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wiki:itinerar

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wiki:itinerar [2026/02/03 06:40] – [Itinerare als Informationssystem] Norbert Lüdtkewiki:itinerar [2026/02/06 02:52] (aktuell) – [Die Funktion des Itinerars im informationsverarbeitenden System] Norbert Lüdtke
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 ===== Die antiken römischen Wurzeln des Itinerars ===== ===== Die antiken römischen Wurzeln des Itinerars =====
  
-»Itinerar(ium)« wurzelt im lateinischen //ire// '[[gehen|gehen]]', daraus abgeleitet //[[https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=iter&fromdoc=Perseus%3Atext%3A1999.04.0059|iter]]// '[[weg|Weg]]' und //in itinere// für verschiedene Zustände der [[fortbewegung|Fortbewegung]], schließlich //Iter terrestre//, //iter pedestre// ab augustinischer Zeit für eine [[routen|Route]] über Land.+»Itinerar(ium)« wurzelt im lateinischen //ire// '[[gehen|gehen]]', daraus abgeleitet //[[https://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=iter&fromdoc=Perseus%3Atext%3A1999.04.0059|iter]]// '[[weg|Weg]]' und //in itinere// für verschiedene Zustände der [[fortbewegung|Fortbewegung]] auf einem Weg, schließlich //iter terrestre//, //iter pedestre// ab augustinischer Zeit für eine [[routen|Route]] über Land.\\  
 +→ [[Formentabellen lateinischer Begriffe|Formentabellen lateinischer Begriffe: Iter, Itinerarium]]
  
 Die ältesten schriftlichen Belege für [[https://mlat.uzh.ch/dictionaries|Itinerarium]] finden sich erst spätrömisch im Ausgang des 4. Jahrhunderts n. Chr. Die ältesten schriftlichen Belege für [[https://mlat.uzh.ch/dictionaries|Itinerarium]] finden sich erst spätrömisch im Ausgang des 4. Jahrhunderts n. Chr.
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   * bei dem Militärhistoriker ''Ammianus Marcellinus'' ist »itinerarium sonare« ((Post exploratam alacritatem exercitus, uno parique ardore impetrabilem principem superari non posse, deum usitato clamore testati, Iulianus summae rei finem imponendum maturius credens, restricta quiete nocturna, itinerarium sonare lituos iubet et praestructis omnibus quae difficultates arduae belli poscebant, candente iam luce, Assyrios fines ingressus, celso praeter alios spiritu obequitans ordinibus, aemulatione sui cunctos ad officia fortitudinis incendebat.)) der Ton des Lituus zum morgendlichen [[aufbruch|Aufbruch]] bei einem Feldzug und der Abschluss aller Vorbereitungen dazu.    * bei dem Militärhistoriker ''Ammianus Marcellinus'' ist »itinerarium sonare« ((Post exploratam alacritatem exercitus, uno parique ardore impetrabilem principem superari non posse, deum usitato clamore testati, Iulianus summae rei finem imponendum maturius credens, restricta quiete nocturna, itinerarium sonare lituos iubet et praestructis omnibus quae difficultates arduae belli poscebant, candente iam luce, Assyrios fines ingressus, celso praeter alios spiritu obequitans ordinibus, aemulatione sui cunctos ad officia fortitudinis incendebat.)) der Ton des Lituus zum morgendlichen [[aufbruch|Aufbruch]] bei einem Feldzug und der Abschluss aller Vorbereitungen dazu. 
 Beide verwenden den Begriff im Zusammenhang mit der Vorbereitung eines Feldzuges (//expedio//). Das Itinerarium erscheint hier als Informationssystem mit der Funktion, den Feldzug  unterwegs zum Ziel abzusichern.  Diese Phase ist daher vor dem [[aufbruch|Aufbruch]] abgeschlossen. Dies deckt sich mit der Beschreibung in //Historia Augusta//, 18. Severus Alexander, LCL 140: [[https://www.loebclassics.com/view/historia_augusta_severus_alexander/1924/pb_LCL140.269.xml?readMode=verso|268-269]] ((//»XLV. Expeditiones bellicas habuit, de quibus ordine suo edisseram. primum tamen eius consuetudinem dicam 2de rebus vel tacendis vel prodendis. tacebantur secreta bellorum, **itinerum autem dies publice proponebantur**, ita ut edictum penderet ante menses duos, in quo scriptum esset, “Illa die, illa hora ab urbe sum exiturus et, si di voluerint, in prima mansione mansurus,” deinde per ordinem mansiones, deinde stativae, deinde ubi annona esset accipienda, et id quidem eo 3usque quamdiu ad fines barbaricos veniretur.«// )) Beide verwenden den Begriff im Zusammenhang mit der Vorbereitung eines Feldzuges (//expedio//). Das Itinerarium erscheint hier als Informationssystem mit der Funktion, den Feldzug  unterwegs zum Ziel abzusichern.  Diese Phase ist daher vor dem [[aufbruch|Aufbruch]] abgeschlossen. Dies deckt sich mit der Beschreibung in //Historia Augusta//, 18. Severus Alexander, LCL 140: [[https://www.loebclassics.com/view/historia_augusta_severus_alexander/1924/pb_LCL140.269.xml?readMode=verso|268-269]] ((//»XLV. Expeditiones bellicas habuit, de quibus ordine suo edisseram. primum tamen eius consuetudinem dicam 2de rebus vel tacendis vel prodendis. tacebantur secreta bellorum, **itinerum autem dies publice proponebantur**, ita ut edictum penderet ante menses duos, in quo scriptum esset, “Illa die, illa hora ab urbe sum exiturus et, si di voluerint, in prima mansione mansurus,” deinde per ordinem mansiones, deinde stativae, deinde ubi annona esset accipienda, et id quidem eo 3usque quamdiu ad fines barbaricos veniretur.«// ))
-  * ''Michael Rathmann''\\ //Orientierungshilfen für antike Reisende in Bild und Wort//\\ S. 289-- in: Olshausen, Eckart; Sauer, Vera (Hg.): Mobilität in den Kulturen der antiken Mittelmeerwelt (=Stuttgarter Kolloquium zur Historischen Geographie des Altertums 2011, 11) (= Geographica historica, 31) Franz Steiner Verlag, 2014. [[https://www.ku.de/fileadmin/140201/Publikationen/031_Rathmann.pdf|Online]]+  * ''Michael Rathmann''\\ //[[orientierung|Orientierung]]shilfen für antike Reisende in Bild und Wort//\\ S. 289-- in: Olshausen, Eckart; Sauer, Vera (Hg.): Mobilität in den Kulturen der antiken Mittelmeerwelt (=Stuttgarter Kolloquium zur Historischen Geographie des Altertums 2011, 11) (= Geographica historica, 31) Franz Steiner Verlag, 2014. [[https://www.ku.de/fileadmin/140201/Publikationen/031_Rathmann.pdf|Online]]
  
 Danach findet sich der Begriff erst wieder im //Itinerarium Antonini Augusti//, in Abschriften aus dem 7. bis 10. Jahrhundert. Dieses enthält tausende von Ortsnamen und bildet eine Sammlung von Itineraren aus dem gesamten Raum des Römischen Reiches, deren Zweck unterschiedlich gedeutet wird. Danach findet sich der Begriff erst wieder im //Itinerarium Antonini Augusti//, in Abschriften aus dem 7. bis 10. Jahrhundert. Dieses enthält tausende von Ortsnamen und bildet eine Sammlung von Itineraren aus dem gesamten Raum des Römischen Reiches, deren Zweck unterschiedlich gedeutet wird.
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 Etwas später liegt das //Itinerarium Burdigalense// oder //Hierosolymitanum// von 333 n. Chr. vor. Die Abschriften aus dem 8. bis 10. Jahrhundert enthalten mehrere [[routen|Routen]] für die Pilgerfahrt nach Jerusalem, dargestellt durch Ortslisten. Etwas später liegt das //Itinerarium Burdigalense// oder //Hierosolymitanum// von 333 n. Chr. vor. Die Abschriften aus dem 8. bis 10. Jahrhundert enthalten mehrere [[routen|Routen]] für die Pilgerfahrt nach Jerusalem, dargestellt durch Ortslisten.
  
-Ebenfalls eine Pilgerfahrt des 4. Jahrhunderts ist die //Peregrinatio Aetheriae//, erschlossen durch eine Abschrift aus dem 11. Jahrhundert, der der Anfang fehlt (also auch ein Titel); inhaltlich eine Beschreibung der Pilgerfahrt in Briefen, die erst später auch als //Itinerarium Egeriae// bezeichnet wird, obwohl keine Ortsliste vorliegt.+Ebenfalls eine [[zeitleiste_pilgerfahrten|Pilgerfahrt]] des 4. Jahrhunderts ist die //Peregrinatio Aetheriae//, erschlossen durch eine Abschrift aus dem [[unterwegs_im_11._jahrhundert|11. Jahrhundert]], der der Anfang fehlt (also auch ein Titel); inhaltlich eine Beschreibung der Pilgerfahrt in Briefen, die erst später auch als //Itinerarium Egeriae// bezeichnet wird, obwohl keine Ortsliste vorliegt.
  
 Eine Vorgehensweise, römische Itinerarien praktisch zu deuten, zeigt: Eine Vorgehensweise, römische Itinerarien praktisch zu deuten, zeigt:
   * ''Günther Jannach''\\ //Matucaium und Beliandrum. Zur Rekonstruktion der Lage von nur aus antiken Itinerarien bekannten Orten in Noricum//\\ Masterarbeit bei Renate Lafer an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt 2022. [[https://netlibrary.aau.at/obvuklhs/download/pdf/7773435|Online]]   * ''Günther Jannach''\\ //Matucaium und Beliandrum. Zur Rekonstruktion der Lage von nur aus antiken Itinerarien bekannten Orten in Noricum//\\ Masterarbeit bei Renate Lafer an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt 2022. [[https://netlibrary.aau.at/obvuklhs/download/pdf/7773435|Online]]
  
-===== Das Itinerar als Kategorie =====+===== Kategorien des Itinerars =====
  
-Ein Itinerar diente zuerst als Werkzeug, hat also einen Zweck und muss nützlich sein. Erst danach kann das Konkrete zum Muster werden, übertragen auf andere Sachverhalte oder gar Metapher.  +Ein Itinerar diente zuerst als [[werkzeug|Werkzeug]], hat also einen Zweck und muss nützlich sein. Erst danach kann das Konkrete zum Muster werden, beispielhaft übertragen auf andere Sachverhalte oder gar als Metapher verwendet werden.  
-  * Im //Entstehungszusammenhang// erscheint das Itinerarium ursprünglich als (militärische) Phase der //Reisevorbereitung// hinsichtlich der Strecke zum Ziel auf bekanntem Gebiet (damals: Römisches Reich), die sich manifestiert als eine Liste von Stationen, die Etappen widerspiegeln und Orte mit Versorgungsmöglichkeiten bieten. (→ ''Vegetius'', → ''Marcellinus'')  +  * Im //Entstehungszusammenhang// erscheint das Itinerarium ursprünglich als (militärische) Phase zur Organisation der //Vorbereitung// der [[expeditionen|expeditio]] hinsichtlich der Strecke zum Ziel auf bekanntem Gebiet (damals: Römisches Reich), die sich manifestiert als eine Liste von Stationen, die Etappen widerspiegeln und Orte mit [[soziotechnisches_handlungssystem#Reiserelevante Organisationssysteme zur Versorgung|Versorgung]]smöglichkeiten bieten. (→ ''Vegetius'', → ''Marcellinus'')  
-    * Ein solches Itinerar setzt eine Itinerarsammlung voraus, → //Itinerare als Informationssystem//.  +    * Ein solches Verständnis dürfte mit dem Zerfall des Römischen Reiches obsolet geworden sein.
-    * Mit dem Zerfall des Römischen Reiches dürfte die Funktion des Itinerars entsprechend gelitten haben.+
   * Im //Verwendungszusammenhang// kann ein Itinerar abgeleitet werden aus den Stationen einer [[fahrt|Fahrt]], die [[Reisende|Reisende]] 'in situ' als Ego-Literatur dokumentieren:   * Im //Verwendungszusammenhang// kann ein Itinerar abgeleitet werden aus den Stationen einer [[fahrt|Fahrt]], die [[Reisende|Reisende]] 'in situ' als Ego-Literatur dokumentieren:
     * für bestimmte Empfänger in Briefform (→ ''Egeria'');     * für bestimmte Empfänger in Briefform (→ ''Egeria'');
     * für sich selbst als Tagebuch. (→ ''Musculus'')     * für sich selbst als Tagebuch. (→ ''Musculus'')
-  * Das Itinerar wird zum //terminus technicus//, wenn aus sekundären Quellen (etwa Herrscherurkunden) Orte als Stationen gedeutet und als Itinerar angeordnet und bezeichnet werden. Daraus sind Wege und Etappen nicht zwingend abzuleiten.+  * Das Itinerar wird zum //terminus technicus//, wenn aus sekundären Quellen (etwa Herrscherurkunden) Orte als Stationen gedeutet und als Itinerar bezeichnet werden. Daraus sind Wege und Etappen nicht zwingend abzuleiten
 +  * //Reiseberichte// (Descriptio, Tractatus, Liber) werden seit dem Mittelalter auch Itinerar(ium) genannt, obwohl sie erst nach der Reise für ein Publikum entstehen: 
 +    * ''Wilbrand von Oldenburg'', 1180–1233\\ //Itinerarium sancte terre// 
 +    * ''Burchardus de Monte Sion'', zwischen 1274 und 1285\\ //Descriptio// locorum terrae sanctae, =//Tractatus// de Terra Sancta, =//Itinerarius// terre sancte, =//Liber// de terra sancta) 
 +  * Nicht zuletzt wird Itinerarium zur //Metapher// für Anleitungen zur inneren, spirituellen Reise, wohl zuerst bei ''Bonaventura de Balneoregio'', 1217?--1274, //Itinerarium mentis in Deum// ((Itinerarium mentis in deum. [Köln] : [Arnold ter Hoernen], [um 1472] (=Speculum sive itinerarium) [[https://digital.ulb.hhu.de/ink/content/zoom/4226089|Online]] )) und bezeichnet danach wiederholt auch [[imaginaere_reisen|imaginäre Reisen]]. 
 +  * Itinerar wird auch zum //Synonym für ältere [[wiki:reisefuehrer|Reiseliteratur]]//, etwa für die gleichnamige [[https://gdz.sub.uni-goettingen.de/collection/itineraria|Sammlung der Universität Göttingen]], die bereits 1.445 ((März 2021)) ihrer 8.000 Titel digitalisiert hat und anstrebt »daß auf dortiger Bibliotheque sich complet finden mogten [...] alle Voyages und Reis Beschreibungen.« (''Gerlach Adolf von Münchhausen'' 1748). 
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 +==== Abgrenzungen ==== 
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 +  * [[periplus|Periploi]] und [[navigation|Navigation]]sanleitungen (1464, 1478, 1490) dienen wie das Itinerar der [[routenplanung|Routenfindung]], jedoch auf See (1578: Epistola continens hodoeporicon navigationis ex Constantinopoli in Syriam).
   * 'Itinerarium' steht in keinem direkten Zusammenhang mit dem Zweck am Ziel.\\ Dieser kann explizit angegeben sein, etwa als Itinerarium Peregrinorum, - Peregrinatio.   * 'Itinerarium' steht in keinem direkten Zusammenhang mit dem Zweck am Ziel.\\ Dieser kann explizit angegeben sein, etwa als Itinerarium Peregrinorum, - Peregrinatio.
   * Ein Itinerar enthält implizit //[[wiki:apodemik|apodemische Aspekte]]//, weil der dargestellte Reiseweg als Auswahl und Empfehlung anzeigt, auf welchem [[wiki:weg|Weg]] man 'richtig' reist.   * Ein Itinerar enthält implizit //[[wiki:apodemik|apodemische Aspekte]]//, weil der dargestellte Reiseweg als Auswahl und Empfehlung anzeigt, auf welchem [[wiki:weg|Weg]] man 'richtig' reist.
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     * 1603 //Deliciae Galliae sive Itinerarium//      * 1603 //Deliciae Galliae sive Itinerarium// 
     * 1751 //Itinerarium, sive [[apodemik|Methodus Apodemica]]//     * 1751 //Itinerarium, sive [[apodemik|Methodus Apodemica]]//
-  * //Reiseberichte// (Descriptio, Tractatus, Liber) werden seit dem Mittelalter auch Itinerar(ium) genannt, obwohl sie erst nach der Reise für ein Publikum entstehen: 
-    * ''Wilbrand von Oldenburg'', 1180–1233\\ //Itinerarium sancte terre// 
-    * ''Burchardus de Monte Sion'', zwischen 1274 und 1285\\ //Descriptio// locorum terrae sanctae, =//Tractatus// de Terra Sancta, =//Itinerarius// terre sancte, =//Liber// de terra sancta) 
-  * [[periplus|Periploi]] und [[navigation|Navigation]]sanleitungen (1464, 1478, 1490) dienen wie das Itinerar der Routenfindung, jedoch auf See (1578: Epistola continens hodoeporicon navigationis ex Constantinopoli in Syriam) 
-  * Nicht zuletzt wird Itinerarium zur //Metapher// für Anleitungen zur inneren, spirituellen Reise, wohl zuerst bei ''Bonaventura de Balneoregio'', 1217?--1274, //Itinerarium mentis in Deum// ((Itinerarium mentis in deum. [Köln] : [Arnold ter Hoernen], [um 1472] (=Speculum sive itinerarium) [[https://digital.ulb.hhu.de/ink/content/zoom/4226089|Online]] )) und bezeichnet danach wiederholt auch [[imaginaere_reisen|imaginäre Reisen]]. 
-  * Itinerar wird auch zum //Synonym für ältere [[wiki:reisefuehrer|Reiseliteratur]]//, etwa für die gleichnamige [[https://gdz.sub.uni-goettingen.de/collection/itineraria|Sammlung der Universität Göttingen]], die bereits 1.445 ((März 2021)) ihrer 8.000 Titel digitalisiert hat und anstrebt »daß auf dortiger Bibliotheque sich complet finden mogten [...] alle Voyages und Reis Beschreibungen.« (''Gerlach Adolf von Münchhausen'' 1748). 
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 ===== Formen des Itinerars ===== ===== Formen des Itinerars =====
  
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 Ein Itinerar reduziert den unüberschaubaren [[wiki:zwischenraum|Zwischenraum]] zwischen A und B auf eine Reihe von Fixpunkten und erlaubt es, sich darauf zu fokussieren, indem alles andere links und rechts liegengelassen wird.\\ → [[wiki:zeitleiste_reiseanleitungen|Zeitleiste der Reiseanleitungen]]\\ ''Szabó'' (2003) wies darauf hin, dass die Anfangs- und/oder Endpunkte mancher (Pilger-)Itinerare jedoch nicht am Wohnsitz des Autors beginnen oder enden, sondern an einem zentraleren Ort (Einsiedeln: 1495 Künig, Lübeck: Hausbok, Avignon: 1350 Bonis  ...), der vielleicht als Sammelplatz für Pilger diente, zu dem hin ein Itinerar überflüssig war.  Ein Itinerar reduziert den unüberschaubaren [[wiki:zwischenraum|Zwischenraum]] zwischen A und B auf eine Reihe von Fixpunkten und erlaubt es, sich darauf zu fokussieren, indem alles andere links und rechts liegengelassen wird.\\ → [[wiki:zeitleiste_reiseanleitungen|Zeitleiste der Reiseanleitungen]]\\ ''Szabó'' (2003) wies darauf hin, dass die Anfangs- und/oder Endpunkte mancher (Pilger-)Itinerare jedoch nicht am Wohnsitz des Autors beginnen oder enden, sondern an einem zentraleren Ort (Einsiedeln: 1495 Künig, Lübeck: Hausbok, Avignon: 1350 Bonis  ...), der vielleicht als Sammelplatz für Pilger diente, zu dem hin ein Itinerar überflüssig war. 
-  * //Im vertrauten Raum// ist kein Itinerar nötig, weil Orientierung und Kommunikation mit den zuhandenen Mitteln möglich sind.+  * //Im vertrauten Raum// ist kein Itinerar nötig, weil [[orientierung|Orientierung]] und Kommunikation mit den zuhandenen Mitteln möglich sind.
   * //Im unbekannten Raum// ist kein Itinerar möglich, weil die Orientierung fehlt, die Kommunikation erschwert ist und gesicherte Informationen kaum verfügbar sind. → [[dark_companions|Dark Companions]], [[kundige|Kundige]]   * //Im unbekannten Raum// ist kein Itinerar möglich, weil die Orientierung fehlt, die Kommunikation erschwert ist und gesicherte Informationen kaum verfügbar sind. → [[dark_companions|Dark Companions]], [[kundige|Kundige]]
-  * //Im allgemein bekannten Raum// kann ein Itinerar erstellt werden. Voraussetzung für die Erstellung des Itinerars für eine bestimmte Route ist ein [[soziotechnisches_handlungssystem#Organisationssysteme: Die Frage nach dem Wie|Organisationssystem]], dass Informationen sammelt und einem Informationsspeicher zuführt. Als Informationsspeicher (Sammlungen) können gedeutet werden: +  * //Im allgemein bekannten Raum// kann ein Itinerar erstellt werden. Voraussetzung für die Erstellung des Itinerars für eine bestimmte [[routen|Route]] ist ein [[soziotechnisches_handlungssystem#Organisationssysteme: Die Frage nach dem Wie|Organisationssystem]], dass Informationen sammelt und einem Informationsspeicher zuführt.  
-    * Itinerarii Antonii +    * Die meisten Itinerare beschreiben lineare Fernverbindungen von A nach B, die in beiden Richtungen genutzt werden können. 
-    * Itinerarium Burdigalense +    * Sich in einem Straßen-/[[wegenetze|Wegenetz]] zu bewegen, erfordert jedoch Informationen über die Knotenpunkte wie dies **1155** im //Leiðarvisir// des ''Nikúlas Bergsson'' für das [[wiki:weg|Wegenetz]] der Pilger zwischen Skandinavien, Rom und Jerusalem beschrieben wird. 
-    Tabula Peutingeriana +  Dabei bilden sich //Knotenpunkte// (nodal point), die in jedem Fall verbindend wirken (nexus, junction)Als Gabelung oder als [[kreuzung|Kreuzweg]] (crossroad) werden sie zu einem Ort für Entscheidungen. Eine herausragende Bedeutung macht sie zur Drehscheibe (hub) zahlreicher Verbindungen und zum Versorgungszentrum
-    Itinerarium Provinciarum +
-    Itinerarium Maritimum und später +
-    - Italiae, - Germaniae, - Galliae, - Angliae +
- +
-  * ''Sencer Şahin, Mustafa Adak''\\ //Stadiasmus Patarensis: Itinera Romana Provinciae Lyciae.//\\ (=Gephyra, 1) XXXVII, 332 Seiten Illustrationen, Karten 2 Karten. Istanbul 2007: Yayınları.\\ Im Abschnitt "Die Funktion des Monuments" (S. 11 ff.) werden Meilensteine (miliarium), Itinerarium und Stadiasmus diskutiert und verglichen, die Funktion von Verkehrswegen, die von einem caput viae ausgehen, und der Zweck als Sammlung, aus der individuelle Reiserouten abgeleitet werden konnten. Die Autoren verweisen auf ein vergleichbares Steinprisma aus Tongern, einen Marmorpfeiler aus Autun sowie weitere Quellen. Sahin zitiert Vegetius "Itinerarium provinciarum ... non tantum adnotata sed etiam picta" und deutet an, dass dies Stadiasmen sein könnten, ähnlich des Stadiasmus Patarensis auch für andere Provinzen. +
-    * ''Onur, Fatih''\\ //Parerga to the Stadiasmus Patarensis (16): The Roads, Settlements and Territories//\\ Gephyra, 13 (2016) 89-118, [[https://doi.org/10.37095/gephyra.318433|DOI]] +
-    ''Danny Lee Davis''\\ //Commercial Navigation in the Greek and Roman World//\\ 360 S. Dissertation at The University of Texas at Austin 2009. [[https://www.ancientportsantiques.com/wp-content/uploads/Documents/ETUDESarchivees/Navires/Documents/Davis2009-NavigationPhD.pdf|Online]]\\ Vergleicht Periplus, Stadiasmos und Limenai. +
  
 ==== Der Raum des Römischen Reiches ==== ==== Der Raum des Römischen Reiches ====
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 In der Antike war es die Aufgabe von [[wiki:bematisten|Bematisten]] (griechisch) und Agrimensoren (römisch) das Heer zu begleiten, dabei den Weg und die [[wiki:landschaft|Landschaft]] zu vermessen und Itinerare zu erstellen. ''Alexander der Große'' gründete die Bibliothek in Alexandria auch mit dem Ziel, das geographische Wissen seiner Zeit zu sammeln, indem die Itinerare seiner Bematisten und die [[wiki:periplus|Periploi]] der anlegenden Schiffe gesammelt wurden.\\ → Ausstellung mit Begleitband: [[wiki:ausstellungsliste_reisen_epochen#Reisen in der römischen Antike|2020 Auf Achse mit den Römern: Reisen in römischer Zeit]] In der Antike war es die Aufgabe von [[wiki:bematisten|Bematisten]] (griechisch) und Agrimensoren (römisch) das Heer zu begleiten, dabei den Weg und die [[wiki:landschaft|Landschaft]] zu vermessen und Itinerare zu erstellen. ''Alexander der Große'' gründete die Bibliothek in Alexandria auch mit dem Ziel, das geographische Wissen seiner Zeit zu sammeln, indem die Itinerare seiner Bematisten und die [[wiki:periplus|Periploi]] der anlegenden Schiffe gesammelt wurden.\\ → Ausstellung mit Begleitband: [[wiki:ausstellungsliste_reisen_epochen#Reisen in der römischen Antike|2020 Auf Achse mit den Römern: Reisen in römischer Zeit]]
  
-==== Die litauischen Wegeberichte des 14. Jahrhunderts ====+==== Die Große Wildnis: Wegeberichte durch Litauen ====
    
-  * Die litauischen [[wiki:wegeberichte|Wegeberichte]] des [[wiki:unterwegs_im_14._jahrhundert|14. Jahrhunderts]] scheinen die einzige Itinerarsammlung für eine (menschenleere) Wildnis zu sein. Sie enthalten viele zusätzliche Hinweise und Empfehlungen für die Fahrt durch einen unbekannten Raum ([[wildnis|Wildnis]]) mit mangelnden Versorgungsmöglichkeiten und beschreiben die [[wiki:landschaft|Landschaft]] (Flüsse, Seen, Sümpfe, Wälder) mit [[wiki:orientierung|Orientierungspunkten]], besondere Hindernisse sowie gute [[wiki:camp|Rastplätze]], Hinweise auf die Versorgung mit [[wiki:trinkwasser|Wasser]], [[wiki:kochen_und_essen|Nahrung]] oder Futter für Pferde.+  * Die litauischen [[wiki:wegeberichte|Wegeberichte]] des [[wiki:unterwegs_im_14._jahrhundert|14. Jahrhunderts]] scheinen die einzige Itinerarsammlung für eine (menschenleere) Wildnis zu sein. Sie enthalten viele zusätzliche Hinweise und Empfehlungen für die Fahrt durch einen unbekannten Raum ([[wildnis|Wildnis]]) mit mangelnden [[soziotechnisches_handlungssystem#Struktur der Subsysteme: Versorgung|Versorgungsmöglichkeiten]] und beschreiben die [[wiki:landschaft|Landschaft]] (Flüsse, Seen, Sümpfe, Wälder) mit [[wiki:orientierung|Orientierungspunkten]], besondere Hindernisse sowie gute [[wiki:camp|Rastplätze]], Hinweise auf die [[soziotechnisches_handlungssystem#Reiserelevante Organisationssysteme zur Versorgung|Versorgung]] mit [[wiki:trinkwasser|Wasser]], [[wiki:kochen_und_essen|Nahrung]] oder Futter für Pferde. 
 ===== Itinerare als Informationssystem ===== ===== Itinerare als Informationssystem =====
  
-Eine Ortsnamenliste ist notwendig, jedoch nicht hinreichend für ein Itinerar. Hinzu kommt, dass diese Liste räumlich geordnet sein muss, also eine entsprechende [[wiki:liste_raumvorstellungen|Raumvorstellung]] widerspiegelt. Zudem muss diese Ordnung sich in der [[wiki:wahrnehmung|Wirklichkeit]] durch einen gangbaren [[wiki:weg|Weg]] bewähren, setzt also [[wiki:erfahrung|Erfahrung]] voraus. Die Routenführung enthält daher implizit  +==== Die Funktion des Itinerars im informationsverarbeitenden System ====
-  * (1.) Informationen über die Gangbarkeit von Wegen und  +
-  * (2.) die Nützlichkeit von Orten sowie  +
-  * (3.) einen Zeitplan, weil praktisch nur Tagesetappen zugrundeliegen können, auch wenn nicht jede Etappe einen Namen hat. +
-==== Die Funktion des Itinerars als informationsverarbeitendes System ====+
  
-|    Informationsspeicher[[reisesammlungen|Sammlungen]]\\ von Itineraren, Berichten, Karten ...   |+^ Grundbedürfnisse |  →   Informationsspeicher  | ← ^ Input  | 
 +| [[soziotechnisches_handlungssystem#Der Alltag unterwegs als Subsystem im Handlungskreis|Alltag unterwegs]]\\ [[soziotechnisches_handlungssystem#Strukturen der Versorgung|Versorgungsmöglichkeiten]] |  |  [[reisesammlungen|It.-Sammlungen]] ∩ [[wegenetze|Wegenetze]]:\\ Knotenpunkte  [[erfahrung|Erfahrungen]]\\ Straßenverzeichnisse |
 |  |  |  ↓  |  |  | |  |  |  ↓  |  |  |
-^ Input |  ^  Verarbeitung  |   ^ Output ^ +^ Input |  →   ^  Verarbeitung  →   ^ Output | 
-| Strecke AB |  →  |  →  | [[routen|Route]] A→B {a<sub>1</sub>, a<sub>2</sub>, a<sub>3</sub>, ... a<sub>n</sub>} |+| Strecke AB |  |  ↓  |  | [[routen|Route]] A→B 
 +| |    Itinerar  |  | {a<sub>1</sub>, a<sub>2</sub>, a<sub>3</sub>, ... a<sub>n</sub>} |
  
   * Stationen a<sub>i</sub>   * Stationen a<sub>i</sub>
 +  * N<sub>i</sub> (Namen der Stationen) ≤ n
   * Anzahl der Etappen n   * Anzahl der Etappen n
   * Δ n = 1 Tag   * Δ n = 1 Tag
 +
 + 
 +==== Der Informationsgehalt des Itinerars ====
 +
 +Eine Ortsnamenliste ist notwendig, jedoch nicht hinreichend für ein Itinerar. Hinzu kommt, dass diese Liste räumlich geordnet sein muss, also eine entsprechende [[wiki:liste_raumvorstellungen|Raumvorstellung]] widerspiegelt. Zudem muss diese Ordnung sich in der [[wiki:wahrnehmung|Wirklichkeit]] durch einen gangbaren [[wiki:weg|Weg]] bewähren, setzt also [[wiki:erfahrung|Erfahrung]] voraus. Die Routenführung enthält daher implizit 
 +  - Informationen über die Gangbarkeit von Wegen und 
 +  - die Nützlichkeit von Orten sowie 
 +  - einen Zeitplan, weil jede Etappe am selben Tag endet;
 +    - //Tagesetappen// zeigen an, was unter normalen Umständen möglich ist ( → [[wiki:reisegeschwindigkeit|Reisegeschwindigkeit]]), auch wenn nicht jede Etappe einen Namen hat
 +    - //Gemessene Strecken// (Schritte, Meilen, Kilometer) erscheinen zwar objektiv genauer, sind jedoch insbesondere abseits guter [[weg|Wege]] nicht aussagekräftig, weil abhängig vom Zustand des Weges, von Hindernissen (Flüssen und Bergen), vom [[orientierung|Orientierung]]saufwand, von Wetter und Jahreszeit. ''Albert von Stade'' (Annales Stadenses) war 1256 vielleicht der Erste, der für seine Etappen nach Rom Streckenlängen angab.
 +
 +Einzelne Itinerare werden aus einem Informationsspeicher abgeleitet, dessen Informationsgehalt geeignet ist, zahlreiche Itinerare abzuleiten.\\ → Die Entstehung von [[1916 Miller Itinerar-Sammlungen|Itinerar-Sammlungen]] (Miller 1916: Itineraria Romana)
 +
 +==== Der Informationsgehalt von Itinerarspeichern ====
 +
 +Itinerarspeicher enthalten als Sammlung einzelner Itinerare die Erfahrungen früherer Reisender. Diese müssen jedoch mit einem Wegenetz als zweitem Informationssystem verbunden werden, damit sie zum einen vergleichbar und durchsuchbar sind und damit zum anderen beliebige neue Itinerare aus den Abschnitten alter Itinerare kombiniert werden können. Dazu bedarf es Informationen über die Knotenpunkte des Wegenetzes:
 +  * Die Edition des //Itineraria Antonini Augusti// von ''Cuntz'' und ''Kubitschek'' gliedert dessen Informationen in 249 Routen insgesamt und identifiziert 17 Hauptrouten, weist also solche Knotenpunkte auf.
 +  * Der //Stadiasmus Patarensis// kann als //Itinerarium Provinciarum Lyciae// gedeutet werden und weist geeignete Eigenschaften auf.
 +
 +''Sencer Şahin'' vermutet, dass es für jede Provinz ein //Itinerarium Provinciarum// gab und identifiziert ein solches mit dem Stadiasmus Patarensis (auch Miliarium Lyciae), welches 65 Straßenverbindungen für die Provinz Lykien auflistet. Viele davon sind nur noch in Fragmenten oder gar nicht mehr lesbar, 37 sind vollständig (s. Anhang). Den vier kürzesten Strecken mit 24 bzw. 32 Stadien stehen die beiden längsten mit 200 bzw. 240 Stadien gegenüber; Median und Mittelwert betragen 112 Stadien, also etwa 21 km. Patara wird sowohl im It.Ant. als auch in der Tabula Peutingeriana (Patara XIV. Medocia) aufgeführt.
 +  * ''Sencer Şahin, Mustafa Adak''\\ //Stadiasmus Patarensis: Itinera Romana Provinciae Lyciae.//\\ (=Gephyra, 1) XXXVII, 332 S. Ill., 2 Karten. Istanbul 2007: Yayınları.\\ Im Abschnitt "Die Funktion des Monuments" (S. 11 ff.) werden Meilensteine (miliarium), Itinerarium und Stadiasmus diskutiert und verglichen, die Funktion von Verkehrswegen, die von einem caput viae ausgehen, und der Zweck als Sammlung, aus der individuelle Reiserouten abgeleitet werden konnten. Die Autoren verweisen auf ein vergleichbares Steinprisma aus Tongern, einen Marmorpfeiler aus Autun sowie weitere Quellen. Sahin zitiert ''Vegetius'' //"Itinerarium provinciarum ... non tantum adnotata sed etiam picta"// und deutet an, dass dies Stadiasmen sein könnten, ähnlich des Stadiasmus Patarensis, jedoch für andere Provinzen.
 +    * ''Onur, Fatih''\\ //Parerga to the Stadiasmus Patarensis (16): The Roads, Settlements and Territories//\\ Gephyra, 13 (2016) 89-118, [[https://doi.org/10.37095/gephyra.318433|DOI]]
 +    * ''Danny Lee Davis''\\ //Commercial Navigation in the Greek and Roman World//\\ 360 S. Dissertation at The University of Texas at Austin 2009. [[https://www.ancientportsantiques.com/wp-content/uploads/Documents/ETUDESarchivees/Navires/Documents/Davis2009-NavigationPhD.pdf|Online]]\\ Vergleicht Periplus, Stadiasmos und Limenai.
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 +Die 37 Straßenverbindungen (s. Anhang: Tabelle), deren Entfernungsangaben noch lesbar sind, lassen erkennen, dass aus diesem Stadiasmus Itinerare abgeleitet werden können:
 +  * viele Etappen sind so kurz, dass mehrere Etappen zu einer Tagesetappe kombiniert werden können;
 +  * es sind Strecken mit mehreren Etappen erkennbar, z.B. Patara--Xanthos--Sidyma--Kalabatia;
 +  * es sind Knotenpunkte erkennbar, z.B. gehen von Xanthos vier Straßen ab.
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 +==== Itinerar und Itinerar-Sammlung als Teil eines soziotechnischen Handlungssystems ====
  
 Reisende (Mikrosystem) nutzen diese Funktion im Entstehungszusammenhang zur [[wiki:routenplanung|Routenplanung]] //vor// dem Aufbruch sowie im Verwendungszusammenhang //nach// dem Aufbruch  unterwegs bei der [[wiki:wegfindung|Wegfindung]] und [[wiki:orientierung|Orientierung]] bis zum Ziel.\\   Reisende (Mikrosystem) nutzen diese Funktion im Entstehungszusammenhang zur [[wiki:routenplanung|Routenplanung]] //vor// dem Aufbruch sowie im Verwendungszusammenhang //nach// dem Aufbruch  unterwegs bei der [[wiki:wegfindung|Wegfindung]] und [[wiki:orientierung|Orientierung]] bis zum Ziel.\\  
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 Beförderungssysteme substituieren das Itinerar teilweise, indem es zum [[fahrplan|Fahrplan]] mit fester Streckenführung wird,  → [[wiki:liste_befoerderungssysteme|Liste der Beförderungssysteme]]. Beförderungssysteme substituieren das Itinerar teilweise, indem es zum [[fahrplan|Fahrplan]] mit fester Streckenführung wird,  → [[wiki:liste_befoerderungssysteme|Liste der Beförderungssysteme]].
  
-==== Der Informationsgehalt des Itinerars ==== +===== Die Begrenztheit von Itineraren =====
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-//Tagesetappen// zeigen an, was unter normalen Umständen möglich ist ( → [[wiki:reisegeschwindigkeit|Reisegeschwindigkeit]]).  +
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-//Gemessene Strecken// (Schritte, Meilen, Kilometer) erscheinen zwar objektiv genauer, sind jedoch insbesondere abseits guter [[weg|Wege]] nicht aussagekräftig, weil abhängig vom Zustand des Weges, von Hindernissen (Flüssen und Bergen), vom [[orientierung|Orientierung]]saufwand, von Wetter und Jahreszeit. ''Albert von Stade'' (Annales Stadenses) war 1256 vielleicht der Erste, der für seine Etappen nach Rom Streckenlängen angab. +
  
 Neue Faktoren beeinflussten ab dem [[unterwegs_im_15._jahrhundert|15. Jahrhundert]] den Informationsgehalt des Itinerars grundlegend: Neue Faktoren beeinflussten ab dem [[unterwegs_im_15._jahrhundert|15. Jahrhundert]] den Informationsgehalt des Itinerars grundlegend:
-  Der systematische Versuch, einen neuen [[zeitleiste_seeweg_asien_suedoestlich_um_afrika|Seeweg nach Asien]] zu finden, führte jede neue Unternehmung in einen unbekannten Raum. +  Der systematische Versuch, einen neuen [[zeitleiste_seeweg_asien_suedoestlich_um_afrika|Seeweg nach Asien]] zu finden, führte jede neue Unternehmung in einen unbekannten Raum, für den es kein Itinerar gab
-  Die Berichte solcher [[fahrt|Fahrten]] enthielten immer wieder [[Neugier|Neues]], das alle vorhandenen [[system|Systeme]] überforderte. Die Augenzeugenberichte aus einer Neuen Welt gehen weit über das hinaus, was das Itinerar als Routenplaner im bekannten Raum lieferte+  Die Augenzeugenberichte solcher [[fahrt|Fahrten]] in Neue Welten enthielten immer wieder [[Neugier|Neues]], das alle vorhandenen Kategorien  überforderte. 
-    Im 16. Jahrhundert erscheinen die ersten [[reisesammlungen|Reisesammlungen]] als neuartige Informationsspeicher. +    Im 16. Jahrhundert erscheinen die ersten [[reisesammlungen|Reisesammlungen]] als neuartige Informationsspeicher. 
-    Im 16. Jahrhundert finden sich in den Titeln der Reiseberichte deutlich vermehrt 'Relation' und 'Account' ( → [[reisesammlungen#Reisesammlungen und Publikum|Reisesammlungen und Publikum]] ) +    Im 16. Jahrhundert finden sich in den Titeln der Reiseberichte deutlich vermehrt 'Relation' und 'Account' ( → [[reisesammlungen#Reisesammlungen und Publikum|Reisesammlungen und Publikum]] ) 
-  Der Buchdruck ermöglichte es, Informationen neu darzustellen, zu komprimieren und zu verbreiten. +  Der Buchdruck ermöglichte es, Informationen neu darzustellen, zu komprimieren und zu verbreiten. 
-    Zielgruppenansprache ([[wiki:der_fahrende_haendler|Fahrende Händler]], [[wiki:bote|Boten]], [[pilger|Pilger]]) +    Zielgruppenansprache ([[wiki:der_fahrende_haendler|Fahrende Händler]], [[wiki:bote|Boten]], [[pilger|Pilger]]) 
-    Empfehlungen (Curiosa, Deliciae, [[wiki:mirabilia_urbis_romae|Mirabilia urbis Romae]] ...) machen das Itinerar Schritt für Schritt zum //[[wiki:reisefuehrer|Reiseführer]]//, → [[zeitleiste_pilgerfahrten|Zeitleiste der Pilgerfahrten]]. +    Empfehlungen (Curiosa, Deliciae, [[wiki:mirabilia_urbis_romae|Mirabilia urbis Romae]] ...) machen das Itinerar Schritt für Schritt zum //[[wiki:reisefuehrer|Reiseführer]]//, → [[zeitleiste_pilgerfahrten|Zeitleiste der Pilgerfahrten]]. 
-    eine formale Systematisierung und eine steigende Informationsdichte mit neuen Formen der Darstellung, wie dies viele Titel erkennen lassen: +    eine formale Systematisierung und eine steigende Informationsdichte mit neuen Formen der Darstellung, wie dies viele Titel erkennen lassen: 
-      Astygnomon, Burattino (ital.), Columnam Milliariam, »Künstliche anzaygung«, Landtafel, Meilenzeiger, Namen-Weiser, Raißbüchlin, Städte-Weiser, Tabula Pythagorae, Tabula Poliometrica, Viatorium, Warhaffte Beschreibung (Accvrrata Descriptio), Wegzeiger u.a.m.\\ (Diese Begriffsvielfalt spiegelt sich nicht in anderen Sprachen.) +      Astygnomon, Burattino (ital.), Columnam Milliariam, »Künstliche anzaygung«, Landtafel, Meilenzeiger, Namen-Weiser, Raißbüchlin, Städte-Weiser, Tabula Pythagorae, Tabula Poliometrica, Viatorium, Warhaffte Beschreibung (Accvrrata Descriptio), Wegzeiger u.a.m.\\ (Diese Begriffsvielfalt spiegelt sich nicht in anderen Sprachen.) 
-    Ein veränderter Umgang mit den knappen Ressourcen Zeit (→ [[reisegeschwindigkeit|Reisegeschwindigkeit]]) und Geld (→ [[reiserechnungen|Reisekosten]]) erklärt vielleicht den Erfolg der Routenbücher, Strassenverzeichnisse, Wegweiser usw. als Bedürfnis nach einem "least-cost path".+  Ein veränderter Umgang mit den knappen Ressourcen Zeit (→ [[reisegeschwindigkeit|Reisegeschwindigkeit]]) und Geld (→ [[reiserechnungen|Reisekosten]]) erklärt vielleicht den Erfolg der Routenbücher, Strassenverzeichnisse, Wegweiser usw. als Bedürfnis nach einem "least-cost path".
  
 ^ Funktion ^ Form ^ Informationsgehalt ^ Titel ^ ^ Funktion ^ Form ^ Informationsgehalt ^ Titel ^
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 +==== Stadiasmus Patara: Straßenverbindungen mit Distanz  ====
  
-==== Die Formentabelle der Fälle von iter und itinerārium im Lateinischen ==== +Von nach Stadien 
- +Patara Xanthos 56 
-^ Kasus ^ Singular ^ Plural ^ Frage? +Xanthos Sidyma 94 
-^ Nominativ | iter | itinera | wer? was? +Sidyma Kalabatia 24 
-^ Genitiv | itineris | itinerum | wessen? +Xanthos Pinara 136 
-^ Dativ | itineri | itineribus | wem? für wen? +Xanthos Tlos 152 
-^ Akkusativ | iter | itinera | wen? +| Xanthos | Neisa | 176 | 
-^ Ablativ | itinere | itineribus | wann? wo? wodurch? womit? +| Neisa | Khoma | 192 | 
- +Pinara Telmessos 176 
-^ Kasus ^ Singular ^ Plural ^ Frage? ^ +Pinara Tlos 112 
-^ Nominativ | itinerārium | itinerāria | wer? was? +Tlos Telmessos 188 
-^ Genitiv | itinerāriī | itinerāriōrum | wessen? +Telmessos Kalynda 184 
-^ Dativ | itinerāriō | itinerāriīs | wem? für wen? +Kalynda Kaunos 104 
-^ Akkusativ | itinerārium | itinerāria | wen? +| Kalynda | Lyrna/Oktapolis | 96 | 
-^ Ablativ | itinerāriō | itinerāriīs | wann? wo? wodurch? womit? +| Hippokoume | Symbra  | 128 | 
- +| Symbra | Kadyanda  | 72 | 
- +| Kadyanda | Telmessos  | 104 | 
----- +| Kadyanda | Araxa  | 108 | 
- +| Kadyanda | Tlos  | 160 | 
-===== Textauszug aus Miller, Itineraria Romana ===== +| Araxa | Tlos | 120 | 
- +| Araxa | Oinoanda  | 152 | 
-''Konrad Miller''\\ //Itineraria Romana. Römische Reisewege an der Hand der Tabula Peutingeriana//\\ Stuttgart MDCCCCXVI: Strecker  und  Schröder, [[https://archive.org/stream/itinerariaromana00mill/itinerariaromana00mill_djvu.txt|Online]] S. XI ff: +| Oinoanda | Balboura (durch die Ebene)  160 | 
- +| Oinoanda | Balboura (durch die Berge)  | 128 | 
-==== Die Entstehung von Itinerar-Sammlungen ==== +| Balboura | Kibyra via Trimilinda  | 136 | 
- +| Tlos | Oinoanda | 200 | 
-In Rom gab es in der Kaiserzeit zweifellos offizielle und private Reise- Auskunftstellen, wo man offiziell oder gegen Bezahlung das gewünschte Itinerar, Reiseanweisung, erhalten oder abschreiben oder abschreiben lassen konnte. Solche Auskunfteien waren ja unerläßlich für all die zahllosen Reisenden, welche als Beamte, Militärpersonen und Kaufleute in die Provinzen hinausreisen mußten. Diese Auskunftstellen konnten ihr Material aus verschiedenen Quellen beziehen. Man denkt zunächst an die ausgedehnten Akten der Straßenbauverwaltungen. Diese befanden sich aber in den einzelnen Provinzen ; das Material derselben, welches massenhaft vorlag, war jedoch für Reisezwecke meist unbrauchbar und hätte besonders verarbeitet und ausgesucht werden müssen. Weit näher lagen die besonders seit Diokletians Zeit gutorganisierten Postanstalten. Hier war das für Reisende notwendige Material bereits verarbeitet und gesammelt, aber aus zwei Gründen möchten wir auch diese Quelle nicht als die Hauptquelle für Itinerare ansehen. Zunächst waren die Postanstalten nur staatliche Institute und der Gebrauch der Postkutschen nur Beamten gestattet. Jeder Private, welcher   +| Tlos | Kastabara | 128 | 
- +| Khoma | Podalia | 48 | 
-XII+| Khoma | Kodopa/Milyas | 32 | 
 +| Podalia | Arykanda | 136 | 
 +| Akalissos | Korma | 24 | 
 +| Lykai  | Kitanaura | 64 | 
 +| Pygela | Korydalla | 64 | 
 +| Patara | Phellos | 240 | 
 +| Limyra | Korydalla | 56 | 
 +| Korydalla | Gagai | 64 | 
 +| Korydalla | Akalissos | 96 | 
 +| Gagai | Korykos | 112 | 
 +| Korykos | Phaselis | 136 |
  
-mit der Postkutsche reisen wolltemußte sich einen Erlaubnisschein erwirkenso daß seine Reise einigermaßen als im Staatsinteresse erfolgt gelten konnte. Sodann pflegen sich die Postanstalten jeweils nur um die nächsten Stationen zu bekümmernkeineswegs aber um fremde Länder. "Wer mit der Post reisen wolltemußte sein Ziel und den Weg vorher genau kennen, wenn er nicht irregewiesen werden und oft große Umwege machen wollte. An Landkarten, die dem direkten Reisezweck dienen konntenist natürlich gar nicht zu denkenDenn die Reisekarten sind ja umgekehrt erst aus den Itinerarien entstanden, sie sind stets lange und weit hinter dem praktischen Bedürfnis zurückgeblieben, und es zeugt von wenig praktischem Sinnwenn man die Itinerarien aus Karten entstanden wissen will.  Die Hauptquelle für Itinerarien waren stets die Angaben und Aufzeichnungen derer, welche die Reise selbst gemacht hatten. Wir möchten die Itinerarien geradezu als die Aufzeichnungen von Reisenden über die durchreisten Städte, Ortschaften, Herbergen und Raststätten samt deren Entfernungen bezeichnen, gemacht, teils zur eigenen Erinnerung, hauptsächlich aber, um nachfolgenden Reisenden als Anweisung und Richtschnur dienen zu können. Wenn also in Rom ein Beamter nach Kleinasien versetzt wurdeso war sein erstes, nach Vorgängern zu fragen, welche auch schon in Kleinasien gewesen, und von diesen zu erfahren, wie man am besten und bequemsten diese Reise macht, ob zu Wasser oder zu Land, über welche bekannten Städte oder SeehäfenAn zweiter Stelle kamen die genannten ReiseauskunfteienHandelte es sich um die Seereise, so kamen wieder besondere Schiffsagenturen in Betracht. Diese Auskunfteien wiederum konnten ihr Material, das brauchbarste und beste, stets nur von den Reisenden erhalten. Wenn man z. B. von Rom nach Köln reisen wollte, so waren viele Wege möglich, und aus dem in den einzelnen Provinzen vorhandenen Straßenmaterial konnte der beste und kürzeste Weg unmöglich gefunden werden; ebenso wenn man nach England oder nach Pannonien reisen mußte, was half da all das Straßenmaterial? Es war unmöglich, hieraus das richtige zu findenDeshalb waren Auskunftsstellen für Reisezwecke unentbehrlich, vor allem in Rom, aber auch an anderen wichtigen VerkehrsplätzenDieselben haben die Itinerarien gesammelt, woher immer sie solche bekommen konnten, und haben solche ohne Zweifel auch bezahlt und gegen Bezahlung abgegebenWenn eine solche Stelle lange bestand, so häufte sich das Material. Für dasselbe Ziel gab es verschiedene Wege, die teils übereinstimmten, teils nicht, aus älterer und neuerer Zeit, mit verschiedenen Schreibarten der Orte und verschiedener Vollständigkeitgerade und im Zickzack verlaufende, je nach dem Zweck, den der Reisende verfolgteDer Beamte auf einer Visitationsreise und der Kaufmann mußten verschiedene seitlich gelegene Plätze besuchen, dadurch entstanden Itinerarien, welche im Zickzack verlaufen und die gerade Richtung auslassen, wofür wir viele Beispiele habenManche Itinerarien zählen die Stationen in Entfernungen von 10 — 14 Meilen, andere zählen je 18 — 24 Meilen und wieder andere von 30 zu 30 Meilen, letztere lassen also die Zwischenstationen aus und nennen nur die HauptorteDas Hi unterscheidet civitas, mansio und mutatio, wie man im Orient  heute noch an allen bedeutenderen Straßen unterscheiden kannWer kennt nicht die Mehana oder den Han, wo die Post die Pferde wechselt, der gewöhnliche Kutscher den Pferden die Ohren streckt nach dem alten Aberglauben, jeder Fuhrmann aber eine kurze Rast macht; dann folgen die notdürftigen Nachtherbergen und endlich die besseren Städte, wo man Proviant mitnimmt.  Einzelne Reisestrecken hat man schon in ältester Zeit zusammengestellt und finden wir bei den Persern uaim Altertum, dann bei Plinius und StraboSchon die Karten der Griechen sind vielfach auf diesem Wege entstanden und die Karten des Ptolemäus sind großenteils aus Itinerar-Angaben hergestelltEinen ganz neuen und unerwarteten Aufschwung aber erfuhren die Itinerarien infolge der römischen Kunst-Straßenbauten und der Vermessung derselben und Versehung mit MeilensteinenDiese Einrichtung erreichte von Augustusbesonders aber von Claudius an eine immer größere Verbreitung. Durch die Straßenbauten Trajans, Hadrians, der AntonineSeptimius Severus, Dezius, besonders wieder unter Diokletian und den Konstantinen wurde das Straßennetz über das ganze Reich immer vollständiger und besser. In dieser Hinsicht ist im 3. und 4. Jahrhundert durchaus kein Rückgang zu finden, sondern ein stetiger großartiger Fortschritt. Man darf das Straßen- und Verkehrswesen durchaus nicht mit dem Rückgang in der Literatur und dem Geistesleben vergleichen. So erlangten die römischen Itinerarien einen hohen Grad von Sicherheit und Zuverlässigkeit.  Diokletians Einteilung des römischen Reiches in kleinere Provinzen (ca. 113) und 15 Diözesen brachte für den Verkehr zweifellos einen großen Fortschritt. Der Zusammenhang der einzelnen Teile des Reiches wurde ein weit innigerer und die Ausführung großer Reisen innerhalb erstaunlich kurzer Zeit (wie die Reise Konstantins dGrvon Nikomedien in Kleinasien nach York in England, oder die Reisen Julians im Jahre 361 von Basel-Augst nach Essek in Pannonien ua.) wurden immer häufiger. Aus dieser Zeit haben wir nun das erste Sammel-Itinerarium, das Itinerarium Antonini, welches noch die Mängel seiner Entstehung an sich trägt. Es ist durchaus unrichtig, daß dasselbe ein annähernd vollständiges Verzeichnis der Straßen oder Reisewege des römischen Reichs enthalte. Von Straßen wollen wir gar nicht reden, denn da kann es sich nicht einmal um den zehnten Teil der Straßen des römischen Reiches handeln. Auch nicht einmal die mit Meilensteinen versehenen Staatsstraßen sind in einiger Vollständigkeit aufgeführt. Dazu kommt aber, daß das Itinerar manche Strecken drei- und vierfach, ganze Länderstriche und Provinzen gar nicht enthält. Das Itinerarium Antonini ist das Sammelmaterial eines Reisebüros, wie wir es oben geschildert habenmit den unvermeidlichen Mängeln der EntstehungsartDer Sammler konnte aus diesem Material unmöglich herausfinden, was ihm alles fehlteWenn er eine Strecke doppelt hatte, so war in der Regel das Ausgangs- oder Endziel ein anderes oder eine schien vollständiger oder machte einen Umweg, beide waren gleichberechtigt und wurden belassen und nebeneinander aufgeführt.  Jetzt erst, nachdem verschiedene solcher Sammlungen existierten, konnte ein Castorius sich finden, welcher die Verarbeitung des Materials zu einer Karte und vollends zu einer Weltkarte unternehmen konnte.+''Polybios'' (3,39,8) schriebdass alle 8 Stadien ein Meilenstein errichtet wurde, dass aber (34,12,8) 8 1/3 die richtige Zahl seialso 25 Stadien = 3 MeilenDie Entfernungsangaben der obigen Tabelle sind Vielfache von 8, also wahrscheinlich auf Meilen abgestimmtjedoch mit Rundungsfehlern behaftet((''RW. B. Salway''\\ //The perception and description of space in Roman itineraries//\\ S181-209 in: MRathmann (Hg.): Wahrnehmung und Erfassung geographischer Räume in der AntikeMainz 2007: Philipp von Zabern.)) Runde und gerade Zahlen wurden auch im ItAntbevorzugt((''Tomas Öberg''\\ //The accuracy of road distances in the Antonine itinerary//\\ Master’s Thesis bei Henrik Gerding in Classical Archaeology and Ancient History am Department of Archaeology and Ancient History, Lund University 202393 S[[https://lup.lub.lu.se/luur/download?func=downloadFile&recordOId=9125128&fileOId=9125129|Online]], eine statistische Untersuchung der Entfernungsangaben, die sowohl eine systematische Verkürzung der Entfernung als auch die systematische Verwendung gerader Zahlen (8,12,16 ...) ergab. )) Ursächlich dafür könnte auch die Verwendung der römischen Ziffern sein, denn wie schreibt man 8,3 (VIII ...)?
wiki/itinerar.1770100830.txt.gz · Zuletzt geändert: von Norbert Lüdtke

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