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wiki:welt [2026/06/01 05:39] – [Wahr ist, was nicht falsch ist] Norbert Lüdtkewiki:welt [2026/06/01 05:41] (aktuell) Norbert Lüdtke
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 ===== Wahr ist, was nicht falsch ist ===== ===== Wahr ist, was nicht falsch ist =====
  
-Eine absolute »Wahrheit« gibt es für Menschen nicht. Als »Wahr« wird anerkannt, was nützlich ist und sich einfügt. Nützlich ist alles, was hilft, in der Welt zu überleben. Auch im Bereich der Theorie gibt es also ein »survival of the fittest«. Deren Richtigkeit zu beweisen (Verifikation) ist unmöglich. Stattdessen versucht man zu beweisen, dass sie falsch ist (Falsifikation). Solange sie nicht falsch ist, gilt sie als richtig. Dass die Erde eine Scheibe ist, ist durchaus vorstellbar. 'Eratosthenes'' [um 275−194]  ermittelte um 240 vor Christus den Umfang der (kugelförmigen) Erde mit etwa 1% Genauigkeit, indem er die Strecke Assuan - Alexandria mit Hilfe eines [[wiki:stock_stab|Schattenstabes]] (Gnomon) und einer  einer skalierten Halbkugelschale (Skaphe) vermaß. Damit hatte er zwar eine schlüssige Theorie vorgelegt, die jedoch erst greifbar wurde, als man zu den [[wiki:grenze|Grenzen]] der Meere segelte, die [[wiki:weltreise|Welt umsegelte]]. +Eine absolute »Wahrheit« gibt es für Menschen nicht. Als »Wahr« wird anerkannt, was nützlich ist und sich einfügt. Nützlich ist alles, was hilft, in der Welt zu überleben. Auch im Bereich der Theorie gibt es also ein »survival of the fittest«. Deren Richtigkeit zu beweisen (Verifikation) ist unmöglich. Stattdessen versucht man zu beweisen, dass sie falsch ist (Falsifikation). Solange sie nicht falsch ist, gilt sie als richtig. Dass die Erde eine Scheibe ist, ist durchaus vorstellbar. ''Eratosthenes'' [um 275−194]  ermittelte um 240 vor Christus den Umfang der (kugelförmigen) Erde mit etwa 1% Genauigkeit, indem er die Strecke Assuan - Alexandria mit Hilfe eines [[wiki:stock_stab|Schattenstabes]] (Gnomon) und einer  einer skalierten Halbkugelschale (Skaphe) vermaß. Damit hatte er zwar eine schlüssige Theorie vorgelegt, die jedoch erst greifbar wurde, als man zu den [[wiki:grenze|Grenzen]] der Meere segelte, die [[wiki:weltreise|Welt umsegelte]].  
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 +===== Wahrnehmung durch Sinneskanäle =====
  
-==== Wahrnehmung durch Sinneskanäle ==== 
 Etwas für wahr //nehmen// impliziert, die Wahl zu haben, es annehmen oder auch ablehnen zu können: //»Das will ich nicht wahr haben«//. Wahrnehmung entsteht über Sinneseindrücke; sich mit anderen über diese zu unterhalten, setzt ein gemeinsames Verständnis jedoch voraus. Darin liegt die soziale Dimension von Wahrnehmung. Ein Gehörloser, der erstmals Worte hört, nimmt nur Laute wahr, keine Bedeutung. Wahrnehmung ist anthropozentrisch.  Etwas für wahr //nehmen// impliziert, die Wahl zu haben, es annehmen oder auch ablehnen zu können: //»Das will ich nicht wahr haben«//. Wahrnehmung entsteht über Sinneseindrücke; sich mit anderen über diese zu unterhalten, setzt ein gemeinsames Verständnis jedoch voraus. Darin liegt die soziale Dimension von Wahrnehmung. Ein Gehörloser, der erstmals Worte hört, nimmt nur Laute wahr, keine Bedeutung. Wahrnehmung ist anthropozentrisch. 
  
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   * ''Peter Braun'', ''Manfred Weinberg'' (Hrsg.)\\ //Ethno/Graphie. Reiseformen des Wissens.//\\ Literatur und Anthropologie 17, Gunter Narr Tübingen 2002 420 S.   * ''Peter Braun'', ''Manfred Weinberg'' (Hrsg.)\\ //Ethno/Graphie. Reiseformen des Wissens.//\\ Literatur und Anthropologie 17, Gunter Narr Tübingen 2002 420 S.
  
-Dagegen hoffft ''Samuel Johnson'' (1709 - 1784): //»Der Sinn des Reisens besteht darin, unsere Phantasien durch die Wirklichkeit zu korrigieren. Statt uns die Welt vorzustellen, wie sie sein könnte, sehen wir sie wie sie ist.«// Schwierig, denn Reisende werden ja von ihrer Phantasie erst in die Welt getrieben. ''Johann Wolfgang Goethe'' (1749 - 1832) verlangt zudem Bildung als Voraussetzung für ein [[wiki:aufklaerung|aufgeklärtes]] Reisen, denn //»Man sieht nur, was man weiß.«// ((Verkürzt aus: S. 8, Nr. 734. 1819, 24. April Gesellschaft bei Goethe //»Dann sprach er über die Kunst zu sehen. Man erblickt nur, was man schon weiß und versteht. Oft sieht man lange Jahre nicht, was reifere Kenntniß und Bildung an dem täglich vor uns liegenden Gegenstande erst gewähren läßt. Nur eine papierne Scheidewand trennt uns öfters von unsern wichtigsten Zielen, wir dürften sie keck einstoßen und es wäre geschehen. Die Erziehung ist nichts anders als die Kunst zu lehren, wie man über eingebildete oder doch leicht besiegbare Schwierigkeiten hinauskommt.«// Goethes Gespräche: 4. Band 1819-1823. Leipzig 1889: Verlag: F. W. v. Biedermann)) Allerdings lässt sich das auch umgekehrt deuten: Wird Neues so ausgeblendet? Darauf bezieht sich ''Marcel Proust'' (1871-1922), wenn er meint: //»Die eigentlichen Entdeckungsreisen bestehen nicht im Kennenlernen neuer Landstriche, sondern darin, etwas mit anderen Augen zu sehen.«((La Prisonnière, Marcel Proust, Gallimard, 1925, S. 69 : Le seul véritable voyage, le seul bain de Jouvence, ce ne serait pas d’aller vers de nouveaux paysages, mais d’avoir d’autres yeux, de voir l’univers avec les yeux d’un autre, de cent autres, de voir les cent univers que chacun d’eux voit, que chacun d’eux est.))+Dagegen hoffft ''Samuel Johnson'' (1709 - 1784): //»Der Sinn des Reisens besteht darin, unsere Phantasien durch die Wirklichkeit zu korrigieren. Statt uns die Welt vorzustellen, wie sie sein könnte, sehen wir sie wie sie ist.«// Schwierig, denn Reisende werden ja von ihrer Phantasie erst in die Welt getrieben. ''Johann Wolfgang Goethe'' (1749 - 1832) verlangt zudem Bildung als Voraussetzung für ein [[wiki:aufklaerung|aufgeklärtes]] Reisen, denn //»Man sieht nur, was man weiß.«// ((Verkürzt aus: S. 8, Nr. 734. 1819, 24. April Gesellschaft bei Goethe //»Dann sprach er über die Kunst zu sehen. Man erblickt nur, was man schon weiß und versteht. Oft sieht man lange Jahre nicht, was reifere Kenntniß und Bildung an dem täglich vor uns liegenden Gegenstande erst gewähren läßt. Nur eine papierne Scheidewand trennt uns öfters von unsern wichtigsten Zielen, wir dürften sie keck einstoßen und es wäre geschehen. Die Erziehung ist nichts anders als die Kunst zu lehren, wie man über eingebildete oder doch leicht besiegbare Schwierigkeiten hinauskommt.«// Goethes Gespräche: 4. Band 1819-1823. Leipzig 1889: Verlag: F. W. v. Biedermann)) Allerdings lässt sich das auch umgekehrt deuten: Wird Neues so ausgeblendet? Darauf bezieht sich ''Marcel Proust'' (1871-1922), wenn er meint: //»Die eigentlichen Entdeckungsreisen bestehen nicht im Kennenlernen neuer Landstriche, sondern darin, etwas mit anderen Augen zu sehen.«// ((La Prisonnière, Marcel Proust, Gallimard, 1925, S. 69 : //Le seul véritable voyage, le seul bain de Jouvence, ce ne serait pas d’aller vers de nouveaux paysages, mais d’avoir d’autres yeux, de voir l’univers avec les yeux d’un autre, de cent autres, de voir les cent univers que chacun d’eux voit, que chacun d’eux est.//))
  
   * ''Fendl, Elisabeth'', ''Klara Löffler''\\ //„Man sieht nur, was man weiß“. Zur Wahrnehmungskultur in Reiseführern.//\\ S. 55-77 in: Dieter Kramer, Ronald Lutz (Hg.): Tourismus-Kultur, Kultur-Tourismus, Münster/Hamburg 1993.   * ''Fendl, Elisabeth'', ''Klara Löffler''\\ //„Man sieht nur, was man weiß“. Zur Wahrnehmungskultur in Reiseführern.//\\ S. 55-77 in: Dieter Kramer, Ronald Lutz (Hg.): Tourismus-Kultur, Kultur-Tourismus, Münster/Hamburg 1993.
wiki/welt.1780292368.txt.gz · Zuletzt geändert: von Norbert Lüdtke

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