Günther RopohlAllgemeine Technologie
Eine Systemtheorie der Technik.
3. A. Karlsruhe 2009, online
»Unterwegs-sein« lässt sich als funktionales System im Sinne von Niklas Luhmanns Allgemeiner Systemtheorie deuten. Diese stellt das rekursive Verarbeiten von Informationen in einem sich selbst organisierenden System (ausführlicher siehe dort) in den Mittelpunkt. »Unterwegs-sein« wäre dann ein System, das dem Einfluss der Antagonisten sich fortbewegen von und ankommen unterliegt (s. Scarpi 1992). Ein solches Sinn- und Kommunikationssystem nach Luhmann bedarf jedoch ergänzend der strukturellen Kopplung mit der materiellen Welt über soziotechnische Sachsysteme nach Ropohl 1), dessen personale Systeme (Figuren) in einem dynamischen Verhältnis zu Gemeinschaft und Gesellschaft stehen.
Solche Handlungskreise lassen sich verstehen als »soziotechnische Systeme«, in denen zweckorientiertes menschliches Handeln mit technischen Mitteln (Artefakte, Sachsysteme) und sozialen sowie ökonomischen Folgen und Voraussetzungen verbunden ist.
Konzepte des Unterwegs-Seins wie Gang, Fahrt, Reise, Travel, Voyage, Safari und andere lassen sich als soziotechnisches Handlungssystem interpretieren mit je eigenen Handlungsabläufen.
Das Unterwegs-sein umfasst Phasen, die aufeinander folgen und zyklisch erscheinen, wenn nur die Ortsveränderung gesehen wird. Reisende verändern jedoch sich und ihre Umgebung (Gemeinschaften und Gesellschaften) mehr oder weniger durch ihr Tun. Betrachtet man also deren Zustand, so wird aus dem Zyklus eine Spirale mit ständiger Bewegung: »Man steigt nie in denselben Fluss.« 2)
Die nachfolgenden Handlungskreise bilden Teilsysteme vereinfacht als geschlossene Kreisläufe ab, mit denen jedoch eine Transformation verbunden ist, die mitgedacht werden muss.
Auch Einzelne sind unterwegs auf Kopplungen mit anderen angewiesen:
| soziale Distanz | ortsfest | unterwegs | Dauer |
| Vertraut | Gemeinschaft | Gesellschaft | unbestimmt |
|---|---|---|---|
| Familie, Freunde, Kollegen … | Begleiter | ||
| Reisende | |||
| Gastgeber | Funktionsträger Kundige | ||
| Fremd | Gastfreundschaft | Geleitschaft | festgelegt |
Henderson, Jennifer CarylRichard Norwood und John Newton, zwei Seefahrer, Edward Barlow und Mary Lacy und deren Leben auf See, die weiblichen Reisenden Ann Fanshawe und Lady Mary Coke sowie Thomas Gray und Lady Mary Coke.Rodrigo Jokisch| Reisebilder | Absichten ⇒ | 1 Aufbruch Bindungen lösen | ⇒ | 2 Hinfahrt als weg-von & hin-zu | ⇒ | 3 Ankunft |
|---|---|---|---|---|---|---|
| ⇑ Aufnahme | Wendepunkt ⇓ | |||||
| Weltbild | ⇐ Folgen | 6 Heimkehr | ⇐ | 5 Heimfahrt als Dazwischen | ⇐ | 4 Umkehr |
| Raumvorstellungen | befriedeter Raum | Zwischenraum | Entscheidungs- raum |
Am Anfang steht die Legitimation (im Unterschied zu Flucht, Vertreibung, Verbannung) zum Aufbruch (des Einzelnen, der Gruppe) aus der Gemeinschaft. 'Urlaub' wird gewährt, weil sich die Gemeinschaft davon einen Nutzen verspricht und sei es die Wiederherstellung der Arbeitskraft. Dagegen sind Fernweh, Reiselust, Erlebnis und ähnliches Kategorien des Einzelnen.
Das Unterwegs-sein endet weder am Ziel noch bei der Heimkehr, sondern hat den Charakter eines anhaltenden Prozesses als Handlungskreis, der in allen Beteiligten nachwirkt: in der Herkunftsgesellschaft und bei den Gastgebern, bei Reisenden und deren Gefährten.
Auch sind die Phasen 4 bis 6 nicht einfach ein Spiegelbild der Phasen 1 bis 3 sondern eine Wende, sie kehren die Fahrt um, bieten eine andere Perspektive und unterscheiden sich qualitativ von der Hinfahrt. Das kann jeder erfahren, der eine unbekannte Strecke zunächst in einer Richtung und dann zurück hinter sich bringt oder sich an jenem Scheitelpunkt der Reise befindet, wo er sich für oder gegen eine Rückkehr entscheidet.
Anhand der sechs Phasen werden verwandte Phänomene unterscheidbar:
Diesem Prozess und seinen Phasen eignet eine gewisse Dauer, sonst wäre der Besuch beim Nachbarn oder der Gang zum Briefkasten eine Reise. Da das natürliche Zeitgefühl des Menschen durch den Rhythmus von Tagen geprägt ist, müsste das Unterwegs-sein mindestens sechs Tage dauern, damit jede Phase erlebt werden kann. Ähnlich, doch aus ökonomisch-statistischer Sicht definiert die Fremdenverkehrswirtschaft Reisen mit einer Mindestdauer von fünf Tagen zwischen Aufbruch und Heimkehr.
| Vorbereitung | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| ↓ | ||||||
| Transport | «« »» | Fortbewegung | ← | Ruhe/Rast Bleibe | «« »» | Erholung (Ausspann) |
| ↓ | ↑ | |||||
| Austausch/Transfer | «« »» | Begegnung | → | Rückzug (Cocooning) | «« »» | Sicherheit |
Das Symbol «« »» soll anzeigen, dass dieses Bedürfnis nur in intensiver Kommunikation in der 'fremden' Umgebung befriedigt werden kann (Kommunikation zwischen Mensch und Kultur).
→ Der Alltag unterwegs
| Phase | Bedürfnis | Organisations- systeme | Sach- systeme | Personale Systeme |
|---|---|---|---|---|
| Vorbereitung | Finanzierung | Banken | Geld | |
| Informationen | Informations- sammelstelle | Reiseliteratur | Kundige Begleiter |
|
| Ausrüstung | Technik | Reisegepäck | Dienstleister | |
| Fortbewegung | Transport | Wegenetze | Fuhrwerke | Träger & Führer |
| Begegnung | Austausch: Kommunikation | Sprachen | Zeichen & Schrift | Dolmetscher |
| Austausch: Handel & Geschenke | Märkte | Waren | Gast & Fremder | |
| Legitimation | Grenzen, Ämter | Dokumente | Beamte & Polizei | |
| Rückzug | Sicherheit | Lager, Herberge | Tür, Zaun, Waffe | Wächter |
| Ruhezustand | Erholung | Schlafen & Ruhen | Zelt & Zimmer | Gastgeber |
| Ernährung | Fremdes essen Selbstversorgung eigene Netze | Lebensmittel | Wirt | |
| Hygiene | Bäder, Sauna, WC | Wasser, Seife | ||
| Instandsetzung | Reparatur | Werkzeug | Dienstleister | |
Die Navigation (siehe dort ausführlich) als Kommunikation zwischen Mensch und Natur erscheint als grundlegende Methode immer gleicher Schritte, die je nach Zeiten und Randbedingungen unterschiedlichste Sachsysteme und Organisationssysteme verwendet, gegenwärtig erfolgt die Hinwendung zu smarten, autonomen soziotechnischen Systemen:
| Zielsetzung | ||
|---|---|---|
| ↓ | ||
| Fortbewegung | ← | Raumvorstellungen |
| ↓ | ↑ | |
| Positionsbestimmung | → | Orientierung |
| ↓ | ||
| Routenplanung | ← | Korrektur |
| ↓ | ↑ | |
| Wegfindung | → | Monitoring |
| ↓ | ||
| Ziel |
Sheller, Mimi, John UrryZielsetzung, also Wahl eines Zielortes oder einer Richtung mit unbekanntem Ziel in der Welt oder eine Aufgabe bis hin zum Ende der Welt, siehe auch die Liste von Orten im Rahmen der jeweils vorhandenen Raumvorstellungen im Spektrum zwischen Leere und dem Neuem, angetrieben vom Unterwegs-sein.
Das soziotechnische Handlungssystem des »Unterwegs-sein« wird erklärbar durch das Zielsystem, in das es eingebettet ist, also durch die Interessen aller daran Beteiligten, durch den legitimen Aufbruch der Fahrenden, deren Handlungsfreiheiten und deren Wertschätzung durch die (immobile) Gemeinschaft. Diese Interessen sind geprägt durch das Weltbild der Gemeinschaft und durch das Reisebild der Fahrenden. Vorstellungen und Notwendigkeiten ergeben Muster meist legitimierter Fahrten wie beispielsweise:
| Primärziel | Sachsystem | Personale Systeme | Organisationssystem |
|---|---|---|---|
| Sinnsuche | Pilgerstab Krummstab | Pilger Wandermönche Peripatetiker | peregrinatio Mission |
| Suche nach Heimat | Camouflage | Exilierte Auswanderer Flüchtlinge | Flüchtlingslager, Grenzregime, Asylverfahren |
| altes Wissen tradieren | Rednerstab | Wanderpoeten, Rhapsoden | Kult |
| neues Wissen erkunden | Meßstab, -seil Hodometer Wegzeichen & Aufzeichnung | Kundschafter Bematisten, (Agri)mensores | Kartographie Vermessung |
| Nachrichten austauschen | Botenstab | Boten Gesandte | Botschaft Sendung |
| Waren herstellen | Rohstoffe Werkzeug | Wanderschmiede Wandergesellen | Handwerk, Gesellenwanderung |
| Waren erbeuten | Beute (Plunder) Waffen | Reisige | Krieg |
| Waren austauschen | Waren Transport- & Tragetechnik | Fahrende Händler | Handel, Märkte, Verkehr, Netze |
Bei allen Unterschieden der Interessen macht der Weg alle Figuren zu Weggenossen und Kundigen, die gleichermaßen vorhandene Sachsysteme und Organisationssysteme für Fortbewegung und Transport verwenden.
Unterschiede lassen sich äußerlich erkennen an der Art der Kleidung sowie in in der besonderen Legitimation des Unterwegs-seins der Stabträger. So diente die Kopfbedeckung als Distinktionsmerkmal (engl. dresscode, lat. narratio per vestimentum): breitkrempiger Pilgerhut (petasos), krempenlose Filzkappe (pilos), kapuzenartige Gugel mit Nacken- und Schulterteil, spitzer Kapuzenmantel (cucullatus), gehörnter Judenhut (pileum cornutum) 3) und andere 4).
→ Das Bild der Reise im Handlungskreis
Wer allein unterwegs ist, muss autonom handeln und autark sein, anschaulich praktizieren dies beispielsweise Bergsteiger, Einhandsegler, Extremreisende.
Aus Bedürfnissen (etwa den Weg zu finden), leiten sich Funktionen ab (führen, leiten), die mehr oder weniger durch externe Systeme substituiert werden können. Verschiedene Rahmenbedingungen ergeben unterschiedliche Lösungen: Führer, Karten, Reiseführer, Hinweise (Zeichen, Schilder), digitale Leitsysteme.
Dadurch entsteht ein Handlungsspektrum zwischen völliger Autonomie eines unabhängigen Akteurs und Autarkie (Ressourcen-Unabhängigkeit) einerseits und dem gedankenlosen Befolgen von Anweisungen andererseits. Als Kriterien wirken dabei Bequemlichkeit, die Grenzen eigener Fähigkeiten und Fertigkeiten (etwa Kartenlesen), Kosten, Aufwand. Substitution ist jedoch in der Regel mit einer Funktionserweiterung verbunden, so dass die Auswahl eines geeigneten Systems insbesondere für Reisende nicht durch technologische Akkumulation oder Overengineering (»[wiki:immermehrismus|Immermehrismus]]«) bestimmt sein kann, sondern vielmehr durch Einfachheit. Das führt zuerst zu mobilen Insellösungen und erst später zu stationären Funktionsträgern im Rahmen von räumlich ausgedehnten Systemen, beispielsweise:
| Funktionen | Substitution durch | |||
|---|---|---|---|---|
| personale S. Figuren | Nutztiere | Sachsystem | Makrosystem | |
| Nachrichten überbringen | Boten | Brieftauben | Schrift Codes | Wegesystem |
| schnell sein | Reiter | Reittiere | Stationen | Beförderungssystem |
| den Weg finden | Führer | Spürhund | Steinmann Reiseführer Karten | Navigationssystem |
| Lasten tragen | Träger | Lasttiere | Zugtiere Fuhrwerke | Transportsystem |
| Massen in Verkehr bringen | Fuhrmann | Karawanen | Floß, Boot Fahrzeug > Flugzeug | Fuhrwesen, Verkehrssystem |
| Gefahren abwehren | Leitsleute | Kampfhund | Stab, Stein > Waffen | Geleitswesen |
| sicher ruhen | Wächter | Wachhund | Versteck, Höhle Herberge | Beherbergungs- gewerbe |
»Substitution« vereinfacht den Vorgang, denn damit ist in der Regel keine Eins-zu-Eins-Auswechslung verbunden, sondern auch eine Verschiebung von Möglichkeiten und Bedingungen, insbesondere beim Aufbau eines Makrosystems (Infrastrukturierung).
Boten haben das primäre Ziel, eine Nachricht zuverlässig und möglichst schnell an ein bestimmtes Ziel zu bringen. Diese Fokussierung erfordert es mindestens für Fernboten, möglichst viele Funktionen zu substituieren, die ihr Primärziel beeinträchtigen: den Weg zu finden, Nahrung und Wasser zu erhalten, eine geschützte Bleibe für die Nacht zu haben usw., verlangt also ein Beförderungssystem mit stationären Lösungen.
Fahrende Händler haben das primäre Ziel, möglichst viele Waren sicher an ein bestimmtes Ziel zu bringen. Primär substituiert werden dazu die Funktionen 'Lasten tragen' und 'Sicherheit'. Dies gelingt am einfachsten durch das Bilden großer Gesellschaften (Karawane, Hansen) mit Frachtkapazitäten (Kamele, Ochsen, Boote), jedoch auf Kosten der Geschwindigkeit.
Organisationssysteme zur Sicherung der Mobilität sind durch ihre Zielsetzung und ihren Funktionsumfang (s.o.) charakterisiert, beispielsweise
In der Literatur wird meist nicht unterschieden zwischen Wegenetzen und Organisationssystemen. Wegenetze sind eine notwendige Voraussetzung für unterschiedliche Organisationssysteme, jedoch nicht hinreichend. Erste Wegenetze entstehen durch Gebrauch (Trampelpfade), natürliche Übergänge (Pässe, Wasserscheiden) und Durchgänge (Furten, Lichtungen) sowie gemeinsame und wiederkehrende Ziele vieler Nutzer: Gesellenherbergen für die Gesellenwanderung, Pilgerhospize auf dem Weg zum Pilgerziel, Klöster für Visitationen, Pfalzen für die Reichsverwaltung. Dabei bilden sich Netze (engl. network) mit Knotenpunkten (nodal point), die in jedem Fall verbindend wirken (nexus, junction). Als Gabelung oder als Kreuzweg (crossroad) werden sie zu einem Ort für Entscheidungen.
Daraus erwachsen institutionalisierte Praktiken und nachfolgend Organisationen (Infrastrukturierung) entweder
Rechtliche, ökonomische und soziale Institutionen (Geleitswesen, Post, Hanse) bilden zusammen mit Wegenetzen Organisationssysteme der Mobilität. Eine herausragende Bedeutung macht sie zur Drehscheibe (hub) zahlreicher Verbindungen. Venedig, Byzanz, Zypern … werden oft mit solchen Attributen versehen.
Exemplarisch deutet das folgende Raster ansatzweise an, wie Organisationssysteme analysiert werden können. Auf der Mikroebene erscheint der Akteur mit seiner individuellen Ausrüstung, auf der Mesoebene erscheint der Akteuer in der Begegnung mit externen Systemen (Knotenpunkt, Station, Herberge …) und auf der Makroebene findet sich das transregionale Infrastrukturnetz mit dem Fluß von Stoff, Energie und Information zur Aufrechterhaltung des Netzes.
| Institution | Stoff | Energie(-träger) | Information |
|---|---|---|---|
| Mikrosysteme | |||
| Führer | Stab, Licht | spuren | Wegfindung |
| Träger | Reisegepäck | Nahrung | Lastenorganisation |
| Tierführer | Lasten | Futter | Tierhaltung |
| Fuhrmann | Fuhrwerk | Zugtiere | Tierhaltung Fuhrwerktechnik |
| Fahrer | Wagen | Treibstoff | Steuerung Fahrzeugtechnik |
| Fährmann | Fähre, Boot | übersetzen (Energie von Muskeln, Strömung, Wind …) | Anlegestellen, Strömung, Untiefen |
| Dolmetscher | Wörterbuch | übersetzen durch mentalen Aufwand | Sprachen |
| Gastgeber | Unterkunft | Wärme, Nahrung | Kontakte |
| Weidmann Waldläufer | Waffen, Fallen | Nahrung | Jagd |
| Mesosysteme | |||
| Herbergen | Raum, Bett | Heizung, Licht | Reservierungen, Gästebuch |
| Rastplätze | WC, Essen & Trinken | Treibstoff, Druckluft | Orientierung, Information |
| Werkstätten | Werkzeuge | Elektrizität, Gasflaschen | technisches Know-How |
| Makrosysteme | |||
| Wege- & Straßennetz | Weg, Straße | Räumen, Herstellen | Verkehrsregeln |
| Verkehr | Verkehrstechnik | Treibstoffversorgung | Know-How Fahrplan |
| Versicherungen (ADAC, Geleitswesen) | Schutzbrief | Normen | |
| Handel | Warenstrom | Transport | Markt |
| Orientierung | Steinmann Wegweiser als Kette/Netz | Verirren | Kartographie |
Sachsysteme sind bestimmt durch ihren Funktionsumfang und ihre Wirkung auf Stoff, Energie und Information.
Sachsysteme sind nicht einfach vorhanden, sondern müssen geschaffen werden, werden also im Entstehungszusammenhang zum Ziel des Handelns. Das Produkt enthält die im Entstehungsprozess kodierte Information, etwa durch die Form des Hammers. Dieser enthält das Erfahrungswissen des Herstellers nun als Objektwissen.
Im Verwendungszusammenhang sind sie dagegen ein Mittel des Handelns. Reisende müssen also vor dem Aufbruch ihre Bedürfnisse bestimmen und die dazu geeigneten Sachsysteme auswählen. Wer das nicht kann, unterliegt dem Law of the Instrument. Das Sachsystem bleibt nutzlos ohne das Subjektwissen (Können/Fertigkeiten).
In beiden Fällen werden Sachsysteme zum Teil eines Handlungskreises und damit zum dynamischen Stoff-, Energie-, Informationsfluss. Dieser läst sich beobachten und messen.
Ein Ding ist das kleinstmögliche Element im Sachsystem. Ein Sachsystem funktioniert, wenn die funktionalen Eigenschaften des Sachsystems (Leistungs- oder Systemparameter) den Anforderungen entsprechen. Die Anforderungen ergeben sich aus den Bedürfnissen, die Verfügbarkeit der Sachsysteme ist zeitgebunden.
Hörning, Karl H.Sachsysteme erhalten erst durch das Handeln eines Akteurs (Reisende) einen Sinn. Die Vielfalt der Reiseformen erschließt sich auch über die verfügbaren Sachsysteme, die formaltechnisch immer aus drei Perspektiven betrachtet werden können und als Teil der Handlung betrachtet werden müssen:
| Bedürfnis | Basis-Sachsystem | Basis-Transport | … | Stand der Technik |
|---|---|---|---|---|
| Tragen | Tragestange Gürtel | Dose, Netz, Korb Beutel, Sack | … | Rucksack |
| Trinken | Wasser | Lederbeutel Kalebasse | … | Trinkbeutel |
| Nahrung | Wegzehrung | Proviantbeutel | … | Trekkingnahrung |
| Wetterschutz | Reisekleidung | Kapuzenmantel | … | Fleece & Gore-Tex |
| Wärme | Lagerfeuer | Glutdose | … | Feuerzeug |
| Schlafen | Fell, Matte, Decke | Bettrolle | … | Feldbett, Hängematte, Schlafsack |
| Lagerplatz | Höhle, Shelter | Biwaksack, Tarp | Unterkunft: Biwak, Dachzelt, Zelt | |
| Hygiene | Wasser, Kamm Kaustöckchen | Gürteltasche | … | Waschtasche, Bäder |
| Werkzeuge | Stab | Gehänge | … | Leatherman |
| Positionsbestimmung | Indischer Kreis (Stab & Seil) | … | Kompass, GPS |
Sachsysteme unterliegen den Zeitläuften, den regionalen Bedingungen, den individuellen Möglichkeiten wie beispielsweise an den folgenden Teilsystemen im Bereich Transport erkennbar wird:
Personale Systeme sind bestimmbar durch ihre Funktionen und ihr Zielsystem. Wiederkehrende Funktionen und Ziele manifestieren sich in Rollen und Figuren. Diese lassen sich im soziotechnischen Handlungsablauf differenzierter betrachten, indem ihre Funktionen nicht nur im Verhältnis zum Reisenden sondern auch zu (Herkunfts-, Ankunfts-)Gemeinschaft und (Reise-)Gesellschaft untersucht werden.
→ Rollen und Figuren
Unterwegs ist der Reisende ein Fremder und bestenfalls ein geduldeter Gast auf Zeit. Der Wechsel zwischen den Rollen ist mit einem Vertrauensvorschuss verbunden und den Pflichten des Gastes, seinem sozialen Status dem Gastgeber gegenüber gerecht zu werden. Dazu gehören etwa gegenseitige Gefälligkeiten, gemeinsames Essen, kein Widerspruch …
Heimkehrend fällt der Reisende aus der Rolle des Urlaubers (im alten Wortsinne der, dem erlaubt war, sich zu entfernen) wieder zurück in seine alte Rolle in der Gemeinschaft. Bedingt durch neue Erfahrungen passt die Rolle aber nicht mehr, so dass nun beide Seiten einen neuen Umgang miteinander finden müssen (Rollendistanz). Der Rückkehrer ist ein Außenseiter, ein Kundiger, der durch die veränderte Weltanschauung Befremden auslöst und dem leicht die Rolle des Tricksters oder Narren zugewiesen wird.
Vertrauliche Kommunikation gibt es nicht umsonst. Höflichkeit als unpersönliche Handlungsform ist ein Teil der Annäherung. Dagegen wirkt der Verweis auf normerfüllendes Verhalten unverbindlich und distanzvergrößernd.
Helmuth PlessnerPhillips, William D. jr.Cornel ZwierleinTheoklitos Polyeidis and the agency of perambulating Greek alms collectors in the Holy Roman Empire (18th Century)Henry Oldenburg and the Early Royal Society of LondonHeraklit, 540−480 BCNaomi LubrichKneisel, Jutta