Sir Francis Drake war der Erste, der im Titel seines Berichtes mit dem Begriff der Expedition eine Unternehmung bezeichnete, die als Weltumsegelung durch etwas Neuartiges hervorstach. Im Grunde war dies jedoch eine höchst profitable Kaperfahrt, die zufällig zur Umsegelung der Erde führte, denn von solch einem Auftrag ist nichts bekannt, ebensowenig von einem Forschungs- oder Aufklärungsziel.
Unter Expeditionen werden hier solche Fahrten und Unternehmungen verstanden, die
William Dampier, 1651–1715Woodes Rogers. Um 1690 erkundete er auf eigenen Antrieb und systematisch Regionen zwischen Malakka und Vietnam, deren Flora und Fauna, Menschen und Kulturen. 1691 brachte mit 'Giolo' einen tätowierten Prinzen von den Philippinen mit, der erhbeliches Aufsehen beschwerte. Dampiers Bücher wiederum beeindruckten durch ihren sachlichen Gehalt. A New Voyage Round the World erschien 1697 und war so erfolgreich, dass ihm die britische Admiralität mit dem Segen von König William III. 1699 die HMS Roebuck anvertrauten, mit der er New Holland (heute: Australien) erkunden sollte.William Dampier
Gebürtig in der Toskana, stand Alessandro Malaspina di Mulazzo (1754–1810) als Navigator in spanischen Diensten. Er leitete zusammen mit José de Bustamante y Guerra (1759-1825) die später nach ihm benannte Malaspina-Expedition mit den Fregatten Descubierta and Atrevida und dem geographischen Hauptziel, die amerikanischen Küsten von Patagonien bis Alaska zu erforschen. Speziell sollte auch der Hinweis auf eine Nordost-Passage überprüft werden, die der spanische Seefahrer Lorenzo Ferrer Maldonado (1557-1625) beschrieben hatte (Relación del descubrimiento del estrecho de Anián, 1588). Daraus wurde zudem eine Weltumsegelung.
Politisch sollten die spanischen Überseegebiete durch umfassende Forschungsergebnisse gesichert werden. Sie war auch eine Gegenmaßnahme zur russischen Mulovsky-Expedition, die die Gebiete von Russisch-Amerika hätte erforschen und abgrenzen sollen, jedoch 1787 abgesagt wurde. Damit kennzeichnet diese Expedition auch den Übergang von Entdeckungsfahrten zu Forschungsexpeditionen. Sie wurde begleitet vom Botaniker Luis Née, dem Naturforscher Thaddäus Haenke (1790 bis 1793) und mehreren Expeditionsmalern (siehe dort 1789) unter José del Pozo. Alle Ergebnisse blieben in spanischen Archiven rund 200 Jahr unpubliziert. Mehr dazu siehe die Ausstellungen:
Pedro de Novo y Colson (Hg.)Pedro de Novo y Colson, teniente de navío, Académico correspondiente de la Real de la Historia. Segunda edición Madrid 1885: Imprenta de la Viuda é Hijos de Abienzo. OnlineDonald C. CutterAndrés Galera GómezSánchez Ramos, Valeriano; Viciana Martínez-Lage, Alfonso
Der deutsche Arzt Daniel Gottlieb Messerschmidt (1685–1735) reiste 1720–1727 für Zar Peter I. nach West- und Zentralsibirien und brachte Sakralobjekte der Chanten und Mansen zurück sowie Sprachstudien. Bis Tobolsk begleitete er eine Gesandtschaft nach China. Von dort begleiteten ihn zwei Soldaten, vier Diener und drei schwedische Kriegsgefangene, darunter Philipp Johann von Strahlenberg, mit dem er eng zusammenarbeitete. Dies könnte die früheste Forschungsexpedition zu Lande gewesen sein.
Winter, Eduard, Figurovskij, Nikolaj Aleksandrovič (Hg.)Daniel Gottlieb Messerschmidt. Forschungsreise durch Sibirien. 1720–1727. Teil 1. Tagebuchaufzeichnungen. 1721–1722Peter I. Kamtschatka auf dem Landweg mit dem dänischen Marineoffizier Ivan Ivanovich (Vitus Ponesen) Bering (1681–1741) als Leiter. Dort baute die Expedition Schiffe und wurde maritim tätig. Neben den Leutnants Alexey Ilyich Chirikov und Martyn Petrovich Shpanberg sowie Peter Chaplin mit Seefahrern und Vermessern nahmen rund 60 Matrosen, Soldaten und Handwerker teil. 1)Gottfried Wilhelm Leibniz initiierte die Zweite Kamtschatka-Expedition 1733, geleitet von Vitus Bering nach welchem die Beringstraße benannt ist. Bering und Georg-Wilhelm Steller überlebten die Expedition nicht. Der deutsche Historiker Gerhard Friedrich Müller, Johann Georg Gmelin und Johann Eberhard Fischer waren Teilnehmer der großen Kamtschatka-Expedition und werteten die Ergebnisse dieser elf Jahre aus. Die Zarin Katharina hielt die Ergebnisse geheim. Ausstellungen: Expeditionen in den Norden
Ausstellungen: Reisende von A bis Z
1735 beauftragte Ludwig XV. den Astronomen Louis Godin (17044–1760) als Leiter, Charles-Marie de La Condamine (1701–1774) Mathematiker und Astronomen, Pierre Bouguer (1698–1758) als Astronom, Geodät und Physiker sowie Joseph de Jussieu (1704–1779) als Arzt und Botaniker mit einer Expedition via Santo Domingo und Panama in die südamerikanischen Gebiete am Äquator. Später kamen die spanischen Offiziere Jorge Juan (1713–1773) als Mathematiker und Astronom und Antonio de Ulloa (1716–1795) als Mathematiker sowie Pedro Vicente Maldonado (1704–1748) als Kartograph und Universalgelehrter hinzu.
Die kalifornische Küste hatte 1602 Sebastián Vizcaíno kartographiert. Gaspar de Portolá (1716–1784), Gouverneur von Las Californias, plante und leitete die Portolá-Expedition 1769–1770 in das Innere des heutigen Kaliforniens. Sie diente der Erkundung und kartographischen Erfassung dieser Gebiete und damit zur Festlegung spanischer Gebietsansprüche. Die Expedition bestand aus drei Gruppen mit Schiffen und zwei Gruppen mit Maultieren zu Land, insgesamt mehr als 200 Menschen, Seeleute, Köche, Handwerker, Indianer als Dolmetscher, Franziskanermönche, Soldaten, aber auch der Kartograph und Zeichner Miguel Costansó und der 'surgeon' Pedro Prat. Ein Schiff ging bereits bei der Anreise unter; alle anderen Gruppen beklagten zahlreiche Todesfälle, nur wenige überlebten. Drei Tagebücher blieben erhalten. Die Franziskaner gründeten 21 Missionsstationen. Dies war wohl die erste spanische Hinterland-Expedition überhaupt.
Fernando Boneu CompanysCostansó, Miguel
Friedrich Wilhelm Heinrich Alexander von Humboldt (1769–1859) hatte mit Joachim Heinrich Campe einen Hauslehrer, der ein Experte für die Reiseliteratur seiner Zeit war und eigene Reisesammlungen veröffentlichte. Als Erbe eines großen Vermögens, plante, finanzierte und organisierte er seine Expeditionen selbst. Seine amerikanische Forschungsreise 1799–1804 unternahm er gleichwohl mit Aimé Jacques Alexandre Bonpland (1773–1858), sie zerfällt in
Dabei legte er rund 8.000 Kilometer in fünf Jahren zurück, war also sehr gemächlich unterwegs. 1829 bekam er sowohl die Gelegenheit als auch die Unterstützung des Zaren für eine Expedition durch Russland. In weniger als sechs Monatenwurden mehr als 18.000 Kilometer zurückgelegt.
Ausstellungen zu Humboldt, dort auch weitere Literatur:
Alexander von Humboldt. Netzwerke des Wissens.
→ Biographische Literatur zu Humboldt mit Bibliographien
→ Querbezüge zu Humboldt in Ausstellungsliste Expeditionen nach Amerika
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