erfahrung und Erkennnnis der Wirklichkeit. Dem gegenüber beruht »Glauben« auf innerer Erfahrung und Einsicht und führt zu Überzeugungen. Idealerweise ergänzen sich beide. Als Einstein formulierte //»Gott würfelt nicht!«// widersprach seine innere Überzeugung dem, was er selber wissenschaftlich als wahr erkannt hatte.  »[[wiki:wissen|Wissen]]« ist objektiv sicher und wirklich - zumindest innerhalb definierter Grenzen. Wissen beruht auf Fakten, die immer wieder gleichermaßen reproduzierbar und überprüfbar sind, also auf äußerer Erfahrung und Erkennnnis der Wirklichkeit. Dem gegenüber beruht »Glauben« auf innerer Erfahrung und Einsicht und führt zu Überzeugungen. Idealerweise ergänzen sich beide. Als Einstein formulierte //»Gott würfelt nicht!«// widersprach seine innere Überzeugung dem, was er selber wissenschaftlich als wahr erkannt hatte. 
  
-==== Wahr ist, was nicht falsch ist ==== +===== Wahr ist, was nicht falsch ist ====
-Eine absolute »Wahrheit« gibt es für Menschen nicht. Als »Wahr« wird anerkannt, was nützlich ist und sich einfügt. Nützlich ist alles, was hilft, in der Welt zu überleben. Auch im Bereich der Theorie gibt es also ein »survival of the fittest«. Deren Richtigkeit zu beweisen (Verifikation) ist unmöglich. Stattdessen versucht man zu beweisen, dass sie falsch ist (Falsifikation). Solange sie nicht falsch ist, gilt sie als richtig. Dass die Erde eine Scheibe ist, ist durchaus vorstellbar. Das wurde erst dann falsch, als man zu den [[wiki:grenze|Grenzen]] der Meere segelte, die [[wiki:weltreise|Welt umsegelte]]. + 
 +Eine absolute »Wahrheit« gibt es für Menschen nicht. Als »Wahr« wird anerkannt, was nützlich ist und sich einfügt. Nützlich ist alles, was hilft, in der Welt zu überleben. Auch im Bereich der Theorie gibt es also ein »survival of the fittest«. Deren Richtigkeit zu beweisen (Verifikation) ist unmöglich. Stattdessen versucht man zu beweisen, dass sie falsch ist (Falsifikation). Solange sie nicht falsch ist, gilt sie als richtig. Dass die Erde eine Scheibe ist, ist durchaus vorstellbar. ''Eratosthenes'' [um 275−194]  ermittelte um 240 vor Christus den Umfang der (kugelförmigen) Erde mit etwa 1% Genauigkeit, indem er die Strecke Assuan - Alexandria mit Hilfe eines [[wiki:stock_stab|Schattenstabes]] (Gnomon) und einer  einer skalierten Halbkugelschale (Skaphe) vermaß. Damit hatte er zwar eine schlüssige Theorie vorgelegt, die jedoch erst greifbar wurde, als man zu den [[wiki:grenze|Grenzen]] der Meere segelte, die [[wiki:weltreise|Welt umsegelte]].  
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 +===== Wahrnehmung durch Sinneskanäle =====
  
-==== Wahrnehmung durch Sinneskanäle ==== 
 Etwas für wahr //nehmen// impliziert, die Wahl zu haben, es annehmen oder auch ablehnen zu können: //»Das will ich nicht wahr haben«//. Wahrnehmung entsteht über Sinneseindrücke; sich mit anderen über diese zu unterhalten, setzt ein gemeinsames Verständnis jedoch voraus. Darin liegt die soziale Dimension von Wahrnehmung. Ein Gehörloser, der erstmals Worte hört, nimmt nur Laute wahr, keine Bedeutung. Wahrnehmung ist anthropozentrisch.  Etwas für wahr //nehmen// impliziert, die Wahl zu haben, es annehmen oder auch ablehnen zu können: //»Das will ich nicht wahr haben«//. Wahrnehmung entsteht über Sinneseindrücke; sich mit anderen über diese zu unterhalten, setzt ein gemeinsames Verständnis jedoch voraus. Darin liegt die soziale Dimension von Wahrnehmung. Ein Gehörloser, der erstmals Worte hört, nimmt nur Laute wahr, keine Bedeutung. Wahrnehmung ist anthropozentrisch. 
  
-==== Die Weltkundigen und die Zurückgebliebenen ====+===== Die Weltkundigen und die Zurückgebliebenen ====
 Und so haben [[wiki:weltreise|Weltreisende]], die »die Welt gesehen haben«, auch Unverständnis und Misstrauen zu überwinden. Ihre Wahrheit entsteht im Zusammenspiel zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit und kann durchaus im Gegensatz zur Wahrheit stehen kann, wie sie daheim gesehen wird. Und so haben [[wiki:weltreise|Weltreisende]], die »die Welt gesehen haben«, auch Unverständnis und Misstrauen zu überwinden. Ihre Wahrheit entsteht im Zusammenspiel zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit und kann durchaus im Gegensatz zur Wahrheit stehen kann, wie sie daheim gesehen wird.
  
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   * ''Peter Braun'', ''Manfred Weinberg'' (Hrsg.)\\ //Ethno/Graphie. Reiseformen des Wissens.//\\ Literatur und Anthropologie 17, Gunter Narr Tübingen 2002 420 S.   * ''Peter Braun'', ''Manfred Weinberg'' (Hrsg.)\\ //Ethno/Graphie. Reiseformen des Wissens.//\\ Literatur und Anthropologie 17, Gunter Narr Tübingen 2002 420 S.
  
-Dagegen hoffft ''Samuel Johnson'' (1709 - 1784): //»Der Sinn des Reisens besteht darin, unsere Phantasien durch die Wirklichkeit zu korrigieren. Statt uns die Welt vorzustellen, wie sie sein könnte, sehen wir sie wie sie ist.«// Schwierig, denn Reisende werden ja von ihrer Phantasie erst in die Welt getrieben. ''Johann Wolfgang Goethe'' (1749 - 1832) verlangt zudem Bildung als Voraussetzung für ein [[wiki:aufklaerung|aufgeklärtes]] Reisen, denn //»Man sieht nur, was man weiß.«// ((Verkürzt aus: S. 8, Nr. 734. 1819, 24. April Gesellschaft bei Goethe //»Dann sprach er über die Kunst zu sehen. Man erblickt nur, was man schon weiß und versteht. Oft sieht man lange Jahre nicht, was reifere Kenntniß und Bildung an dem täglich vor uns liegenden Gegenstande erst gewähren läßt. Nur eine papierne Scheidewand trennt uns öfters von unsern wichtigsten Zielen, wir dürften sie keck einstoßen und es wäre geschehen. Die Erziehung ist nichts anders als die Kunst zu lehren, wie man über eingebildete oder doch leicht besiegbare Schwierigkeiten hinauskommt.«// Goethes Gespräche: 4. Band 1819-1823. Leipzig 1889: Verlag: F. W. v. Biedermann)) Allerdings lässt sich das auch umgekehrt deuten: Wird Neues so ausgeblendet? Darauf bezieht sich ''Marcel Proust'' (1871-1922), wenn er meint: //»Die eigentlichen Entdeckungsreisen bestehen nicht im Kennenlernen neuer Landstriche, sondern darin, etwas mit anderen Augen zu sehen.«((La Prisonnière, Marcel Proust, Gallimard, 1925, S. 69 : Le seul véritable voyage, le seul bain de Jouvence, ce ne serait pas d’aller vers de nouveaux paysages, mais d’avoir d’autres yeux, de voir l’univers avec les yeux d’un autre, de cent autres, de voir les cent univers que chacun d’eux voit, que chacun d’eux est.))+Dagegen hoffft ''Samuel Johnson'' (1709 - 1784): //»Der Sinn des Reisens besteht darin, unsere Phantasien durch die Wirklichkeit zu korrigieren. Statt uns die Welt vorzustellen, wie sie sein könnte, sehen wir sie wie sie ist.«// Schwierig, denn Reisende werden ja von ihrer Phantasie erst in die Welt getrieben. ''Johann Wolfgang Goethe'' (1749 - 1832) verlangt zudem Bildung als Voraussetzung für ein [[wiki:aufklaerung|aufgeklärtes]] Reisen, denn //»Man sieht nur, was man weiß.«// ((Verkürzt aus: S. 8, Nr. 734. 1819, 24. April Gesellschaft bei Goethe //»Dann sprach er über die Kunst zu sehen. Man erblickt nur, was man schon weiß und versteht. Oft sieht man lange Jahre nicht, was reifere Kenntniß und Bildung an dem täglich vor uns liegenden Gegenstande erst gewähren läßt. Nur eine papierne Scheidewand trennt uns öfters von unsern wichtigsten Zielen, wir dürften sie keck einstoßen und es wäre geschehen. Die Erziehung ist nichts anders als die Kunst zu lehren, wie man über eingebildete oder doch leicht besiegbare Schwierigkeiten hinauskommt.«// Goethes Gespräche: 4. Band 1819-1823. Leipzig 1889: Verlag: F. W. v. Biedermann)) Allerdings lässt sich das auch umgekehrt deuten: Wird Neues so ausgeblendet? Darauf bezieht sich ''Marcel Proust'' (1871-1922), wenn er meint: //»Die eigentlichen Entdeckungsreisen bestehen nicht im Kennenlernen neuer Landstriche, sondern darin, etwas mit anderen Augen zu sehen.«// ((La Prisonnière, Marcel Proust, Gallimard, 1925, S. 69 : //Le seul véritable voyage, le seul bain de Jouvence, ce ne serait pas d’aller vers de nouveaux paysages, mais d’avoir d’autres yeux, de voir l’univers avec les yeux d’un autre, de cent autres, de voir les cent univers que chacun d’eux voit, que chacun d’eux est.//))
  
   * ''Fendl, Elisabeth'', ''Klara Löffler''\\ //„Man sieht nur, was man weiß“. Zur Wahrnehmungskultur in Reiseführern.//\\ S. 55-77 in: Dieter Kramer, Ronald Lutz (Hg.): Tourismus-Kultur, Kultur-Tourismus, Münster/Hamburg 1993.   * ''Fendl, Elisabeth'', ''Klara Löffler''\\ //„Man sieht nur, was man weiß“. Zur Wahrnehmungskultur in Reiseführern.//\\ S. 55-77 in: Dieter Kramer, Ronald Lutz (Hg.): Tourismus-Kultur, Kultur-Tourismus, Münster/Hamburg 1993.
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   Martina Backes (Hg.)   Martina Backes (Hg.)
   Fenster zur Parallelwelt. Reisebilder und Fernwehgeschichten   Fenster zur Parallelwelt. Reisebilder und Fernwehgeschichten
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 Unbestritten ist ja, daß die einen (Touristen) in eine Urlaubswelt flüchten, von der sie ein völlig falsches Bild haben und dafür bezahlen, dass dieses falsche Bild während des Urlaubs heil bleibt. Ebenso unbestritten ist, daß die anderen (Migranten) in eine Wirtschaftswelt flüchten, von der sie ein ebenso falsches Bild haben, dass sie sich ebenfalls nicht kaputt machen lassen. Beide suchen in der Fremde etwas, das sie in der Heimat nicht haben. Manche vollbringen das Kunststück, in beiden Welten zu leben. Schlaglichtartige Einsichten in diese Verhältnisse zeigt das Buch. Angenehm ist das lockere Layout trotz des ernsten Themas. Weniger locker ist der sprachliche Ausdruck einer vermutlich ideologischen Haltung, der sich in den Wortschöpfungen// »ReisendeR, TouristInnen und DienstleisterInnen«// wiederholt zeigt. Unbestritten ist ja, daß die einen (Touristen) in eine Urlaubswelt flüchten, von der sie ein völlig falsches Bild haben und dafür bezahlen, dass dieses falsche Bild während des Urlaubs heil bleibt. Ebenso unbestritten ist, daß die anderen (Migranten) in eine Wirtschaftswelt flüchten, von der sie ein ebenso falsches Bild haben, dass sie sich ebenfalls nicht kaputt machen lassen. Beide suchen in der Fremde etwas, das sie in der Heimat nicht haben. Manche vollbringen das Kunststück, in beiden Welten zu leben. Schlaglichtartige Einsichten in diese Verhältnisse zeigt das Buch. Angenehm ist das lockere Layout trotz des ernsten Themas. Weniger locker ist der sprachliche Ausdruck einer vermutlich ideologischen Haltung, der sich in den Wortschöpfungen// »ReisendeR, TouristInnen und DienstleisterInnen«// wiederholt zeigt.
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   Alexander von Humboldt   Alexander von Humboldt
   Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung   Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung
wiki/welt.1780291929.txt.gz · Zuletzt geändert: von Norbert Lüdtke

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