Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


wiki:reisegepaeck

Reisegepäck

»Gepäck?« antwortete er. »Habe keins.«
»Wirklich keins?«
»Yes. Bin früher so dumm gewesen, 
mich mit einer Menge von Sachen zu schleppen,
und habe mich trotzdem 
für einen tüchtigen Globetrotter gehalten.
Habe aber von dir gesehen, wie man es machen muß.
Mache es nun ebenso:
Anzug auf dem Leibe, Mantel, Waffen, Geld, weiter nichts.«
Karl May, Im Reiche des silbernen Löwen III

Das Geheimnis der Beweglichkeit ist es, frei zu sein von jeglicher Last. Dem entgegen stehen das Bedürfnis nach Sicherheit und der Wunsch nach etwas Bequemlichkeit. Was man dafür glaubt zu brauchen, muss ins Gepäck passen. Bereits alte Reisesprichwörter verweisen auf das Gepäck als Last und Lust als Sack und Pack: »Der reist frey in alle landt, der nichts im beutel, nichts in der handt.«, aber auch: »Eines Reisenden schwerste Bürde ist ein leerer Beutel.« Ohne ein Lasttier und ohne Fahrzeug bleibt für die Last nur der eigene Rücken. Das ist uns angeboren, denn ohne aufrechten Gang (mit dem Stab als Stütze) kann der Mensch nicht tragen (mit dem Beutel als Last) und so war der *Homo sapiens seit je auch ein Homo portans, der auch seine Tragetechniken ständig optimierte und anpasste. Die ursprünglichsten Behälter waren Körbe 1) und Netze, die auf dem Kopf oder mit Bändern getragen wurden. Kombinationen aus Beutel, Sack, Stab und Rad erweiterten die Tragemöglichkeiten.

  • Pichler, Sandra
    Mit Sack und Pack, mit Kind und Kegel: Wildbeutergesellschaften früher und heute.
    S. 61-64. in: Brigitte Röder, Sabine Bolliger-Schreyer, Stefan Schreyer (Hg.): Archäologie in der Schweiz. Lebensweisen in der Steinzeit. Baden 2017: Hier und jetzt

Das Reisegepäck im Rückblick

Vor mehr als 5.000 Jahren

Der Mann vom Hauslabjoch, bekannt als »Ötzi«, konserviert als eine rund 5.300 Jahre alte »Gletschermumie« aus dem Ötztal in den Alpen, war gut mit Tragevorrichtungen durchdacht ausgestattet und unterwegs mit

  • einer Rückentrage2)
    Diese bestand aus einem rund zwei Meter langen gebogenen Haselnussstab als Rahmen, daran drei Lärchenholzbrettchen, geschnürt mit Lindenbast und vermutlich mit einem Tragesack aus Fell (nicht erhalten).
  • einer Gürteltasche
    u.a. mit Feuerstein und Zunder, wie man sie bis heute noch im Himalaya sehen kann;
  • zwei Dosen aus Birkenrinde
    davon eine für den Transport von Glut; solche Behälter wurden in ganz Eurasien und im nördlichen Amerika hergestellt, auch noch heute;
  • einem Proviantbeutel oder Waidsack für kleine Jagdbeute;
  • Bogen, Pfeile und Köcher aus Leder;
  • ein Feuersteinmesser mit Griff, mit Bastzwirn gebunden, in einer Scheide;
  • ein geschäftetes Kupferbeil.

Dies sind die ältesten bekannten und erhaltenen aus einer langen Liste von Reisegepäckarten; offensichtlich fehlen jedoch ein Wanderstab und ein Wasserbeutel.

Vor rund 3.000 Jahren

Für die ältesten Formen von Wandermönchen, der indischen (Dandin), sind die Vorschriften der Veden, der Jain und der Buddhisten überliefert. Sie alle haben ihre eigenen Regeln für Ausrüstung. Zwar sind alle Vorschriften mehr oder weniger minimalistisch 3), dennoch zeigt sich eine Bandbreite zwischen Besitzlosigkeit und Armut, zwischen dem Leben in der Wildnis, der Waldeinsamkeit oder am Rande der Gesellschaft, eine Gratwanderung zwischen notwendigem Bedürfnis und überflüssiger Begierde.

Veda
Schüler
Brahman.
Bettel-Asket
Jain
Novize
Jain
Mönch
Buddh.
Mönch
Yâyâvaras
Samnyasin
dandamānava
dandagrahana
& antevāsi
seha pravrajita upasampadā
supravrajita
Gelübde Besitzlosigkeit Besitzlosigkeit Armut
Trinken Wassertopf
mit Filtertuch
Filtertuch
Ernährung Almosenschale Almosenschale Almosentopf
mit Tuch
Almosentopf Almosenschale
pindapäta
Kleidung Gewand
Antilopenfell
Lendenschurz 3 Teile 1 Teil
aus Lumpen
3 Teile
aus Lumpen
Wanderstab Körperlänge 1-2 Stäbe [vi]dandaga Wanderstab khakkhara
hikkala
Tragehilfen Tragestange
Gürtel aus Gras
Seil Gürtel
Werkzeug Sichel Kuthahari Besen Messer, Nadel
Sonnenschirm
Zahnholz
Untersagt keine Schuhe
kein Sonnenschirm
kein Feuer
Anzahl gesamt 12-14 8
  • Der Stock der Veda-Schüler sollte kopfhoch sein und aus bestimmten Holzarten bestehen.
    Der Stab des Brahmana sollte aus Palasa-Holz bestehen.
    Der Stab des Snataka besteht aus Bambus.
    Der buddhistische khakkhara ist lang und untermalt mit seinen metallenen Ringen klingend jeden Schritt, damit wilde Tiere und Dämonen vertreibend.
  • Die Kleidung der Veda-Schüler und der buddhistischen Mönche durfte nur aus Leinen, Baumwolle, Seide, Wolle, Hanf bestehen.
  • Die Tragestange vivadha war ein Bambusrohr mit Schnüren zum Befestigen der Lasten.
  • Die Almosenschale der Veda-Schüler musste aus Ton, Bambus, Holz oder Flaschenkürbis bestehen.

Vor rund 2.000 Jahren

Die griechischen Kyniker folgten ihrem Vorbild Diogenes von Sinope (um 413 - um 323 v. Chr.) mit einem vergleichbaren Ansatz, der bactropērīta; das Gepäck dieser Wanderphilosophen umfasste:

  • Einen doppelten Mantel aus grober Wolle, den tribôn, wörtlich `Reiber´, lateinisch pallium.
  • Einen einfachen, knotigen Wanderstab ξυλο-φορέω `Holz tragen´.
  • Eine Umhängetasche pera enthielt Becher, Schale, Brot, ein Ölfläschchen Olpe und ein Messer.
  • Eine (Pilger-)Flasche« kṓthōn, einen Wasserbehälter oder -schlauch.
  • Sandalen durften, mussten aber nicht sein.

Um 190 BC nannte Jesus Sirach in einer Art praktisch-philosophischem Lehrbuch 4) den wesentlichen Bedarf für das Leben der Menschen:

  • Wasser, Feuer, Eisen, Salz, Mehl, Honig, Milch, Wein, Öl und Kleidung .

Die römischen Soldaten und Legionäre trugen deutlich mehr Gepäck (sarcina) 5). Rund 20 Kilogramm hingen am Querholz einer gabelförmigen Tragestange (furca) aus Eschenholz; hinzu kamen Kleidung und Waffen. Als Gepäckstücke dienten:

  • Mantelsack (mantica)
  • Proviantnetz (reticulum)
  • Ledertasche (loculus, pera) für Kleinteile
  • Feldflasche (ampulla)
  • Fellrolle
  • Koch- und Essgeschirr
    • Stolle, Franz
      Der römische Legionar und sein Gepäck (Mulus Marianus).
      Eine Abhandlung über den Mundvorrat, die Gepäcklast und den Tornister des römischen Legionars und im Anhang Erklärung der Apokalypse 6,6.
      67 S. Strasbourg 1914: Trübner.

Die wichtigsten Dinge für eine Reise werden unter anderem im Neuen Testament (Lukas 10, 1-12) wiederholt genannt. Diese Ausstattung war bewusst spartanisch, damit die Jünger per pedes apostolorum lernen sollten, auf Gott und damit auf Almosen zu vertrauen, sie durften mitführen:

  • den Geldbeutel (gr. ballantoin) mit Geld (argyrion)
  • die Vorratstasche (gr., lat. pera)
  • die Sandalen (gr. hypodemata) 6)
  • den Wanderstab (gr. rhabdos) 7)
  • aber kein zweites Hemd (!)

Reisegepäck in der Antike und im Mittelalter

Reisegepäck im nördlichen Europa zur Zeit der Antike

Die charakteristische Reisekleidung der Kelten und Gallier wird in Abbildungen durch einen Umhang (keltisch sagum) mit einer Kapuze (keltisch cucullus, cuculla) dargestellt. Dieselbe Kleidung trägt der Genius cucullatus, ein Schutzgeist; im Griechischen entspricht ihm der Telesphorus 8). Ein Zusammenhang mit der „Barden-Kapuze“ bardocucullus wäre denkbar.

  • Bulle, Heinrich
    Keltische Brautfahrt, etruskische Hadesfahrt und der genius cucullatus.
    Wiener Jahreshefte 35 (1943) [138] - 156
  • Zerres, Jutta
    Kapuzenmäntel in Italien und den Nordwestprovinzen des Römischen Reiches.
    Gebrauch – Bedeutung – Habitus.

    149 S. Kerpen-Loogh 2017: Verlag Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte (DGUF)

Im alten deutschen Rechtsgebrauch durfte nur gepfändet werden, was jemand über dem Gürtel trug (Kappe, Hut, Mantel). Das Übrige erschien als überlebensnotwendig, selbst für den Outlaw.

Das Reisegepäck der Pilger im Mittelalter

Wie bei jedem anderen Reisenden mussten Kleidung und Ausrüstung praktisch und nützlich sein 9). Darüber hinaus entwickelte sich eine Art Bildsprache (Ikonographie) 10), damit beispielsweise Pilger oder Vaganten anders wahrgenommen wurden als wandernde Handwerksburschen, Fahrende Händler, Bettler, Aussätzige.

  • Pilgerhut mit breiter Krempe (petasos)
  • Pilgerumhang (frz. pelerine), also kein Mantel
  • Untergewand
  • Sandalen, Schuhe oder Stiefel 11)
  • Pilgerbörse für Münzen, Wertsachen und Pilgerpass
  • Pilgertasche (lat. pera)
  • Pilgerflasche, ein Lederbeutel oder eine Kürbisflasche
  • Rosenkranz
  • Beutelbuch für begüterte und gebildete Pilger 13)
  • Rund 1.600 Pilgerzeichen der Pilgerziele für Hut, Kleidung oder Tasche 14)
    • Kreuz als Zeichen für das Pilgerziel Jerusalem
    • Muschel als Zeichen für das Pilgerziel Santiago de Compostela
    • Schlüssel und Schwert oder Veronikatuch als Zeichen für das Pilgerziel Rom
    • Madonnen als Zeichen für das Pilgerziel Walsingham

Japanische Pilger 1894

Alex Braun beschreibt japanische Pilger um 1894:
»Schaaren von Pilgern, meist Männer und Knaben in weißen Gewändern, mit Strohsandalen und tellerförmigen Strohhüten, mit großen grünen Matten als Wettermänteln, einem Kürbis als Wasserflasche und einem knotigen Bambus als Wanderstab …« 15)

Das Reisegepäck der Begüterten im 17. Jahrhundert

Reisetruhen, »z. B. eine, in der sich eine bettstatt im feld zu gebrauchen befänden, mit stroosakh, materazo, pfulgen, leilacher, deckhin, umbhäng, tischblättlin, […] 2. stul, nachtstul, vnd anderß, die dekhinen vnd umbhang […] In einer anderen Truhe seien aine feldtafel, mit 6. lidernen stuelen oder seßelen, ain credenz tisch, mit 2. bänkhlen, das geschürr darauf zu stellen: tischleinwat auf 6. gäst, tischgerait von schißlen, teller, salier, leichter, leffel, messer, piron, flaschen, alles von zihn […] «
Eine Empfehlung des Philipp Hainhofer aus Augsburg an Herzog August den Jüngeren von Braunschweig-Lüneburg in einem Brief von um 1643.
In selbiger Quelle aus einem Brief von 1695:
Die Juweliere haben mir zwei mit rotem Leder und vergoldeten Beschlägen überzogene, innen mit rotem Samt und Atlas gefütterte fueterlen oder trüchlen, eins über einen Werkschuh lang und auch so hoch, mit sich auf der rayß zu fueren, gezaigt, vnd ist in Jeden oben hero die schreiberey, alß dintenfaß, streebüchß, spangenfach, geschrauffte federn, messerlen, scherlen, vnder schidliche mathematische instrumenta, proportional zirkl, brillen, Compas, Compasring, auglige gläser, schöne Carten, würfel, drehewürfel mit balsambüchsen etc. papir, Calender, vnd der gleichen. Im mittleren gaden ist die apoteg mit gläßlen büchßlen, schächtelen, pfändlen, schißlen, bündbüchß, zungen vnd salben spaaten, trachterlen, gewichtlen. Im Dritten gaden ist der Campelzeug mit spiegel, streel, hartuch, haarzangen, scheer, scheermesser, flitten, ventausen, streichruemen, saiffenkugeln etc. sehr compendios, vnd zu täglichen gebrauch ainem herrn oder frawen dienlich wäre.

  • Ronald Gobiet
    Der Briefwechsel zwischen Philipp Hainhofer und Herzog August d. J. von Braunschweig-Lüneburg.
    (= Forschungshefte Bayerisches Nationalmuseum, 8) 934 S. München 1984: Deutscher Kunstverlag.

Das Reisegepäck der Seefahrenden ab dem Mittelalter

  • schipkisten: Seekiste, Schiffskiste, holl. Scheeps-kist, dän. Söe-Kiste, engl. Sea-chest, Sailor’s chest;
  • huðfat `Bettzeug´, ein aus Fell (hud) gefertigter Schlafsack
  • 1375 hudfat in Rostock
  • 1403 watsecke aus Wolle 16)
  • 1449 die matten der Matrosen 17)

Quellen:

  • Ellmers, Detlev
    Mit Seekiste und Bettzeug an Bord.
    Das Reisegepäck der Seefahrenden vom Mittelalter bis zum frühen 20. Jahrhundert.

    Hansische Geschichtsblätter 127 (2009) 1-53.
  • Ellmers, Detlev
    Einmal Rostock – Malmö und zurück. Die Abrechnung einer Seereise aus dem Jahre 1375.
    Hansische Geschichtsblätter, 126 (2008) 247-266. Online
  • Hjalmar Falk
    Altnordisches Seewesen.
    Wörter und Sachen 4 (1912) 1-122

Das Reisegepäck des Fahrenden Volkes

Eine *Liste der klassischen ReiseAusrüstung des Fahrenden Volkes umfasst:

  • Kluft
    Kleidung aus Cord, Wolle, Leder für Hemd, Jacke (»Lodenjoppe«), Hose, Hut
  • Regenschutz
    schulteraufliegend oder als Kapuzenmantel, ein grober Kotzen, Loden oder Düffel
  • Schuhwerk
    »Trittlinge«: Wanderschuhe mit genagelter Sohle oder Stiefel
    Gamaschen, Hirschtalg, Fußlappen
  • Gürtelgehänge für
    Beutel, Essutensilien, Messer, Werkzeug 18)
  • Stock als Wanderstab, Stütze und Waffe
    Knotenstock, Stenz, Knobkierie

Reisegepäck seit rund 200 Jahren

Aus dem Jahr 1828 erhalten wir eine akribische Liste, was der Fußwanderer mit ins Gebirge zu nehmen hat und was nicht, zudem mit aufschlußreichen Anmerkungen, die auf das Weltbild des Fußreisenden der damaligen Zeit schließen lassen:

  • Berndt, Johann Christian Gottlieb
    Wegweiser durch das Sudeten-Gebirge.
    Breslau 1828: Grüson u. Comp. VIII, 712 S., 1 Falttafel. Online und hier als Auszug. Darin die Vorbereitung zur Reise (Zeit, Plan, Dauer, Gesellschaft, Reiseart, Reisegepäck, Reisekleidung) S. 3-15 und die Organisation der Reise (Tagesordnung, Marschart, Führer, Benehmen, Reise ins hohe Gebirge, Reisenoth) S. 15-29

Als Jules Verne 1873 den Phileas Fogg auf die Reise in 80 Tagen um die Erde schickt, weist dieser seinen Diener Passepartout an:
»Keine Koffer. Nur eines Reisesackes bedarf's, mit zwei wollenen Hemden darin, und drei Paar Strümpfen; ebensoviel für Sie. Weiteres kaufen wir unterwegs. Holen Sie meinen Makintosh 19) und meine Reisedecke, und nehmen Sie gute Fußbekleidung. Uebrigens gehen wir wenig oder nicht zu Fuße. Jetzt, rasch!« 20).

Koffer für die Eisenbahn

Das erschwingliche Reisen in öffentlichen Verkehrsmitteln verdrängte im 19. Jahrhundert den Schrankkoffer (engl. trunk) der Begüterten, die über Kutschen und Träger verfügten. Das Bündel der Fussreisenden war jedoch auch keine Alternative. Dinge für unterwegs mussten also kleiner werden, faltbar oder klappbar, damit sie in den einfachen Koffer (engl. humble suitcase) passten 21). Ein fester und tragbarer Koffer passte nicht nur auf die Gepäckablage der Eisenbahnwaggons, sondern präsentierte mit Aufklebern die Reisegeschichte seines Besitzers.

Rollkoffer fürs Flugzeug

Um 1970 wurde das Flugzeug massentouristisch tauglich, dabei nahm die Zahl der Gepäckträger ab, die der Passagiere zu. Das Gepäck musste in Flughäfen weite Strecken getragen werden und in die Ablage der Flugzeuge passen. 1970 bekam der Koffer vier Rollen und eine Schlaufe zum Ziehen. So wurde er 1972 zum patentierten 22) Rollkoffer (engl. trolley, caddy). Erfunden hat den rolling suitcase der US-Amerikaner Bernard D. Sadow (1925–2011), Vize-Präsident einer Firma, die auch Koffer herstellte. 1987 hatte Robert Plath, Pilot bei Northwest Airlines, die Idee, den Koffer nur auf zwei Rollen zu stellen und einen Teleskopgriff zu montieren 23). Damit wurde der Rollkoffer seinen massentauglichen Durchbruch als rollaboard (engl.) Robert Plath erhielt 1991 ein Patent darauf und gründete die Firma Travelpro 24).
Ebenfalls 1972 entwickelte die französische Firma Delsey einen rollenden Hartschalenkoffer und nannte ihn Trolley.

DIY und Khaki für das Leben im Busch

In den tropischen Kolonialgebieten entstand eine ganz eigene Reiseaussstattung für das Reisen im bush, siehe Khaki und Safari.
Camping und Canoeing begannen im 19. Jahrhundert mit weitgehend seibstgefertigter Ausrüstung:

  • Frazer, Perry D.
    Canoe Cruising and Camping.
    87 S. New York 1897: Forest and Stream Online
    • Camping Outfit: Tents Without Poles — Canoe, Protean, Wedge, and Other Forms of Tents — In an A Tent in a Storm — A Cheap Tent - Waterproof Blankets — Three Recipes for Waterproofing Canvas - Buy the Best Blankets — Sleeping Bags — How to Make One — Cork Cushions — Home-Made Cork Beds and Cushions — The Camp Axe — The Duffle Bag — Grub Boxes and Bags — Selecting the Cooking Outfit — A Portable Range — List of Food Needed for one Person on a Month's Cruise — Selecting Food and Supplies.
    • Clothing: What to Take — The Underwear-Good Flannel Shirts — Knicker bockers and Coats — The Sweater — Wool Clothing Best — Waterproof Garments — The Moccasin for General Wear — Avoid Boots and Leggins — Paddling Gloves — Warm Gloves for Cold Weather.

Kriterien zur Auswahl

Die Kataloge mit Reise-Ausrüstung umfassen mehrere hundert Seiten; Ausrüsterläden präsentieren Materialien auf mehreren tausend Quadratmetern. Doch wer sein Reisegepäck unter erschwerten Bedingungen tragen muss, benötigt keinen Ballast. Von Bergführern bekommt man zu hören: »Unter schwersten Umständen muss Dein Rucksack leer sein, weil Du alles im Einsatz hast.«

Ein Rucksack sollte nicht mehr wiegen als etwa ein Viertel des eigenen Körpergewichts - das ist schon schwer. Mehr zu tragen erfordert langes Training und eine gute Rucksackqualität. Radfahrer und Motorradfahrer müssen sich ebenso einschränken. Wer jedoch mit einem Fahrzeug reist, neigt schnell zum Immermehrismus.

Muss: Trinken, Essen (Proviant), Schlafen, Wärme und Gesundheit müssen als Grundbedürfnisse garantiert sein. In Städten und auf dem Dorf gelingt das meist mit Geld, Dokumenten und Informationen. Outdoor & Offroad wird es schwieriger - man muss alles mitnehmen. Autarkie für bestimmte Zeiträume und klimatische Besonderheiten muss geplant werden. Zudem werden die Grundbedürfnisse erweitert um Orientierung und Mobilität - beides muss gewährleistet sein oder man findet sich in einer Survival-Situation wieder.

Kann: Die gewissen Extras, etwas Luxus, bequeme Hilfsmittel, Unterhaltsames, Genussmittel - eben alles, was schön ist oder Spass macht.

»If in doubt, take it out«

  • Weglassen
    Was man unterwegs kaufen kann, muss man nicht mitnehmen.
  • Reduzieren
    Schwere Verpackungen durch leichte ersetzen, wasserhaltige Konserven durch getrocknete Lebensmittel und so weiter.
  • Fokussieren
    Für welches Zeitfenster sollen Verbrauchsmaterialien ausreichen? Alles was doppelt ist, aussortieren.
  • Ersetzen
    Die schwersten Ausrüstungsgegenstände durch leichtere Alternativen ersetzen.

Querverweise

Literatur

Die technischen Mittel des Reisens - Tragehilfen ebenso wie Gepäck - sind uns alltäglich vor Augen und bleiben wegen ihrer Selbstverständlichkeit weitgehend unbeachtet; auch der akademische Blick schweift meist darüber hinweg. Volkskunde und europäische Ethnologie bieten kaum systematische Ansätze zu diesem Themenfeld:

  • Margarete Braun-Ronsdorf
    Reisekleidung
    Ciba-Rundschau (1962) 1, 12-30, Ciba-Aktiengesellschaft Basel
  • A. Fenton, J. Podolák; H. Rasmussen
    Land Transport in Europe
    København: Nationalmuseet, 1973 512 S. ISBN: 8748059013
  • Grau & Co.
    Mit Kamera und Reisetasche.
    Grau & Co., Leipzig, Vornehmes Versandhaus. Preisbuch für Abteilung Nr. 2. 56 S. um 1910. Inhalt u.a.:
    • Photographische und optische Artikel
      • Grau's Klapp-Lameras
      • Ernemann-Kameras
      • Schüler- und Reise-Kameras …
      • Albums für Bilder und Postkarten …
      • Thermometer, Barometer
      • Reise- und Theatergläser …
      • Große Reisekoffer
      • Anzug- und Rundreise-Koffer
      • Leder-Reisetaschen …
      • Reisekocher, Reise-Bügeleisen
      • Reiseplaids und Rucksäcke …
  • Daniel A. Gross
    Modern luggage has been constantly reinvented during its short 120-year history.
    Smithsonian Magazine May 9, 2014 Online
  • Harlan, Susan, Alessio Pugliese
    Fare i bagagli: un viaggio pratico e filosofico.
    163 S. (=La cultura, 1266 ) Milano 2019: Il saggiatore.
  • Ledoux, Kate Reed
    Ocean Notes and Foreign Travel for Ladies.
    New York: Cook, Son, and Jenkins, 1878.
  • Luce, Robert
    Going Abroad? Some Advice.
    Boston: Clipping Bureau Press, 1897
  • Klara Löffler
    Frauensache? Das Einpacken vor der Reise.
    In: Fraueninfo. Frauenvorlesungsverzeichnis. Hg. Vom Gleichstellungsbüro der Ruhr-Universität Bochum. Bochum 2008, S. 6-13.
  • Andrea Mihm
    Packend … Eine Kulturgeschichte des Reisekoffers.
    128 S. Marburg 2001.
  • Mollerup, Per
    Collapsibles: a design album of space-saving objects.
    London 2001: Thames & Hudson.
  • O'Brien, Alden Swift Tullis
    Don't leave home without it: travel clothing in America, 1850-1939.
    Diss. 126 S. M.A. Fashion Institute of Technology. Program in Museum Studies 1989
  • Pommrich, H., & Pietzner-Clausen, P.
    Reisen, Camping, Fliegen, in: Dieselben: ABC der Umgangsformen für Beruf und tägliches Leben
    S. 85-86; Wiesbaden 1956: Gabler Verlag
    »Praktische, am besten sportliche Reisekleidung und ein Reise-Etat sichern vor peinlichen Überraschungen. Es ist empfehlenswert, stets ein Drittel mehr zu disponieren, als die veranschlagte Summe beträgt. Auf Reisen hat man vielfältige Gelegenheit, sich seinen Mitmenschen gegenüber zuvorkommend zu benehmen. Große Gepäckstücke befördert die Bahn preiswert als Passagiergut. Man braucht dann seine Mitreisenden nicht zu belästigen.«
  • Attila de Paládi-Kovács (Hrsg.)
    Traditionelle Transportmethoden in Ostmitteleuropa
    Budapest: Néprajzi Kutatócsoport, 1981. 161 S. ISBN: 9637761357
    Berichtband zu einem Symposium der Ungarischen Akademie der Wissenschaften 1979 im Râköczi-Museum in Sârospatak über »Traditionelle Verkehrsmittel und Transportmethoden im Raum der Karpaten und des Balkan«.
  • Schadendorf, W., & Braun-Ronsdorf, M.
    Reisen und Reisebedarf
    30 S. CIBA Basel 1962
  • Marie Simon
    Nimm mich mit… Eine kleine Geschichte der Reisebegleiter.
    183 S. München 2005: Frederking und Thaler.
  • Edgar Wayne
    My Valise and I.
    Godey’s Lady’s Book, January 1870
  • Anonymus
    Traveling Dressing-Case
    Godey’s Lady’s Book, November 1874
1)
Der aus Rohr (canna) geflochtene Korb wurde lat. canistrum und griech. kánastron (κάναστρον) genannt und bezeichnet heute im Deutschen als Kanister einen Flüssigkeitsbehälter.
2)
B. Terzan
Bemerkungen zu dem sogenannten Rucksack des Ötztaler Mannes
Arch. Korrbl. 24, 1994, 265 ff.
J. Wininger
Die Bekleidung des Eismannes und die Anfänge der Weberei nördlich der Alpen
The Man in the Ice 2. Veröff. des Forschungsinst. für Alpine Vorzeit der Universität Innsbruck 2, 1995, 119 ff.
3)
Thomas Oberlies (01/1998)
Veda-Schüler, Bettelasketen und Mönche.
Zur Vorgeschichte der buddhistischen Ordensregeln, online, abgerufen 12.11.2020,
Buddhismus in Geschichte und Gegenwart. Bd. 1 Universität Hamburg, Asien-Afrika-Institut, Abteilung für Kultur und Geschichte Indiens und Tibets. (Weiterbildendes Studium)
Georg Bühler (Übers.)
Sacred Books of the East
The sacred laws of the Aryas Band 2
Clarendon, Oxford 1882
4)
Ecclesiasticus 39: 26: »Initiumnecessarierei vine hominum aqua, ignis, et ferrum, sal, lac et panissimilagineus, et mel et botrusuve, et oleum, et vestimentum.«
5)
Peter Connolly
Die römische Armee
Tessloff-Verlag, ISBN 3-7886-0180-9
Junkelmann, Marcus
Muli [Mvli] Mariani. Marsch in römischer Legionärsrüstung über die Alpen.
80 S. Stuttgart: Württembergisches Landesmuseum; Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Würtemberg und Hohenzollern, 1985
6)
Katherine Ely Dohan
Hypodemata: The Study of Greek Footwear and Its Chronological Value
Bryn Mawr College, 1985, 286S.
7)
elf Mal im Neuen Testament als Stab für Reisende und Schäfer
8)
Antal, Adriana A god of convalescence. Telesphorus/Genius Cucullatus in Roman Dacia. Acta Musei Napocensis. National History Museum of Transylvania. 1.51 (2014) 195–206
9)
Teodor Puszcz
Das liturgische Gebet für Reisende und Pilger sowie Seefahrer:
Ein Überblick bis zur Tridentinischen Liturgiereform
LIT Verlag Münster, 2019, S. 25 - 28
10)
U. Liebl, Pilger
III. Ikonographie
in: Lexikon des Mittelalters 6 (1993), Sp. 2150-2151
Leonie von Wilckens
Die Kleidung der Pilger.
In: Lenz Kriss-Rettenbeck, Gerda Möhler (Hrsg.): Wallfahrt kennt keine Grenzen, Themen zu einer Ausstellung des Bayerischen Nationalmuseums und des Adalbert Stifter Vereins. München 1984, S. 174–175
11)
Olaf Goubitz
Stepping through Time. Archaeological Footwear from Prehistoric Times until 1800
SPA, Zwolle 2001, 396 S.
12)
de signo ad loca sancta peregrinantium
A. Franz
Die kirchlichen Benediktionen im Mittelalter
II. 1909. S. 272
13)
Otto Mazal
Beutelbuch, (2017) In: Lexikon des gesamten Buchwesens
14)
es sind etwa 500 unterschiedliche bekannt, oft aus Blei gegossen oder aus Blech;
Herbers, Klaus; Kühne, Hartmut [Hrsg.]
Pilgerzeichen - Pilgerstraßen
Narr Tübingen 2013, Jakobus-Studien 20
15)
Alex Braun: Japanische Thermen. in: Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik 17 (1895) 344-350
16)
Hansisches Urkundenbuch Bd. 5, 588, 3.
17)
Hansisches Urkundenbuch Bd. 8, Nr. 84, §§ 72, 73.
18)
Claudia Schopphoff
Der Gürtel: Funktion und Symbolik eines Kleidungsstücks in Antike und Mittelalter
Böhlau Verlag Köln Weimar, 2009, 276 S.
19)
Ein wasserdichter Regenumhang, entwickelt von dem schottischen Chemiker Charles Macintosh (1766–1843)
20)
4. Kapitel, Online bei Gutenberg
21)
Mollerup 2001
22)
#3.653.474 am 04.04.1972
23)
Sharkey, Joe: Reinventing the Suitcase by Adding the Wheel. New York Times 04.10.2010 Online
24)
Lale Arikoglu: How the Rollaboard Suitcase Changed Travel Forever. Conde Nast Traveller 22.09.2017 Online
wiki/reisegepaeck.txt · Zuletzt geändert: 2024/07/05 13:09 von norbert

Donate Powered by PHP Valid HTML5 Valid CSS Driven by DokuWiki